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Zur Geschichte der Lenneper Markt-Apotheke

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

In letzter Zeit gab es mehrere Artikel zur Zukunft der alten, längst vergangenen Markt-Apotheke an der Wetterauer Straße, die im Jahre 1981 endgültig geschlossen wurde. Ihr Leerstand ist in Lennep geradezu sprichwörtlich; so mancher erinnert sich noch an die damaligen Apotheker, und zahlreiche schöne Ansichtskarten aus der Zeit um 1900 bis in die heutige Gegenwart zeigen das historische Gebäude und seine Umgebung als eines der schönsten in der Lenneper Altstadt.

Wie es dort in Zukunft aussehen wird, werden wir durch neue Eigentümer vor Ort bald erfahren. Aber was ist eigentlich mit der Vergangenheit des historischen Ensembles? Einer der in seiner Zeit profundesten Lennep-Kenner, der der Heimat- und Familienforscher Paul Windgassen (1888-1965), Handelskapitän a.D., der zeitweise zuständig war für das Lenneper Stadtarchiv in Remscheid, schrieb dazu im Jahre 1955 einen Aufsatz im Mitteilungsblatt des Bergischen Geschichtsvereins, der sich u.a. auf die alten Lenneper Kirchenbücher stützt (vgl. https://www.lennep.eu/zur-marktapotheke-in-lennep/). Darin heißt es z.B.: „Die Nachrichten über eine Apotheke in Lennep lassen sich ... bis zum 30jährigen Krieg zurückverfolgen. In den ältesten lutherischen Kirchenbüchern (1654 - 1688) wird ein Apotheker Arnoldi Reinhold Fraes, aus Dortmund gebürtig, aufgeführt. Er war von ca. 1664 - 1712 Besitzer der Apotheke. (...) Ein späterer Nachfolger im 19. Jahrhundert war "der Apotheker Emil Halbach (1865 - 1939) aus Hagen in Westfalen, der am 7.8.1939 m Lennep verstarb. (...) Da Lennep nach einem alten Privileg immer einen Chirurgen und einen Wundarzt haben musste, von denen uns einige schon vor dem 30jährigen Kriege bekannt sind, so ist mit Bestimmtheit anzunehmen, dass die Apotheke bereits vor dem 30jährigen Kriege bestanden hat. Leider fehlt uns darüber jegliches urkundliche Material, das höchstwahrscheinlich bei den drei großen Stadtbränden 1325, 1563 und 1746 verloren gegangen ist. Nur ein altes Giftbuch aus dem Jahre 1823 ist noch vorhanden, in das die Giftempfänger namentlich mit Wohnort und Gewerbe, Art des Giftes und Quantum aufgeführt wurden. Alle drei Jahre fand eine Revision statt, und dann wurde bescheinigt, dass die Giftscheine mit den Eintragungen im Giftverkaufsbuch übereinstimmten. (...) Von 1823-1873 wurden insgesamt 954 Giftscheine ausgestellt, und zwar 797 für die Rattenbekämpfung, 55 für Fliegen und Ungeziefer, 40 für Fabrikbetriebe, 35 für die Mäusevertilgung, zehn für das Schmelzen von Gold etc., acht für das Waschen von Kühen und Pferden, drei für Schabenvertilgung, drei für Erdhunde, drei für Läuse, Maulwürfe und Hunde. (...)

Durch die Aufführung der Personennamen und des Gewerbes ist dieses Buch eine Fundgrube für die Familienforschung. Wie schon gesagt, war die Apotheke von alters her im Hause Wetterauer Straße 11 untergebracht. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde sie durch den heutigen Verkaufsraum erweitert, in dem in meiner Jugend der Kappenmacher Carl Isken sein Geschäft hatte. Als die ältesten Apotheken in Cleve, Jülich und Berg seien hier kurz erwähnt die Hirsch-Apotheke (1588) und die Einhorn-Apotheke (1625), in Geldern die Elefanten-Apotheke (1668), in Düsseldorf-Schermbeck (1680), Essen (1686), die Engel-Apotheke (1686) und die Einhorn-Apotheke (1686) in Duisburg-Elberfeld (1684). Nach den bisherigen Forschungen kann die Lenneper Marktapotheke auf eine über 350jährige Geschichte zurückblicken und ist damit höchstwahrscheinlich die älteste Apotheke im Bergischen Land." (Diese Feststellung Windgassens gilt für das Jahr 1955).

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper, die beiden Fotos aus dem Lennep-Archiv Schmidt zeigen die "Situation", wie man damals sagte, an der Wetterauer Straße, jeweils mit der Buchhandlung von Richard Schmitz (seit 1850) auf der rechten Seite, dem Blick auf die evangelische Stadtkirche und, für uns hier und heute interessant, auf das historische Gebäude der Markt-Apotheke. Beide Fotos sind in den ersten beiden Jahrzehnten nach 1900 entstanden, das untere später als das obere, was man z.B. auch an der Beschriftung von "Café Grah" sieht. Otto Grah hatte das Café mit Restaurant vom Cafetier und Konditor Richard Isenburg übernommen. Später wurde das Café von zwei Brüdern mit ihren Ehefrauen betrieben.

Auf der rechten Seite der Fotografien ist links neben der Buchhandlung Schmitz das Ladengeschäft, auf dessen Beschriftung auf dem oberen Bild der Namenszug "Wittenstein & Stiller" prangt, es handelte sich um ein Tuch- und Bekleidungsgeschäft, auf dem unteren Bild jedoch schon der eines Möbelhauses von Heinrich Bothe. Einst residierte in diesem Haus die Modehandlung Albert Dörrenberg, die später das uns bekannte Karstadt-Hertie-Ensemble entstehen ließ. Viele Lenneper wissen übrigens durchaus, dass die Markt-Apotheke auf der linken Seite der Fotos zunächst in dem früheren historischen Gebäude mit Steintreppe untergebracht war, bevor sie in den von Paul Windgassen erwähnten Anbau zog, wie auf dem unteren Bild zu sehen. In Windgassens Jugend gab es noch den Kappenmacher Isken (im Lenneper Adressbuch von 1903 steht für den Teil des damalig Halbachschen Hausbesitzes: ‚Karl Isken, Huthandlung‘.)

So manches könnten uns die heute hier wiedergegebenen historischen Abbildungen noch aus der Lenneper Vergangenheit erzählen. Z.B. erblickt man auf der untersten Ansichtskarte auch ein Werbeschild von "Schuhwaren Bremicker". Die älteren unter uns haben ja dieses Geschäft noch gut gekannt und ggf. beim Schuhkauf ihre Füße in den auch in der Röntgenstadt Lennep später verbotenen Röntgenschaukasten gesteckt. Für mich war es immer ein Spaß, meine Füße in einem solchen "Pedoskop" oder "Fluoroskop" zu betrachten. Im Gemeindebuch des Kirchenkreises Lennep aus dem Jahre 1952 finde ich noch die Anzeige "Schuhhaus Wilhelm Bremicker, Alleinverkauf in Mercedes-Schuhen, Wetterauer Straße 2, Ruf 61450".  Das ist nun alles vorbei - aber die Wetterauer Straße gibt es immer noch, und es gibt durchaus Pläne für die weitere Zukunft.

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Kommentare

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Norbert Landen am :

Vielen Dank für diesen Beitrag.

Dr. Wilhelm R. Schmidt am :

Ja, es gibt auch schon viele Reaktionen auf den Artikel, u.a. auch aus Darmstadt, Freiburg, Australien und Canada. Die ehemaligen Lennper interessiert oft besonders, was hier früher geschah und heute los ist.

Dr. Wilhelm R. Schmidt am :

Zur Marktapotheke schrieb mir jetzt noch ein Lenneper Dame: „In meinen diversen Kartons fand ich auch ein kleine runde Pappdose, die ich von meiner ehemaligen Vermieterin hatte. Sie trägt das Firmenschild der Markt-Apotheke von Emil Halbach und stammt aus dem Jahre 1940. Innen ist angegeben: Pferd d. Herrn Timmer, In 3 Malen zu geben, 16.II.40. Auf der Rückseite findet sich die chemische Zusammensetzung des Medikaments: Antifibrin 40,0, Fol. Digital. futo? 1,2, Natr. sulf. 150. Nun kenne ich auch den Ursprungsort dieser kleinen Arzneidose. Vielen Dank“. Die Dose ist noch sehr gut erhalten, aber das Pferd und sein Besitzer sind wahrscheinlich längst verschieden.

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