Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Kein Kind ohne Mahlzeit: Viele Eltern wollen sich nicht outen

Das Sparschwein von 'Möhrchen e.V.'. Foto: Lothar Kaiser„Die finanzielle / häusliche Mangelsituation der Familien“ nennt die Stadtverwaltung als Grund dafür, dass in den 22 Remscheider Grundschulen und den drei Förderschulen, in denen es OGGS-Betreuungsangebote gibt, nicht alle Kinder von ihren Eltern die zwei Euro pro Schultag bekommen, die dort die tägliche warme Mittagsmahlzeit kostet. In diesen Fällen springt der Hilfsverein „Möhrchen“ ein. Der erhoffte sich von einer Beteiligung der Stadt an dem neuen Landesfonds "Kein Kind ohne Mahlzeit“ eine wesentliche finanzielle Unterstützung. In der Sitzung am 25. Oktober folgte der Rat der Stadt deshalb auch der Empfehlung von Schul-, Jugendhilfe- und Sozialausschuss und beantragte die Landesförderung. Der Landesfonds „Kein Kind ohne Mahlzeit" soll - zunächst für einen Zeitraum von zwei Jahren - die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen aus finanziell bedürftigen Familien an der Mittagsverpflegung dadurch fördern, dass er 200 der errechneten jährlichen Kosten des Mittagessens in der Schule von bis zu 500 Euro pro bedürftigem Kind übernimmt. Nach den Förderrichtlinien gelten als bedürftig Kinder und Jugendliche, „deren Erziehungsberechtigte Leistungen nach dem SGB II, Sozialhilfe oder Leistungen nach dem Asylbewerber-leistungsgesetz oder Leistungen nach § 6 a BKGG (Kinderzuschlag) beziehen, oder deren Elternbeiträge beim Besuch einer offenen Ganztagsschule im Rahmen der wirtschaftlichen Jugendhilfe vom zuständigen Jugendamt übernommen werden.“ Daran erinnert die Verwaltung in einer Vorlage, die am Dienstag, 22. Januar, den Schulausschuss beschäftigen wird. Daraus geht hervor, dass die Stadt Remscheid von den 171.400 Euro, die sie aufgrund ihres Antrages als dem Landesfonds erhalten hat, 99.400 Euro zurückzahlen muss. Wie das?

„Die Bedarfsermittlung bei den Ganztagshauptschulen, den Gesamtschulen und der Hilda-Heinemann-Schule (Anm.: im Vorfeld des Antrages) gestaltete sich schwierig, weil den Schulen, entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen, keine Daten vorliegen, die auf die Einkommensverhältnisse und einer potenziellen Bedürftigkeit von Familien hinweisen“, heißt es in der Vorlage. Deshalb habe die Verwaltung allen Eltern über die Schulen Informationen zum Landesfonds mit entsprechenden Anträgen zur Verfügung gestellt. Die konkrete Bedarfsermittlung aufgrund der Rückläufe der Anträge, der Interessensbekundung von Familien sowie der Einschätzung der Schulen und Mensavereine habe die Zahl von 857 zu fördernden Kindern ergeben. Das machte dann bei 200 Euro Zuschuss pro Kind/Schuljahr 171.400 Euro. Ein entsprechender Bewilligungsbescheid des Landes ging am 2. November vorigen Jahres bei der Stadt Remscheid ein. Drei Tage später folgte die Aufforderung, die konkrete Zahl der am Landesfonds teilnehmenden Kinder der Bezirksregierung mitzuteilen und eventuelle „überschüssige“ Fördermittel zurückzuzahlen. Als Stichtag nannte das Land den 8. Oktober. Aus den bis dahin bei der Stadt Remscheid vorliegenden  Antragen und Rückmeldungen der Eltern ergab sich aber lediglich die Zahl von 360 zu fördernden Kindern und eine Fördersumme von 72.000 Euro. Fazit der Verwaltung in ihrem Bericht an den Schulausschuss: „Die Umsetzung des Landesfonds ist mit einem sehr hohen bürokratischen Aufwand für Verwaltung, Schulen und Trägern (Mensavereine, OGGS-Trägervereine) verbunden. Letztendlich wird das angestrebte Ziel, möglichst vielen bedürftigen Kindern eine Teilnahme am Mittagessen zu ermöglichen, nicht erreicht, weil das Verfahren für die Inanspruchnahme für viele Familien eine nicht akzeptierte Stigmatisierung bedeutet.“

Dazu heißt es in der Vorlage weiter: „Insgesamt wird festgestellt, dass das von den bedürftigen Familien anfänglich gezeigte hohe Interesse an einer Teilnahme des Landesfonds stark zurückgegangen ist. Anhand zahlreicher Gespräche mit Eltern und Schulen begründet sich dies durch folgende wesentliche Faktoren:

  • Eltern sind nicht bereit, dass nach den Fördervoraussetzungen erforderliche Einverständnis zur Offenlegung der Bedürftigkeit zu erteilen und sich damit gegenüber Schule und Trägerverein als sozial schwach zu „outen".
  • Eltern wollen sich nicht für ein gesamtes Schuljahr verbindlich festlegen, den nach dem Erlass geforderten Eigenanteil in Höhe von durchschnittlich 200 Euro pro bedürftigem Kind pro Jahr zu erbringen; sie möchten über Art und Umfang der Teilnahme ihrer Kinder am Mittagsessen flexibel ent­scheiden.“

Hinzu komme noch die sehr kurze Antragszeit für das Schuljahr 2007/2008, die es Familien und Schulen nur bedingt ermöglicht habe, sich eingehend mit dem Förderprogramm auseinander zu setzen. Für das Schuljahr 2008/2009 will die Stadtverwaltung deshalb bereits zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres (Februar 2008) mit der Bedarfsermittlung in den Schulen zu beginnen. Ferner sollen im Rahmen des Anmeldeverfahrens 2008/2009 zu den Klassen 5 der Ganztagsschulen die Eltern über die Fördermöglichkeiten des Landesfonds informiert werden.

Beim jüngsten Neujahrsempfang der Remscheider SPD hatte die Vorsitzende der Vereins "Möhrchen e.V.", Oberbürgermeisterin Beate Wilding, für die Spendenbereitschaft vieler Remscheider gedankt. Im ersten Jahr habe der Verein 133 Kinder unterstützen können, im vorigen bereits 250. Ziel sei es, auch jenen Jungen und Mädchen ein Mittagessen in der Schule zukommen zu lassen, bei denen das Familieneinkommen knapp über der Sozialhilfegrenze liege. Denn: "Kinder, die sich wohl fühlen, lernen auch besser!" Während des Neujahrsempfangs konnte Beate Wilding für den Verein 263,79 Euro; das Geld hatten die knapp 80 Gäste der Veranstaltung gespendet.

Trackbacks

Waterbölles am : Geld für CDU-Wahlkampf besser "Möhrchen" spenden!

Vorschau anzeigen
Die Waterbölles-GlosseZuerst hatte die CDU die Wahl zwischen zwei eigenen OB-Kandidaten – Manfred Schick,  zweifacher Ex-Fraktionsvorsitzender, und Jochen Siegfried, zwischen 1999 und 2004 Geschäftsführer der CDU-Fraktion, seitdem persönlicher Referent de

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Chronist am :

Für das Schuljahr 2007/2008 wurden aus dem Fonds "Kein Kind ohne Mahlzeit" erstmals Landesmittel in Höhe von 44.600 Euro an Möhrchen e. V. weiter geleitet. Hinzu kamen 32.182 Euro aus eigenem Spendenaufkommen. Am kommenden Donnerstag erwartet Beate Wilding bei einer Besichtigung der Geb. Lennartz GmbH & Co. KG, Hohenhagener Straße, ein Scheck über 400 Euro, gesammelt unter der Belegschaft während des diesjährigen Sommerfestes. Ob die Firma noch was drauflegen wird? Immerhin ist in einer städtischen Pressemitteilung (Einladung zum Fototermin) von einer „beachtlichen Spende“ die Rede.

Axel Behrend am :

So sehr die privaten Bemühungen, Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien zu helfen, zu begrüßen sind, und ich möchte das Engagement der Obernbürgermeisterin und von Möhrchen nicht herunterreden, aber eine Lösung für das Problem Armut und Kinderarmut ist das nicht. Trotz des Rückgangs der Arbeitslosenzahlen kommt der vermeintliche Aufschwung bei den Kindern als schwächstem Glied der Kette kaum an. Die neuesten Kinderarmutszahlen zu unter-15-Jährigen, die in NRW von Sozialgeld bzw. in "Hartz-IV-Haushalten" leben, sind weiterhin dramatisch hoch. Dies belegt eine Kurzmitteilung des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ), für die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet wurden. Demnach lebten im Juni dieses Jahres in Nordrhein-Westfalen 464.000 Kinder bis 14 Jahre von Sozialgeld. Dabei reichen die Hartz-IV-Regelsätze für Kinder in keiner Weise zur Deckung ihres notwendigen Lebenshaltungsbedarfs und für eine gleichberechtigte Teilhabe an Bildung oder kinderkulturellen Aktivitäten aus. Vor diesem Hintergrund ist es für mich unverständlich, warum die Anhebung der Kinderregelsätze vom Bundesrat auf die lange Bank geschoben wird und nun womöglich erst 2011 positiv beschieden werden soll. Auch die Maßnahmen der Bundesregierung, die etwa für Schulanfänger/innen einen jährlichen Zuschuss von 100 Euro zu Beginn des Schuljahres plant, reichen bei Weitem nicht aus. Dies kommt einem Tropfen auf den heißen Stein gleich. Wie die OECD festgestellt hat, ist in keinem anderen Industrieland die Einkommenssituation der Eltern so entscheidend für das Erreichen eines qualifizierten Schulabschlusses der Kinder wie in Deutschland. Kinder aus einkommensarmen Familien haben nach wie vor kaum Chancen auf einen hochwertigen Schulabschluss. Wenn dieser Umstand verändert werden soll, muss langfristig die Einkommenssituation der Eltern verbessert werden. In einem ersten Schritt sollte zur Bekämpfung der Kinderarmut der Kinderregelsatz in Hartz-IV Haushalten von 211 auf 300 Euro angehoben werden.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!