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Anlässlich 150 Jahren Freiherr-vom-Stein-Schule Lennep

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Für uns erscheint es heute oft schwierig, sich in das Schulleben vergangener Zeiten zurück zu versetzen. Im Vergleich zu früher hat sich so manches verändert: die Schulen als Gebäude, die Bildungsideale, die Erziehungsmethoden, die Lehrerausbildung, die Lehrmaterialen und natürlich die Menschen in unserer Welt überhaupt. Darum ist es vielleicht sinnvoll, einmal ein paar historische Zeugnisse kennen zu lernen, die uns die vergangene Zeit, hier insbesondere das 19. Jahrhundert, näher bringen, und dies natürlich am Beispiel unserer Heimatstadt Remscheid-Lennep. Mehrfach hat z.B. der Lenneper Baumeister Albert Schmidt (1841-1932), der ja in Lennep mehrere Schulen erbaute, auch über seine eigene Lenneper Kinder- und Schulzeit berichtet.

Foto oben: Im Lennep des 19. Jahrhunderts gab es auch spezielle Mädchenschulen. Auf dem linken Foto sieht man die Höhere Private Töchterschule am Lenneper Gänsemarkt 7. Sie war hier zwischen 1856 und 1865 untergebracht, später dann ein Stück weiter im Anwesen Nr. 30 in der Nähe des späteren Röntgenmuseums. Das Foto rechts betrifft die Höhere Töchterschule im Jahre 1875 mit Rektor Dr. Fischer und Lehrkraft Magdalena Reichel. Anders als in der Elementarschule entstammten die Mädchen hier fast ausschließlich bürgerlichen bzw. wohlhabenden Familien, z.B. Kühner, Steinhaus, Lambeck, Böse, Lausberg, Ringel, Weskott, Christians, Hager und Leysieffer.

Die Erinnerungen Albert Schmidts an das Schulwesen im 19. Jahrhundert wurden, und dies nicht unbedingt unter dem Beifall der Schulbehörde, im Rahmen einer Serie von  Berichten „Aus dem alten Lennep“ im Lenneper Kreisblatt von 1922/23 weiter gepflegt, wobei immer wieder die Nähe der alten katholischen Schule zu den Abwässern der Stadt thematisiert wird. Denn die Schule lag „unmittelbar an dem Teich der sog. Drahtmühle am späteren Jahnplatz, (...) in dem sich die Abwässer der Stadt zu einem dicken Brei vereinigten, um von hier den unterhalb liegenden Wiesen als Dünger zugeführt zu werden. Alles was an sterblichen Überresten der Hunde und Katzen nicht untergebracht werden konnte, wurde diesen Erdkuhlen anvertraut, unbeschadet der pestilenzartigen Ausdünstungen, die die ganze Nachbarschaft belästigten.“

Albert Schmidt über seine Schulzeit 1846 -1856: „Seit 1846 hatte ich die Schule besucht und zwar zuerst bei dem Unterlehrer Pfaffenbach, der die kleinsten Kinder der Ungewitterschen Schule zu unterrichten hatte. Diese unterste Klasse der evangelischen Volksschule war in dem katholischen Schulgebäude in der Mühlenstraße untergebracht worden, da die evangelische Schule überfüllt war. Die Lehrer erhielten so wenig festes Gehalt, dass sie sich durch Privatstunden und Zuwendungen der Schüler bei festlichen Gelegenheiten und ihren Geburtstagen erhalten mussten. Es war selbstverständlich, dass die Kinder der reichsten elterlichen Spender vom Lehrer bevorzugt wurden. Das Privatstundenwesen war ein Unfug und ohne Nutzen für den Schüler, da der Lehrer meist weder Zeit noch Lust hatte, sich um die Menge der Privatschüler gleichzeitig zu bekümmern. Um den Herrn Ungewitter für die Kinder zu interessieren, lud ihn meine Mutter jeden Mittwochnachmittag zum Kaffee auf die Knusthöhe ein. Es wurde dann seine Lieblingsspeise, ein sogenannter Napfkuchen gebacken, und wir Kinder sahen neidvoll zu, wie derselbe von dem Herrn Lehrer vertilgt wurde; für uns blieb meistens nur ein schäbiger Rest übrig."

Foto unten: 1849 während der Cholera spielte die heute nicht mehr existente alte katholische Volksschule am späteren Jahnplatz eine wichtige Rolle in der Lenneper Schulgeschichte. Als sie zu klein wurde, baute man daneben größer und moderner. Alles dies ist vergangen. Wichtig war auch das schräg gegenüber liegende Gebäude der dort von 1873-1916 untergebrachten Höheren Töchterschule an der Ecke Hardt- und Mühlenstraße. Ursprünglich eine Fabrikantenvilla der Lenneper Familie Karsch, wurde diese später der Stadt Lennep von der Firma Johann Wülfing & Sohn der Familien Hardt zur Verfügung gestellt, diente verschiedenen sozialen Zwecken und ist heute Sitz des Ortsvereins Lennep des Deutschen Roten Kreuzes.

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