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Traditionsreiches in Lennep gilt es zu erhalten

Die Pilgergasse, Haus Nr. 1 (453) damals und heute. Fotos: Jan Oliver Brockmannvon Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper, heute erhielt ich aus der Lenneper Pilgergasse von Jan Oliver Brockmann ein paar Fotos und die Nachricht: „Lennep hat nun wieder ein weiteres Haus mit einer dreistelligen Hausnummer (453) zu bieten. Ich freue mich, dass meine Restaurierung des Eingangs zu unserem Haus Pilgergasse 1 nun komplett abgeschlossen ist. Die Aufarbeitung der stark beschädigten alten Hausnummer hat hierbei die meiste Zeit gekostet.“

„Wunderbar, Herr Brockmann“, kann ich da als alter Lenneper nur sagen. Ich freue mich immer, wenn Traditionserhalt in Lennep sichtbar wird. Ich hoffe, dass noch mehr Lenneper sich der Tradition erinnern und Althergebrachtes nicht fortwerfen, sondern für die Zukunft erhalten. Das Haus Pilgergasse 1 hat nun wirklich eine lange Tradition, wie man auch auf dem historischen Foto sieht. Im Adressbuch des Kreises Lennep aus dem Jahre 1903 wird auf den damaligen Eigentümer verwiesen, die Tuchhandelsfirma Peter Hammacher & Co. von der Schwelmer Straße, und bei den Hausbewohnern treten die Lenneper Namen Hackenberg, Treis und Loch (zweimal) auf.

Der Name Loch ist uns Lennepern ja bis in die Gegenwart gut bekannt, und die jetzigen Hausbesitzer sind über die Großmutter mit der Familie verwandt. Der genannte Herr Treis war damals übrigens ein Redakteur, der in den Geschäftsräumen der Buchdruckerei im Haus wohnte, die dem Lenneper Peter Hackenberg gehörte. Dieser war seinerzeit ein durchaus bekannter Mann in der Kreisstadt Lennep. Dazu hier noch eine Geschichte aus meinem Buch „Aus dem alten Lennep – Sagen und Erzählungen – Geschichte und Geschichtliches“:

"In den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts entstand dem „Lenneper Kreisblatt“ ein Konkurrent durch die Herausgabe der „Lenneper Volkszeitung“, die zuletzt von Peter Hackenberg geleitet wurde. Der „dicke Peter“, ein lieber und netter Mensch, konnte wohl einen großen Stiefel vertragen, doch soll die Zahl der Gläser Bier oder Wein hier nicht genannt werden, es möchte sonst manch einem zu denken geben. Aber dieser Herr würde ganz sicher bei der Belagerung von Rotenburg ob der Tauber den Meistertrunk von etwa drei bis vier Litern ohne Abzusetzen auch geleistet haben. Als Vorsitzender der Lenneper Turngemeinde konnte er wohl keinen Riesenschwung oder Klimmzug machen, doch war der „dicke Peter“ ein sachlicher und tüchtiger Volksredner, dem man gerne zuhören mochte.

Vorgenannter Peter Hackenberg war im Lennep des 19. Jahrhunderts eine markante und „gewichtige“ Persönlichkeit. Er war Zeitungsverleger und gab lange Zeit die „Freisinnige Zeitung“ heraus. Die Druckerei befand sich in der Pilgergasse, er selbst wohnte mit seiner alten Mutter auf dem Gänsemarkt. Man schätzte das Gewicht von Peter Hackenberg auf ungefähr dreieinhalb Zentner, und man kann sich vorstellen, dass sein „starker“ Leib ihn daran hinderte, nahe am Tisch zu sitzen. Weil aber Essen seine liebste Beschäftigung war, so ließ er sich kurzerhand einen Halbkreis aus dem Tisch heraussägen, worin nun sein Bauch ruhen konnte. Jetzt machte ihm das Essen wieder Spaß. Oft, wenn seine Mutter sonntags morgens in der Kirche weilte, aß er den ganzen großen Sonntagsbraten auf. Hatte seine Mutter einen Schinken zuhause, wie dies in der guten alten Zeit bei den bürgerlichen Familien üblich war, so räumte er schnell damit auf. „Lang mich ens dat Knöksken“ (Knöchlein) sagte er dann und verzehrte den ganzen Schinken hintereinander weg, so wie ein anderer ein kaltes Kotelett."

Eine historische Vergegenwärtigung der Pilgergasse verfasste übrigens Gerd Helbeck in „Romerike Berge - Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Heft 3, 2014“. Dort ist auch beschrieben, wie es zum heutigen Namen der Lenneper Gasse kam. Wahrscheinlich war es ein Schreibfehler eines Lenneper Beamten, der die Bezeichnung „Tilges Gasse“, der Name war der einer aus Hessen zugewanderten Familie, in der Vorlage falsch las und damit sozusagen die „Lenneper Pilgergasse" schuf. Historisches erhalten sollte man dort in jedem Fall, mit oder ohne Pilger. So kann man in Keller des Hauses z.B. noch sehen, wo einmal das Tintenfass der Druckerei von Peter Hackenberg gestanden hat.

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