Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Attentat vor 80 Jahren – Festnahmen auch in Remscheid

von Armin Breidenbach

Insgesamt mehr 40 Attentatsversuche bzw. Attentatspläne hatten die Beseitigung Adolf Hitlers zum Ziel. Sie scheiterten jedoch meist an technischen Schwierigkeiten, den strengen Sicherheitsvorkehrungen, dem auffälligen Verhalten der Attentäter oder auch am unvorhersehbaren Verhalten Hitlers. Beispielsweise versuchte der württembergische Schreiner Georg Elser, ein Einzelgänger, der Mitglied des kommunistischen Roten Frontkämpferbundes war, Hitler am 8. November 1939 während seiner Rede im Münchener Bürgerbräukeller durch eine Bombe mit Zeitzünder zu töten. Hitler entging dem Attentat, weil er die Veranstaltung früher als geplant verlassen hatte. Elser wurde noch am Abend desselben Tages - ohne Zusammenhang mit den Fahndungsmaßnahmen – festgenommen und später im KZ Dachau inhaftiert, bis er im April 1945 erschossen wurde. Auch der gleichgeschaltete Remscheider General-Anzeiger berichtete ab dem 9. November 1939 ausführlich über das Attentat.

Von September bis November 1939 wurden im gesamten Deutschen Reich „nur wenig mehr als 3.000 Personen“ von der Gestapo festgenommen, darunter eine unbekannte Anzahl von Personen, die im Zusammenhang mit dem Attentat von Georg Elser festgenommen worden waren. Zu diesem Personenkreis gehörten nicht nur sämtliche Mitglieder der Familie von Georg Elser, sondern beispielsweise auch mehr als 100 Leipziger und zwölf stadtbekannte Kommunisten und Sozialdemokraten aus Celle. Mit der Gestapo-Sonderaktion vom 9. November 1939 sollten nach Georg Wilhelm „vor allem Juden und politisch ‚Unzuverlässige‘ als Geiseln für das Attentat genommen werden.“

Auch in Remscheid wurden im Rahmen dieser Gestapo-Sonderaktion am 9. bzw. 10. November 1939 mehrere Kommunisten festgenommen und für bis zu etwa einem Monat im Polizeigefängnis Remscheid in „Schutzhaft“ gehalten. An Hand des Aufnahmebuchs des Polizeigefängnisses Remscheid von 1939 hätte sich zweifelsfrei feststellen lassen, wie viele Personen damals festgenommen worden waren und wie lange sie im Polizeigefängnis Remscheid eingesperrt waren. Da aber die Aufnahmebücher des Polizeigefängnisses Remscheid für den Zeitraum von Januar 1933 bis Februar 1944 verschollen sind, musste auf andere Quellen, vor allem auf die im Historischen Zentrum Remscheid archivierten Wiedergutmachungsakten zurückgegriffen werden.

Der Remscheider Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Wilhelm Redlich, der zu den damals Festgenommenen gehörte, erklärte 1949 an Eides statt: „Ich bestätige hiermit, dass ich am 10.11.39 zusammen mit Otto Hardenbruch im Polizeigefängnis Remscheid bis zum 12.12.39 in Schutzhaft gewesen bin. Anlass zu dieser Verhaftung, wo u.a. auch Wilhelm Paulowski, Remscheid-Lennep, Hermann Stange, früher Remscheid, Willi Göbel, Remscheid, Langestr. verhaftet wurden, war das Attentat in München auf Hitler. Es waren zusammen etwa 1o Mann, die mit uns in Schutzhaft waren. Ich kann mich aber nicht mehr genau an die einzelnen Personen erinnern.“

Otto Hardenbruch, als KPD-Mitglied ebenfalls damals festgenommen, erklärte 1949: „Im Zuge der Reichsaktion am 9.11.1939 wurde ich wieder verhaftet und traf hier auch wieder Willi Karthaus, welchen man ebenfalls verhaftet hatte. Während ich am 12.12.1939 entlassen wurde, verblieben Karthaus sowie die meisten Inhaftierten noch in Gewahrsam im Polizeigefängnis Remscheid. Ich kann mich deshalb genau entsinnen, weil ich mit Karthaus und Redlich in einer Zelle zusammen war.“

Nach derzeitigem Forschungsstand waren folgende sechs Remscheider Kommunisten im Zusammenhang mit dem Elser-Attentat festgenommen worden: Wilhelm Göbel, Otto Hardenbruch, Wilhelm Karthaus, Wilhelm Paulowski, Wilhelm Redlich und Hermann Stange. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alle bereits in früheren Jahren mindestens schon einmal aus politischen Gründen inhaftiert waren. Während Wilhelm Göbel und Otto Hardenbruch bereits 1924 bzw. 1933 wegen Sprengstoffverbrechens verurteilt worden waren, wurden Wilhelm Paulowski und Wilhelm Karthaus am 21. Juni 1934 in einem Prozess mit insgesamt neun Angeklagten aus Remscheid wegen dieses Delikts zu Zuchthausstrafen verurteilt. Der Remscheider General-Anzeiger berichtete in seiner Ausgabe vom 23./24. Juni 1934 ausführlich über diesen Prozess vor dem Düsseldorfer Sondergericht.

Hingegen waren die KPD-Funktionäre Hermann Stange und Wilhelm Redlich nicht wegen eines Sprengstoffverbrechens, sondern 1934 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu Zuchthausstrafen verurteilt worden, die sie im Zuchthaus Remscheid-Lüttringhausen verbüßen mussten. Alle sechs Remscheider Kommunisten, die im Zusammenhang mit dem Elser-Attentat festgenommen worden waren, wurden spätestens im Dezember 1939 aus der „Schutzhaft“ im Polizeigefängnis Remscheid entlassen; sie alle überlebten das Kriegsende.

Quellen:
-          Best, Heinrich und Mestrup, Heinz (Hrsg.): Die Ersten und Zweiten Sekretäre der SED. Machtstrukturen und Herrschaftspraxis in den thüringischen Bezirken der DDR, Weimar und Jena 2003
-          Breidenbach, Armin: Widerstand und Verfolgung in Remscheid 1933 – 1945. Remscheider Widerstandskämpferinnen und –kämpfer, Oppositionelle und Verfolgte, Hrsg.: Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Kreisverband Remscheid, IG Metall Verwaltungsstelle Remscheid und DIE GRÜNEN, Kreisverband Remscheid, Selbstverlag Armin Breidenbach, Berlin 1992
-          Enzyklopädie des Nationalsozialismus, hrsg. von Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß, 2. Aufl., München 1998
-          Historisches Zentrum Remscheid: verschiedene Bestände
-          Lang, Jochen von: Die Gestapo. Instrument des Terrors, München 1993
-          Steinbach, Peter und Tuchel, Johannes: Georg Elser und das Attentat vom 8. November 1939, in: Peter Steinbach und Johannes Tuchel (Hrsg.): Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur 1933 – 1945, Bonn 2004, S. 343 – 357
-          Wilhelm, Georg: Die Diktaturen und die evangelische Kirche. Totaler Machtanspruch und kirchliche Antwort am Beispiel Leipzigs 1933 – 1958, Göttingen 2004.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!