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Eine alte Postkarte von Wirt August Kopf?

Repro Lenneparchiv Schmidt

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Unter meinen historischen Fotos zum Alten Markt in Lennep und fand ich die die nebenstehende Ansichtskarte, deren Original seit mehreren Jahren im Remscheider Stadtarchiv aufbewahrt wird. Im Jahre 2002 erstand ich, wie vielen interessierten Lennepern noch bekannt ist, von dem altvorderen und inzwischen verstorbenen Lennepsammler Bernhard Koch für mehrere tausend Euro ein großes, vielschichtiges Lennepkonvolut mit den unterschiedlichsten Einheiten an originalen Dokumenten, darunter eine Ansichtskartensammlung, die mit der finanziellen Hilfe der damaligen Lenneper Altstadtfreunde, die sich gerade auflösten, an das Remscheider Historische Zentrum / Stadtarchiv gespendet werden konnte.

Als Mitglied der nunmehr ebenfalls historischen Lenneper Altstadtfreunde hatte ich diesen Teil meiner Lennepbestände zuvor digitalisieren lassen, nicht etwa nur die schönen Bildseiten der Ansichtskarten, sondern auch deren Adressseite, und zwar für spätere Forschungszwecke. In der Tat lassen sich ja auch den Adressseiten jede Menge historischer Informationen entnehmen: solche über die Absender, solche über die Adressaten, ggf. wer wann die Ansichtskarte produzierte, vielleicht sogar in Lennep, ob es sich um einen besonderen, evtl. heute wertvollen Spezialdruck handelte usw. Und nicht zu vergessen: in vielen Fällen kann man ja auch am Stempel erkennen, wann eine solche Ansichtskarte abgeschickt wurde, in früheren Zeiten wurde ja sogar die Ankunft am Postamt des Bestimmungsortes per Stempel beglaubigt und ein schuldhaft verzögertes Austragen der Post durch den Postboten mit Strafen seitens der hohen Postbehörde geahndet.

In meiner Schülerzeit am Röntgen-Gymnasium waren übrigens immer wieder Schüler in den Schulferien bei der Lenneper Post als Aushilfskräfte tätig. So auch ich, der Weg zum "Dienst" war für mich ja nicht weit, weil ich direkt gegenüber der damaligen Poststation wohnte, in dem uralten Haus der Familie gegenüber dem Berliner Hof. In den 1960er Jahren war das alte Postgebäude gegenüber dem Lenneper Bahnhof, in das ich als Kind oftmals an der Hand meines Vaters zum geschäftlichen Postfach mit genommen wurde, aufgrund seiner kriegsbedingten Baufälligkeit aufgegeben worden, man zog in den ehemals sog. Großen Saal des Berliner Hofs, und ich erinnere mich noch, dass an dem kleinen Nebeneingang vor dem Steinernen Haus an der Poststraße 8 vom Lenneper Bahnhof her über ein Treppchen die Geldkassetten angeliefert wurden. Die eigentlichen Postler machten sich dabei einen Spaß daraus, die dabei mitzuführende Pistole an die Aushilfen, also die Schüler oder jungen Studenten, zu geben. Stolz waren wir eigentlich nicht darauf, eher war es ein Witz, und gottseidank kam es seinerzeit zu keinem Überfall.

Auf der historischen Ansichtskarte sehen wir das ein schöne altbergische Haus, in dem in Parterre eine Wirtschaft untergebracht war. Ich erinnere mich noch gut, dass mitten in der Wirtsstube hinter dem treppenbewährten Eingang ein Billardtisch stand, man konnte da auch gegen Gebühr spielen, jedoch schärfte der damalige Wirt den nicht geübten Interessenten immer wieder ein, doch ja nicht den grünen Bezug mit dem Queue zu verletzen, dem langen, vorne leicht gerundeten Spielstock beim Billard. Es schien aber damals schon mehrere ungeübte Spieler vor Ort gegeben zu haben, denn meiner Erinnerung nach war der grüne Billardtischbezug niemals gänzlich unbeschadet.

Die Ansichtskarte zeigt das Gebäude um 1900, ganz genau kann man das nicht sagen, immerhin ist der auf der Adressseite angegebene Besitzer des Etablissements, Herr August Kopf, im Lenneper Adressbuch von 1903 verzeichnet, und zwar für das Haus Markt 4. Weiterhin wohnte dort der Kommis Berghaus. Links daneben, Markt Nr. 3, gab es damals die Drogen-, Farb- und Kolonialwarenhandlung Kuhn, die auf unserem heutigen Ansichtskartenfoto auch gut zu sehen ist, und rechts an der Marktecke zur Berliner Straße erkennt man das damalige Schuhgeschäft des Remscheider Schuhwarenhändlers Paul Hesse. Der "Gruß vom Berg. Hof, Lennep", wurde übrigens, wie es auf der Adressseite der Ansichtskarte heißt, am 19. 12. des Jahres 1913 in Lennep abgeschickt, und zwar an eine Frau Elly Jorgas in Köln-Ehrenfeld. Verfasst wurde sie von einem August ..., der außer herzlichen Grüßen auch fröhliche Weihnachtsfeiertage wünschte. Ob der Absender der damalige Wirt August Kopf war, wissen wir nicht, aber es könnte durchaus sein.

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Kommentare

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Dorothea Hucks am :

Ein sehr schöner Artikel. An das Postamt im Anbau vom Berliner Hof kann ich mich auch noch erinnern.

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