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Corona: Chor und Orchester trotzen Auftrittsverbot

Pressemitteilung der Universität Wuppertal

Christoph Spengler (Foto), Leiter des Chors und Orchesters der Bergischen Universität Wuppertal, produzierte mit allen Mitgliedern zwei besondere Musikclips, hinter denen viel Detailarbeit steckt. In den „Bergischen Transfergeschichten“ berichtet der Musiker von der Idee und darüber, was Musizieren in Zeiten von Corona bedeutet. „My loneliness is killing me…“ (Meine Einsamkeit bringt mich um…) singt Britney Spears in ihrer 1999 veröffentlichten Single „Baby one more time“. Allein diese Zeile spricht vielen Kulturschaffenden, die in der Corona-Krise nicht auftreten dürfen, aus der Seele. Dieses Los gilt auch für den Hochschulchor und das Hochschulorchester der Bergischen Universität. Keine gemeinsamen Proben, kein kommunikativer Austausch, lediglich ein Warten auf kulturelle Lockerungen.

Christoph Spengler, der auch als Kirchenmusikdirektor, Dirigent und Lehrbeauftragter diverser Musikprojekte im ganzen Bundesgebiet unterwegs ist, sucht nach Lösungen aus dieser Krise. „Musik ist mein Beruf, aber eben auch meine Leidenschaft, und so ist mein ganzer Tag erfüllt von Musik“, sagt er. „Vermutlich hat meine Arbeitswoche eher 60 als 30 Stunden, aber ich erlebe das nur sehr selten als Überlastung. Ein Grund dafür ist, dass ich in den musikalischen Gruppen, die ich leite, so vielen wundervollen Menschen begegne und so viel positive Energie zurückkommt. Wenn ich erst einmal in einer Chor- oder Orchesterprobe sitze, fühlt sich das gar nicht mehr so sehr wie ,Arbeit‘ an.“

2007 übernimmt er die Leitung des UNI Chores, vier Jahre später auch die des Orchesters. Seitdem wachsen beide Ensembles stetig und auch die Zuschauerresonanz führt dazu, dass die Konzerte in immer größere Kirchen verlegt werden müssen. Seit 2016 musizieren die Sänger*innen und Instrumentalist*innen in der Immanuelskirche. Das Commitment aller Sänger*innen, Musiker*innen und der Ensembles zu dieser gemeinsamen Sache sei einfach überwältigend, und dieser Funke springe auch in den Konzerten über. „Wir sind immer sehr stolz, wenn wir am Ende des Semesters unser gemeinsam erarbeitetes Programm präsentieren können. Und wir sind dankbar, dass so viele Menschen uns so gern zuhören!“

Durch die Covid-19-Pandemie ändert sich zunächst einmal alles. „Das ist wirklich ein bitteres Thema für uns Musiker*innen. Von heute auf morgen nicht mehr proben zu dürfen, war sicher eine notwendige Maßnahme, tut uns aber sehr weh. Und das geht weit über das reine Musizieren hinaus, denn ein Chor und ein Orchester sind ja auch eine soziale Gemeinschaft. Wir verbringen eine schöne Zeit miteinander, die uns ganz wertvoll ist. Das brach auf einmal komplett weg, und das schmerzt“, berichtet Spengler. „Ich vermisse die Proben mit ,meinen‘ Leuten sehr, und viele schreiben mir, dass es ihnen genauso geht. Leider sieht es ja auch so aus, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis zum Beispiel gemeinsames Singen wieder gefahrlos möglich sein wird.“

Spengler nimmt die Beschlüsse zum Ansporn, neue Ideen zu ersinnen und umzusetzen. „Ich wollte mich nicht damit abfinden, dass Corona bedeutet, dass UNI Chor und Orchester zum Stillstand kommen. Ich habe sofort begonnen, ein Konzept für Online-Proben zu entwickeln. Wir treffen uns jede Woche online, und ich probe mit dem UNI Chor. Das ist ein wenig seltsam, weil es ,one way‘-Proben sind. Das heißt, aufgrund des Zeitversatzes bei den Online-Videos – in der Fachsprache nennt man das Latenz –, ist es nicht möglich, dass alle gleichzeitig singen. Daher schalten alle ihre Mikros stumm, und ich probe, als würden alle vor mir sitzen, und die einzelnen Sängerinnen und Sänger singen zu Hause mit.“

Noch komplizierter sei es mit dem Orchester, weil Spengler nicht alle Instrumente vorspielen kann. „So arbeiten wir hier mit Tutor*innen der Bergischen und Wuppertaler Symphoniker zusammen, die für uns Tutorials erstellen oder mit Kleingruppen online proben. Wir treffen uns regelmäßig zu Online-Besprechungen, wo wir über musikalische Details reden und auch Stücke für die nächsten Semester besprechen.“  Damit beide Gruppen auch etwas präsentieren, hatte er die Idee, je ein virtuelles Chor- und Orchestervideo zu erstellen. „Das heißt“, erzählt er begeistert, „jede und jeder nimmt sich selbst zu Hause auf und schickt mir sein Video. Ich baue das alles zu einem fertigen Clip zusammen, indem man alle gleichzeitig musizieren sieht und hört.“ Entstanden sind daraus zwei Musikvideos, die gute Laune verbreiten und einen Weg aus der Krise aufzeigen. Spengler nennt es so: „Ein schönes Signal nach innen und außen!“

Spengler studiert beide Songs – „Baby One More Time“ von Britney Spears mit dem Chor und „Tennessee aus dem Film „Pearl Harbor“ mit dem Orchester – komplett neu, online ein. Für das Klavier- und Orchesterstück konnte der 51-Jährige zudem den Solisten Yuhao Guo gewinnen. Spengler: „Er ist ein wunderbarer Mensch und ebenso genialer Musiker und hat der Idee sofort begeistert zugestimmt.“

Nach den Einzelaufnahmen geht dann die eigentliche Arbeit erst so richtig los. „Wirklich heftig war für mich die Nachbearbeitung. Ich hatte im Falle des Chores 42 Videos vorliegen, im Falle des Orchesters sogar 50. Hinzu kommt, dass einige Musiker*innen des Orchesters ihre Stimme mehrfach eingespielt haben, um einen noch ,fetteren‘ Sound zu erzeugen. So hatte ich am Mischpult am Ende beim Orchesterstück 90 Spuren anliegen, die es galt, zu einem gemeinsamen Klang zu verbinden. Beim Chor waren es immerhin 65 Spuren.“ Und dann mussten noch alle Einzelvideos synchronisiert werden, denn „es muss ja alles übereinander passen. Das war eine unglaubliche Frickelei. Auch das Positionieren der Einzelvideos auf dem Bildschirm. Der Lüfter meines Computers ächzte die Tage auf Hochtouren, weil der Rechner mit einer Unmenge von Daten jonglieren musste. Aber am Ende hat es ganz gut gepasst, und das Ergebnis kann sich – finde ich – sehen und hören lassen!“

„Es hat uns zusammengeschweißt, und wir sind alle sehr stolz auf das Ergebnis“, sagt Spengler. Trotz Probenpause melden sich immer wieder interessierte Musiker*innen, die dem Chor oder dem Orchester beitreten wollen. „Darüber freuen wir uns natürlich sehr, und jede und jeder, der oder die am gemeinsamen Musizieren Freude hat – wenn auch zunächst ,nur‘ online – ist bei uns ganz herzlich willkommen!“ Seine abschließenden Worte richtet er dann auch an seine Ensembles. „Ich danke allen, die mit so viel Begeisterung und Engagement diese Produktionen möglich gemacht haben, von ganzem Herzen! Diese beiden Ensembles sind für mich etwas ganz Besonderes und es ist eine Ehre und Freude, mit ihnen so wundervolle Musik machen zu können.“

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