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Die Senioren in Hof Glassiepen sind völlig entsetzt

Unruhe unter Glassiepen-Mietern wegen neuem Besitzer“, titelte der Waterbölles am 9. August.  Da waren die rund 120 Wohnungen der Seniorenwohnanlage Hof Glassiepen, Peterstraße 26, gerade von der Gisela Hübeler Immobilienverwaltung, Industriestr. 23, an die „Wert-Investition Hof Glassiepen Grundbesitz GmbH“ (Stammkapital 25.000 Euro) mit Sitz in Sarstedt, Käthe-Paulus-Straße 2a, verkauft worden. Die wird seit Februar beim Amtsgericht Hildesheim unter dem Aktenzeichen HRB 206109 geführt. Sie ist eine von vielen Projektgesellschaften der Wert-Investition Holding GmbH, die 2016 aus der 1992 von Werner Ströer gegründeten Wert-Investition GmbH entstand.  Bis heute ist dieser der Geschäftsführer der Holding sowie aller Projektgesellschaften.

Eine Mieterversammlung, auf der die Mieter von der Peterstraße in Remscheid den neuen Eigentümer aus Niedersachsen hätten kennenlernen können, habe es noch nicht gegeben; entsprechend groß sei die „allgemeine Verunsicherung und Unruhe“, erfuhr der Waterbölles damals von einer Mieterin. Inzwischen ist aus der Verunsicherung Entsetzen geworden. Denn seit gestern hängt in der Senioren-Wohnanlage ein Schreiben des Remscheider Energielieferanten EWR GmbH am Schwarzen Brett. Darin informiert die Tochterfirma der Stadtwerke Remscheid die Mieter, „dass Zahlungsrückstände aus Wärmelieferung (Heizung und Warmwasser) für das Gesamtobjekt bestehen“ und die „Verbrauchsstelle Hof Glassiepen“ erhebliche offene Posten aufweise. Deshalb sieht sich die EWR, Zitat, „bedauerlicherweise gezwungen, die Wärmeversorgung des Hauses am 5. November einzustellen. Wir bedauern, Ihnen diese Mitteilung machen zu müssen und bitten Sie, sich mit ihrem Vermieter in  Verbindung zu setzen. Wir hoffen, dass die angekündigte Maßnahme durch Ausgleich des Zahlungsrückstandes vermieden werden kann. Wir möchten Sie noch darauf hinweisen, dass die Liefersperre auch durch Zahlungen seitens der Mieter abgewendet werden kann.“

Mit dem Vermieter in Verbindung setzen?! Leichter gesagt als getan, weiß Ulrike Hartenstein zu berichten: „Da geht einfach niemand ans Telefon!“. Sie wohnt mit ihrem Mann Joachim schon seit Jahren in Hof Glassiepen und kennt viele ältere Mieter, die insgesamt nicht mehr so fit sind. „Die wissen nicht mehr ein noch aus. Viele hatten Tränen in den Augen oder haben geweint, als sie den Brief der EWR gelesen haben!“

Was die Mieter nicht wissen konnten: Der von Klaus Zehrtner, Leiter Energiedienstleistungen, unterschriebene Brief ist die aktuellste, aber nicht die erste Maßnahme des Energieversorgers seit dem Verkauf der Immobilie, um ihre Wärmelieferungen für Hof Glassiepen bezahlt zu bekommen. Das begann mit mehreren Mahnschreiben an den neuen Besitzer. Doch der sieht sich offenkundig nicht in der Verpflichtung, in den einst zwischen der Hübeler Immobilienverwaltung und der EWR abgeschlossenen Liefervertrag einzusteigen. Ergebnis: Die EWR liefert seit dem 1. August, also seit drei Monaten, zwar weiterhin, sieht auf ihrem Konto aber kein Geld. Im November wird es ein fünfstelliger Betrag sein, der in ihren Büchern fehlt.

Die Wärmeversorgung für die Seniorenanlage ist mit der einer einzelnen Wohnung nicht zu vergleichen. Dahinter steckt eine weitaus aufwendigere (und kostspielige) Technik. Auf sie hatten sich der damalige Besitzer und Vermieter (Hübeler) und die EWR vertraglich verständigt. Eine Klausel regelt für den Fall des Verkaufs die Rechtsnachfolge. Folglich hätte ab August die „Wert-Investition Hof Glassiepen Grundbesitz GmbH“ zahlen müssen. Tut es aber nicht! Woraufhin sich die EWR an die Hübeler Immobilienverwaltung wandte. Auch sie steht vertraglich noch in der Verpflichtung, scheint sich gegenwärtig aber ebenfalls querzustellen. Geld von dieser Seite floss jedenfalls bis heute ebenfalls nicht.

Ein Fall für die Gerichte? Das könnte langwierig werden! Dieser Gedanken raubt inzwischen vielen Mietern von Hof Glassiepen den Schlaf.

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Kommentare

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Michael Gers am :

Da ist man einfach fassungslos....da kaufen solche Heuschrecken die Mietwohnung einem unterm Hintern weg und kommen Ihren Verpflichtungen nicht nach....Ein Schuft der Böses dabei denkt....das gibt bestimmt schöne Eigentumswohnungen wenn die jetzigen Mieter vergrault sind. Könnte garnicht soviel essen wie ich kotzen möchte.

Michael Gers am :

Wie ich vermutet habe....die Wohnungen werden als Eigentumswohnungen verkauft. Heuschrecken! Was anderes fällt mir nicht ein.

Lothar Kaiser am :

Haben eigentlich die Lokalzeitungen über den Verkauf der Wohnanlage zumn 1. August schon einmal berichtet?

Lothar Kaiser am :

Der neue Besitzer hat vor, die jetzigen Miertwohnungen, sobald sie frei geworden sind, ab 101.000 Euro zu verkaufen (siehe obigen Link zum Namen der Projektgesellschaft). Man könnte also auf den Verdacht kommen, die bislang unterlassene Bezahlung der Energiekosten könnte der Versuch sein, den Auszug der Mieter zu beschleunigen. Aber so etwas tut natürlich kein ehrbarer deutscher Unternehmer.

Chronist am :

Sozialdezernent Thomas Neuhaus und Mitarbeiter seines Stabes haben sich heute eingeschaltet und die Mieter von Hof Glassiepen darüber informiert, dass es in Absprache mit der EWR in der kommenden Woche zu keiner Abschaltung von Heizung und Warmwasser kommen wird. Für Montag plant die Stadt ein Gespräch mit den Mietern und will sich auch mit dem Vermieter in Verbindung setzen. Das sagte Neuhaus am Abend auf Nachfrage von Markus Kötter (CDU) auch im Haupt- und Finanzausschuss.

Chronist am :

Aktueller Aushang der Stadt Remscheid für die Mieter von Hof Glassiepen: „Sehr geehrte Damen und Herren, ich darf Ihnen mitteilen, dass die Stadt Remscheid sich erfolgreich dafür eingesetzt hat, dass die Energieversorgung nicht eingestellt wird. Eine nähere Information dazu wird es am kommenden Montag, 4. November, 14.30 Uhr, hier vor Ort geben. Mit freundlichen Grüßen Carsten Thies, Fachdienstleiter.“

Lothar Kaiser am :

Rechtlich zu prüfen wäre, ob die Mieter ihre Miete an den Vermieter mindern und zugleich Geld an die Stadtwerke (ERW) überweisen können, um die Energieversorgung ihrer Wohnungen sicherzustellen.

Lothar Kaiser am :

Die Stadt Remscheid hat die Mieter gestern darüber informiert, dass die für heute angekündigte Sperrung der Heizung nicht erfolgt. Die Forderung der EWR ist inzwischen beglichen worden. Darum hatte sich auch die Stadt gekümmert. Fachdienstleiter Carsten Thies: „Wir haben ein großes Interesse daran, dass die Belange der älteren Generation gewahrt werden. Allerdings sind die tatsächlichen Möglichkeiten der Einflussnahme auf eine vertragliche Beziehung zwischen Mieter und Vermieter gering, weshalb für die Zukunft die Inanspruchnahme rechtlicher Beratung (z. B. Mieterverein, Anwaltschaft) durch die Mieter erwogen werden sollte.“

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