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Generalstreik gegen den Kapp-Putsch auch in RS

Am 13. März 1920 vertrieb der konterrevolutionäre Putsch unter der Leitung von Kapp und Lüttwitz, gestützt auf Freikorps und Teile der Reichswehr, die sozialdemokratische Regierung aus Berlin. Im Ruhrgebiet war die Erbitterung der Arbeiter gegenüber den Reichswehrtruppen besonders groß, seitdem diese auf Wunsch der Unternehmensleitungen seit Anfang 1919 in vielen Orten Standquartier bezogen und den radikalen Arbeitern in Streiks und Demonstrationen blutige Auseinandersetzungen geliefert hatten. Auch in Remscheid kam es im März 1920 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen bürgerlichen Freiwilligenverbänden, Freicorps, Reichswehrangehörigen und lokalen bewaffneten Arbeiterverbänden. Für die mehr als 50 Toten der bürgerlichen und für die mehr als 20 Toten der örtlichen kommunistischen Teilnehmer an diesen Kämpfen finden sich Mahnmale in Reinshagen und im Stadtpark. (nach Wikipedia)

„Weiß überhaupt noch jemand etwas mit dem Begriff ‚Märzgefallene‘ anfangen? Bei allen aktuellen Kriegsschauplätzen scheint längst vergessen, dass auch in Remscheid einmal Menschen für Freiheit und Demokratie gekämpft haben und dies mit ihrem Leben bezahlen mussten“, schreibt Ulla Wilberg. Die Remscheiderin, die gerne im Stadtpark spazieren geht, meint damit die steinerne Skulptur, die dort "den Kämpfern für die Freiheit, den Verfechtern der Demokratie" gewidmet ist. Da im Stadtpark viele Bäume gefällt wurden, ist das Denkmal nicht zu übersehen und zieht die Blicke der Spaziergänger auf sich.

Eigentlich sei es gar kein Denkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes NRW, weiß Jörg Schubert, Leiter des Fachdienstes Bauen, Vermessung, Kataster und Untere Denkmalbehörde. Vielmehr handele es sich bei dem „Märzgefallenen-Denkmal“ von 1950 um den Ersatz für das im Jahre 1923 eigeweihte Denkmal, das von den Nationalsozialisten, der SA, im April 1933 zerstört wurde.

Am 21. März 1920 wurden auf dem evangelischen Friedhof in Bliedinghausen 14 getöte Arbeiter zu Grabe getragen, zwei Tage später, am 23. März, fand auf dem Friedhof in Reinshagen die Beerdigung für 34 Freikorpssoldaten und dem einzigen toten Zeitfreiwilligen, Fritz Rocholl, statt.

Die Totenfeier für die Arbeiter begann im geschmückten Rathaussaal, nahe Angehörige und Freunde füllten den Raum. Der Rathausplatz war voller Menschen. Trauerreden, Lieder, dann ein Gedicht, das auch in anderen Städten rezitiert wurde: Ferdinand Freiligraths „Die Toten an die Lebenden“. “diesen ernsten Klage- und Warnungsruf der toten Kämpfer von 1848 an die Lebenden, das festzuhalten, was sie mit ihrem Herzblut errangen“, wie die hiesige Arbeiterzeitung schrieb, sich also die erkämpfte Freiheit nun auch endgültig zu sichern. Dazu passend ein Symbol der Arbeiterbewegung am Kopfende des Saales: die aufgehende Sonne.

Der Trauerzug bewegte sich anschließend durch ein dichtgedrängtes Spalier von Menschen. Der Weg führte durch die Alleestraße, die Bismarckstraße zum Zentralpunkt, die Burger- und Bliedinghauser Straße bis zum Friedhof, die Toten auf offenen Wagen, begleitet von bewaffneten Arbeitern, die ihre Gewehre nicht mehr wie 1918 nach unten richteten, sondern einsatzbereit auf der Schulter hielten.

An den Gräbern unweit des Friedhofeingangs noch einmal Ansprachen und Lieder mit dem gleichen Tenor: die Toten haben dafür gekämpft, das „Reich des Sozialismus heranreifen“... zu lassen, nun müsse es verwirklicht werden.

In einer Todesanzeige in der „Bergischen Volksstimme“ vom 24. März 1920 sind 33 Personen verzeichnet, die bei den Kämpfen in Remscheid und Umgebung umkamen. Darunter sind zwölf Namen auswärtiger männlicher Personen, die zu den Kämpfern gehört haben dürften. Unter den 21 Remscheidern sind auch drei Frauen und drei männliche Jugendliche bzw. Kinder. Die Frauen waren zwischen 17 und 71 Jahren alt, als sie infolge der Kämpfe, aber selbst unbeteiligt, getötet wurden, die Kinder waren zwischen acht und 15 Jahren alt. Bei den übrigen 15 Männern aus Remscheid, 19 bis 52 Jahre alt, sind jeweils der Beruf und die Anschrift vermerkt. Es waren überwiegend Arbeiter. Neben dieser Anzeige, die vermutlich vom Aktionskomitee aufgegeben wurde, sind in der „Volksstimme“ zahlreiche private Trauerbekundungen zu Friedrich Wolf.finden sowie von Vereinen und Organisationen, darunter von der USPD und dem Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV), dem Vorläufer der IG Metall. Demnach hatten elf der 15 Männer dem DMV angehört und acht der stärksten Remscheider Arbeiterpartei (USPD) an.

Friedrich Wolf, der bedeutende Arzt und Dramatiker, war im Februar 1920 Stadtarzt in Remscheid geworden. Über die Ereignisse des März 1920 schrieb er am 24. März 1920 an seine Mutter: „Nach dem Kampf wurde eine musterhafte Disciplin gewahrt. Es war ein Volksaufstand so wie die Schlacht am Sendlinger Thor oder die schwäbischen Bauernrevolten. Als spät am Abend unsre Befreier mit ihren Toten, die Bahren hoch auf den Schultern, voran die Roten Fahnen wieder in die Berge abzogen und die Internationale („Völker, höret die Signale...“) durch die Straßen und Thäler scholl, da spürte man endlich wieder den Blutschlag eines übermenschlichen Willens... diesmal nicht zum Völkerkrieg, sondern zu einer großen Vereinigung, die durch die Arbeiterschaft kommen wird und muss.“


 

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