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Gelungene Restaurierungen am Lenneper Gänsemarkt

Von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Huch, plötzlich ist am Gänsemarkt in Lennep der Osterhase im Bild. Der Gänsemarkt war, wie wir heute ja wissen, niemals ein solcher, denn selbst in der Zeit als bedeutende Kreisstadt war die altehrwürdige ehemalige Hauptstadt im Bergischen Land nicht groß genug, um mehrere einzelne Märkte zu haben, einen Kornmarkt, Fischmarkt oder Eisenmarkt z.B. Vielmehr erklärt sich  ja der Name Gänsemarkt durch den Namen einer frühen Familie, wie so oft in Lennep, etwa bei den Bezeichnungen Knusthöhe, Albert- oder Karlshöhe.

Der Gänsemarkt trug im frühen 19. Jahrhundert übrigens einen anderen Namen, nämlich Poststraße, und diese Straße führte von der Schwelmer Straße tatsächlich in die Richtung der Lenneper Poststation „vor dem Lüttringhauser Tor“ am späteren Kaiserplatz und Mollplatz bzw. zu den Anfängen der späteren „neuen Poststraße“ und Lüttringhauser Straße.

Der Gänsemarkt wurde in jüngster Zeit besonders wegen der bis jetzt nur teilweise erfolgten Instandsetzung von Röntgens Geburtshaus erwähnt, es gab dort aber in den letzten Jahrzehnten auch mehrere aufwendige und gelungene Restaurierungen weiterer Häuser, und bei geschichtsinteressierten Mitbürgern ist noch bekannt, dass es am Gänsemarkt ganz früher auch Bildungseinrichtungen für sog. „Höhere Töchter" gab, u.a. ein „Kreis-Lyzeum“.

In der nationalsozialistischen Zeit endete die Geschichte der Viehhändler- und Hausierer-Großfamilie Isaak (Gänsemarkt 24). Heute erinnern an sie vor dem Neubau ihres ehemaligen großen Wohnhauses nur noch so genannte Stolpersteine. Viele Lenneper kannten auch  den Metzger Drösser in Röntgens Geburtshaus und ein Stück weiter die Bäckerfamilie Willmund. Gegenüber gab es lange Zeit die uralte Restauration von Wilhelm Windgassen (zuvor Spiecker und Becker), in der es irgendwann auch mal eine Schießerei gegeben haben soll. Daher kam angeblich der Beiname der Wirtschaft „blutiger Teppich“. In den 1920er Jahren befand sich dort das Parteilokal der KPD.  

Berichten älterer Lenneper zufolge hatte das Lokal im Bürgertum nicht den besten Leumund, was ich sogar als ganz in der Nähe aufgewachsenes Kind der 1950er Jahre noch bezeugen kann, und als „anständige Frau“ ging man da nicht hin. Vieles weitere könnte man noch vom Gänsemarkt erzählen. Unter anderem wohnte dort ursprünglich auch ein Zweig der Familie Mittelstenscheid bzw. Middelsten Scheid, die Gaslampen jeder Art, „messingene und bronce“, verkaufte. Sie war übrigens schon ein halbes Jahrzehnt vor Gründung der Buchhandlung Schmitz im Jahre 1850 auch in Sachen Buchbinderei und Buchbeschaffung tätig. Überregional handelte man sehr erfolgreich in der zweiten Generation mit den sog. Bergischen Gold- bzw. Münzwaagen.

Das erste originale Exemplar dieser Waagen sah ich übrigens nicht in unserer Heimatstadt Lennep, sondern im Heimatmuseum - und zwar im oberbayerischen Garmisch-Partenkirchen.  Natürlich war ich da auf einer Dienstreise in Sachen „Rettung historischer Buchbestände“. Der Weg der genannten Familie Middelsten Scheid bis zu den heutigen Kobold-Staubsaugern und Küchenmaschinen von Vorwerk, wäre schon wieder eine ganz eigene Geschichte. Aber wir wollen es an den Osterfeiertage gemächlich angehen und folgen deshalb unserem Osterhasen vom Gänsemarkt zurück in die schöne sonnige Natur.

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