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Was alles zum stereometrischen Lennep gehört

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
Ja, was für eine Überschrift, was kann das bedeuten? Für mich als Archivbetreiber und Sammler bedeutet dies: Es handelt sich hier nicht um historische Flachware aus Papier oder Pergament, also nicht um Lennepstiche, Fotos oder Lithographien, sondern um Dinge, die man als solche dreidimensional in der Hand spürt, wenn man sie anfasst.

Als ich im Jahre 2002 von dem Lennepsammler Bernhard Koch dessen über Jahrzehnte angehäuften Lennepensien erstand, da behielt er zwar einige wenige Stücke wie z. B. Tassen mit Lennep-Motiven für sich, aber – von der Flachware wie Zeugnissen, Urkunden bis zu den postalischen Dingen wie Ersttagsbriefen und Briefmarken mal abgesehen – waren auch Münzen, Plaketten, Siegel und Fahrkarten vom Lenneper Bahnhof mit dabei bis zu einem Lennep-Quartett. Sonst wären sie ja auch nicht zu Bestandsteilen einer expliziten Lennep-Sammlung geworden, ob sich nun die professionellen Archive dafür interessieren oder auch nicht. Jetzt sollen sie, sofern Interesse besteht, an das Remscheider Stadtarchiv gehen als Erinnerung an das Lennep, "wie es einmal war". (Weitere Beispiele u.a. bei https://www.lennep.eu/lenneper-geld/  sowie  https://www.lennep.eu/gesammeltes-lennep/)

Beginnen wir hier mit dem Wachsabdruck eines Bronzesiegels aus dem Kloster der Minoriten (Schwarze Franziskaner) in Lennep (Fotos oben). In einem Auktionskatalog wird das Original so beschrieben: "Ovale Siegelplatte 1642 mit halbkreisförmigem Griff und Trage-Öse. Nachdem das im Zuge der Reformation im 16. Jahrh. aufgegebene Kloster der Minoriten in Lennep im Jahre 1642 neu besetzt worden war, wurde im gleichen Jahr das vorliegende Typar (Siegel) geschaffen und blieb wohl bis zur Säkularisation im Gebrauch. Der Hlg. Bonaventura, geboren 1221, lehrte bis 1255 in Paris, wurde 1257 Ordensgeneral der Franziskaner, 1273 Kardinal, starb 1274 und wurde 1482 durch Papst Sixtus IV. kanonisiert. Seine Attribute zeigen ihn als Franziskanermönch, Kirchenlehrer (Buch), Bischof (Pluviale), Kardinal (Cappa magna, mit Hut) und als kanonisierter Kardinal (Kreuzstab mit Doppelkreuz)." Der Wachsabdruck wurde wahrscheinlich in Lennep vor langer Zeit anlässlich eines kirchlichen Jubiläums angeboten.

Eine ganz andere historische "Lennepensie" sehen wir hier: "Landwirtschaftliche Verdienstmedaille Preußen 1903. Lokalabteilung Elberfeld, Barmen, Lennep, Remscheid". Ceres, die römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit, hält einen Siegerkranz und ein Füllhorn über die Erzeugnisse der erfolgreichen Landwirtschaft. Ein Bienenkorb versinnbildlicht zusätzlich den Fleiß, die Grundlage der Auszeichnung "Für Verdienstvolle Leistungen". Die andere Seite der Plakette zeigt neben traditionellen und modernen Arbeitsgeräten (u.a. Sense und Dampfwagen) den Bezug der Landwirtschaft zu Wild und Pferd. Derartige Plaketten werden heute im Auktionshandel für rund einhundert Euro angeboten. Der Lennep-Sammler Bernhard Koch reiste für so etwas von Auktion zu Auktion und gab dafür schon vor Jahrzehnten einige Scheinchen her.

Viele ältere Lenneper erinnern sich noch gut daran, dass es nach dem 2. Weltkrieg im Lenneper Stadion zahlreiche Reitveranstaltungen gab. Daran erinnert auch eine stehende Plakette aus dem Jahre 1949. Ende Juli fand seinerzeit das 4. Reit-, Spring- und Fahrtunier statt und nahm mit der Neugründung mehrerer einschlägiger Vereine die Vorkriegstradition wieder auf. Auch für die Kinder und Jugendlichen war so eine Veranstaltung  immer ein großes Ereignis. Noch farbenprächtiger waren die „Military Tattoos“ mit den in der neuen Bundesrepublik noch verbliebenen westlichen Besatzungseinheiten, große Musikschauen mit prächtig geschmückten Musikern, Reitern und Pferden.

Auch später noch gab es im Lenneper Stadion eindrucksvolle Schauen. Für eine Turnierveranstaltung am 2. August 1953 hatte man sich etwas ganz Besonderes ausgedacht. Eine Sonderausgabe des Remscheider General-Anzeigers wurde in einer historischen Kutsche ins Stadion gefahren, um durch plötzlich auftauchende Cowboys überfallen zu werden. Ziel war, die dabei erbeuteten Zeitungsexemplare an das Publikum zu verteilen. Dabei klappte so manches nicht wie geplant, aber für Jung und Alt im überfüllten Stadion war es die Sensation des Jahres.

Eine Replik von Lenneps Großem Stadtsiegel aus dem 13. Jahrhundert erstand ich in den 1990er Jahren bei der Lenneper Buchhandlung Schmitz. Das durchaus schwere Teil ist aus Bronze gearbeitet und hat einen Durchmesser 6,6 Zentimetern. Das historische Original befindet sich an einer Urkunde von 1451 im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf. Das Siegelbild zeigt die zinnengekrönte Stadtmauer Lenneps mit einem Turmtor, dahinter eine fensterreiche Kirche mit großem Westturm. Oberhalb der Kirche befindet sich ein Wappenschild mit dem Löwen des Stadtgründers, Graf Adolf V. Die lateinische  Umschrift lautet: SIGILLUM BURGENSIUM OPIDI IN LENNEPE, was nichts anderes bedeutet als oben schon angegeben: SIEGEL DER BÜRGER DES ORTES IN LENNEP.

Unter die stereometrischen Objekte in Lennep fällt natürlich auch das "Quartettspiel Remscheid-Lennep", das 1990 unter der Idee und Mithilfe der in Lennep unvergessenen Erika Bornewasser entstand, deren vielfach neu aufgelegtes Büchlein "Karin und Peter entdecken Lennep" ganze Generationen erfreut hat. Darin lernen zwei Lenneper Kinder einer historisch interessierten Familie durch Wandern, Schauen und Gespräch ihre Heimatstadt Lennep besser kennen.

Das Andenken an die Familie Hardt mit ihren Firmen, insbesondere die Firma "Johann Wülfing & Sohn" in Lennep, und die Lenneper Tuchgeschichte wird heute im Lenneper Tuchmuseum und im Dahlerauer Wülfingmuseum gepflegt. Beide Museen bewahren auch die historisch vergangene Firmenwerbung auf, die bis in die 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts reicht. "Wülfing Tuche - Made in West Germany" so hieß es nach dem letzten Weltkrieg auf einer modernen Kunststoffplakette, die natürlich an einem Wollfaden befestigt war. Das Motto "Lenneper Tuche haben Weltruf" gab es sogar als Poststempel auf dem Lenneper Postamt.

Von den stereometrischen Andenken an Lennep hat manches einen gewissen finanziellen Wert, und man könnte es "versilbern". Aber das wäre sehr schade, denn an den einzelnen Erinnerungsstücken erleben wir immer wieder aufs Neue, "wie es früher war". Aus diesem Grund kann man sich nur wünschen, dass die Zeugnisse des Alten Lennep nicht verloren gehen.

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