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Lenneper Bilder mit Fritz aus dem Wieschen

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper, ein gewisser „Fritz aus dem Wieschen“, der seinen wirklichen Namen Richard Thielmann in seinen historisch-launigen Zeitungskolumnen meist unterdrückte, veröffentlichte im Jahre 1955 über das Lenneper Druckhaus Adolf Mann Nachfolger als Privatdruck ein kleines Heftchen mit dem Titel „Dies und Das – Von der guten alten Zeit bis zur Gegenwart“, worin er humorvoll Lenneper Anekdoten und Berichte wiedergab. Bald jeder Leser in Lennep wusste natürlich, dass dieser Fritz der Hauptschriftleiter des Lenneper Kreisblatts war. Er war mit vierzehn Jahren von Elberfeld zur Buchbinderlehre nach Lennep gekommen; aus seinem Wirkungskreis schöpfte er so manche Anekdote. Einige davon möchten wir heute vorstellen, da sie sich u.a. auch mit dem Themen Pfingsten und den dabei fälligen Schützenfesten beschäftigen. Fritz aus dem Wieschen äußerte sich seinerzeit, hier für den heutigen Leser ein wenig bearbeitet, u.a. so:

„Das Lenneper Leben und Treiben spielte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts in ruhigen Bahnen ab. An Sommertagen saßen die Leute an ihren Haustüren, die Frau strickte zwei rechts, zwei links, und der Mann rauchte die lange Pfeife. Aber auch an Werktagen nach Feierabend war dies das Vergnügen der sogenannten ‚breiten Masse‘. Eine Abwechslung in dieses Einerlei brachte hin und wieder der Stadtbote mit der Schelle und den dazu gehörigen Bekanntmachungen. Man spitzte die Ohren und vernahm u.a. ‚Frischer Schellfisch angekommen bei Herrn Hermann Johnen am Markt‘ oder ‚Das Betreten der Lenneper Wiesen ist bei Strafe verboten‘. Ließ sich aber die Schelle an Sonntagen vernehmen, dann lief den alten Frauen die Gänsehaut den Rücken hinunter: ‚Ein dreijähriges Mädchen abhandengekommen‘.

Bei der Arbeit ging es über die Maßen streng zu. Doch fand man hin und wieder eine Gelegenheit zu heiteren Streichen. Da war das Lenneper Original Bennad Funnemann, der drehte unsere Druckmaschine. Die Drehpausen bestimmte er selbst. Wir hatten die üble Angewohnheit, manchmal auf die Bremse der Druckmaschine zu treten, wenn Bennad im Schweiße seines Angesichts sich bemühte, das Schwungrad in Bewegung zu halten. Bald aber hatte er die Ursache der Schwierigkeit erfasst. Mit vielsagenden Grimassen verließ er das Rad, setzte, ohne ein Wort zu sagen, seine Mütze auf und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Das gab der Druckerei den Anlass zur Anschaffung eines Wassermotors.

Viel Freude brachte bei den „Volksbelustigungen“ der Schützenfeste das Waldbeeren-Kuchenessen. Eine Torte wurde dick mit Waldbeerenbrei belegt und in die Mitte ein 50 Pfennig-Stück gesteckt. Von verschiedenen Seiten begannen die Kinder dann zu essen, aber die Hände mussten auf dem Rücken gehalten werden. Wie die Wilden suchte jeder zuerst durch den Brei zum Geldstück zu kommen. Einmal kam eine vornehme Dame mit ihrem Söhnchen vorbei, das sehnsüchtig nach dem Waldbeeren-Kuchen schaute. „Arno, das ist nichts für dich. Komm!“ – sprach die Mutter.  Der Junge wusste sich aber im Gedränge des Schützenfestrummels abzusetzen und lief zur Waldbeeren-Torte. Als er mit seinen Zähnen bald am Ziel war, da kam seine Mutter suchend vorbei, sie war einer Ohnmacht nahe, wie sie ihren Sprössling mit Brei geziert über die Torte gebeugt sah.

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