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Die Windmühle auf dem Lindenberg

Längst vergessen: Die Restauration "Zur Glocke".von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper, ich bin ja seit einiger Zeit dabei, in meinen Lennepmaterialien „klar Schiff zu machen“, das heißt, so langsam muss ich mich entscheiden, was es wohl wert ist, für die Zukunft ins Remscheider Stadtarchiv zu gehen, und auch, was eher verschenkt oder sogar fortgeworfen werden soll, weil sich in Zukunft kaum noch jemand dafür interessieren wird. Dieser Tage fiel mir dabei ein Zeitungsartikel („Die Windmühle auf dem Lindenberg“) meines Lenneper Jugendfreundes Rolf Lotzmann in die Hände, den ja die älteren unter uns noch als Lenneper Lokalreporter in Erinnerung haben. Als solcher schrieb er vor Jahrzehnten lange Zeit über die Gassen und Straßen im Alten Lennep und benutzte dafür u.a. die Materialien des Remscheider Stadtarchivs.

Beim Lesen dieses Artikels von Rolf Lotzmann fiel mir auch gleich wieder ein, dass es über die genannte Windmühle wenig Informationsmaterial erhalten geblieben ist, dass aber andererseits schon im Jahre 1922 unter genau derselben Überschrift ein gewisser Baurat Albert Schmidt darüber im Kreisblatt schrieb, geboren 1841, der diese Windmühle als Jugendlicher selbst noch gut gekannt hat. Auch der Beitrag Albert Schmidts war seinerzeit übrigens Teil einer Lennepserie, in der einige „Altvordere“ sich der guten alten Zeit erinnerten. In dessen nachfolgend wiedergegebenen Erinnerung fällt auf, dass er besonderen Wert auf die baulich-technischen Aspekte der legte, wodurch wir heute ein anschauliches Bild dieses Bauwerkes haben, das sonst nur auf  historischen Zeichnungen, vor allem  Lithographien aus dem 19. Jahrhundert, erhalten ist. Und hier nun der historische Text von Albert Schmidt:

"Die Wanderer, welche in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der alten bergischen Kreisstadt Lennep zu pilgerten, konnten schon in großer Entfernung die Wahrzeichen ihres Reisezieles sehen. Von Norden her war es der Schornstein der Walterschen Tuchfabrik auf der Knusthöhe, von Süden und Osten her die große massiv erbaute Windmühle auf dem Lindenberg, die über ihre ganze Umgebung mächtig emporragten. Inmitten der Talmulde des Quellengebiets des Lenneperbaches tauchte alsdann beim Näherkommen der wundervolle Zwiebelhelm des Kirchturms der evangelischen Kirche aus dem engen Häusergewirr hervor. Die genannten Wahrzeichen sind Ende der fünfziger Jahre verschwunden. Die Tuchfabrik auf der Knusthöhe brannte am 19. September 1854 ab, der Schornstein blieb noch einige Jahre bis zum Anfang der sechziger Jahre, stehen. Die Windmühle auf dem Lindenberg war noch bis Mitte der fünfziger Jahre in Betrieb, dann musste sie der neuen Zeit weichen, sie konnte bei ihrem immer wieder unterbrochenen Betrieb mit den gleichmäßig arbeitenden Dampfmühlen nicht konkurrieren. Der Standort der Windmühle war an der höchsten Stelle der Friedrichstraße, dicht hinter der südlichen Häuserreihe zwischen Albert- und Leverkuser Straße. Das mächtige Gebäude bestand aus einem runden massiv aus Bruchsteinen erbauten Turm von etwa 8 Meter Durchmesser und 20 Meter Höhe, mit einem drehbaren Dach, aus welchem die Flügelwelle hervorragte. Der innere Turm war von einer ebenfalls runden Terrasse von etwa 18 Metern Durchmesser und 7 Metern Höhe umgeben. Auch diese Terrasse war massiv aus Bruchsteinen erbaut, sie war zweistöckig und enthielt die Wohnräume des Müllers, die Lagerräume und in der Mitte das Mühlengetriebe. An der Nordseite nach der Friedrichstraße hin, die damals noch ein Hohlweg war, ging eine breite Einfahrt in das Mühlengebäude. Die Wagen konnten quer durch das ganze Gebäude fahren und in der Mitte unter dem Mühlengetriebe ent- und beladen werden. An den dicken Mauern des inneren eigentlichen Mühlenturmes war eine massive Wendeltreppe angebracht, durch welche die sieben Stockwerke des Bauwerks erreichbar waren. Die Mahlgänge und das Lager des Königsbaums, der mittleren senkrechten Welle des Mühlengetriebes, lagen auf einem Gebälk von Eichenholz in einer solchen Höhe, dass die Wagen unten durchfahren konnten. In dem drehbaren Dachraum waren die konischen Triebräder angebracht, die die rotierende Bewegung der Flügelwelle auf die senkrechte Königswelle übertragen mussten. An der Flügelwelle waren vier große Flügel angebracht von etwa 10 Meter Länge und 1 Meter Breite, deren Spanntuch durch einen Zugmechanismus verbreitert oder schmaler gemacht werden konnte, so dass bei Sturm oder starkem Wind geringe Druckfläche und bei geringerer Windgeschwindigkeit größere Flächen wirksam waren. Die Flügel waren von der Terrasse aus erreichbar und wurden dort immer nach der Windrichtung hingedreht."

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