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Ein heißes Eisen an einem Abend reichte offenbar

Jedwedes Leben in den Erdgeschossen ist besser als Leerstand!“, sagte am 27. Oktober 2017 auf einer Fachtagung im Remscheider Rathaus Dr. Ares Kalandides vom Stadt- und Regionalentwicklungsbüros INPOLIS. Ganz anderer Meinung ist Edgar Neufeld, Stadt- und Immobilienentwickler aus Bochum, der die ISG Alleestraße schon seit zwei Jahren berät. Ein leerstehendes Ladenlokal an der unteren Alleestraße als Wohnung – für ihn nur schwer vorstellbar. Wer würde da schon gerne wohnen wollen? Neufeld sprach gestern auf der Kleinkunstbühne der „Schatzkiste“ am Markt vor Immobilienbesitzern und Einzelhändlern von der „Allee“. Im Saal und auf dem Podium auch Vertreter der Stadtverwaltung: Der technische Beigeordnete Peter Heinze und die Stadtplanerin Christina Kutschaty, Leiterin des Fachdienstes Stadtentwicklung, Wirtschaft und Liegenschaften. Sie alle waren von Centermanager Nelson Vlijt, dem Vorsitzender der ISG Alleestraße, und ISG-Geschäftsführer Ralf Wieber eingeladen worden, um „eine fachlich fundierte, realistische und umsetzbare Vision für die Zukunft der gesamten Alleestraße“ (aus der Einladung) kennenzulernen. Zu dieser gehört auch eine Öffnung der unteren Alleestraße für Pkw.

Edgar Neufeld stellte die Vision vor. In deren Mittelpunkt: eine „neuen Mittleren Alleestraße“. So ganz neu war die allerdings nicht. Auf einer Pressekonferenz hatte die ISG ihre Ideen für eine Alleestraße als Erlebniszone bereits am 4. Februar vorgestellt. „ISG sieht für Pavillons keine Überlebenschance“, schrieb der Waterbölles damals. Und diese Aussage bekräftigte Neufeld gestern gleich mehrfach. Die Pavillons stünden dem Gebot „Sehen und gesehen werden“ diametral entgegen.

Das gefiel Peter Heinze und Christina Kutschaty anscheinend nicht. Da seien noch viele Gespräche notwendig, auch mit der GEWAG und den Mietern der Pavillons, meinten sie, und wiesen den Bochumer Standortentwicklers Edgar Neufeld, in seine Funktionsschranken: Er habe ein „Anreizkonzept“ (Heinze) vorgestellt, in dem die Interessen der Hauseigentümer und Einzelhändler im Vordergrund stünden. Zu berücksichtigen seien aber auch die Interessen der Hausbewohner an der Alleestraße, und die stünden Pkw skeptisch gegenüber. Das erfordere ein „Konsens-Konzept, tragfähig für alle Bürger, nicht nur auf die Erdgeschosse bezogen“ (Kutschaty). Bei der Planung müsse man im Übrigen auch die Rückseiten der Häuser berücksichtigen. Auf das künftige „Sanierungsgebiet Alleestraße“ angesprochen und auf einen Satz im RGA, dadurch ließe sich „Druck auf die Immobilienbesitzer“ ausüben, sagte die Planerin diplomatisch, es  gebe gegenwärtig „zu wenig Eigentümer, die sich engagieren wollen!“

Gastgeber Dr. Volker Schatz hatte das zu Beginn der Abend in Klartext so formuliert: „Jeder Immobilienbesitzer an der Allee beklagt, dass alles den Bach runter geht. Einer wartet auf den anderen, aber keiner tut was. Sie müssen loslegen, die Sache einfach anpacken. Schauen Sie sich ihre Immobilien mal genauer an: Was müsste passieren, damit Sie selbst dort einkaufen wollten?“ Und dann, auf seine Investition die „Schatzkiste“ und das darunterliegende Restaurant (ab September) anspielend: „In 100 Jahren weiß niemand mehr, wieviel ich auf dem Konto gehabt habe. Aber wenn es mir gelingt, die Welt ein kleines Quäntchen besser zu machen, dann wird sich vielleicht noch jemand an mich erinnern! Geld macht nur Spaß, wenn man es ausgibt!“ [Man müsse es allerdings erst einmal haben, um es ausgeben zu können, meinte ein Zuhörer und zweifelte daran, dass sich größere Investitionen an der Allee überhaupt lohen würden, etwa ist kostspieliges Gaststätteninventar (Küchenentlüfter, Fettabscheider).]

Der Stillstand auf der Allee liege allerdings nicht an den Mieten der Ladenlokale, so Schatz. Die lägen inzwischen bei fünf Euro pro Quadratmeter und noch darunter. Leicht sei es allerdings nicht, an eine Vision zu glauben und für sie zu kämpfen, räumte er ein und nannte als Beispiel seinen Antrag bei der Stadt, am Haus der „Schatzkiste“ ein Hinweisschild anbringen zu dürfen. Die vorgesehene Schriftgröße sei mit Hinweis auf den Denkmalschutz der gegenüberliegenden Böker-Villa moniert worden. (Waterbölles: Wer im denkmalgeschützten Rathaus hat eigentlich d e s s e n Umfeld im Blick?)

„Wir müssen auf der Alleestraße Erlebnisse schaffen“, forderte Nelson Vlijt (die Zuhörer auf). „Das wäre ein klarer Vorteil gegenüber Amazon!“ Gegenwärtig  „glaubt keiner an die Zukunft“, bedauerte Edgar Neufeld. „Remscheid hat seit Jahren ein Image-Problem. Das belastet!“ Dagegen helfe nur geschlossenes Handeln: „Zehn Gastronomen auf der mittleren Alleestraße haben größere Chancen als ein einzelner!“ Damit war der von ihm konzipierte „Tötter-Platz“ mit Holzbelag gemeint in Höhe der Wiedenhofstraße mit zielgruppenspezifischen Treffpunkt-Angeboten (für Senioren wie für Jugendliche), konkret: Interaktive Spielelemente, Aufenthaltsflächen für Familien mit Kindern, Sitzgelegenheiten im Straßencafé bzw. ohne Verzehrzwang auf der schattigen Südseite, Jugendtreff mit Eisdiele).

Peter Heinze warnte vor einer Planung „Holter die Polter“. Kommentar von Edgar Neufeld: „Hier belauert jeder jeden!“ Und Moderator Horst Kläuser: „Ich bin jetzt 63. Werde ich eine neue Alleestraße wohl noch erleben?!“ Merke: Ein Sanierungsgebiet ist nicht selten auf zehn Jahre angelegt. Von den für diesen Bereich geplanten Revitalisierungsmaßnahmen seien einige bereits gestrichen worden, verriet Ralf Wieber, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Er bemühte sich zaghaft, die gegen Ende der Veranstaltung angespannte Atmosphäre zu lockern: Vielleicht könne man ja mal mit der Abbruch eines Pavillons anfangen.

Locker hatte Moderator Horst Kläuser den Abend begonnen: „Zwei schreckliche Erlebnisse an einem Tag – Regen und die Alleestraße – das ist zu viel.“ Einer Straße, an der er nur „Dorfschänken“ kenne, die einer Großstadt nicht gerecht würden, kritisierte Gastgeber Dr. Volker Schatz. Vom Umbau des Friedrich-Ebert-Platzes mit Millionenaufwand war übrigens nur ein einziges Mal die Rede. Ein "heißes Eisen" an einem Abend, die Alleestraße, reichte den Anwesenden offenbar.

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Kommentare

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Jochen Rohr am :

Wir müssen das Thema- Zukunft der Alleestraße- behandeln - und es uns nicht wegen Randerscheinungen abhandenkommen lassen! Konstruktiv muss die Zusammenarbeit weitergehen! (Eintrag in Facebook)

Markus Kötter am :

Dieses Verhalten der Verwaltung gegenüber Bürgerschaft und Politik ist leider kein Einzelfall. Die Verhaltensweisen der Verwaltungsleitung ist tw. sehr auf Abwehr ausgerichtet. Ich könnte einige sehr aktuelle Beispiele benennen. (Eintrag in Facebook)

Burkhard Mast-Weisz am :

Ich habe in den beiden letzten Tagen sowohl mit Ralf Wieber als auch mit Christina Kutschaty gesprochen. Wir sind uns alle einig, dass es nur gemeinsam geht! (Eintrag in Facebook)

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