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Unruhe unter Glassiepen-Mietern wegen neuem Besitzer

Seit dem 1. August überweisen die Mieter der rund 120 Wohnungen in „Hof Glassiepen“, Peterstraße 26, ihre Miete auf ein neues Konto. Denn der Eigentümer des 1992 - 1993 gebauten Gebäudekomplexes hat gewechselt. Auf der Internetseite der AWO Remscheid findet sich diese Information bislang nicht. Dort ist vielmehr nach wie vor die Rede von der „Wohnanlage der AWO Seniorendienste Niederrhein gGmbH“. Das kann den Eindruck erwecken, als sei die AWO nicht nur der Anbieter von Pflegediensten für die dort wohnenden Senioren, sondern auch der Vermieter der Anlage. Tatsächlich aber ist die AWO dort selbst nur Mieter. Besitzer (Vermieter) der Wohnungen war bisher die Gisela Hübeler Immobilienverwaltung, Industriestr. 23. Diese hat ihr Invest zum 1. August an die Wert-Investition Hof Glassiepen Grundbesitz GmbH veräußert. Diese Information haben die Senioren schriftlich – verbunden mit der neuen Kontonummer. Eine Mieterversammlung, auf der sie die neuen Eigentümer hätten kennenlernen können, habe es noch nicht gegeben; entsprechend groß sei die „allgemeine Verunsicherung und Unruhe“, erfuhr der Waterbölles von einer Mieterin.

Mitteilsamer als der neue Eigentümer der Anlage ist im Internet die Online-Plattform „Zinsland“ der Civum GmbH in Hamburg. Zitat: . „Aus dem Kaufpreis wurde die öffentliche Förderung abgelöst, die zehn Jahre nachwirkt und die Mieter entsprechend schützt.“ Dies lässt sich so verstehen, dass den Mietern akut kein Ungemach droht; es könnte jedoch auch genau das Gegenteil bedeuten. Das erforderte eine Rückfrage bei Zinsland/Civum. Die schnelle Antwort von Torben Jensen: „Durch den Besitzerwechsel wird sich für die Mieter für die Dauer von zehn Jahren nichts ändern.“Der folgende Satz auf der Homepage zeigt auf, wohin nach dieser Frist die Reise gehen soll „Es werden noch Renovierungsmaßnahen durchgeführt und die einzelnen Eigentumswohnungen dann verkauft.“ Mit anderen Worten: Wird eine Wohnung durch Auszug oder Tod frei, will der neue Investor sie  zu Geld machen.

Der Vertrieb der Eigentumswohnungen sei bereits angelaufen, heißt es bei „Zinsland“. Und es gibt auch schon eine eigene Internetseite für die künftigen Eigentumswohnungen, überschrieben mit „Service Wohnen Remscheid“. Das macht deutlich, dass hier gezielt die Käuferschicht der Senioren angesprochen wird. Kaufpreis einer Wohnung: ab 101.000 Euro. Bei Zinsland wird das Remscheider Objekt wie folgt beworben: „In insgesamt vier Gebäudekörpern, die um einen Innenbereich mit zahlreichen Grünflächen angeordnet sind, finden sich 124 seniorengerechte 1- bis 3-Zimmer Wohnungen. Die Gesamtmietfläche beträgt ca. 7.074 Quadratmetern. Jede der barrierearm konzipierten Wohnungen verfügt über eine Einbauküche, einen getrennten Wohn- und Schlafbereich sowie einen Kellerraum und in der Regel einen Balkon. Zudem sind alle Wohnungen mit einem Notruftelefon und einer modernen Satellitenanlage für den TV-Empfang ausgestattet. Alle Gebäude verfügen über einen Fahrstuhl, einen eigenen Gemeinschaftsraum für verschiedene Aktivitäten sowie über Abstellräume für Rollstühle und Rollatoren mit eigener Ladestation für elektronische Gehhilfen und Fortbewegungsmittel. Insgesamt stehen zehn Einzelgaragen, 15 Tiefgaragenstellplätze sowie 15 Außenstellplätze als eigene Parkmöglichkeiten zur Verfügung.“  

Bestandteil der gegenwärtigen Mietverträge ist „ein Servicevertrag mit der AWO für Basisdienstleistungen, wobei die Mieter ergänzende Leistungen individuell dazu buchen können.“ Die Frage ist aber, ob die AWO an dem Objekt mittel- und langfristig auch dann festhält, wenn aus vermieteten Wohnungen zunehmend Eigentumswohnungen geworden sind – und die jüngeren (?) Bewohner an Pflegeleistungen kein Interesse haben. Womöglich könnten sich die angebotenen Pflegedienste unter einer bestimmten Zahl von Nutzern nicht mehr rechnen. Der gegenwärtige Pachtvertrag für die Tagespflege läuft allerdings noch fünf Jahre. Und wie Normen Dorloff, der Geschäftsführer der AWO Seniorendienste Niederrhein gGmbH in Essen, auf Nachfrage bestätigte, ist der Ausbau der Tagespflege in „Hof Glassiepen“ von zwölf auf 18 Plätze geplant. Die AWO sei in fünf Jahren an einem neuen Pachtvertrag für „Hof Glassiepen“ interessiert, so Dorloff.

Der neue Besitzer von „Hof Glassiepen“, die Wert-Investition Hof Glassiepen Grundbesitz GmbH (Stammkapital 25.000 Euro) mit Sitz in Sarstedt, Käthe-Paulus-Straße 2a, neu eingetragen beim Amtsgericht Hildesheim unter dem Aktenzeichen HRB 206109 im Februar dieses Jahres, ist Teil einer aus mehreren Projektgesellschaften bestehenden Firmengruppe. „Werner Ströer gründete 1992 gemeinsam mit Heinz Gorsler die Wert-Investition GmbH, aus der im 2016 die Wert-Investition Holding GmbH entstanden ist. Bis heute hat Herr Ströer die Geschäftsführung der Holding sowie aller Projektgesellschaften, wie auch der Wert-Investition Hof Glassiepen Grundbesitz GmbH, inne und realisierte mit seinem Team bereits mehrere hundert Projekte“, heißt es dazu bei „Zinsland“. Dort werden für das so genannte Crowdinvestingprojekt noch Privatanleger gesucht, „die sich in Zeiten von Niedrigzinsen fragen, wo sie ihr Geld noch anlegen sollen“. Geboten wird für eine Geldanlage ab 500 Euro bei einer Laufzeit von zwölf bis 15 Monaten eine Verzinsung von 6,5 Prozent p.a. Von dem angestrebten Fremdkapital von zwei Millionen Euro für „Hof Glassiepen“ seien bisher 1.050.000 € erreicht, so „Zinsland“. Als Höhe der Gesamtinvestition werden zwölf Millionen Euro genannt, davon 7,5 Millionen Fremdkapital, Crowdinvest zwei Millionen, Eigenmittel/ -leistungen: 1,972 Millionen Euro, Mieteinnahmen 528.000 Euro.

6,5 Prozent Zinsen, das lässt bei der allgemeinen Zinsflaute aufhorchen. Die Lösung: Es handelt sich um Nachrangdarlehen. Und das bedeutet für jeden Anleger „das Risiko eines Totalverlustes“, wenn der Darlehensnehmer, die GmbH, in Konkurs gehen sollte. Darauf macht im Internet das „Verbraucherschutzforum“ aufmerksam. Aber daraus macht auch Zinsland.de selbst keinen Hehl und verweist auf § 12 Abs. 2 Vermögensanlagengesetz: „Der Erwerb dieser Vermögensanlage ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum vollständigen Verlust des eingesetzten Vermögens führen.“ Fünf der sieben Projekte, woran die Wert-Investition Holding GmbH beteiligt sei, befänden sich „immer noch ‚im Minus‘“, will das „Verbraucherforum“ herausgefunden haben.

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Kommentare

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Michael Mahlke am :

Wunderbarer informativer Artikel. Das bestätigt leider meine langjährigen Erfahrungen, dass man bei der AWO immer wieder „verraten und verkauft“ wird. Wie stolz war die Politik, als diese guten Grundstücke für Senioren damals zukunftsträchtig bebaut wurden. Damals wurden der AWO alle Steine aus dem Weg geräumt nach meiner Erinnerung.

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