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Die Opfer der feigen Mordserie niemals vergessen

Zu den Rednern und Rednerinnen bei  der Eröffnung der Ausstellung „Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen“ gehörte gestern in der Gedenk- und Bildungsstätte „Pferdestall“ auch der SPD-Landtagsangeordnete Sven Wolf, der während der vorigen Landtagsperiode den Untersuchungsausschuss III (NSU) leitete:

Am 9. Juni 2004 detonierte in der Keupstraße in Köln direkt vor einem Friseurgeschäft ein Metallbehälter, der an einem Fahrrad angebracht war und der mit mehr als 700 10 cm langen Zimmermannsnägeln befüllt war. Durch die Detonation wurden 22 unschuldige Menschen teilweise schwer verletzt. Weitere Personen erlitten leichte Verletzungen. Diese Tat war ein gezielter und feiger Anschlag auf die Keupstraße, das interkulturelle Zentrum Kölns.

Am 4. April 2006 wurde in der Mallinckrodtstraße in Dortmund der Inhaber eines Kiosks in seinem Geschäft kaltblütig erschossen. Seine Ermordung stellte damit den achten Fall einer bis dato ungeklärten Mordserie an Kleinunternehmern dar, die eines gemeinsam hatten: Sie hatten einen Migrationshintergrund.

Die Namen der Täter dieser Taten und der weiteren Tätergruppierungen kennen Sie alle. Aber die Namen der Opfer? — Die Namen der Opfer sind nicht so präsent. Ich glaube, dass das ein sehr schweres Missverhältnis ist. Deshalb möchte ich die Namen der Opfer in den Mittelpunkt rücken und das gemeinsame Geleitwort des Ausschusses zitieren:

‚Enver Şimsek, Abdurrahim Özüdoru, Süleyman Taköprü, Habil Kiliҫ, Mehmet Turgut, Ismail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşik, Halit Yozgat und Michele Kiesewetter.

Wir gedenken in tiefer Trauer der Menschen, die durch den NSU ermordet wurden. Unsere Gedanken sind bei den durch die Anschläge in der Probsteigasse und in der Keupstraße körperlich und seelisch Verletzten und den Angehörigen aller Opfer in der unbedingten Hoffnung, dass sie einen Weg finden, mit den schrecklichen Taten und ihren Folgen leben zu können. Unsere Verbundenheit gilt den Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten Nicole Hartmann, Thomas Goretzky, lvonne Hachtkemper, Matthias Larisch von Woitowitz und ihren Angehörigen. Den durch die Anschläge am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn Verletzten gilt unser ganzes Mitgefühl.‘

Sie merken: Es ist für uns alle ein sehr beklemmender Moment. Das haben wir in der  Arbeit unseres Ausschusses immer wieder erlebt. Deshalb standen für uns gemeinsam während der gesamten Arbeit die Belange der Opfer besonders im Mittelpunkt. Es handelt sich um Opfer, die unter anderem durch die fehlende Gewissheit über die Täter oder auch die Motive bis zur Selbstenttarnung des NSU gelitten haben, weil sie nicht wussten, wer diese Taten begangen hat.

Außerdem wurden die Opfer immer wieder selbst in den Blick der Ermittlungen genommen. Ermittler stellten Fragen wie: Gab es Gründe im familiären oder persönlichen Umfeld für die Taten? War das Opfer verstrickt in Drogengeschäfte? Waren die Opfer in der Keupstraße Opfer eines innertürkischen Konflikts? Alle diese Fragen der Ermittler haben die Opfer schwer belastet und das Vertrauen in unseren Rechtsstaat schwer beschädigt. Denn am Ende konnte keine der möglichen Hypothesen zur Aufklärung beitragen.

Was aber blieb, war ein Gefühl des Misstrauens in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis der Opfer! Und bei den Opfern ein Misstrauen gegen unseren Staat!

Unser gemeinsamer Auftrag war es, Licht in dieses Dunkel, in den Verlust eines geliebten Menschen zu bringen, aber auch Vertrauen in den Rechtsstaat aufzubauen. Der Ausschuss hatte sich daher bewusst dazu entschieden, sich bei den Besuchen in der Mallinckrodtstraße, in der Probsteigasse und in der Keupstraße ein eigenes Bild von den Tatorten zu machen. Wir haben uns, als wir in der Keupstraße in Köln waren, mit der IG Keupstraße getroffen. Wir haben die Gelegenheit genutzt, uns mit den Kölnerinnen und Kölnern, die in der Keupstraße leben, auszutauschen und insbesondere viel zuzuhören.

In insgesamt über 42 öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzungen, durch Vernehmungen von 75 Zeuginnen und Zeugen, bei der Anhörung eines Sachverständigen, bei den Inaugenscheinnahmen der Tatorte haben wir über die Struktur des Verfahrens beraten und versucht, die taten aufzuarbeiten. Ich selbst habe die heute zu eröffnende Ausstellung bereits an anderen Orten sehen dürfen und habe mich auch mit der Aufarbeitung durch die Opfer selber beschäftigt. Etwa in den Theaterstücken LÜCKE am Schauspiel Köln oder der Inszenierung des bewegenden Buches von Semiya Şimşek, der Tochter des ersten Opfers des NSU, einem Blumenhändler in Nürnberg: “Schmerzliche Heimat: Deutschland und der Mord an meinem Vater“.

Erst durch die Selbstenttarnung des NSU und die Bekennervideos wurde klar, aus welchem menschenfeindlichen, fehlgeleiten Wahn die Täter handelten. Erschütternd war, dass diese Gedanken der rechten Szene und die Art der Tatbegehung durch einen sogenannten „Führerlosen Widerstand" - niedergeschrieben etwa in den „The Turner Diaries" des Amerikaners William Pierce - bekannt waren. Aber niemand, zu wenige sind bei den Ermittlungen auf die Idee gekommen, dass Taten, die nur auf Migranten zielten, einen rechtsradikalen Hintergrund haben könnten.

Auch der Hinweis von Scotland Yard auf die Nagelbombenanschläge im April 1999 in London, die sich gegen Schwarze, Einwanderer aus Bangladesch und Schwule richteten und vom rechtsradikalen David Copeland begangene wurden, hat die Kölner Polizei nicht auf eine neue Spur gebracht. Deswegen mein leidenschaftlicher Appell an Sie: Wir müssen alle gemeinsam wachsam bleiben, denn diese rechte Szene in Nordrhein-Westfalen ist und bleibt gefährlich. Wir müssen unsere Demokratie dagegen wachsam verteidigen. Daher dürfen wir die Opfer der feigen Mordserie niemals vergessen!“

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