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Stadt kooperiert mit Ombudschaft Jugendhilfe NRW e.V.

„Das Jugendamt ist aus tiefster Überzeugung Wächter des Kindeswohls und der Kinderrechte“, leitete gestern im großen Sitzungssaal des Rathauses Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz eine Pressekonferenz ein, an der auch Sozialdezernent Thomas Neuhaus, Egbert Willecke, Leiter des Fachdienstes Jugend, und Tom Küchler vom Jugendamt der Stadt teilnahmen sowie aus Wuppertal Bernd Hemker, Geschäftsführer des Vereins Ombudschaft Jugendhilfe NRW, und die dort angestellte Fachreferentin Karolin Marquardt. Zwecks „Qualitätsentwicklung im Jugendamt“ setzten Mast-Weisz und Hemker vor der Presse ihre Unterschrift unter einen Kooperationsvertrags. Er verpflichtet die Stadt künftig zu einer jährlichen Ehrenamtspauschale von 720 Euro für eine Ombudsperson / eine externe Beschwerdestelle. Sie kann von Kindern, Jugendlichen und Erwachsene in Anspruch genommen werden, die Leistungen nach dem SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) beziehen und sich dabei einen öffentlichen oder freien Jugendhilfeträger subjektiv nicht ausreichend beteiligt, beraten, betreut und beschieden fühlen.

Solche Ombudsstellen in der Kinder- und Jugendhilfe werden bislang erst von einer geringen Zahl von Jugendhilfeträgern als eine fachlich notwendige Beschwerdeform für junge Menschen und ihre Familien betrachtet. Bernd Hemker: „Der Vertrag mit Remscheid ist der 27.!“ Doch bei insgesamt 186 Jugendämtern in NRW hat der Verein noch viel Luft nach oben.

Die Ombudschaft Jugendhilfe NRW ist eine externe Beschwerdestelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Anspruch auf Leistungen nach dem SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) haben und sich bei der Leistungsgewährung durch einen öffentlichen Jugendhilfeträger oder bei der Leistungserbringung durch einen freien Jugendhilfeträger subjektiv nicht ausreichend beteiligt, beraten, betreut und beschieden fühlen. Im Beschwerdefall finden sie bei der externen Beratungsstelle Unterstützung und können sich vor Ort von ehrenamtlichen Ombudspersonen beraten lassen.

Mit der Einrichtung einer Ombudsstelle in Remscheid wollen das Jugendamt und die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Remscheid nunmehr sicherstellen, dass Betroffene aus Remscheid sich neutralen Rat einholen können. Der/die im Einzelfall von der Ombudschaft benannte ehrenamtliche Vermittler/in wird eine qualifizierte und erfahrene Fachkraft der Kinder- und Jugendhilfe sein. Die Beteiligten können den Verein allerdings auch um eine andere Ombudsperson bitten.

Das Remscheider Jugendamt will seinen neuen Service offensiv bewerben. Egbert Willecke : „Unsere schriftlichen Leistungsbescheiden werden auf die Ombudsstelle hinweisen!“ (Die Daten: Fachstelle Ombudschaft, Hofkamp 102, 42103 Wuppertal, Tel.: 0202-29560321, Mobil: 0176-20483281, Email: fachstelle@ombudschaft-nrw.de" target="_blank">fachstelle@ombudschaft-nrw.de. Das Büro ist montags bis donnerstags von 8 bis 13 Uhr telefonisch erreichbar.)

Während der Bundesgesetzgeber mit Schiedsstellen (§ 78 g SGB VIII) ein Instrument zur Regulierung und Schlichtung von Streitigkeiten zwischen den Institutionen der öffentli­chen und der freien Jugendhilfe bei Vereinbarungen über Leistungen und Entgelte geschaf­fen hat, existiert für die Adressaten der Kinder- und Jugendhilfe keine gesetzlich vorge­schriebene unabhängige Institution zur Schlichtung bei Streitigkeiten mit einem Träger der Jugendhilfe. Nachdem die Freie Wohlfahrtspflege NRW führte im Frühjahr 2009 einen Fachtag über Ombudschaften in der Jugendhilfe veranstaltet hatte, beschloss der Landesjugendhilfeausschuss Rheinland die Einführung eines ehrenamtlichen Ombudsmannes in den Jugendhilfeeinrichtungen des LVR. Und die Freie Wohlfahrtspflege NRW bemühte sich in mehreren Gesprächen, die kommunalen Spitzenverbände zu einer Zusammenarbeit zu bewegen. Doch dies wurde abgelehnt mit der Begründung, ein Bedarf für eine landesweit tätige unabhängige Beschwerdestelle sei nicht erkennbar.

Doch die Freie Wohlfahrtspflege NRW hielt an ihrem Vorhaben fest und gründete Ende 2011 den Verein Ombudschaft Jugendhilfe NRW e.V. Im Februar 2013 eröffnete er seine zentrale Beratungsstelle in Wuppertal als Untermieter des Deutschen Kinderschutzbundes.  Von den Betriebskosten übernimmt das Land NRW 85 Prozent. Der Eigenanteil von 15 Prozent kommt als Beitrag der Verbände der Freien Wohlfahrt sowie der 135 Fördermitglieder zusammen, darunter 120 Institutionen der Jugendhilfe . Seit Februar 2016 unterstützt die Ombudschaft Jugendhilfe NRW kostenlos auch örtlichen/ regionalen Jugendhilfeträgern beim Aufbau von eigenen Ombudsstellen. Dass sie notwendig sind, belegt die Tatsache, dass alleine der Petitionsausschuss des Landtags in seiner letzten Wahlperiode mehr als 500 Petitionen von Bürgerinnen im Zusammenhang mit der Kinder- und Jugendhilfe bearbeiten musste.

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Chronist am :

Im August 2020 haben das Jugendamt und die Psychologische Beratungsstelle der Stadt Remscheid in Kooperation mit der „Ombudschaft Jugendhilfe NRW“ eine Ombudsstelle Jugendhilfe in Remscheid eingerichtet. Die Ombudsstelle ist eine externe Beratungsstelle für Beschwerden von Kindern, Jugendlichen und Eltern im Leistungsbezug des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) und damit ein wichtiger Anlaufpunkt für unabhängige Informationen und Empfehlungen. Vor diesem Hintergrund bittet die Fraktion der Grünen zui heutigen Sitzung des Sitzung des Jugendhilfeausschusses um die Beantwortung der folgenden Fragen: Wie sind die bisherigen Erfahrungen mit der Ombudsstelle Jugendhilfe? Wie hoch ist die Nachfrage? Ergeben sich aus den bisherigen Erfahrungen Konsequenzen für die Herangehensweise des Jugendamtes mit Menschen, die Leistungen aus dem SGB VIII beziehen?

Chronist am :

„Aus Sicht des Jugendamtes führt die Kooperation mit der Ombudschaft Jugendhilfe NRW zu einer Erhöhung der Qualität und Stärkung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Jugendhilfe. Die Ombuschaft Jugendhilfe NRW wurde seit Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung fünf Mal angefragt. In einem Fall kam es auch zu einem Kontakt mit einer Ombudsperson. Die Angelegenheit konnte zur Zufriedenheit aller Beteiligten geklärt werden. 3. Ergeben sich aus den bisherigen Erfahrungen Konsequenzen für die Herangehensweise des Jugendamtes mit Menschen, die Leistungen aus dem SGB VIII beziehen? Die bisherigen Erfahrungen bestätigen die fachlichen Standards im geltenden Hilfeplanverfahren, dass alle Beteiligten und hier insbesondere die betroffenen Kinder und Jugendlichen, umfassend am Hilfeprozess zu beteiligen sind. Durch die Möglichkeit, die Ombudschaft Jugendhilfe NRW anzurufen und einzubeziehen, wird den Adressaten der Jugendhilfe Selbstwirksamkeit vermittelt, die zu der Überzeugung führen kann, eine schwierige Situation bewältigt zu haben. Dies unterstützt den Hilfeprozess.“ (aus Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Grünen im Jugendhilfeausschuss)

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