Skip to content

Auch ein Foto vom Kaiserdenkmal kam ins Familienalbum

Denkmal von Kaiiser Wilhelm I. in Lennep. Repro: Lenneparchiv Schmidt. von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde der Bergischen Landes, liebe Lenneper,
heute greifen wir wieder einmal in die historische Kiste, wo die alten Fotos aus vergangener Zeit liegen. Sie sind ja nicht nur im Remscheider Stadtarchiv anzutreffen, sondern auch in zahllosen privaten Alben, in Remscheid, Lennep und anderswo. Unser heutiges Foto stammt aus dem Familienalbum der Familie Schmidt vom Lenneper Mollplatz: Der Inhalt wurde dort direkt nach dem Zweiten Weltkrieg angelegt, das Album selber stammte aus Bamberg, wo sich ein Teil der Familie vorher kriegsbedingt bei einer Verwandten einquartiert hatte. Klebstoff für das Album gab es damals nicht. Deshalbwurde der Klebstoff selbst hergestellt mithilfe von Kartoffelstärke, und der selbst gezogene Tabak hing dabei im Hause Poststraße 1, später Mollplatz 7, frisch fermentiert quer durchs Zimmer zum Trocknen aus. Heute befindet sich dort das Anwesen Lüttringhauser Straße 2 mit „Jouhris Grill“.

Ein Familienalbum sollte es damals werden, und das musste natürlich in der Vergangenheit beginnen. Da kam man natürlich an dem schräg gegenüber liegenden Kaiserdenkmal nicht vorbei. Das war am 2. September 1889 mit offiziellen Vertretern von Staat und Gesellschaft, mit „Ehrenjungfrauen“, uniformierten Studenten und der Lenneper Jugend eingeweiht worden und begleitete die Geschichte des heimischen Anwesens schon mehr als ein halbes Jahrhundert, als das Album entstand.

Im Bild sehen wir das Lenneper Kaiserdenkmal in seiner ursprünglichen Pracht. Und mit Girlanden und Fahnen geschmückt. Wurde hier gerade der so genannte Sedantag gefeiert? Leider ist das Foto nicht datiert. Von der Enthüllung des Kaiser- und Kriegerdenkmals sind ja zahlreiche Fotografien überliefert, die ebenfalls auf der Mauer an der Alleestraße, dem heutigen Thüringsberg, zum ehemaligen Landratsamt hin (heute Lebenshilfe) den Festschmuck zeigen. Anders als auf vielen zeitgenössischen Fotografien sind die Personen auf unserem Foto nicht nachträglich als Staffage eingefügt, es gab sie damals also wirklich. Und  das Denkmal von einem Halbuniformierten bewacht, vielleicht ein Reservist, der dem Treiben des Volkes Einhalt gebieten musste. Vieles war ja damals "bei Strafe" verboten wie z.B. das Betreten der öffentlichen Grünanlagen.

Das Gebäude links verbinden die Älteren von uns noch mit dem Namen „Senf Thomas“; es beherbergte jedoch eine "Restauration zur Post". Die Kaiserliche Postanstalt lag direkt gegenüber am Beginn der Elberfelder, heute Lüttringhauser Straße. Rechts des Denkmals erblickt man noch den vorderen Teil der ehemals Hermann Mühlinghaus´schen Textilfabrik, die heute der Lebenshilfe dient. Kaiser Wilhelm I., der oftmals mit seinem Enkel Wilhelm II. verwechselt wird, ist auf dem Foto sehr gut zu erkennen. Von den beiden Adlerstelen links und rechts der Treppe sieht man auf unserem Foto nur eine, gut erkennbar ist das eiserne Gitter, welches das Denkmal umgrenzt. Bekanntlich sind die aus Muschelkalk gefertigten Schrifttafeln mit den Namen der Lenneper Gefallenen der Kriege von 1866 und 1870/71 heute am Ehrenmal an der Lenneper Albert-Schmidt-Allee angebracht. Mancher noch lebender Lenneper sah sie nach dem Zweiten Weltkrieg noch an der Mollplatzanlage, die damals allerdings schon ihren früheren Glanz hatte. Immerhin saßen wir Kinder dort noch oft auf den Bänken oberhalb der Stufen am Aufgang zur Denkmalfläche. Bei der gänzlichen Umgestaltung des Mollplatzes Anfang der 1960er Jahre fiel dann der Rest des Denkmalareals der Spitzhacke zum Opfer.

Das Denkmal überstand den Ersten Weltkrieg, weil es aber sehr in den Kaiserplatz, den heutigen Mollplatz, hineinragte, gab es schon Anfang der 1930er Jahre Ideen, es zu verkleinern. Mitte der 1930er Jahre dann wurde die Idee umgesetzt, und Kaiser Wilhelm I. wurde es schließlich auf einen eigens für ihn geschaffenen Hohenzollernplatz an der Ringstraße in der Nähe der Trecknase versetzt. Um das Jahr 1940 dann meinte der nationalsozialistische Staat, das Metall der großen Statue für Kriegszwecke nutzen zu müssen. Der Kaiser wurde deshalb wie so manche Kirchenglocke, “eingeschmolten”, wie die Lenneper sagen.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!