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Vor 80 Jahren: Gestapo nahm Remscheider fest

von Armin Breidenbach

In den letzten Tagen des August 1939, also nur wenige Tage vor dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939, wurden die ersten polnisch stämmigen Häftlinge in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt, weil sie als Angehörige der organisierten polnischen Minderheit in Deutschland von dem NS-Regime in dieser Situation als gefährlich eingestuft wurden. Von dieser Verhaftungsaktion war damals auch Adam B. betroffen, der 1892 in Alexanderruh/Kreis Jarotschin (preußische Provinz Posen) geboren wurde und später in Remscheid wohnhaft war. Er war Vorsitzender des polnischen Minderheitenvereins „Bund der Polen e. V.“, Ortsgruppe Remscheid, Vorsitzender des polnischen Kirchenvereins „St. Josef“ in Remscheid und Bundesleiter der polnischen kirchlichen Vereine von Rheinland und Westfalen. Adam B. wurde am 11. September 1939 festgenommen und zunächst in das Remscheider Polizeigefängnis in der Uhlandstraße eingeliefert.

Er berichtete nach dem Zweiten Weltkrieg über seine Festnahme: „Am 11. September 1939 wurden (sic!) von der Gestapo in meiner Wohnung Remscheid, Ernststr. 27, Haussuchung gehalten, da meine Tätigkeit als Verbandsvorsitzender der polnischen Minderheiten als staatsfeindlich angesehen wurde. Bücher, Akten, ein Geldbetrag und meine Schreibmaschine wurden beschlagnahmt und von der Gestapo sofort mitgenommen. Mir wurde zur Last gelegt, meine Schreibmaschine wäre auch staatsfeindlich gewesen.“

Ebenfalls damals festgenommen wurde der 1901 in Kosten (preußische Provinz Posen) geborene Stanislaus S., der vermutlich vor 1925 in Remscheid zugezogen war. Stanislaus S. erklärte 1946 im Zusammenhang mit dem Wiedergutmachungsantrag von Adam B., dass er Anfang September 1939 zusammen mit diesem verhaftet und in das Remscheider Polizeigefängnis eingeliefert worden sei.

Da das Aufnahmebuch des Polizeigefängnisses Remscheid für 1939 verschollen ist, lassen sich die Haftzeiten von Stanislaus S. und Adam B. nicht genau ermitteln. Während Stanislaus S. möglicherweise nach einigen Tagen wieder aus dem Remscheider Polizeigefängnis entlassen wurde, wurde Adam B. nach etwa 14 Tagen Haft in der Uhlandstraße in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 002998. Anfang April 1940 wurde er von dort aus als „deutscher politischer Häftling“ in das KZ Flossenbürg überstellt, wo er am 6. April 1939 registriert wurde und die Häftlingsnummer 2227 zugewiesen bekam. Am 12. August 1940 wurde B. aus dem KZ Flossenbürg entlassen.

Während seiner „Schutzhaft“ im KZ hatte Adam B. „Schläge ins Gesicht“ erhalten, wie er nach Kriegsende selbst schrieb. Nach der Entlassung aus dem KZ Flossenbürg stand Adam B. für einige Monate unter Polizeiaufsicht und hatte sich zunächst zweimal pro Woche und später einmal pro Woche zu melden.

Er berichtete nach dem Zweiten Weltkrieg: „Nach 1 jähriger Leidenszeit im K.Z. wurde ich entlassen und musste mich bei der Gestapo Remscheid, Uhlandstr. Zimmer 112 melden. Dort sah ich meine Schreibmaschine die von der Dienststelle benutzt wurde.“

 Als Adam B. nach der Befreiung Remscheids durch die US-Armee im Polizeiamt in der Uhlandstraße seine Eigentumsrechte an der durch die Gestapo beschlagnahmen Schreibmaschine geltend machen wollte, wurde ihm mitgeteilt, dass diese dort nicht mehr vorhanden sei. Adam B. starb 1960 in Remscheid; Stanislaus S., der 1940 zur deutschen Wehrmacht eingezogen worden war, ist nach dem Krieg fortgezogen, sein weiterer Lebensweg ist nicht bekannt.

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