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Haus Cleff: Rückfall auf den harten Boden der Realität

Die jüngste Sitzung des Kulturausschusses im Deutschen Werkzeugmuseum begann mit einer guten Nachricht (leider blieb es die einzige): „Im Rathaus ist ein Bewilligungsbescheid über Fördermittel in Höhe von 595.000 Euro eingetroffen“, berichtete Stadtdirektor Sven Wiertz. „Das Geld kommt aus dem Denkmalschutzsonderprogramm der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien sowie von der Stiftung Deutsche Denkmalpflege.“ Für die äußere Restaurierung des in den Jahren 1778 und 1779 im Stil des bergischen Rokoko von den Gebrüdern Hilger erbauten Patrizierhauses „Haus Cleff“ stehen somit 2,6 Millionen Euro bereit. Das reicht, um die äußere Hülle des Hauses – bestehend aus vielen Holzbalken, diversen Holzarbeiten (an den Fenstern), Ziegeln und Schiefer – vom Mansardendach bis zum steinernen Sockel instand zu setzen. Mehr aber auch nicht. „Eine neue Fassade mit nichts dahinter", brachte es Volker Leitzbach, kulturpolitischer Sprecher der SPD, enttäuscht auf den Punkt. Das bisherige Sanierungskonzept bezeichnete er als „voluminös, aber nebulös. Wenn ich bedenke, wie viele Stunden wir damit verbracht haben...!“ und warf sich und den übrigen Ausschussmitgliedern vor, in den vergangenen 30 Jahren  mit Haus Cleff „ziemlich naiv umgegangen“ zu sein. Eine Kritik, für die der Ausschussvorsitzende Karl Heinz Humpert Verständnis hatte. Als Beispiel nannte er den letzten Fensteranstrich: „Völlig daneben!“

Historisches Zentrum braucht 12,8 Millionen Euro“, hatte der Waterbölles am 30. Mai 2018 berichtet. Stadtdirektor Sven Wiertz hatte damals im Kulturausschuss von fünf großen "Bausteinen" berichtet, die in den nächsten Jahren im Historischen Zentrum (HIZ) angepackt werden müssten: Das Deutsche Werkzeugmuseum, Haus ´Cleff, der Cleff-Park, Haus Berger und das Gebäude Hastener Straße 125. Schon damals war die Finanzierung dieser Sanierungssumme völlig unklar geblieben. Karl-Heinz Humpert sprach am vergangenen Dienstag im Zusammenhang mit den damaligen üppigen Zukunftsplänen von einem Wolkenkuckucksheim.

Dass der Ausschuss inzwischen auf den harten Boden der Realität zurückgefallen ist, hat Dr. Andrea Pufke bewirkt, die Leiterin des Denkmalamtes des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR. Sie machte den Kommunalpolitiklern klar, das Haus Cleff zwar ein „bergisches Schätzlein“ sei, das es zu bewahren gelte, aber keines von nationaler Bedeutung. Und sie riet zu einer behutsamen Sanierung („Werterhaltung“) außen wie innen, ohne die Bausubstanz weiter anzugreifen. Frühere Umbauten hätten dem Gebäude nicht gut getan. Das aber schließt den Einbau einer Küche, eines Aufzugs und von Toiletten aus. Und auch der vorgeschlagene gläserne Verbindungsgang zwischen Haus Cleff und dem Werkzeugmuseum dürfte damit gestorben sein.

„Lassen Sie sich mit dem Innenausbau Zeit“, riet Dr. Andrea Pufke Rat und Verwaltung und schlug einen Ideenworkshop vor. Volker Leitzbach schlug kleine Planungsrunde vor, und Sven Wiertz gab bekannt, dass die Verwaltung bereits für den Sommer interdisziplinäre Arbeitskreise geplant habe. Auch er plädierte für ein behutsames Vorgehen. Bei einer Neukonzeption für das Innere von Haus Cleff geht er allerdings weiter davon aus, dass es „als Museum“ die Werke der Remscheider Künstler Johann Peter Hasenclever (Maler), Gerd Arntz ( Graphiker) und Teo Otto (Bühnenbildner) aufnehmen werde.

Wie und wann die Sanierung im Inneren von Haus Cleff beginnen kann, ist gegenwärtig völlig offen. Unklar ist auch, ob es bei dem Plan bleibt, im benachbarten, ebenfalls denkmalgeschützten Haus Berger ein Tool-Lab einzurichten ähnlich dem Rö-Lab im Röntgenmuseum. Wiertz: „Wir müssen durch eine baufachliche Untersuchung erst einmal herausfinden, wie es um die Gebäudesubstanz bestellt ist!“ Das Haus war im vorderen Teil früher eine Schmiede und im hinteren ein Wohnhaus. Fritz Beinersdorf (Linke) empfahl eine Besichtigung von Haus Berger.

Einzig sicher erscheint zurzeit, dass mit der Instandsetzung der „Hülle“ von Haus Cleff in diesem Sommer begonnen wird. Das berichtete am Dienstag der Düsseldorfer Architekt Bernhard Bramlage, anerkannter Fachmann für Denkmalsanierungen. Da kämen auf die Handwerker so manche Herausforderungen zu, aber auch für den Auftraggeber. Denn geeignete Handwerker, zum Beispiel Spezialisten für Holzgewerke an der Fassade (Sanierungssumme ca. 700.000 bis 800.000 Euro)  seien gar nicht so leicht zu finden: „Gegenwärtig sind fachkundige Handwerker sehr beschäftigt!“ Da sei es nicht auszuschließen, dass sich auf eine Einzelausschreibung niemand melde.  Das könne zur Verschiebung von Aufträgen ins nächste Jahr führen. Und dann die weitere schlechte Nachricht: Einer Erhöhung der Baupreise in den nächsten Jahren um jeweils sieben bis zehn Prozent sei wahrscheinlich. Für Stadtdirektor Wiertz war das das Stichwort: „Alle sind eingeladen, Mittel einzuwerben, Sponsoren wie damals die Remscheiderin, die ungenannt bleiben wollte, als sie dafür sorgte, dass das Deutsche Werkzeugmuseum nach dem Umbau auch etwas zu zeigen hatte – neue Ausstellungsobjekte!“

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