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"Kulturelle Barrieren bleiben praktisch unüberwindbar!"

„Made by Honsberg“ hat das Madrider Büro „Taller de Casquería“ ihre Quartiersentwicklungsstrategie für den Stadtteil überschrieben. Jorge Sobejano und Álvaro Molins präsentierten sie gestern Abend im Neuen Lindenhof zahlreichen interessierten Bürgerinnen und Bürgern, darunter aber kaum jemand mit Migrationshintergrund – als seien die auf dem abgeschiedenen Hügel zwischen Blumenthal und Kremenholl weit weniger stark vertreten als die Einwohnerstatistik beweist. Dazu passt der folgende Absatz aus der neuen Studie: „Die starke Präsenz der türkischen Gemeinschaft als zweithäufigste soziale Gruppe ist bemerkenswert, aber kulturelle Barrieren bleiben praktisch unüberwindbar. (...) Die Gemeinschaften koexistieren ohne größere Probleme, aber sie interagieren nicht miteinander.“

Mitte März waren die beiden spanischen Stadtplaner das erste Mal auf dem Honsberg. Zu einem „Ideenbasar zur Zukunft des Honsbergs“ und der Aktion „Mach Dein Licht an!!!“, bei der viele blaue Lichter aus den bewohnten Wohnungen auf die Straßen schienen als Zeichen der Hoffnung und des Engagements für eine lebendige Zukunft des alten Remscheider Arbeiterviertels, in den 1930-er Jahren „ein Ort des Widerstands gegen  den Nationalsozialismus“, wie Jorge Sobejano in seinem Vortrag anerkennen feststellte. Im März hatten er und sein Kollege zahlreiche Interviews mit Anwohnern aufgezeichnet und in den vergangenen Wochen dann in Madrid zusammen mit Merkzetteln und Notizen ausgewertet. „Sie haben sehr gut zugehört“, bescheinigte ihnen gestern der Technische Beigeordneter Peter Heinze, und Stadtplaner Peter Apel vom Stadtumbaumanagement Stachelhausen/Honsberg lobte die spanischen Kollegen, einen „Strauß spannender Ideen und Anregungen“ zusammengestellt zu haben.

Schon die Ausgangssituation haben die Planer aus Madrid zutreffend beschrieben: „Honsberg ist ein Stadtteil, in dem stark verwurzelte Gemeinschaften leben. Die Einwohner kennen sich und erzeugen ein Gefühl der Vertrautheit und Nähe, das es zu schätzen und zu schützen gilt. Hervorzuheben ist die Rolle des Neuen Lindenhofs als gemeinsames Haus und soziales Zentrum des Quartiers, das alle Arten von Aktivitäten bündelt und den Aufbau dieses Gefühls der Nähe zwischen den Nachbarn fördert. das Herz von Honsberg”.

Umgeben von Wäldern und mit Blick in die Täler, sei der Stadtteil in relativer Abgeschiedenheit sehr ruhig, heißt es im Vorwort der Studie weiter. „Die Halskestraße zum Beispiel bietet einen Blick auf die Natur und das Profil der Stadt mit kleinen Wahrzeichen wie Aussichtspunkten und Plätzen, um den Blick in Ruhe zu genießen. Trotz der abgelegenen Lage sei das Zentrum von Remscheid nur 20 Gehminuten entfernt.

Der Honsberg verfüge über eine große Anzahl hochwertiger öffentlicher Räume, bei weitem nicht monoton, ein Ort mit einer Vielzahl von verschiedenen Gemeinschaftsräumen, die es zu erhalten gelte, und weit davon entfernt, ein verschlafener Vorort der Stadt zu sein. Andererseits sehen die Stadtplaner die „ klare Gefahr der räumlichen Isolierung. Denn: „Zum einen basiert die Verkehrsanbindung zum Rest der Stadt fast ausschließlich auf dem im Nordteil gelegenen Zugang, der ein Quartier in Form einer Sackgasse gestaltet. Andererseits trennt die angrenzende Topographie auch Honsberg von den naheliegenden Quartieren, da es unerlässlich ist, das Quartier im Norden zu verlassen, um beispielsweise nach Kremenholl zu kommen, wenn man die Täler, die das Quartier begrenzen, nicht zu Fuß durchqueren will. Schließlich führt der Kleingarten-Gürtel dazu, dass bestimmte Bereiche auch von der umgebenden Natur isoliert sind, was den Zugang deutlich erschwert.“ Das könne das Viertel am Ende dazu verurteilen, sich zu einem Schlafort zu entwickeln. Die Planer haben „eine berechtigte Angst“ der Anwohner wahrgenommen, das Quartier könne ohne Dienstleistungen und Handel enden. „Zum heutigen Zeitpunkt scheint es, dass der Sparkassenkassenautomat in den Norden des Quartiers verlegt und die Kontinuität der Apotheke ernsthaft in Frage gestellt wird. Der Verlust dieser beiden Dienstleistungen, sehr wichtig für die Nachbarschaft, könnte Honsberg einen schweren Schlag versetzen!“

Das griff Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz auf und kündigte an, der stillgelegte Bankautomat werde (an anderer Stelle? ersetzt. Dass der Honsberg im Rest der Stadt einen schlechten Ruf habe (klein Istanbul”, so die Planer) wollte er OB so nicht stehen lassen: „Das Image des Honsberg ist inzwischen besser, als bisher öffentlich rübergekommen ist!“ Er sei für den Honsberg optimistisch, auch wegen der neuen Dependance der  Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH) an der Martinstraße: „Der Stadtteil verändert sich, er wird aber i9m Charakter nicht beschädigt werden!“ Und: Es sei gut, dass neue Ideen geboren würden. An denen müsse nun gemeinsam gearbeitet werden. Was dem letztlich auf dem Honsberg (!) an Initiativen entspringe, werde die Stadt gerne unterstützen. Stefan Anspach von der „Montag Stiftung Urbane Räume“, die die Studie mit finanziert hatte, betonte ergänzend, jetzt sei ein guter Moment gekommen, Engagement für den Honsberg zu zeigen. Die Stiftung denke gerade über ein gemeinsames Investment vor Ort mit der GEWAG nach (Ralf Noll: „Herzlich willkommen im Stadtteil!“). Und weitere Kooperationen hingen davon ab, wer sich noch aus der Deckung wage, so Stefan Anspach weiter.

Katja Wickert („Ins Blaue“) äußerte die Sorge, die Vorschläge von „Taller de Casquería“ (siehe Pressemitteilung von gestern Nachmittag) könnten in irgendeiner Schublade still entschlummern. Doch der Oberbürgermeister widersprach: „Anwesend sind heute auch zwei Dezernenten und mehrere Amtsleiter. Wir werden uns die Vorschläge der Planer genau ansehen. Und wenn wir dann einen Fahrplan haben. werde ich zu konkreten Punkten einladen!“ Dieter Wiedenhoff empfahl einen „Runden Tisch“, der habe sich schon im Vorfeld des Neuen Lindenhofs bewährt. Etwa Ähnliches gibt es bereits im Rahmen des Projekts „MOSAIK“ der Universität Dortmund. Daran erinnerte Prof. Dr. Susanne Frank von der Fakultät Raumplanung: Alle interessierten Honsberg/innen seien herzlich zu einer Zukunftswerkstatt des Projektteams „MOSAIK“ im Neuen Lindenhof für Samstag, 29. Juni, von 10 bis 14 Uhr eingeladen.

(In den nächsten Wochen wird der Waterbölles auf die einzelnen Vorschläge in dem neuen Konzept, die in der gestrigen Pressemitteilung nur „angerissen“ wurden, noch im Detail eingehen)

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