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Abstimmung in Berlin bleibt bis zum Ende unklar

Die heiße Phase

Januar 1929: Eine Eingabe folgt der anderen, Gutachten auf Gutachten, der Landkreis Lennep gibt eine eigene Denkschrift heraus, die Remscheider einen Nachtragsband. Mit allen Mittel wird gekämpft. In der Stadtverordnetenversammlung in Lüttringhausen empört sich Bürgermeister Suthoff-Groß über den „glatten Akt der Willkür“ und fragt laut, ob „eine Zwangseingemeindung rechtlich überhaupt zulässig sei“? In Lennep rufen der Bürgermeister Emil Nohl und die Wirtschaftsverbände zu öffentlichem Protest auf. Mit hitzigen Aufrufen unterstützt die Presse die Stimmungsmache.

5. Februar 1929: Die neue Vorlage des preußischen Innenministers Grzesinski vom Dezember 1928 wird genehmigt. Lennep und Lüttringhausen sollen zu Remscheid gehören.

13. März 1929: Der Gemeindeausschuss des preußischen Staatsrats bereist das Bergische Land. In Lennep werden sie von aufgebrachten Bürgern empfangen. Transparente mit den Überschriften „Hände weg von Lennep“ oder „Remscheid hat genügend Land“ begleiten ihren Weg.

21./23. März 1929: Der Gemeindeausschuss des Staatsrats stimmt nun für den alten Referentenentwurf Victor von Leydens und damit für den Bestand des Landkreises Lennep, der Stadt Lennep und des größten Teils von Lüttringhausen. Auch die Vollversammlung des Staatsrates erklärt sich einverstanden.

5. April 1929: Der preußische Innenministers Grzesinski ist anderer Meinung. Er besteht auf seiner Gesetzesvorlage vom 5. Februar.

Mai 1929: Die Mitglieder des Gemeindeausschusses des Landtags fahren durch Lennep, um sich ein eigenes Bild zu verschaffen.

11. Juni 1929: Der Gemeindeausschuss des preußischen Landtags beginnt mit seiner Aussprache zur Gesetzesvorlage und den Änderungsanträgen und stimmt am

15. Juni 1929: mit 15 gegen 14 Stimmen für die Eingemeindung Lenneps und Lüttringhausens nach Remscheid.

10. Juli 1929: Schlussabstimmung im Landtag. Bis zum Ende bleibt es unklar. Die Fraktionen beraten getrennt. Neun Stunden lang wird debattiert. Dann geht es zur Abstimmung per Aufstehen. Da die Mehrheiten unsicher bleiben, kommt es zum „Hammelsprung“. Die Abgeordneten betreten den Saal durch eine von drei Türen, die jeweils für „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ stehen. Am Ende der Zählung heißt es 174 zu 170 für Remscheid. Der Zusammenschluss der drei Städte zur Großstadt Remscheid ist nun endgültig entschieden. Die „Mörder von Lennep“ hätten „die einzelnen Abgeordneten an den Rockschößen durch die Tür gezogen oder sogar Kollegen in den Toiletten eingesperrt“, heißt es.

16. Juli 1929: „Lennep selbst kocht vor Wut“. Es kommt zum letzten und größten Aufschrei. Auf dem Jahnplatz in Lennep versammeln sich die Massen. Verzweifelte, kämpferische Reden werden begleitet von dem Geläut der Sturmglocken und dem Heulen der Brandsirenen. „Lennep wird leben und nicht untergehen“ lauten die Schlussworte des Bürgermeisters Nohl. Letzte Klagen und Eingaben beim Staatsrat können die Eingemeindung nicht mehr verhindern. Am 1. August 1929 tritt das Gesetz über die kommunale Neugliederung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet in Kraft. Der Weg zur Großstadt Remscheid ist frei.

1929 leben in Lennep auf ca. 1737 ha Fläche ca. 14.463 Einwohner. 1929 leben in Lüttringhausen auf etwa 1445 ha Fläche 9.277 Einwohner. 1929 leben in Remscheid auf 3164 ha 79.055 Einwohner. 1929 kommen von Ronsdorf, Cronenberg und Wermelskirchen ca. 115 ha Fläche und von Cronenberg noch 104 Personen hinzu. Nach den Eingemeindungen ist das Stadtgebiet auf fast 6461 ha angewachsen. 102.899 Menschen wohnen in der jungen Großstadt.

Der Text der Ausstellung „90 Jahre Großstadt Remscheid“ zur Remscheider Stadtgeschichte und speziell zur kommunalen Neugliederung vor 90 Jahren, zu sehen im Remscheider Rathaus im Rahmen des Stadtjubiläums, stammt von Jörg Holtschneider von der Agentur „Via Temporis“. Das Layout gestaltete die rsn-Medienagentur GmbH, Hindenburgstraße  78, www.rsn-medienagentur.de. Der Waterbölles veröffentlicht die einzelnen Kapitel der Ausstellung mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Agentur.

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