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Bundesbehörde verkauft alten Bunker im Stadtteil Honsberg

Der Bunker an der Humboldtstraße/Stahlstraße in Honsberg steht zum Verkauf. Fotos: Lothar Kaiser

Bekommt der Remscheider Stadtteil Honsberg demnächst eine größere Moschee, nicht zu vergleichen mit den bereits existierenden kleineren Gebetsräumen? Nicht ausgeschlossen, dass sich eine muslimische Glaubensgemeinschaft für den Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg interessiert, den hässlichen, aber gleichwohl unter Denkmalschutz stehender Betonklotz auf 676 Quadratmetern, der mitten im Viertel nicht zu übersehen ist; er steht zum Verkauf. Verkäufer ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Anstalt des öffentlichen Rechts, mit einer Abteilung in Düsseldorf. Zuständig für den Remscheider Bunker an der Humboldtstraße/Stahlstraße ist dort Georgia.Panagiotou@bundesimmobilien.de">Georgia Panagiotou: „Das Gebotsverfahren läuft seit dem 20.Dezember. Die Ausschreibung erfolgt bis zum 15. Februar. Danach werden die eingegangenen Gebote ausgewertet, sodann konkrete Verkaufsverhandlungen geführt. Die Veräußerung der Liegenschaft erfolgt grundsätzlich gegen Meistgebot.“ Derzeit ist in dem Bunker das Möbellager der Arbeit Remscheid gGmbH untergebracht.

Die Bundesanstalt beschreibt nicht nur das Verkaufsobjekt im Internet ausführlich, sondern auch Remscheid und das Bergische Land. Zitat: „Ein Wirtschaftsraum der Schneidwarenfertigung, des Maschinen- und Anlagenbaus und der Lohnfertigung. Remscheid ist ein traditionsreicher Industriestandort; zahlreiche oft sehr innovative mittelständische Unternehmen, z.B. Vaillant, sind oder waren dort tätig. … Wer nach Remscheid kommt, sieht von weitem schon das Rathaus - ein imposantes Bauwerk aus urigem Gestein.“

Das sucht man am nackten Beton des Honsberger Bunkers vergeblich. Zitat aus dem Verkaufsexposé: „Das zum Bauwerk gehörende Einzugsgebiet ist durch dichte, ein- bis dreigeschossige Wohnbebauung gekennzeichnet. Die Entfernung zu Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf beträgt ca. 800 Meter. Honsberg ist ein innenstadtnaher und ruhiger, grüner, fast inselartig geschlossener, kompakter Stadtteil mit einem guten Infrastrukturangebot.“ Letzteres sehen die Bewohner des Stadtteils allerdings anders.

Detailliert wird das Verkaufsobjekt beschrieben: „Der ehemalige Luftschutzbunker wurde im Jahre 1941 für den zivilen Schutz der Bevölkerung errichtet. Der zweigeschossige aus Stahlbeton bestehende Hochbunker hat eine rechteckige, symmetrische Grundfläche. Er ist 29,25 m lang, 18,85 m tief und erreicht eine Höhe von ca. 8,80 m bis 11,70 m über der Geländeoberfläche. Der Bunker liegt auf einem von der Humboldtstraße zur Siemensstraße um fast ein Geschoss abfallenden Gelände. (…) Er diente auch als Veranstaltungs- und Kinosaal. (…) Die Bunkersohle und die Schutzdecke hat durchgehend eine Stärke von ca. 1,40 m. Die Außenwände in Längsrichtung des Bunkers haben eine Stärke von 1,75 m und die der Stirnfronten eine solche von 1,10 m. (…) Kaufinteressenten werden daher gebeten, die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit einer beabsichtigten Errichtung, Änderung, Nutzungsänderung dieser baulichen Anlage mit der Stadt Remscheid abzustimmen. (…) Der Bunker ist unbefristet als Lager- und Verkaufsraum vermietet. Die jährliche Nettomiete beträgt derzeit 1.046,04 €.“

Der Hochbunker ist am 17. Februar 2006 unter der Nummer 643 in die Denkmalliste der Stadt Remscheid eingetragen worden. Damit unterliegt er den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes. Mehr dazu verrät ein Schreiben der Stadt Remscheid vom gleichen Tage. Darin wird der Denkmalwert des Bunkers wie folgt als bedeutend begründet

  • „für die Geschichte: Am 5. Juli 1935 trat das Luftschutzgesetz, das die Organisation des Luftschutzes in Deutschland regelte, in Kraft. … Grundlage für den Bau von Hochbunkern wurden schließlich die am 6. August 1941 erlassenen „Besonderen Bestimmungen für den Bau von Luftschutz-Bunkern". Hierin wurde neben Luftschutzaspekten auch eine städtebauliche baukünstlerische Gestaltung unter Beibehaltung eines wehrhaften Charakters der Bunker gefordert.
  • für die Ortsgeschichte der Stadt Remscheid: Der Bunker wurde wohl auf der Grundlage der genannten Verordnung als Teil eines Versorgungssystems innerhalb des Stadtgebietes von Remscheid errichtet. Er ist aus  historischen und aus verteidigungstechnischen Gründen erhaltenswert. Als Bunker mit Schutzfunktion für die Bevölkerung ist der Bau Teil des Verteidigungssystems im Zweiten Weltkrieg. Er ist zusammen mit den übrigen noch bestehenden Bunkern im Stadtgebiet (Wallstraße 38-40, Rudolfstraße 8, Bliedinghauser Straße 40, Vieringhausen 76 / Solinger Straße) Teil des Luftschutzsystems in Remscheid. Viele Menschen verdanken Bunkern ihr Leben Späteren Berechnungen zufolge wäre die Zahl der getöteten Zivilbevölkerung in Deutschland vermutlich dreifach höher als bei weniger gut organisiertem Schutz gewesen.
  • aus bautypologischen und architekturgeschichtlichen Gründen: In der inneren Organisation, in der Aufteilung und in den Raumgrößen weist der Bunker Parallelen zu zeitgleichen Standardbunkern auf. Innerhalb der Reihe der Bunker auf Remscheider Gebiet tritt der Bunker mit dem zentralen Versammlungsraum über zwei Ebenen als Bautyp insofern hervor, als er nicht nur zur Unterbringung der Bevölkerung, sondern auch zu Versammlungs- und Veranstaltungsecken konzipiert war.
  • aus städtebaulichen Gründen: Der Bunker ist freistehend und von drei Straßen umgrenzt Teil der Blockbebauung des Wohngebietes in Honsberg.

Nach dem 2. Weltkrieg diente er Bunker lange Zeit als Kino. Schon im Oktober 1945 beantragte der Architekten Fehse aus Remscheid-Hasten die Umnutzung mit 540 Sitzplätze, 380 im Erdgeschoss und 160 auf der Empore.

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Kommentare

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Chronist am :

In der Stadtverwaltung ist der Waterbölles-Bericht mit Interesse gelesen worden; dort wusste man bis dahin noch gar nichts von dem Verkaufsangebot der Bundesbehörde im Internet. Nun soll sich Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein mit dem Bundesamt in Verbindung setzen und sodann dem Verwaltungsausschuss Bericht erstatten. Schließlich ist gilt dem Honsberg ein wesentlicher Teil des beabsichtigten Projektes "Stadtumbau West". Und dabei spielt womöglich auch der alte Bunker eine Rolle. Tritt die Stadt Remscheid hier gar selbst als Bieter an?

Chronist am :

Georgia Panagiotou von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Düsseldorf hat auf Anfrage mitgeteilt, dass die Gebotsfrist für den Bunker zwar inzwischen ausgelaufen ist, „eine Entscheidung über die Veräußerung allerdings noch nicht getroffen wurde“.

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