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Nur ein schmaler Grat zwischen Hassreden und Taten

In Anwesenheit der Dipl.-Sozialwirtin Birgit Mair aus Nürnberg und zahlreicher Schülerinnen und Schüler des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums wurde heute in der Gedenk- und Bildungsstätte „Pferdestall“ an der Uhlandstraße die Ausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" eröffnet. Birgit Mair hatte die Ausstellung 2012 und 2013 im Auftrag des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung e.V. erstellt. Sie ist seitdem bundesweit mehr als 170 Mal gezeigt worden. Im April 2018 aktualisiert, setzt sie sich mit den Verbrechen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU)  in den Jahren 1999 bis 2011 auseinander sowie der gesellschaftlichen Aufarbeitung nach dem Auffliegen der neonazistischen Terrorgruppe im November 2011. Die Ausstellung stellt auf 24 Tafeln Biografien einiger Opfer des NSU, die Bombenanschläge in Nürnberg und Köln sowie Banküberfälle des NSU dar, bei denen unschuldige Menschen teilweise lebensbedrohlich verletzt wurden. Auch beleuchtet die Ausstellung das Netzwerk des NSU, etwa die Verbindungen neonazistischer V-Leute verschiedener Verfassungsschutzbehörden mit den bisher Verurteilten. Analysiert werden auch die Gründe, warum die Mordserie lange nicht aufgedeckt wurde.  

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz gestern in der Gedenk- und Bildungsstätte 'Pferdestall'. Foto: Lothar Kaiser.Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (Foto links) erinnerte bei der Ausstellungseröffnung an die 33 politischen Morde durch Mitglieder der so genannten Roten Armee Fraktion in den 1970-er Jahren. Diese hätten damals zu vielen öffentlichen politischen Diskussionen geführt. „Und heute? Wie lange hat es gebraucht, um zu erkennen, dass die NSU-Morde nicht einzeln und unabhängig voneinander begangen wurden. Wie lange hat es gebraucht, zu erkennen, dass es nicht nur feige Morde waren, sondern wieder ein Angriff auf unsere Demokratie und Freiheit?“ Hetze gegen Muslime, Intoleranz, Antisemitismus, offene Zustimmung zu rechtsradikalen Positionen, eine stärkere Präsenz von Neonazi-Parteien in der Öffentlichkeit, das alles sei der „Nährboden für Kräfte, die unsere Demokratie in Frage stellen, einen anderen Staat wollen. Und daher brauchen wir diese Ausstellung, um deutlich zu machen, wohin Rassismus, Extremismus, Gewalt führen kann“. Sich der politischen Verantwortung nicht zu stellen, ließe die Opfer der NSU-Morde quasi ein zweites Mal zu Opfern werden. „ Das werden wir nicht zulassen!“

Die Ausstellungsmacherin Birgit Mair aus Nürnberg sprach gestern in der Gedenk- und Bildungsstätte „Pferdestall“ an der Uhlandstraße aus Anlass der Eröffnung ihrer Wanderausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" über ihrer damaligen Beweggründe, das umstrittene Urteil im NSU-Prozess  und über gefährliche Rechts-Tendenzen in Europa.

Olaf Wiegand, der stellvertretende Leiter der EMA, wies darauf hin, dass die Fachschaft „Sozialwissenschaften“ der Schule angeregt habe, die Ausstellung in den „Pferdestall“ zu holen: „Für diese Ausstellung, die es besser nie hätte geben müssen, kann ich mir in Remscheid keinen besseren Ort vorstellen!“ Die Schülerinnen und Schülern hatten in der Ausstellung die Möglichkeit gesehen, die „Ursachen von politischen Extremismus und Terrorismus" aufzuzeigen. Und das habe schließlich mit Unterstützung der Schulpflegschaft, der Falken und eines örtlichen Sponsors sowie dank der „konkreten händische Mitarbeit unserer Schülerinnen und Schüler“ realisiert werden können. Diesen dankte Wiegand insbesondere für ihr großes Interesse, sich zu Guides für diese Ausstellung ausbilden zu lassen.

„Die Namen der Städte Mölln, Rostock, Hoyerswerda und auch den unserer Nachbarstadt Solingen verbinden wir heute mit den pogromartigen Überfällen in den 90er Jahren auf Flüchtlinge und Menschen mit einem Migrationshintergrund“, fuhr Olaf Wiegand fort. „In den ersten zehn Jahren der deutsch-deutschen Wiedervereinigung nach 1990 zählte die Wochenzeitung „DIE ZEIT" mehr als 100 von Neonazis ermordete Menschen. In diesem Klima wuchsen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe auf, radikalisierten sich, gründeten den NSU, verübten mindestens 15 Raubüberfälle, zwei Bombenanschläge auf Migrantinnen und Migranten und ermordeten in den Jahren 2000 bis 2007 neun Migranten und die Polizistin Michele Kiesewetter.“

Maxime Kampik, stellvertretende Schulsprecherin der EMA. Foto: Lothar KaiserDavon hörte Maxime Phoebe Kampik (Foto rechts) erst in späteren Jahren. Denn damals war sie noch ein Kind. „Und das gilt für viele, wenn nicht gar die meisten Schülerinnen & Schüler“, sagte die stellvertretende Schulsprecherin der EMA, bei der Ausstellungseröffnung. „Für unsere und jede nächste Generation ist der NSU Geschichte. Schreckliche Geschichte. Aber dennoch Geschichte. Vergangenheit. Ausstellungen wie diese rufen uns all die Geschehnisse wieder ins Gedächtnis. Und angesichts dessen, „was uns heute jeden Tag präsent ist, scheint dies wichtiger denn je: Populisten und rechtsgerichtete Parteien gewinnen immer mehr Einfluss in Deutschland, in Europa. Dabei sollten wir alle aus der Vergangenheit gelernt haben. Wir sollten Sensibilität entwickelt haben – für beifällige Bemerkungen, Kommentare und Parolen. Intoleranz und Rassismus beginnen nämlich genau dort - Worte beeinflussen, schüren Hass und Verachtung!“ Und der Grad sei schmal zwischen scheinbar leeren Äußerungen und Taten. Das bewiesen auch die 7700 registrierten, mutmaßlich rassistisch motivierten Straftaten in Deutschland im vergangenen Jahr!“

Hans Heinz Schumacher, der Vorsitzende des Vereins der Gedenk- und Bildungsstätte „Pferdestall“ äußerte die Hoffnung, „Ich hoffe, dass insbesondere auch junge Menschen verstehen, dass wir uns alle politisch engagieren müssen, damit nicht wieder nationalsozialistisches Gedankengut versuchen kann, das friedliche Zusammenleben nach den Vorgaben unseres Grundgesetzes zu verhindern. Die Opfer, derer wir mit der Ausstellung gedenken, wurden zwar nicht in den 1930er und 1940er Jahren unter den damals herrschenden Nationalsozialisten ermordet, sondern in den Jahren 2000 bis 2007.Abere die Motive der NSU, grundlegend für die Ermordung von zehn Menschen und die vielen weiteren Verbrechen – die verübten 43 Mordversuche, drei Sprengstoffanschläge und 15 Raubüberfälle –, sind zweifelsfrei identisch mit den Motiven der damals herrschenden Nationalsozialisten.

Schumacher betonte, wie wichtig es sei, das Geschichtsbewusstsein von Schülerinnen und Schülern zu fördern. Zu einer demokratischen politisch-historischen Bildungsarbeit, die sich der Verein zur Aufgabe gemacht habe, gehöre auch das Eintreten gegen Menschenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Militarismus. Dass dies von aktueller Brisanz sei, „zeigen nicht nur die Ergebnisse der Wahlen vom vorletzten Wochenende, die in Deutschland für zunehmende Stimmenanteile d e r Parteien geführt haben, bei denen man nicht das Gefühl hat, dass sie  d a f ü r  gerade nicht eintreten. Und noch schlimmer stellt sich die Situation in Italien, Frankreich und Großbritannien dar, wo solche Parteien die meisten Stimmen bekamen!“

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Chronist am :

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Schulsprecher Syda Sahan und Oskar Seifert, die die Veranstaltung moderiert haben.

Chronist am :

Morgen, am 2. Samstag im Monat, ist die Gedenkstätte „Pferdestall“ für drei Stunden (12 bis 15 Uhr) für die beiden Ausstellungen „Deportiert in den Tod“ (über jüdische Schicksale aus Remscheid) und die Ausstellung "Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen" geöffnet. Die Besucher sind gehalten, den Weg zum „Pferdestall“ über die hintere Treppe an der Martin-Luther-Straße zu nehmen.

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