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Das Autokino und das Sterben der Kulturszene

Dass das Fazit der ersten Woche für das Remscheider Autokino laut Presseberichten für den Betreiber eher durchwachsen, als hervorragend ausfällt, verwundert mich als ehemaliger langjähriger kulturpolitischer Sprecher der SPD und Mitglied im Rat der Stadt Remscheid sowie in der hiesigen Szene umtriebiger Musiker und bildender Künstler, nicht. Als hausgemacht sehe ich die stockende Erfolgsgeschichte des Autokinos und angesichts der großen Zahl in ihren Existenzen bedrohten Künstlern und Kleinunternehmern in der Branche, schlicht gesagt, den „Machern“ in unserer Szene, dringenden Handlungsbedarf.

Auf der einen Seite, das Remscheider Autokino, zweifelsfrei ein Schnellschuss ohne ausgereiftes Konzept, vielleicht gar ein Produkt im vorgezogenen Kommunalwahlkampf, auf der anderen Seite, die Menschen, die die Remscheider Kulturszene ausmachen. Deren finanzielle Situation hat sich dermaßen drastisch verschlechtert, dass ihnen angesichts der nicht ausreichenden Soforthilfen nur noch die Beantragung von Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende, Hartz 4, zum Leben bleibt. Immerhin wird ihnen dies recht schnell auf ungewöhnlich unkomplizierte Beantragung gewährt.

Offenbar galt es in Remscheid vorrangig, das Rennen um einen frühen Start eines Autokinos in der Region zu gewinnen. Mit Scheuklappen ohne Blick auf die stark gebeutelte Remscheider Kulturszene und ohne Berücksichtigung der Bitten, im Rahmen der Realisation des Remscheider Autokinos auch heimische Veranstaltungsfirmen einzubeziehen und neben der Filmvorführung auch Veranstaltungen unter Mitwirkung Remscheider Künstler anzubieten sowie heimische Gastronomen bei einem „Catering“  unter Berücksichtigung der geltenden Maßnahmen und Einschränkungen zum Zuge kommen zu lassen, wurde ein Autokino aus dem Boden gestampft, das weder dem Verlangen der Bürgerinnen und Bürger nach Kultur, noch den Bedarfen der Akteure der Szene hinreichend gerecht wird.  

Auch wenn die umliegenden Städte nicht als erste durchs Ziel gegangen sind, so haben sie es doch in Bezug auf ihre Autokinos deutlich besser gemacht.

Sie haben nicht bloß Autokinos aus dem Boden gestampft, sondern sogenannte Auto- und Eventkinos errichtet. Die dort stattfindenden Veranstaltungen decken zusätzlich zu Filmvorführungen ein Spektrum von Livemusik, Comedy, Disco und auch nicht kommerziellen Angeboten, wie Gottesdiensten ab. Selbst in Remscheid angesiedelte Veranstaltungsfirmen wurden hinzugezogen, diese Projekte zu realisieren. Wie war das noch einmal mit dem Sprichwort über den Propheten im eigenen Lande?

Nun müssen wir aber nach vorne schauen und handeln, wenn nicht auch wir als Verwaltung und Politik ebenfalls zu Totengräbern der Kulturszene werden wollen.

Dass auch die Remscheider Szene nach Corona eine andere sein wird und einige Träger dieser Szene verstummt sein werden, ist wohl den meisten, so schmerzlich die Erkenntnis auch ist, klar. Aber noch haben wir Möglichkeiten mitzugestalten. Dabei müssen die Betroffenen mit einbezogen werden, wir brauchen kollektives Know-how.

Die Veranstaltungen des Remscheider Sommers waren geplant. Etats standen zur Verfügung, der freien Kulturszene wurden Fördergelder zur Durchführung von Veranstaltungen gewährt. Lasst uns schauen, wer welche Ausfallgagen bekommen hat, welche Mittel noch zur Verfügung stehen und welche Veranstalter bereit sind, Alternativen zu den ursprünglich geplanten Veranstaltungen durchzuführen. Was ist in einem Auto Event Kino möglich? Wie können wir für weitere Lockerungen gewappnet sein? Was wäre im Stadtpark in der Phase der nächsten Lockerungen möglich?

Nur mit der Kreativität aller Akteure ist noch was zu retten, bzw. zu lindern.  Mit oder ohne Auto Kino Veranstalter Patrick Clalüna kann die nächste Phase zur kulturellen Normalität beschritten und mitgestaltet werden. Es sollte auch in dessen wirtschaftlichem Interesse stehen, das beste aus der Situation zu machen. Niemand will hier zusätzlichen Schaden. Herr Clalüna zählt selbst zu den Betroffenen, auch wenn sein Event-Unternehmen nicht in Remscheid angesiedelt ist.

Stadtmarketing, Kulturverwaltung und die Akteure der Szene als gemeinsam handelnde haben noch ein paar Trümpfe in der Hand. Wer nicht mitmachen will, lässt es bleiben. Wer Angst vor der Stille hat, wenn die Szene verstummt, sollte bereit sein, mitzuhelfen, um im Interesse aller Remscheider Bürgerinnen und Bürger an einem Strang zu ziehen.

Wir in Politik und Verwaltung haben die Pflicht mit Besonnenheit unterstützend mitzuwirken. Lasst uns vorausschauend agieren anstatt widerholt unvorbereitet zu reagieren oder gar untätig zu bleiben. Nur gemeinsam kann es klappen. International gilt die Kampagne, „Support Art Workers“, lasst uns Teil dieser Bewegung sein.

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