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Was ist bloß mit dem Journalismus los?

von Prof. Dr. Siegfried Weischenberg

Vor einigen Monaten feierte das Universitäts-Institut (in Hamburg), an dem ich viele Jahre gearbeitet habe, sein 100. Jubiläum. Es gab einen Festakt mit Musikbegleitung, der Rektor sprach ein Grußwort, und auch ich durfte ein wenig mitwirken. Im Vorfeld des Geburtstags sendete der öffentlich-rechtliche Regionalsender ein Stück, das deutlich machen sollte, wie renommiert der Jubilar inzwischen ist. Dazu gab es ein recht eigenwilliges Filmchen über ein Detail der dort stattfindenden Forschung sowie einen Trailer. Darin wurde die Bedeutung dieser Institution vor allem damit begründet, dass die bekannte TV-Nachrichtensprecherin und Talkshow-Moderatorin X, der durch das Fernsehen bekannt-gewordene und mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Comedian Y und der Sport-moderator und Präsentator einer erfolgreichen Satiresendung Z dort Examen gemacht hätten.

Doch das stimmte nur zu einem Drittel. Alle drei hatten zwar eine Zeitlang an diesem Institut – mehr oder weniger intensiv – studiert. X und Y waren jedoch abgesprungen, ehe sie in die Nähe eines Studienabschlusses kamen, weil sie längst was mit Medien machten, das ihnen Geld und öffentliche Aufmerksamkeit verschaffte. Einzig Z war solange bei der Stange geblieben, bis er das Magister-Examen gemacht hatte – übrigens mit einer Arbeit über Kinderfunk, an die ich mich als Betreuer noch gut erinnern kann.

Wenn man eine solche, eigentlich eher banale Geschichte bestimmten Leuten erzählt, löst das sofort einen Reflex aus, den man nur mit der allgemeinen Stimmungslage gegenüber den Medien erklären kann. „Da sieht man es mal wieder“, sagen sie dann, „wie die Journalisten arbeiten. Sie sind total auf Promis fixiert. Und dann stimmen nicht mal die Fakten, weil sie nicht recherchieren wollen oder können.“

(aus der Dokumentation des
„IQ-HERBSTFORUMS QUALITÄT UND PROFESSIONALITÄT:
JOURNALISMUS AUF GUTEN WEGEN?“,
veranstaltet von der „Initiative Qualität“ am 14. Oktober in Berlin)

Das Misstrauen gegenüber den Medien und ihrem Journalismus ist groß – und dies übrigens, wie Langzeitstudien zur Medienbewertung zeigen, schon seit vielen Jahren. Es beruht oft auf Erfahrungen im Kleinen, verstärkt sich, wenn man selbst betroffen ist, und wird bei manchen Leuten zur Pauschalkritik, auf die in Deutschland seit einigen Jahren das Etikett „Lügenpresse“ geklebt wird (allerdings mit abnehmendem Engagement). Damit geschürte Vor-Urteile wird man, wenn überhaupt, so schnell nicht wieder los. Und dabei geben sich viele Journalisten zumindest in diesem Jahrzehnt sehr viel Mühe, besser zur wirken als ihr Ruf.

Die Kritik an Medien und Journalismus – ihre Tradition reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück – kommt seit einer Reihe von Jahren in zwei modernen Varianten daher: als pauschale Verdammung von Journalisten durch scheinbar „normale“ Bürger und als sensible Selbstbezichtigung durch bekümmerte Berufspraktiker. Wenn man zusammenfasst, was da so alles über den Journalismus geäußert wird – auch und gerade von Journalisten selbst –, gewinnt man nicht unbedingt den Eindruck, dass sich der Beruf „auf guten Wegen“ (Tagungstitel) befindet. Andererseits wimmelt es geradezu von Verbesserungsvorschlägen aus der Branche. Das Repertoire an Stellschrauben scheint dabei fast unbegrenzt zu sein.

Die eine Form der Medienkritik („Lügenpresse“) ist inzwischen quasi „geadelt“ worden: durch einen überdrehten Bestseller (Udo Ulfkotte: „Gekaufte Journalisten“), durch eine parteipolitisch inspirierte Analyse im wissenschaftlichen Gewande (Thomas Meyer: „Die Unbelangbaren“) und neuerdings durch einen Talkshow-affinen Philosophen und Medienwissenschaftler; auf ihn werde ich zurückkommen, wenn es darum geht, etwas Wichtiges zurechtzurücken. Die beiden Bücher sind richtig schlecht – überzogen in der Argumentation und, was die Fakten angeht, zum Teil auch richtig falsch. Doch die Leser-Reaktionen – z. B. in den Amazon-Kommentaren – waren meistens regelrecht enthusiastisch.

Die andere Form – der selbstkritische Blick in den Spiegel, wurde, wenn ich das richtig sehe, auf breiter Linie zuerst von der Wochenzeitung „Die Zeit“ gepflegt. Dort gab es z. B. einen üppigen Essay, in dem aktuell der eigenen Branche eine „maßlose Lust am Skandal“ vorgeworfen wurde. In diese Kritik hatte der Autor (und das überraschte dann doch) sogar das Satire-Format der „heute-show“ mit einbezogen; ihr Moderator Oliver Welke – das ist der mit dem Kinderfunk – sei „zum Durchschnittsbürger mit Sendeerlaubnis geworden“.

Gewiss dürfe Satire alles, hieß es dann vorsichtshalber. „Aber wenn sie vom Rand der Debatte in deren Mitte rückt, sagt das viel über die Gesellschaft.“ Generell verstärkten die „Mediensatiriker“ in ihren Programmen „die Abneigung gegen jene Medien, denen sie ihre Sendeplätze verdanken“. Die „permanente Skandalisierung“, so meinte der Autor, bedeute die Abkehr von Aufklärung und echter Auseinandersetzung.

Dabei wurde dann auch die neue Erscheinung der Empörungswellen in den „Sozialen Netz-werken“ thematisiert und daraus folgende Schlussfolgerung gezogen: „Für Journalisten heißt das: Übertreibt es nicht. Eure Rolle hat sich verändert.“ Früher seien die Journalisten für die Skandalisierung quasi exklusiv zuständig gewesen. Heute finde die Empörung ohnehin statt. Doch ein erheblicher Teil des Publikums wolle, dass Journalisten mehr als bisher für Stabilität im öffentlichen Diskurs sorgten.

Man könnte hier schon fragen, ob das tatsächlich die Funktion des Journalismus sein sollte. Einem Werbeprospekt in meinem Briefkasten entnahm ich dann vor einigen Wochen, dass „Die Zeit“ die Einrichtung eines speziellen Ressorts mit dem Namen „Streit“ gestartet hat. Die Leser sollten nun im Rahmen einer Umfrage, die wohl eher der Abonnentenwerbung dient, mitteilen, was sie sich davon versprechen.

Nun kann man die Themenfrage, welche mir gestellt worden, ja auf zwei unterschiedliche Weisen interpretieren: Mit eher pejorativer Intention im Sinne von „Mein Gott, was ist bloß mit dem Journalismus los?“ Das wäre die Fake-News-Variante, die in wenig differenzierter Form auch von Wissenschaftlern in Büchern verkauft wird (ich könnte weitere Beispiele nennen). Oder – wenn man das Wörtchen „bloß“ weglässt – im Sinne einer Suche auf Antworten, die einigermaßen empiriegesättigt sind: „Was ist mit dem Journalismus, was ist im Journalismus los?“

Entlang dieser Frage will ich eine Reihe von Beschreibungs- und Erklärungsangeboten machen, die z. T. auf Studien beruhen, die wir und andere in den vergangenen drei Jahrzehnten zum „Journalismus in Deutschland“ durchgeführt haben. Soweit muss man übrigens zurückgehen, wenn man vollständig begreifen will, was mit dem Journalismus geschehen ist. „Vergleichende Standortbestimmung“’ (Untertitel) hat also zunächst eine historische Konnotation. Hinzuziehen will ich aber auch andere „Journalismen“ – insbesondere den Journalismus in den USA.

Dazu sind zunächst einige Forschungsbefunde vorzustellen und zu erläutern. Ich konzentriere mich dabei auf das verfügbare Wissen über die Merkmale und Einstellungen der Journalistinnen und Journalisten. Mein erster Punkt also: die Befunde.

Dann will ich zweitens Meinungen und Bewertungen präsentieren und diskutieren, die bei den Debatten über den Journalismus, über die Qualität seiner Inhalte und die Professionalität seiner Akteure, gehandelt werden. Diese sind z. T. zumindest irreführend. Die Überschrift meines zweiten Abschnitts lautet also: die Ansichten. Schließlich ist dann auch zu erörtern, wie aus heutiger Sicht die Zukunft des Journalismus aussehen kann (oder: muss). Das ist für praktizierende Journalistinnen und Journalisten, aber auch für Berufsaspiranten, die „brennen“, gewiss das Wichtigste. Drittens also: die Aussichten. Noch einmal: An allen möglichen konstruktiven Ideen, aber auch an apokalyptischen Szenarien mangelt es hier nicht. Ein Medienwissenschaftler, der aus dem Beruf kommt und dessen Urteil Gewicht hat, versucht junge Leute inzwischen sogar mit dem Satz abzuschrecken: „Tut Euch das nicht an!“

So schwarz male ich die Zukunft des Berufs nicht – zumal ja jetzt, man glaubt es kaum, von den Medien angeblich wieder Journalistinnen und Journalisten gesucht werden. Aber ich denke auch, dass man sich was einfallen lassen muss, wenn der Journalismus zukunftsfest werden soll. Und dies betrifft keineswegs nur die Lösung von Finanzierungsproblemen für Qualitätsjournalismus, sondern auch Rolle und Selbstverständnis der Akteure.

1. Befunde: Merkmale und Einstellungen der Journalisten

Der Journalismus ist gerade in Deutschland solide untersucht. Wir können den Beruf – und insbesondere seine Entwicklung in den vergangenen rund zwei Jahrzehnten – recht genau beschreiben. Details zu den vorliegenden Untersuchungen und ihren Methoden schenke ich mir hier und konzentriere mich auf einige zentrale Befunde. Wir wissen, dass die Zahl der Hauptberuflichen, die vom Journalismus leben, in dieser Zeit von 54.000 auf 41.000 geschrumpft ist (in den USA, wo nur die „News People“ erfasst wurden, zwischen 1992 und 2013: von 122.000 auf 83.000).

Dahinter stecken nicht nur viele individuelle Schicksale, sondern gesellschaftliche Folgewirkungen. Denn die Wissenschaft nimmt aus guten Gründen an, dass die Zahl der Journalistinnen und Journalisten Relevanz besitzt für die Funktion des Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft. In Deutschland kommen auf 100.000 Einwohner rund 50 Journalisten, in den USA schätzungsweise weniger als 30. In Österreich liegt die Zahl aber bei 87 und in der Schweiz sogar bei 129 – und in der Türkei bei acht. Fast halbiert hat sich in Deutschland im Laufe der letzten gut zwei Jahrzehnte die Zahl der hauptberuflich (!) freien Journalisten (1993: 18.000, 2015: 9.600). Logisch, dass auch die Zahl der im DJV Organisierten zuletzt gesunken ist (zwischen 2005 und 2015 von 42.000 auf 36.000, jetzt ca. 32.000).

Der Frauenanteil im deutschen Journalismus ist hingegen gestiegen: von 33 Prozent auf rund 40 Prozent. Gestiegen ist auch das Durchschnittsalter: von 37 Jahren (1993) über 41 Jahre (2005) auf inzwischen rund 46 Jahre (2015). Das heißt: Der Journalismus hat ein Nachwuchsproblem – in Deutschland wie auch in den USA (Durchschnittsalter dort inzwischen: 47).

Den Befunden zufolge scheint er aber (in der Selbstbeschreibung der Akteure) weder ein Bildungsproblem noch ein Professionalitätsproblem zu haben – jedenfalls im Sinne der reinen Lehre von einem Journalismus, der Fakten und Meinungen trennt und sich mit keiner Sache gemein macht (um hier schon einen – meist falsch zitierten – berühmten Spruch ein-zuführen). 82 Prozent können inzwischen ein abgeschlossenes Studium vorweisen (nur zwei Prozent sind ohne Abitur); 1993 lag die Zahl noch bei 65 Prozent. In den USA liegt die Zahl der College Graduates sogar über 90 Prozent.

In den 1970er Jahren wurde eine „Professionalisierung durch Wissenschaft“ gefordert, weil die Journalistinnen und Journalisten zu wenig Kompetenz besäßen. Inzwischen wird diese formale Kompetenz eher negativ gewendet: als Beleg dafür, dass sich die Journalisten viel zu sehr vom Durchschnitt der Bevölkerung unterschieden – zumal die meisten von ihnen (rund zwei Drittel) ohnehin aus der bürgerlichen Mittelschicht stammen; nur eine kleine Minderheit kommt aus dem Arbeitermilieu.

Der Journalismus hat ein Diversitäts-Problem; dies wird inzwischen sogar in den Chefetagen erkannt. Es gibt zu wenige Journalisten aus unteren sozialen Schichten, wohl auch zu wenige mit Migrationshintergrund – und nach wie vor zu wenig Frauen an den Schalthebeln der Macht in den Medien. Die Befunde der Journalismusforschung sind gerade hier ganz eindeutig.

Journalisten sind – in Deutschland wie anderen vergleichbaren Ländern – in ihrer sozialen Zusammensetzung also alles andere als ein Spiegel der Bevölkerung (so wenig übrigens wie Ärzte, Anwälte oder Wissenschaftler). Deshalb hätten sie, so lautet der hier daraus abgeleitete Vorwurf, die wirklich wichtigen Themen längst aus dem Blick verloren.

Dies wird in den Augen der Kritiker auch nicht durch den Befund entkräftet, dass die weitaus meisten deutschen Journalisten (91 Prozent) behaupten, sie hätten sich mehr denn je die neutrale und präzise Information auf ihre Fahnen geschrieben. 1993 – als die öffentliche Kritik längst nicht so laut erschallte wie heute – lag diese Zahl nur bei 74 Prozent.

Deutlich nachrangig (mit zunehmender Tendenz) erscheint inzwischen eine aktive Rollen-wahrnehmung wie etwa Kontrolle der Regierung und der Wirtschaft oder gar Beeinflussung der politischen Agenda; dies wollte 1993 noch eine leichte Mehrheit der Befragten. Zugenommen hat jedoch die Orientierung der Journalistinnen und Journalisten an (vermeintlichen) Publikumsorientierungen.

Maybrit Illner hat zu dem Thema „Journalist als objektiver Berichterstatter“ schon vor Jahren folgende Erklärung beigesteuert: „Die Journalisten meiner Generation sind vielleicht einfach pragmatisch. Sie dienen sich keiner Partei an, sind keine verkappten Missionare, sondern verstehen sich als Beobachter, als Informations-Staubsauger und Analytiker. Diese Sorte Journalisten ist schwer erpressbar.“ Diese Analyse bewegt sich weit weg von dem, was viele Menschen heute über die Journalistinnen und Journalisten und deren Arbeit öffentlich äußern.

Die weit überwiegende Mehrheit der Journalisten legte sich im Lichte unserer damaligen Befragung aber nicht nur auf ein neutrales Rollenselbstverständnis fest, sondern glaubte auch, dieses in der Praxis der Berichterstattung umsetzen zu können. Das haben wir „Handlungs-relevanz“ des Rollenbildes genannt. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammen-hang der damalige Befund, dass immer noch rund zwei Drittel der Befragten glaubten, die Realität genauso abbilden zu können, wie sie ist. Sie glauben, dass sie sagen, was ist. Damit wird ein Anspruch formuliert, an dem man – aus erkenntnistheoretischer wie professioneller Perspektive – nur scheitern kann.

Die Befunde zeigen auch, wie sehr Medienmenschen im eigenen Saft schmoren. Sie rekurrieren in starkem Maße auf andere Medien (das ist oft der Anfang der Recherche und bis-weilen auch ihr Ende) und umgeben sich auch in der Freizeit am liebsten mit Kolleginnen und Kollegen.

Besonders aufmerksam sind bei unseren Studien zum „Journalismus in Deutschland“ die Ergebnisse zur Parteienpräferenz der Akteure registriert und diskutiert worden. Ein Befund stach besonders ins Auge: 36 Prozent verrieten 2005 eine Neigung zu Bündnis 90/Die Grünen – fast doppelt so viele wie 1993. Bei den Frauen lag die Zahl sogar bei 41 Prozent. Ähnliche Zahlen gab es 2008 auch in Österreich. Die CDU/CSU kam in unseren beiden Befragungen nur auf rund zehn Prozent, die SPD auf rund 25 Prozent.

Die aktuelle Studie, welche 2014/15 von Münchner Kommunikationswissenschaftlern mit schmalerem Budget durchgeführt worden ist, hat keine Parteienpräferenzen untersucht, sondern die politischen Einstellungen nur auf einer Zehner-Skala von links bis rechts erfasst. Ergebnis: Die Journalisten positionieren sich nach wie vor links von der Mitte (Mittelwert: 3,96); dies ist im Zeitverlauf – wie auch in den USA – gleichgeblieben. Dort hat allerdings die Zahl derjenigen, die sich als „Independents“ sehen, also weder den Demokraten noch den Republikanern zuordnen, deutlich zugenommen (auf rund 50 Prozent).

Eine solche Selbstauskunft der deutschen Journalisten ist natürlich Wasser auf die Mühlen all jener, die den Journalisten grundsätzlich absprechen, dass ihre Berichterstattung „ideologisch“ in der Nähe der Mehrheit der Bevölkerung angesiedelt sei – wobei ein recht großer Teil dieser Bevölkerung ja inzwischen den Journalisten sozusagen ins grüne Lager gefolgt ist.

Insgesamt malen die deutschen Journalistinnen und Journalisten im Lichte der Befunde nach wie vor ein eher helles Bild von ihrem Beruf. Sie halten (und das mehr denn je) das klassische Rollenbild des Informationsjournalismus hoch und lassen sich von allen gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen, die den Journalismus bedrohen, offenbar nicht allzu sehr beeindrucken. Da äußern die nordamerikanischen Nachrichtenjournalisten deutlichere Befürchtungen: Der letzten Befragung zufolge glauben 60 Prozent, ihr Beruf bewege sich in die falsche Richtung. Die Münchner Kommunikationswissenschaftler, welche unsere Studien zum „Journalismus in Deutschland“ repliziert haben, resümieren hingegen, die aktuellen Entwicklungen hätten – in den Augen der befragten Journalisten – „den Kern des Journalismus […] kaum erschüttert“.

2. Ansichten zum Journalismus in Deutschland

Seit etwa einem Jahrzehnt gibt es eine riesige Zahl von Stellungnahmen zur Lage des Journalismus – Kritik und Selbstkritik, Pessimistisches und Optimistisches; man kommt bei der Rezeption kaum noch nach. Dies ist insofern erstaunlich, als sich weder die Öffentlichkeit noch die Journalisten selbst in der Vergangenheit allzu sehr um den Journalismus und seine Ab-gründe gekümmert haben. Auffällig dabei, wie gern speziell ZDF-Moderatoren dabei in Buchform mitmischen – zum Beispiel Claus Kleber mit einem Bändchen, das den bombastischen Titel „Rettet die Wahrheit“ trägt.

Medienkritik war lange Zeit kein wichtiges Thema – ich spreche da aus eigener Kritiker-Erfahrung. Als die Zeitschrift „Die Woche“ seinerzeit mit einer großen Enthüllungsgeschichte gegen diese Regel verstieß, war ihr Ende schon nah.

Inzwischen gibt es zur Lage des Journalismus nicht nur viele Stimmen und viele Ansichten, sondern häufig auch einen großzügigen Umgang mit den Fakten. Die Schelte kommt dabei von allen Seiten und keineswegs nur von außen. Damit bin ich bei Springer-Chef Mathias Döpfner. Neuerdings attackiert er nicht nur den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, sondern auch den deutschen Journalismus in toto.

So hat er aus den referierten Befunden zur (offenbar recht stabilen) Parteienpräferenz der Journalisten – mit den Worten des Magazins „Übermedien“ – „das Narrativ des linksgrünen Gesinnungsjournalisten“ gestrickt, „der sich die Welt so zurechtschreibt, wie sie ihm gefällt“. Und der dabei natürlich sofort auf den „Fall Relotius“ rekurriert – auf den ich hier aber nicht weiter eingehen will, zumal sich fast alle dazu schon (mehr oder weniger kompetent) geäußert haben.

Interessanter ist für mich in diesem Zusammenhang Döpfners Pauschalurteil, dass es im Journalismus „die Ideologie eines intellektuellen Milieus“ gebe. Der Artikel aus der Feder des Wissenschaftlers Florian Meißner, in dem der Springer-Chef zu Wort kommt, stellt dazu in der Überschrift die Grundsatzfrage: „Journalisten sind eher links. Aber sorgen sie für linken Journalismus?“

Für Döpfner ist das so. Um das zu belegen, zitiert Döpfner die Befunde aus unserer Studie – aber nicht direkt, sondern nennt als Quelle „Professor Hans Mathias Kepplinger, einer der bekanntesten deutschen Kommunikationsforscher“, der eine Statistik zitiert habe ... So kann man das natürlich auch machen, um per Namedropping die eigene Generalthese scheinbar zu adeln, dass man nämlich von den Einstellungen der Journalisten direkt auf die Inhalte der Berichterstattung schließen könne. Bei Döpfner heißt es dazu dann wörtlich: „Wenn Medien politische Positionen der Bevölkerung so verzerrt repräsentieren, führt das auf die Dauer zu einer Entkoppelung.“ Jetzt verstehen wir auch, warum Digital-Publisher Döpfner – immer noch BDZV-Präsident – den (analogen) Journalismus in seinem Hause nach und nach abwickelt: Offenbar hat er von seinen linksradikalen Redakteuren die Nase voll.

„Untermedien“-Autor Meißner weist dagegen mit Recht zunächst einmal darauf hin, dass die Verhältnisse allein auf Grund der Grundsatzkompetenz von Medieneigentümern nicht so einfach sind. Sie bezahlen die Musik und bestimmen oft sogar, welche Stücke gespielt wer-den. Das könnte solang noch hingenommen werden, wie es auf den Medienmärkten hinreichend Vielfalt gibt – und solang beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Binnenpluralismus funktioniert. Der Außenpluralismus ist aber in vielen Fällen längst nicht mehr gegeben, und deshalb müsste das Thema „Innere Pressefreiheit“ – auch auf der Agenda der Berufsverbände – mehr denn je einen zentralen Stellenwert haben.

In jedem Fall bedeutet allein die Medienorganisation einen prägenden Rahmen für die Berichterstattung. Hinzu kommen diverse andere strukturelle Faktoren, welche die individuelle journalistische Freiheit in erheblichem Maße einschränken. Dies zeigen insbesondere auch Systematisierungen der Einflussfaktoren im Journalismus, wie sie in einschlägigen Modellen vorgeschlagen worden sind.

Medien- und Kommunikationswissenschaftler sollten diese eigentlich kennen und sich vor Pauschalurteilen hüten. Ich könnte nun einige Namen nennen von Kolleginnen und Kollegen, die hier hartnäckig sündigen. Doch ich will mich auf eine einzelne Person konzentrieren, die neuerdings besonders auffällig ist: den Philosophen und Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Er ist eigentlich ein gebildeter und auch humorvoller Mann, der interessante Bücher geschrieben hat. Doch in Hinblick auf den real existierenden Journalismus vertritt er seit einiger Zeit eigenwillige Ansichten. Diese kommen bei der AfD ganz toll an, und deshalb tritt er neuerdings auch bei deren Stiftung auf. Auf YouTube kann man diesen Auftritt besichtigen.

Generell polemisiert Bolz gegen alle Formen von Political Correctness (PC) und das Main-streaming des Gutmenschentums in den Medien. Im Besonderen geht es ihm aber um die vielen „Oberlehrer“ im deutschen Journalismus; im Schweizer Fernsehen attackierte er den „medialen Pranger“ und konkret Sendungen wie das „Heute Journal“. Damit hat er in den letzten drei Jahren eine erstaunliche Twitter-Karriere in der rechten Ecke gemacht.

Für das erstere Monitum – eine gewisse PC-Lastigkeit der Berichterstattung und das zu enge Meinungsspektrum im öffentlichen Diskursraum – mag es ja deutliche Belege geben (Bei-spiel: Flüchtlingskrise). Doch wenn man solche Belege auch für grundlegende Vorwürfe gegen die Journalistinnen und Journalisten hat, muss man sie vorlegen. Kritiker des Journalismus, die man ernstnehmen kann, tun dies. Bolz stützt sich aber nur auf eigene, eher flüchtige Medieneindrücke und auf einen Zeugen – und der ist schon lange tot: den „Tagesthemen“-Moderator Hanns Joachim Friedrichs. Dieser legendäre Journalist habe ausdrücklich davor gewarnt, was laut Bolz insbesondere die Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rund-funks permanent praktizieren, nämlich sich mit einer Sache „gemein“ zu machen; dies dürften sie, habe dieser kompetente und glaubwürdige Zeuge gelehrt, nicht einmal dann, wenn es sich um eine angeblich „gute Sache“ handele.

Der Medienwissenschaftler steht hier mit seinem Rekurs auf Friedrichs nicht allein. Immer wieder werden diese Äußerungen zitiert – und offenbar macht sich inzwischen niemand mehr die Mühe, das Zitat mal an der Quelle nachzuprüfen. Hanns Joachim Friedrichs hat kurz vor seinem Tode, unterstützt von dem einstigen „Spie-gel“-Redakteur Harald Wieser, unter dem Titel „Journalistenleben“ seine Memoiren verfasst. Darin kann man genau nachlesen, was es mit seiner angeblichen Handlungsanweisung für die Wahrnehmung der journalistischen Berufsrolle wirklich auf sich hat und welche Ein-stellung zum Beruf die richtige sein soll.

Wer in das Buch schaut, lernt, dass es sich bei den vielzitierten und -interpretierten Rat-schlägen um die Meinung seines journalistischen Lehrmeisters Charles Wheeler handelt, damals Nachrichten-Chef bei der BBC, mit dem er viel diskutiert habe. Die zentrale Aussage lautet dabei schlicht, dass ein seriöser Journalist „Distanz zum Gegenstand seiner Betrachtung“ halten solle. Dies lässt m. E. durchaus Spielraum für eine Haltung, als Journalistin oder Journalist nicht alle Sachen gleich zu behandeln und sich – natürlich mit professionell „kaltem Herzen“ – für eine gute Sache einzusetzen.

Eine solche Haltung stört die Fundamentalkritiker massiv. Doch deren Funktionsverständnis liegt nicht nur quer zu den Berufsmotiven vieler Journalistinnen und Journalisten; es ist auch gesellschaftlich nicht wünschenswert. Der Gesellschaft wäre mit einem „keimfreien Journalismus“ nicht gedient.

Eine „gute Sache“ ist der Kampf für eine funktionierende Demokratie und für gleiche Chancen, sind der Klimaschutz und der Kampf gegen Rassismus und Extremismus. Diesen „guten Sachen“, dürfen, ja müssen sich Journalisten widmen. Gewiss stets nach allen Regeln der Kunst, die sich im Journalismus bewährt haben. „Ausgewogenheit“ – dieses Postulat bewegt ja die Kritiker am meisten – kann da nicht immer oberstes Postulat sein.

Dazu hat der einst sehr bekannte TV-Reporter Dagobert Lindlau Folgendes geschrieben – und damit ist wirklich alles gesagt: „Ich warte auf den Tag, an dem wir der Ausgewogenheit zuliebe bei einem Bericht über die Hitlerschen KZ einen alten Nazi (oder: inzwischen einen ‚neuen Nazi’, füge ich hinzu) vor die Kamera holen müssen, der dann feststellt, die Konzentrationslager hätten schließlich auch ihr Gutes gehabt.“ Es gibt, mit den Worten des berühmten amerikanischen Reporters Ed Murrow, der einst den Kommunistenjäger McCarthy demontierte, eben „Dinge, die haben nur eine Seite“.

Viele scharfe Kritiker des Journalismus hegen offenbar ganz andere Erwartungen gegenüber dem Journalismus. Aber sie dürfen sich dabei nicht auf Hanns Joachim Friedrichs berufen. Sie nennen „ausgewogen“ und „objektiv“, was ihnen in den Kram passt. Dieses Spiel müssen Journalisten nicht mitspielen – nur, damit die Kritiker Ruhe geben. Friedrichs hat übrigens schon vor mehr als 25 Jahren – im Vorwort zu Cordt Schnibbens Buch „Reklamerepublik“ –Folgendes geschrieben: „Viel im deutschen Journalismus steckt in der Krise, die bunte Nichtigkeit ist zur unwiderstehlichen Verführung geworden.“ Seine Empfehlung lautete damals: „Schreiben, was Sache ist, senden, was Sinn macht.“

Seit Hajo Friedrichs’ Tod im Jahre 1995 wird der nach ihm benannte Preis für Fernsehjournalismus verliehen. Meist trifft es dabei die Richtigen. Dass jemand wie Anja Reschke diesen Preis erhalten hat, findet Norbert Bolz offenbar skandalös. Für solche Polemik wird man von AfD-Leuten mit Beifall überschüttet. Medienkritiker – gerade auch solche, die mit dem Prestige von Wissenschaftlern ausgestattet sind – sollten sich nicht mit einer schlechten Sache gemein machen.

Diese Medienkritiker, welche den Journalisten aus den Befunden zu ihrer politischen Orientierung einen Strick drehen wollen, verwickeln sich ohnehin in einen Widerspruch: Während sie hier von den Befunden direkt auf die Berichterstattung (und ihre angebliche Linkslastigkeit) schließen, weigern sie sich, dasselbe zu tun, wenn es um die Befunde zur Rollenselbstdeutung des „objektiven Berichterstatters“ geht. Dann sprechen sie, wie Bolz, pauschal von „Oberlehrern“ und von „Meinungsmache“ durch Leute, die aus der Rolle fielen.

3. Aussichten: Blick auf den künftigen Journalismus

Das 20. Jahrhundert war – mit dem Aufblühen der Massenpresse und dem Aufkommen von Radio und Fernsehen – das Jahrhundert des Journalismus. Und vielleicht waren die 1970er Jahre, als die „Watergate-Affäre“ zum Hochamt des Investigativen Journalismus wurde, so-gar das Jahrzehnt des Journalismus.

Dies alles ist vorbei, und es wird wohl auch nicht wiederkommen. Die Medien und ihr Journalismus stecken in einer Krise. Dies ist nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine Identitätskrise. In den USA, aber auch in Deutschland und anderswo, wird ja gegen einzelne Medien und Journalisten regelrecht Krieg geführt. Dazu hat natürlich, wie wir wissen, in erheblichem Maße das Internet beigetragen – nicht zuletzt auch deshalb, weil es der Medien-kritik einen früher unvorstellbaren Resonanzboden verschafft. Es kommt hinzu, dass die Verantwortlichen viel zu lange tatenlos zugesehen haben, wie der Journalismus immer mehr in die Defensive geriet. Auch Selbstkritik war lange Zeit nicht angesagt; inzwischen zeigt sie manchmal schon masochistische Züge. Womöglich ist dieses manisch-depressive Hin- und-Her-Schwanken nicht untypisch für die journalistische Mentalität.

Was die ökonomische Seite angeht, so bin ich seit langem der Auffassung, dass sich Qualitätsjournalismus auf Dauer nicht über Märkte refinanzieren lässt. Der „Journalismus als kapitalistisches System“ wird Dauer nicht überlebensfähig sein. Hier wird sich vielleicht besonders augenfällig die alte Prognose des Wirtschaftstheoretikers Joseph Schumpeter erfüllen, dass der Kapitalismus an seinem Erfolg zugrunde gehen kann. Im 20. Jahrhundert waren die Massenmedien eine regelrechte Gelddruckmaschine – aber das sind sie längst nicht mehr. Die Leidtragenden waren zunächst die Journalisten und dann die ganze Öffentlichkeit, welche weiterhin auf Information, Kritik und Kontrolle durch Medien angewiesen ist.

In Schumpeters Logik bewegen sich der Springer-Verlag und dessen Chef Mathias Döpfner, der seine Einnahmequellen zunehmend in Geschäftsfelder verlagert hat, die wir bisher eher nicht als „journalistisch“ verstanden haben. Dass er immer noch Präsident des BDZV ist, kann man vielleicht als Symptom werten. Aber vielleicht ist es auch nur eine Pointe in unübersichtlichen Zeiten. Mehr will ich hier zum Thema „Medienökonomie“ nicht sagen, sondern unser Augenmerk wieder auf die professionelle Seite richten. Wie sind hier die Aussichten? Oder, mit Kant: Was sollen wir tun, und was dürfen wir hoffen?

Nun ist unübersehbar, dass sich die Medienverantwortlichen längst auch im Bereich der Aussagenentstehung und ihrer personellen Ausstattung alle möglichen Gedanken machen. Diversität und Transparenz sind dabei zwei zentrale Stichworte. Wer sich darüber detailliert informieren will, wird z. B. auf den Backstage-Seiten von Spiegel Online oder beim Hören des DLF-Podcasts „Der Tag“ fündig.

Ein Teil der Medien bemüht sich inzwischen durchaus, seinem Publikum nahezubringen, wie die Berichterstattung zustande kommt, welche Gedanken man sich in den Redaktionen macht und wie schwierig und durchaus kontingent oft Selektions- und Präsentations-Entscheidungen ausfallen. Die Debatte über die Frage, ob man die Herkunft von (potenziellen) Straftätern nennen soll, ist nur eines von vielen Beispielen.

Nicht verstehen kann ich, warum nicht längst alle Medien in ihren Foren und den Kommentarspalten ihrer Online-Auftritte verlangen, dass die Diskutanten mit Klarnamen auftreten. Früher landeten anonyme Leserbriefe sofort im Papierkorb. Jetzt will man durch die Zulassung von Nicknames Klicks generieren – und tut dies auf Kosten der Psyche von Journalisten, die sich vor schnellen, beleidigenden Kommentaren fürchten, wenn sie Meinungen äußern, die nicht voll konsensfähig sind. Ich bin sicher, dass die volle Namensnennung der Streitkultur in den Onlinemedien dienen würde.

Zentral für die Aussichten des Journalismus ist aber natürlich die Frage, welche Geschichten er künftig erzählen und welche professionellen Mittel er dabei einsetzen soll. Vorab gefragt: Soll er überhaupt Geschichten erzählen, also weiter – trotz der jüngsten Ereignisse – das „Storytelling“ pflegen oder sich wieder stärker auf seine Kernaufgabe der Nachrichtengebung konzentrieren? Darüber lässt sich streiten.

Strittig bleibt auch, wie weit man den Journalismus personalisieren will, indem man die Akteure sozusagen zu „Marken“ hochstilisiert. Gerade im Fernsehen wird das inzwischen m. E. übertrieben. Das, was ich „Ich-Journalismus“ nenne, ist keineswegs ein Garant für Publikumsnähe; die permanente Thematisierung von persönlichen Befindlichkeiten in Beiträgen fällt manchen Leuten (ich zähle mich dazu) auf die Nerven. Dies ist Schein-Transparenz.

Auch der oft geäußerte Vorwurf, dass viele zu wenig tun, um über den Tellerrand der eigenen Lebensverhältnisse hinauszublicken, scheint berechtigt. Das schränkt, so wird mit Recht moniert, die Validität der Berichterstattung ein und läuft auf oft eigenwillige Wirklichkeits-konstruktionen hinaus.

Doch Lösungen bieten sich hier nicht so ohne weiteres an, wenn man die Rekrutierung nicht regulieren will, was rechtlich heikel und professionell anfechtbar wäre. In Hinblick auf die stärkere Teilhabe von Frauen an Machtpositionen in den Medien, die insbesondere auch die Rekrutierung mitbestimmen, gäbe es jedoch ein relativ einfaches Mittel: Geregelte Platzierung von Frauen in den Chefredaktionen der Medien; am besten wären hier geschlechtergemischte Doppelspitzen nach dem Vorbild der Grünen. Eine solche Doppelspitze gibt es jetzt beim „Stern“, und der „Spiegel“ kann inzwischen zumindest ein Triumvirat (zwei Männer, eine Frau) vorweisen.

Was die Aussichten (und die Einsichten) angeht, so hat die Zeitschrift „journalist“ in diesem Jahr mit ihrer Serie „Mein Blick auf den Journalismus“ eine Menge Anregungen vermittelt. In den seit dem Januar-/Februar-Doppelheft publizierten Stellungnahmen wirkt zwar einiges recht pauschal, anderes sehr kleinteilig, wieder anderes eher etwas weltfremd. Insgesamt sind die Beiträge aber eine Fundgrube für jeden, der sich über dieses Thema Gedanken macht. Ich kann das hier nicht wiederholen, sondern will nur einen Aspekt kurz kommentieren.

Mir ist aufgefallen, dass in den Beiträgen der „klugen Köpfe der Branche“, die sich laut Ankündigung der Redaktion fragen sollen, „wie wir den Journalismus besser machen können“, Geschlechter-Stereotype sichtbar werden – immer noch. Die meisten beteiligten Männer fassen das Thema durchweg eher technisch auf, versuchen sachlich zu sein, geben sich pragmatisch bis zur Selbstaufgabe, referieren neutral, was sie so wissen und in letzter Zeit gelernt haben. Sie entwerfen ein Bild vom Journalismus der Zukunft, das gewiss praxisnah ist, in den Begründungen aber recht eng wirkt. Immerhin wird bei ihnen aber nicht die Bräsigkeit sichtbar, die früher für erfolgreiche Journalisten so typisch war.

Zumindest tendenziell anders ziehen sich die eingeladenen Frauen aus der Affäre. Die meisten von ihnen haben es wirklich geschafft; sie gehören zur kleinen Minderheit der Chefredakteurinnen in den aktuellen Medien. Ihr Thema ist eher die Kommunikation, das Miteinander in der Redaktion und der Zusammenhang von Beruf und Privatleben. Sie kommen direkt und persönlich daher, referieren, was sie selbst erlebt haben und erleben. Jedenfalls versuchen sie, besonders konstruktiv zu sein, richten den Blick nach innen und bringen sich selbst ein in ihre vielleicht etwas idealistische Vision vom künftigen Journalismus.

Auffallend auch, dass die viel beschworenen „alten weißen Männer“ auch bei Frauen, die es im Journalismus besonders weit gebracht haben, eine Projektionsfläche bilden. Das muss wohl mit ihren Erfahrungen zu tun haben. Eine der Autorinnen hat sich übrigens soweit aus dem Fenster gelehnt, dass sie inzwischen wohl ihren Chefjob verloren hat.

Beide Perspektiven haben im Rahmen einer vergleichenden Standortbestimmung zum Journalismus und seinen Aussichten natürlich ihre Berechtigung. Ich will aber noch eine weitere Stimme hinzuziehen: die des amerikanischen Journalistik-Professors Jay Rosen, der als Experte für Technik und Innovation im Journalismus gilt. Rosen hat sich im vergangenen Jahr auf Einladung der Bosch-Stiftung drei Monate in Deutschland aufgehalten und danach einen „Brief an die deutschen Journalisten“ verfasst, der in der FAZ abgedruckt wurde.

Zuvor hatte er 53 Interviews mit ganz unterschiedlich Medienleuten geführt und dabei he-rausgefunden, dass das Selbstverständnis deutscher Journalisten auf fünf Säulen beruhe: erstens natürlich (wie in den USA) der Pressefreiheit, die aber, zweitens, durch die Persönlichkeitsrechte stärker eingeschränkt wird als in den USA, wo der erste Verfassungszusatz sogar Hasskommentare zulässt. Drittens die Existenz eines marktunabhängigen Elements durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Rosen fragt hier rhetorisch: „Wäre Ihnen Fox News lieber?“

Die vierte Säule bezeichnet er als große Stärke des deutschen Journalismus – die aber gleichzeitig auch die Quelle für heutige Kontroversen und Querelen sei. Wörtlich: „Deutsche Journalisten betrachten es als ihre Aufgabe, für die Rechte von Minderheiten einzutreten und zu verhindern, dass Links- oder Rechtsextreme den öffentlichen Raum kapern. Nicht nur in ihrer privaten Meinung, auch in ihrer journalistischen Arbeit verteidigen sie Demokratie und Menschenwürde.“

Und schließlich bilde auch in Deutschland „Objektivität“ im Sinne von Distanz zur Politik eine Grundlage. Natürlich hat auch Rosen erfahren, dass bei dieser Gelegenheit immer der angebliche Satz von Hanns Joachim Friedrichs Erwähnung findet. Seine Gesprächspartner hätten aber immerhin darauf hingewiesen, dass dieser Satz bisweilen falsch verstanden werde: „Man dürfe eine Haltung haben, aber man solle cool bleiben und nicht laut werden.“ Seit dem Aufstieg des Rechtspopulismus falle dies den deutschen Journalisten offenbar nicht leicht. Und seit der Flüchtlingskrise 2015 und den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht werde ohnehin ein anderes Spiel gespielt.

Die deutschen Journalisten, glaubt Rosen, werden künftig „nicht bloß für ihren Beruf eintreten“, sondern sich „radikalere und zugleich kreativere Formen ausdenken müssen, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden wollen“. Es sei zwar „nicht die Aufgabe von Journalisten, eine Partei oder einen charismatischen Politiker zu bekämpfen“. Aber: „Sie sollten einen politischen Stil bekämpfen, der die Demokratie untergräbt und ihre Institutionen aushöhlt.“

Er sei immer wieder um Rat gefragt worden, wie man mit der neuen Situation in der Praxis umgehen solle, berichtet Rosen. Die Antworten, die er dann anbietet, enthalten nichts Sensationelles; auch in den USA wird der Journalismus in diesen schwierigen Zeiten nicht neu erfunden. Es gibt dort aber interessante Modelle für einen diskursiven und „konstruktiven“ Journalismus.

Ich habe in den letzten gut zweieinhalb Jahren – seit Trumps Amtseinführung – vor allem am Beispiel von CNN zu beobachten versucht, ob und wie die Amerikaner (deren Journalismus viele bei uns zu Recht immer noch für respektabel halten) mit Postulaten umgehen, die von Medienbeobachtern vorgetragen werden. Und ob man daraus vielleicht etwas lernen kann, z. B. für den journalistischen Umgang mit der „Alternative für Deutschland“ und ihre Protagonisten. Im Zentrum meiner Beobachtungen, auf die ich viele hundert Stunden verwendet habe, standen dabei – neben der Morgensendung „New Day“ die Primetime-Programme ab 20 Uhr Eastern Time; seit Anfang 2017 habe ich die meisten von ihnen gesehen.

Hierzu muss man vorausschicken, dass CNN hervorragende Journalistinnen beschäftigt – allen voran die Reporter-Ikone Christiane Amanpour oder auch Hala Gorani. Amanpour moderiert eine gleichnamige Sendung, die man in Deutschland abends um 19 Uhr empfangen kann. Die ehemalige Kriegsreporterin ist gerade mit einem Emmy Award ausgezeichnet worden.

Die beste Sendezeit zu abendlicher Stunde an der Ostküste ist aber drei Männern vorbehalten: Anderson Cooper, Chris Cuomo und Don Lemon. CNN präsentiert da von Montag bis Freitag zunächst Coopers Sendung „360 Grad“, dann „Cuomo Primetime“ und schließlich „CNN Tonight“, moderiert von Don Lemon. Alle drei Moderatoren, die es als Anchormen an Popularität inzwischen mit Stars der 1980er Jahre wie Peter Jennings (ABC), Dan Rather (CBS) und Tom Brokaw (NBC) aufnehmen können, haben interessante Biographien.

Darum soll es hier aber weniger gehen als um die Frage, wie der von Trump meistgehasste Sender unter den Bedingungen eines „Medienkriegs“ mit den professionellen Regeln um-geht, wie innovativ er seine Formate unter ungewöhnlichen Rahmenbedingungen handhabt und wie seine Moderatoren Haltung zeigen – also, wie sie der guten Sache dienen, diesen grotesken Präsidenten loszuwerden, ohne ihre professionelle Distanz aufzugeben. Sie tun dies auf ganz unterschiedliche Weise, und dies hat nicht nur mit ihrem unterschiedlichen Background und Temperament zu tun.

Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Souveränität bei der Einordnung von Ereignissen auf der jahrelangen Erfahrung als Reporter beruht. Dies hatte schon Hajo Friedrichs in seinen Memoiren als Merkmal und Vorzug des US-amerikanischen TV-Journalismus hervorgehoben. In diesem Zusammenhang hatte er auch eine Ehrenrettung der Reportage und des Reporters versucht, die zuletzt ja in völlig überzogener Weise in Misskredit geraten sind. Er wehrte sich dabei gegen den „Hochmut, mit dem Menschen aus dem öffentlichen Leben in Deutschland mit Reportern umspringen“ – die schließlich unterwegs seien, um Millionen von Menschen zu informieren.

Anderson Cooper verfügt über eine gelassene Form von Ironie. Berühmt geworden ist er durch seine einfühlsamen Reportagen aus New Orleans nach den Verwüstungen durch den Hurrikan Katrina im August 2005. Und Chris Cuomo hat noch in diesem Jahr durch seine Reportagen von der mexikanischen Grenze auf den Horror der Trumpschen Einwanderungspolitik aufmerksam macht, bei der systematisch Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Alle drei Moderatoren beweisen vor der Kamera bemerkenswerte Sachkenntnis und Souveränität (auch beim Umgang mit Interviewpartnern), aber auch eine beneidenswerte Unbekümmertheit. Vorbildlich, weil sensibel, aber emotional nicht überzogen, war m. E. die Coverage von den Massakern in El Paso und Dayton/Ohio Anfang August.

Das innovativste Format stellt „Cuomo Primetime“ dar, das im Juni vergangenen Jahres gestartet wurde. Sein journalistisches Credo lautet für jedes Thema: „Let’s get after it“. Elemente der Sendung bilden Einzelinterviews (One-on-One), kontroverse Debatten (The Great Debate), intensive Faktenchecks mit Hilfe von Schautafeln und schließlich das „Closing Argument“ des Moderators, eine Art wegweisender Leitartikel, in dem Cuomo, der aus einer bekannten Politikerfamilie stammt, unverblümt seine Meinung sagt. Sein Vorleben als An-walt kommt ihm besonders zugute, wenn Diskussionen mit oft verbohrten Experten, die Trump alles verzeihen, geführt werden müssen, und wenn es darum geht, sine ira et studio Fakten zu bewerten. Er ist stets glänzend vorbereitet, argumentiert sehr präzise und verfügt über eine besonders gute Interviewtechnik.

Cuomos vielleicht etwas idealistischer Anspruch ist es, so viele Stimmen wie möglich zu Wort kommen zu lassen, Brücken zu bauen und selbst abseitige Meinungen zu respektieren, ohne den eigenen Standpunkt aufzugeben. Insofern ist er im besten Sinne Moderator. Der Spross italienischer Einwanderer glaubt weiter an den „American Dream“. Sein Journalismus ist diskursiv und konstruktiv – jedenfalls, wenn es um den Erhalt funktionsfähiger Institutionen geht. Er fühlt sich dem CNN-Motto „Facts First“ im Trump-Zeitalter besonders verpflichtet.

Ein Highlight ist oft der Übergang von „Cuomo Primetime“ zu „CNN Tonight“ mit dem suggestiven Moderator Don Lemon. Die beiden sind eng befreundet, tauschen unverblümt Komplimente und Kritik aus, überschreiten regelmäßig auch Grenzen zum Privaten – um dann aber immer wieder grundsätzliche, oft kontroverse Diskussionen über die Funktion des Journalismus und die Rolle von Journalisten zu führen. Wohlgemerkt, dies zur besten Sendezeit.

Lemon – eher Pessimist, was die Zukunft des Landes angeht – kritisiert dabei regelmäßig, dass Cuomo in seiner Sendung immer wieder Personen zu Wort kommen lässt, die vor keiner Lüge und Verdrehung zurückschrecken, wie zum Beispiel Trumps Beraterin Kellyanne Conway, die Erfinderin der „alternativen Fakten“; sie ist in Interviews überhaupt nicht zu bremsen.

Für derartige Besetzungen hat er überhaupt kein Verständnis. Solchen Leuten dürfe man keine Bühne bieten, ist er überzeugt. Es sei nämlich ein Privileg und keineswegs ein Recht, in einem reichweitenstarken Network direkt zur Bevölkerung sprechen zu dürfen. Conway und andere verdienten als notorische Lügner eine solche Plattform nicht, weil sie das Volk und die in ihrem Interesse tätigen Journalisten nicht respektierten.

An diesem Journalisten, der als Schwarzer und Schwuler besonders sensibel ist für die Ausgrenzung von Minderheiten und den Missbrauch von Macht, kann sich ein Beispiel nehmen, wer einer guten Sache dienen will, ohne die professionelle Distanz aufzugeben und aus der Rolle zu fallen. Die Interviewpartner, welche er eingeladen hat, behandelt er meistens gleichermaßen kritisch und fair, ohne sich zu verbiegen. Er schreckt aber auch nicht vor Parteinahme zurück, wenn es um Grundsätzliches geht. Dann fehlen ihm bisweilen der feine Humor, der Anderson Cooper auszeichnet, und auch die Distanz, welche der Veteran Wolf Blitzer in seinen Interviews herstellt.

Man kann darüber streiten, ob Journalisten mit einem so starken Ego ausgestattet sein sollten wie die CNN-Moderatoren. Aber wäre es nicht völlig kontraproduktiv, wenn wir uns – im Zeitalter von skrupellosen und neurotischen Politikern wie Trump, Johnson und Salvini – Journalisten wünschten, die sich völlig zurücknehmen, niemals Stellung beziehen und sich einer blassen „Objektivität“ und „Ausgewogenheit“ verpflichtet fühlen?

In Deutschland genügt vielen offenbar mehr denn je der angeblich von Rudolf Augstein stammende Spruch „Sagen, was ist.“ Der steht an der riesigen Wand im Foyer des „Spiegel“-Turms an der Ericusspitze und wurde – aus aktuellem Anlass – im letzten Jahr kurz vor Weihnachten sogar in großen Lettern auf dem Titel des Magazins platziert. Ich weiß nicht, ob Augstein dies jemals gesagt oder geschrieben hat (ich habe dafür jedenfalls keine zuverlässige Quelle gefunden).

Der Satz passt aber m. E. auch gar nicht zum publizistischen Wirken des Publizisten, der als Leitartikler eine scharfe Klinge führte und den Nachrichtenjournalismus jahrzehntelang an-deren überlassen hat. Ich finde ihn auch überhaupt nicht originell und professionell relevant – von der erkenntnistheoretischen Falle, in die man damit rennt, ganz zu schweigen. Da ist das CNN-Mantra „Facts First“ jedenfalls vorzuziehen. Ohnehin gefällt mir da ein anderer Ausspruch viel besser – und der ist wohl nachweislich von Augstein: „Ein Journalist darf es sich nicht bequem machen und erst recht nicht denjenigen, über die er schreibt.“

Quellen/Literatur

Kleber, Claus: Rettet die Wahrheit. Berlin 2017.

Klöckner, Marcus B.: Sabotierte Wirklichkeit. Oder: Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird. Frankfurt/Main 2019.

Meißner, Florian: Journalisten sind eher links. Aber sorgen sie für linken Journalismus? In: Übermedien v. 22.2.2019.

Meyer, Thomas: Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. Berlin 2015.

Rosen, Jay: Brief an die deutschen Journalisten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 1.9.2018.

Schnibben, Cordt: Reklamerepublik. Seltsame Berichte zur Lage der vierten Gewalt (Vorwort Hanns Joachim Friedrichs). Hamburg 1994.

Steindl, Nina/Corinna Lauerer/Thomas Hanitzsch: Journalismus in Deutschland. Aktuelle Befunde zu Kontinuität und Wandel im deutschen Journalismus. In: Publizistik, 62. Jg., 2017/4: 401-423.

Ulfkotte, Udo: Gekaufte Journalisten. Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken. Rottenburg 2014.

Weischenberg, Siegfried: Medienkrise und Medienkrieg. Brauchen wir überhaupt noch Jour-nalismus? Wiesbaden 2018.

Weischenberg, Siegfried/Maja Malik/Armin Scholl: Die Souffleure der Mediengesellschaft. Report über die deutschen Journalisten. Konstanz 2006.

Willnat, Lars/David H. Weaver/G. Cleveland Wilhoit: The American Journalist in the Digital Age: A Half-Century Perspective. New York 2017.

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Kommentare

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Gerd Rothbrust am :

Eine Neugier weckende Überschrift aber: Alles sehr „langatmig“! Ich habe beim Leseversuch, oft abgebrochen und im „Schnelldurchgang“ nach „interessanten Stichworten“ gesucht, um dann weiter zu lesen. Zudem fehlt ein Fazit“?!“ Vielleicht bin ich zu ungeduldig, nicht weit genug „im Thema“…? Mir stellt sich die Frage: Ist „das“ ein neutraler Bericht oder ein Kommentar eines Betroffenen?

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