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Neue Clearingstelle für “abgetauchte“ junge Menschen

„FiveSeven“ steht für Nordstraße 57. Das frühere Ladenlokal ist ab sofort montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr d i e Anlaufstelle für „verschwundene“, “abgetauchte“ junge Menschen. Ihre Zahl schätzt Dirk Faust, Geschäftsführer des Jobcenter Remscheid, auf 60 bis 80. Andere Statistiken gehen von einem Prozent aller jungen Leute zwischen 16 und 25 Jahren aus, die in  einer Stadt aus dem sozialen Netz gefallen sind. In Remscheid wären es dann etwa 120, so Ralf Barsties, Geschäftsführer der Arbeit Remscheid gGmbH. Aber wie auch immer – es sind zu viele! Bundesweit! Das hat auch die Bundesregierung eingesehen und den Jobcentern Geld zur Verfügung gestellt (nach § 16h SGB II), um jungen Menschen, die von der Arbeitsverwaltung nicht (mehr) erreicht werden konnten, durch intensive individuelle Beratung und Betreuung dabei zu unterstützen,

  • ihre individuelle Schwierigkeiten zu überwinden,
  • Leistungen der Grundsicherung (wieder) in Anspruch zu nehmen und
  • die Bereitschaft für schulische, ausbildungsbezogene Qualifikation und/oder eine Arbeitsaufnahme zu entwickeln.

Dem Jobcenter Remscheid steht für die neue Maßnahme in diesem und den nächsten beiden Jahren jeweils eine sechsstellige Summe zur Verfügung. Erste Maßnahmeträger (bis Mai 2020) sind das Sozialpsychiatrische Zentrum für psychosoziale Beratung, Rehabilitation und Integration gGmbH (SPZ) und die Arbeit Remscheid gGmbH. Deren Geschäftsführer Willi Vögeli und Ralf Barsties gingen in der gestrigen Pressekonferenz, auf der die neue, niederschwellige Anlaufstelle vorgestellt wurde, davon aus, bei Erfolg vom Jobcenter auch in den beiden folgenden Jahren unter Vertrag genommen zu werden, mit dem Sozialdezernat und dem Jugendamt der Stadt Remscheid als wichtigem Kooperationspartner. Sozialdezernent Thomas Neuhaus begrüßte das neue Angebot gestern ausdrücklich in Anbetracht von 400 arbeitslos gemeldeten Jugendlichen in  Remscheid und weiteren 400 in Arbeitsförderungsmaßnahmen der Agentur für Arbeit. Bei stagnierender oder gar wieder zunehmender Jugendarbeitslosigkeit in Remscheid sei es wichtig, alle Möglichkeiten auszuloten, um junge Menschen zu erreichen und zu unterstützen.

„Die Förderung umfasst Betreuungs- und Unterstützungsleistungen mit dem Ziel, dass Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende in Anspruch genommen werden, erforderliche therapeutische Behandlungen eingeleitet werden und an Regelangebote zur Aktivierung und Stabilisierung und eine frühzeitige intensive berufsorientierte Förderung herangeführt wird“, sagte gestern Dr. Klaus Kahnert, stellv. Geschäftsführer des Jobcenters Remscheid.

„Schwer erreichbar“ sind für die Behörden solche jungen Menschen

  • die aus sämtlichen institutionellen Kontexten herausgefallen sind,
  • die nicht zur Schule gehen (Schulverweigerer),
  • die keiner Ausbildung oder Arbeit nachgehen,
  • die ein geringes Selbstvertrauen besitzen,
  • die keine Sozialleistungen (mehr) beziehen und/oder
  • die teilweise wohnungslos sind.

Diese jungen Menschen haben keinen oder wenig Kontakt zum Elternhaus, zur Schule, zur Arbeit und zum Jobcenter. Außerdem stammen sie häufig aus sozial schwachen Familien, die ihnen den nötigen Rückhalt nicht bieten können. Viele von ihnen sind psychisch belastet, haben Gewalterfahrungen gemacht, konsumieren Drogen und/oder Alkohol, haben Schulden oder sind bereits straffällig geworden. Sie alle haben eine Karriere des Scheiterns hinter sich, und nicht selten sind sie misstrauisch gegenüber Institutionen, gegenüber allen, die ihnen ihre Hilfe anbieten. Dennoch entscheiden sich nicht alle aktiv gegen die Beantragung von Sozialleistungen oder die Annahme von Hilfen. Oft steckt Überforderung dahinter. SPZ-Geschäftsführer Willi Vögeli: „Jugendliche, auf die unser Angebot abzielt, haben nicht die nötige Unterstützung erfahren, um sich eigenständig um ihre Belange kümmern zu können, das fängt beim Arztbesuch an und endet bei der Beantragung von Zeugnissen. Sie wissen nicht, wie sie ihr Leben selbst meistern können. So lautet ihr oberstes Ziel „irgendwie überleben!"

Auf diese jungen Menschen mit elementaren Bedürfnissen wartet künftig im Café des  „FiveSeven“ an der Nordstraße auf 2,5 Vollzeitstellen ein engagiertes Team, das die Problemen ihrer Besucher ernst nimmt. Es besteht aus Moritz Chaborski (Sozialpädagoge), Annika Girbig (Sozialarbeiterin und bei der Arbeit Remscheid Bereichsleiterin U 25), Michael Raschke (Psychologe) und Eva Frank (Hauswirtschafterin). Sie verstehen sich als Ansprechpartner, Unterstützer, Begleiter, Händchenhalter, Gesprächspartner, Anleiter u.v.m. - kurz gesagt „Möglichmacher". Im „FiveSeven“ können junge Menschen Wäsche waschen, Essen kochen, Spiele spielen, Grundhygiene betreiben. Sie kommen in Kontakt mit anderen in der gleichen Situation und finden einen Ort an dem sie willkommen sind. Und wer nicht von sich aus dorthin findet, wird draußen, auf der Straßen, an öffentlichen Treffpunkten gesucht. Im Fachjargon heißt das „“aufsuchende Sozialarbeit“. Unterstützt wird das Team dabei von Jugendsozialarbeiterin Heidi Wolf und Streetworker Marcel Gratza (beide vom Fachdienst Jugend der Stadt Remscheid). Sie gehen ebenfalls dorthin, wo die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich aufhalten.

Clearingstellen dieser Art gibt es schon in anderen Großstädten. Im Ruhrgebiet etwa – und in Berlin: Ein Video über das Modelprojekt in der Bundeshauptstadt findet sich auf YouTube unter https://www.youtube.com/watch?v=AqCLOTjWLhY&feature=youtu.be. Die Remscheider Clearingstelle hatte eine lange Vorlaufzeit. Die begann schon 2015, siehe Waterbölles vom 14. April 2015: „"Langzeitarbeitslosigkeit den Nachwuchs entziehen!" Jetzt endlich geht es los. Und hier noch die Info, wie sich Kontakt zu dem neuen Team in Remscheid herstellen lässt: Über Moritz Chaborski unter Tel. 0178 8798510 oder 0178 8798507 bzw. über Annika Girbig unter Tel. RS 9514725 oder 02191 9514705.

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