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Wissenswertes zur Geschichte des Kremenholl

Die Kremenholler feiern morgen und übermorgen ihr Stadtteilfest und zugleich das 650. Bestehen des Kremenholl (1369 - 2019): Es sei ein Stadtteil mit „Ecken und Kanten", schreibt Gabi Leitzbach, die Vorsitzende des Initiativkreises Kremenholl e.V., in ihrem Grußwort in der aktuellen Festschrift. „“Ein Quartier, das heraufordert, aber dank der Menschen, die sich für und in ihm engagieren, ein Ort an dem seinen Bewohnern nicht langweilig werden muss!“ Stadtführer Lars Johann (Foto) hat sich in der Festschrift mit der Geschichte des Stadtteils eingehend befasst. Er schreibt: „Wer sagt eigentlich, dass es tatsächlich 650 Jahre Kremenholl gibt? Vielleicht sind es nur 600 Jahre, vielleicht sogar 700 Jahre. In Zeiten, in denen Fake-News Teil des Alltags geworden sind und soziale Medien Informationen in wenigen Zeichen zwitschern, ist es schön, auf diesem Weg einmal etwas ausführlicher die Richtigkeit der 650 Jahre Kremenholl beleuchten zu können.

Letztendlich kann nur anhand von alten Urkunden, Aufzeichnungen und Chroniken festgestellt werden, ab wann eine Stadt oder eine Ortschaft entstanden ist. Es werden also so lange Urkunden ausgewertet, bis der früheste Zeitpunkt der ersten Erwähnung festgestellt wird. Für Kremenholl ist dies tatsächlich das Jahr 1369. In einer Urkunde aus diesem Jahr wird erwähnt, dass ein Albrecht von Kremenholl zwei Malter Hafer als Abgabe zu entrichten hat. Da es um Geld ging, wurden entsprechende Unterlagen akribisch geführt, so dass man hier wohl auch bezüglich des Datums von der Richtigkeit ausgehen kann. Der Name selbst setzt sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich dem ersten Teil Kriemen, heute Kremen, der wahrscheinlich auf einen Grimo oder Grimhard zurückzuführen ist.

Mit Holl oder Hol ist eine Bodenmulde gemeint, die sich besonders gut zu Siedlungszwecken geeignet hat, da diese etwas geschützter lag. Wenn also der Name der Siedlung auf einen Grimo zurückgeht, der Steuerschuldner für den Hafer jedoch ein Albrecht ist, so ist davon auszugehen, dass bereits vor 1369 ein Hof oder eine kleine Siedlung mit Namen Kriemenholl existiert hat. Tatsächlich dürfte somit die Siedlung Kremenholl älter als 650 Jahre sein. Wir wollen uns jedoch streng an die Belegbarkeit halten und ein genaueres Jahr als 1369, die erste urkundliche Erwähnung, existiert nicht. Also ist dieses Datum als erstes belegbares Jahr der Beginn der Zählung, so dass wir tatsächlich auf 650 Jahre kommen.

In den folgenden Jahren und Jahrzehnten geschah dann relativ wenig Aufsehenerregendes in der kleinen Siedlung Kremenholl. Es wurde wohl mal versucht Eisenerz abzubauen, was allerdings im Hinblick auf die schlechte Qualität nicht von Erfolg gekrönt war und teilweise dazu führte, dass Einwohner weggezogen sind, um woanders ihr Glück mit dem Eisenerz zu versuchen. So war Kremenholl eine kleine Siedlung im Bereich des Dorfes Remscheid.

Aus dieser Zeit gibt es leider kaum Unterlagen, die erhalten geblieben sind, so dass erst 1675 im Lagerbuch der Stadt Remscheid der Kremenholl dann wieder erwähnt wird. In diesem Lagerbuch werden vier Höfe erwähnt, namentlich die Familien Honsberg, Hermes, Dahlmann und Roster. Zu diesem Zeitpunkt, in vorindustrieller Zeit, dürfte es eine eher landwirtschaftliche Nutzung des Kremenholl gewesen sein, von der die Leute gelebt haben.

Ca. 160 Jahre später, im Jahr 1831 sieht dies dann schon anders aus. Die Kleinstaaterei im Gebiet des heutigen Deutschlands hat ein Ende, Remscheid und damit der Kremenholl gehören nun zu Preußen, und der wirtschaftliche Aufschwung in Remscheid wird erkennbar. Davon profitiert natürlich auch der Kremenholl. So sind 1831 zehn Häuser erwähnt, in denen insgesamt 131 Personen leben, inklusive Kinder. In diesem Einwohnerbuch sind auch die Geburtsorte der Bewohner angegeben. Auffallend ist hier, dass von den 131 Bewohnern neun in Hessen geboren wurden und schon in jungen Jahren nach Remscheid gekommen sind, wie z.B. der Knecht Conrad Schreiner, der mit 15 Jahren im Haus des Feilenhauers Krummenedel und seiner Familie lebt. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt wird deutlich, dass die Bewohner des Kremenholl ihr Einkommen in erster Linie durch Metallverarbeitung verdienen. Allein bei zwölf der Bewohner des Kremenholl wird als Beruf Feilenhauer angegeben. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt viele noch zur Selbstversorgung einige Tiere halten ist der Trend klar erkennbar. Mit zunehmender Industrialisierung setzt sich dies dann fort.

Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Wohnungsnot der Arbeiterfamilien das größte Problem. So titelt der RGA: „In der einzigen Stube hausen Sechse". In Remscheid führt dies dazu, dass unter Führung des Industriellen Moritz Böker — nachdem später dann die Moritzstraße auf dem Kremenholl benannt wird, der gemeinnützige Remscheider Bauverein gegründet wird, der immerhin bis 1906 111 Häuser baut, darunter auch viele auf dem Kremenholl. Hinzu kam noch, dass 1885 Alexander von der Nahmer nach Streitereien mit der Familie Böker aus der Bergischen Stahlindustrie AG (BSI) ausstieg und am Kremenholl mit dem Alexanderwerk sein eigenes Unternehmen gründete, das ebenfalls wirtschaftlich sehr erfolgreich war. Damit war der Kremenholl zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirtschaftlich und infrastrukturell vollständig an die Stadt Remscheid angebunden. Fortan entwickelte sich auf dem Kremenholl das für Arbeitersiedlungen typische Vereins- und Gemeinschaftsleben, z.B. in Form von Gesangsvereinen.

Im 2. Weltkrieg wurde auch der Kremenholl dann schwer durch den Angriff auf Remscheid am 30.7.1943 getroffen. Große Teile des Alexanderwerks und des Kremenholl waren zerstört und auch die alte Hofschaft war nicht mehr zu retten. Nach dem Krieg begann natürlich der Wiederaufbau und infolge des Wirtschaftswunders wurde der Wohnraum erneut knapp, da nun auch für die Gastarbeiter Wohnraum benötigt wurde. Der Kremenholl veränderte dadurch seinen Charakter, da statt gemütlicher Hofschaft nun Hochhäuser den Kremenholler Kopf prägten. (...) Dies hat jedoch nichts daran geändert, dass der Kremenholl immer noch durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl geprägt wird, das letztendlich dadurch zum Ausdruck gebracht wird, dass es heute möglich ist, das 650jährige Bestehen des Kremenholl in dieser Form zu feiern.“

Nachfolgend das Programm das Stadtteilfestes:

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Cornelia Schmidt am :

Zum angeblichen Streit mit der Familie Böker empfehle ich dem Stadtführer die Biografie Moritz Böker. Es gab keinen Streit. Grund für die Werksgründung war, das der schon sehr kranke Alexander von der Nahmer seinem Sohn Wilhelm eine berufliche Zukunft ermöglichen wollte. Nach seinem Tod hat Moritz Böker das Alexanderwerk mehrfach mit seinem Privatvermögen aus finanziellen Notlagen errettet.

Klaus R. Schmidt am :

Ich habe vor etlichen Jahren einen Vortrag über das Alexanderwerk in der Remscheider Denkerschmette gehalten, nachdem ich vorher gründlich die Gründungsfakten recherchiert hatte. Ein von Alexander von der Nahmer selbst geschriebener Lebenslauf und ein Tagebuch, gesammelt und veröffentlicht von einem Urenkel, gibt Aufschlüsse über die wahren Gegebenheiten bei der Gründung des heute noch existierenden Werks.Ich zitiere: "Seit dem 10. März 1883 hatte sich der Krankheitszustand von Alexander (von der Nahmer) ständig verschlechtert, sodaß er sich Ende 1883, noch als Direktor der BSI, entschloß, einmal ein halbes oder dreiviertel Jahr aus dem Geschäft fernzubleiben und zu versuchen, ob er in dieser Zeit durch verschiedene Kuren wieder gesunden könne. Am 13. Juni 1884 kehrte er jedoch in deprimierter Stimmung nach Remscheid zurück, da keine Besserung eingetreten war. ( .......) Nach schweren Differenzen im Aufsichtsrat der BSI, bedingt durch unterschiedliche Auffassungen in wirtschaftlichen und Investitionsfragen sowie seine durch die Krankheit bedingte Unnachgiebigkeit, schied Alexander von der Nahmer zum 30. Juni 1885 aus der BSI aus, um sich ganz der den Söhnen bestimmten Fabrik zu widmen. Die Planung und der Bau 'seiner' Fabrik gab ihm dann noch einmal, wenn auch nur für kurze Zeit, seine alte Energie zurück."

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