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Als die Lenneper Oberschüler noch Mützen trugen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Das Osterfest naht, und ein Gruß aus Lennep mit einer historischen Postkarte ist da nicht unangebracht. Das Gasthaus am Alten Markt namens "König von Preußen" gibt es heute noch. Die Geschichte dieses Lokals, später zum Hotel ausgebaut und mit einem großen Saal auf der Rückseite, in dem ich mich in meiner Jugend noch an Theaterproben beteiligte, geht weit ins 19. Jahrhundert und noch weiter zurück. Zahlreiche Lenneper Traditionsvereine, wie z.B. die Freiwillige Feuerwehr oder die Schützen, feierten früher dort ihre Feste. Wie viele Wirte werden da wohl Eigentümer und Pächter gewesen sein? Auf verschiedenen historischen Ansichtskarten kann man mindestens fünf oder sechs ausmachen.

Auf unserem heutigen Bild liest man den Namen von Robert Hildebrandt, den man z.B. im Lenneper Adressbuch von 1902 wiederfindet. Die Ansichtskarte zeigt auch das alte Amtsgericht, 1791 erbaut und 1945 durch Kriegseinwirkung zerstört, das von 1836 bis 1891 als Rathaus und anderen Verwaltungszwecken diente. Als massives Steinhaus und auch in der architektonischen Form passte es von Anfang an nur schwer zur Lenneper Altstadt mit seinen Fachwerkhäusern.

Eine weitere bis heute eindrucksvolle Örtlichkeit in Lennep ist natürlich die Wetterauer Straße (auf der zweiten "colorierten" Abbildung links in der Zeit kurz nach 1900 zu sehen). Worauf der Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Name der Straße zurückzuführen ist, ist  unbekannt. Auch die Buchhändlerfamilie Schmitz aus der Wetterauer Straße, in Lennep seit 1850, einst auch mit Verlag und Druckerei, ansässig, machte sich darüber Gedanken, so steht es in einem alten Zeitungsartikel, und sie fand auf alten Karten in Richtung Siegen und Hessen den Namen Wetterau, bei Geografen und auch bei Matthäus Merian natürlich in der altertümlichen Form "Wetteravia".

Wetterauer Straßen gab es früher übrigens häufiger im Bergischen Land, und sie hatten wohl mit den uralten Handelswegen zu tun, die beispielsweise von Solingen und Remscheid über Hückeswagen, Wipperfürth und Rönsahl, also über das eisenfördernde Siegerland nach Hessen führten, wo es bekanntlich bis heute die Region der "Wetterau" gibt, die mit ihren Grenzen im 19. Jahrhundert anders als heute weit in das Preußische Gebiet hinein ragte.

Aber wie dem auch sei, uns Heutige sollen jetzt eher die Bewohner und Geschäfte in der Wetterauer Straße interessieren, so wie sie auf unserer ca. 120 Jahre alten Ansichtskarte verewigt sind. Geschichtsinteressierten Lennepern ist natürlich die ehemalige Buchhandlung Richard Schmitz bekannt, vielen wohl auch das Kaufhaus Dörrenberg, das nach und nach in der Wetterauer Straße, später dann in der Kölner Straße unterhalb des Kölner Tors am Kraspütt und zuletzt als Vorläufer von Karstadt/Hertie an der Ecke Kölner und Wupperstraße residierte. Dort ist der Altbau vom Beginn der 1910-er Jahre mit mannigfaltigen Veränderungen  noch heute präsent.

Auch das ehemalige Café Grah kennen wir. Als Röntgen-Schüler gingen wir samstags nach dem Unterricht immer dorthin, nachmittags oft auch in die dazugehörige Milchbar mit ihrer Music Box. Ich höre es noch wie heute: Connie Francis sang 1964 "Schöner fremder Mann". Allerdings war das Café Grah auf dem vorliegenden Bild aus der Zeit um 1900 so noch nicht vorhanden. Vielmehr hatte dort längere Zeit der Conditor und "Cafetier" Richard Isenburg sein Geschäft, ein sehr geschichtsinteressierter Lenneper.

Die ursprüngliche "Markt-Apotheke", deren spätere Form manche von uns noch mit dem Namen Kreth verbinden, lag mit ihrem Verkaufsraum seinerzeit nicht an der Hausecke gegenüber von Schmitz` Buchhandlung, sondern links daneben in dem großen bergischen Haus. Dessen Besitzer Emil Halbach verdiente wohl gut, er ließ sich später in der nach ca. 1904 neu angelegten Schillerstraße von der Lenneper Firma Wender & Dürholt eine großzügige private Villa im "altbergischen Styl" errichten. An der Straßenecke auf unserem Bild gab es vielmehr die "Huthhandlung" von Karl Isken jr., was auf unserem Bild sehr gut zu erkennen ist. Links neben dem Kaufhaus Dörrenberg sehen wir noch das Schuhwarengeschäft von Wilhelm Bremicker und ganz, ganz hinten links die am Schieferhaus angebrachte Werbung der Firma Hermann Platte. Im Adressbuch wurde 1902 dazu auch "Uniformmützenfabrik" angegeben. In diesem Geschäft wurden fast bis in unsere Zeit Hüte, Zylinder, Mützen und Schirme verkauft, manches davon habe ich noch zuhause, einen wesentlichen Anteil am Verkauf hatten in früher Zeit auch die Schülermützen der Höheren Schüler, also der Lenneper Oberrealschüler und Gymnasiasten.

Allen Freunden Lenneps und des Bergischen Landes nunmehr eine besinnliche Karwoche und ein schönes Osterfest.

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