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Brandbrief Remscheider Kinderärzte an die Politik

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir wenden uns heute mit diesem Schreiben an Sie, weil wir als verantwortliche Kin­derärzte aus dem ambulanten Bereich die Betreuung der Kinder aus dem Remscheider Raum gefährdet sehen. Bisher haben zehn niedergelassene Kinderärzte in Remscheid die medizinische Betreu­ung der Kinder in der Stadt und Umgebung gewährleistet. Jetzt werden zum Jahresende zwei Praxen (MVZ Bethanien und die Praxis Albrecht /Arnold) mit vier Arzt-Planstellen ihre Tätigkeit einstellen. Es ist bisher nicht gelungen, Ärzte für die Übernahme dieser Praxen zu gewinnen.

Die bisher in Frage kommenden Kollegen sind alle nur bereit, in einem Angestellten­verhältnis eines MVZs zu arbeiten. Da sich auch die verbleibenden niedergelassenen Kinderärzte (bis auf zwei Ausnahmen) in einem Alter jenseits des 60. Lebensjahres befinden, wird sich das Problem, selbst ohne unerwartete Erkrankung der verbliebenen Ärzte, in der Zukunft verschärfen.

Akut wird es uns nicht gelingen, die Kinder der schließenden Praxen mit zu versorgen. Für die hinzukommenden Neugeborenen stehen daher auch 40 Prozent weniger Kinderärzte zur Verfügung. Die verbleibenden Praxen sind personell, räumlich und arbeitszeitlich jetzt schon zu über 100 Prozent ausgelastet. Damit werden ab 1.1.2021 einige tausend Kinder in Remscheid nicht mehr kinderärztlich versorgt werden.

Neben der Regelversorgung im Alltag gibt es noch einen kinderärztlichen Notdienst, an jedem Wochenende und Feiertag, sowie mittwochs nachmittags. Reihum übernimmt bisher jede Praxis im Wechsel diese Notdienste. Auch diese Versorgung kann mit verbleibenden sechs Ärzten nicht sichergestellt werden.

Die Remscheider Kinderärzte bitten um konstruktive, rasche und unkomplizierte Mithilfe bei der Lösung dieses Problems, das uns sehr am Herzen liegt, aber nicht allein unser eigenes ist; ohne .Mithilfe aller beteiligten Institutionen wird es nicht gelingen.

  1. Wir benötigen personelle Unterstützung um die bald unversorgten Kinder in Zukunft adäquat versorgen und den etablierten Notdienst fortsetzen zu können,
  2. Essentiell ist eine Organisationsform, z.B. entsprechend eines MVZs, um die vorhandenen ärztlichen Kollegen für die Versorgung obiger Kinder zu halten bzw. zu gewinnen.
    Es gibt diverse Gründe, warum aktuell kein Arzt/Ärztin zur Übernahme bestehender Praxen zu gewinnen ist. (Überdurchschnittlich hoher Anteil von Kollegen /Kolleginnen, die aus privaten, gesundheitlichen oder finanziellen Aspekten nicht den Schritt in die berufliche Selbständigkeit wagen). Dies macht es zunehmend wahrscheinlicher, dass nur mit einem übergeordneten Betreiber/Träger ein weiterer Betrieb dieser Praxen gewährleistet werden kann.
  3. Da von den verbleibenden Remscheider Kinderärzten fünf schon über 60 Jahre alt sind, wird sich das Problem absehbar verschärfen, und die politisch Handelnden müssen davon ausgehen, dass die verbleibende Versorgung in kurzer Zeit vollständig zusammenbricht, selbst ohne Corona bedingte Ausfälle.

Mit freundlichen Grüßen
Lothar Kirchner / Jörg Sprenger / Dr. med. Claudia Müller
(stellvertretend für die verbleibenden kinderärztlichen Kolleginnen/Kollegen)

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Zu einem internen Arbeitsgespräch hat Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz alle mit diesem Problem Beschäftigten aus Ärzteschaft, Kassenärztlicher Vereinigung, Sana-Klinikum und Stadtverwaltung für heute um 17 Uhr ins Rathaus eingeladen.

Sven Wolf, Vorsitzender SPD-Ratsfraktion am :

Der Hilferuf war wirklich nicht zu überhören, weder von den Eltern, noch den Kinderärzten. Ich bin unserem Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz dankbar, dass er alle Beteiligten an einen Tisch gebracht hat. Wir stehen als SPD-Fraktion für konstruktive Lösungen bereit. Die Zeit drängt, wir müssen für die kleinsten Patienten in unserer Stadt bis zum Ende des Jahres eine Lösung finden. Für uns ist klar, immer dann, wenn ein Markt keine Lösung bringt, dann müssen wir uns auf den Staat verlassen können. Das ist ein Grundversprechen unserer Gesellschaft. In anderen Regionen unseres Landes gibt es bereits Medizinische Versorgungszentren, die von Kommunen betrieben werden. Warum soll das nicht auch in Remscheid funktionieren? Also eine städtische Kinderarztpraxis, ob mit oder ohne Sana Klinikum spielt dann keine Rolle. Ich meine, eine Anstalt öffentliche Rechts, also AöR, kann eine kluge Rechtsform sein. Denn jungen Ärztinnen und Ärzte bieten wir damit berufliche Sicherheit und entlasten sie von administrativen Aufgaben. Zugleich lassen sich Beruf und Familie besser vereinbaren. Das macht den Beruf des Kinderarztes auch in Remscheid wieder attraktiver. Auch mit Blick auf die weitere Entwicklung bei Haus- und Fachärzten kann dies eine kluge Perspektive sein, denn unsere Aufgabe ist es, die ärztliche Versorgung für alle Remscheiderinnen und Remscheider sicherzustellen. Das Beispiel aus Neuenrade im Märkischen Kreis zeigt, dass es binnen weniger Monate möglich ist, ein verlässliches kommunales Angebot aufzubauen. Remscheid kann hier ein Vorreiter in der Region sein.

Jürgen Koball am :

Also so eine Art Polio-Klinik. Begrifflichkeit aus "DDR" Zeiten: Spitalambulatorium, hört sich auch nicht schlecht an. Die Ärzteschaft incl. Personal wären dann im Angestelltenverhältnis der Stadt. Denke, eine Idee, die nachdenkenswert ist.

Thomas Reich am :

Schon vor drei Jahren, mein Sohn war gerade geboren, wurden wir angesprochen, ob wir uns bereits um einen Kinderarzt gekümmert hätten. Meine Frau und ich waren total verwirrt. Es wurde uns damals schon gesagt, dass man sich am besten Monate vor der Geburt orientiert, damit man noch Chancen hat. Es wird daher höchste Zeit, dass hier etwas passiert. Sollte es tatsächlich zu einer gemeinsamen Lösung von Sana und Stadt kommen, so sollte hier unbedingt darauf geachtet werden, dass am Ende nicht die Stadt die Lasten trägt und das Sana-Klinikum die Erträge. Vor diesem Hintergrund wäre tatsächlich eine alleinige öffentliche Trägerschaft überlegenswert. Da sich die Problematik, auch in anderen medizinischen Bereichen, verschärften dürfte, sollten bereits heute die Weichen so gestellt werden, dass auch andere Fachrichtungen untergebracht werden könnten. Vielleicht auch direkt mit entsprechend offener Gesellschaftsstruktur, dass auch weitere Gesellschafter hinzutreten könnten. Im Weiteren stellt sich die Frage, ob hier nicht auch eine Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden möglich wäre.

Chronist am :

Zur Sitzung des Haupt-, Finanz- und Beteiligungsausschusses am 10. September hat die SPD-Fraktion angefragt, ob eine städtische Kinderarztpraxis möglich wäre, zum Beispiel als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) bzw. welcher Rechtsform (gGmbH oder Anstalt öffentlichen Rechts) am praktikabelsten wäre. Begründung: „Der Hilferuf von Eltern und Kinderärzten war wirklich nicht zu überhören. Die Zeit drängt, wir müssen für die kleinsten Patienten in unserer Stadt bis zum Ende des Jahres eine Lösung finden. Wenn der Markt keine Lösung bringt, dann müssen wir uns auf den Staat verlassen können. Dies ist ein Grundversprechen unserer Gesellschaft. In anderen Regionen unseres Landes gibt es bereits Medizinische Versorgungszentren, die von Kommunen betrieben werden. In Neuenrade wurde zum Jahresbeginn die erste kommunale Hausarztpraxis NRWs eröffnet. Zwei Ärzte betreuen dort rund 1.000 Patienten. Der Unterschied zu einer normalen Praxis: Dort sind beide Ärzte Angestellte der Stadt Neuenrade. Warum soll das nicht auch in Remscheid funktionieren?“ Auch mit Blick auf die weitere Entwicklung bei Haus- und Fachärzten könne dies eine Perspektive sein. Remscheid könne hier ein Vorreiter in der Region werden.

Lothar Kaiser am :

Als Prüfauftrag nahmen die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses den Antrag der SPD gestern an. Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz hatte zuvor den „unmittelbaren Handlungsbedarf“ betont. Für die Befassung des Fachausschusses sei dann auch noch Zeit, wenn sich der neu gewählte Rat der Stadt im November konstituiert habe, sagte er auf einen Einwand von Norbert Schmitz (CDU). Sozialdezernent Thomas Neuhaus sprach von einer notwendigen Übergangs- und einer Dauerlösung. Dazu werde er für Ratssitzung am 24. September einen Beschlussvorschlag machen. Jens Peter Nettekoven (CDU) erinnerte Neuhaus daran, dabei auch an die Remscheider Hausärzte zu denken, die kurz vor Eintritts in die Rente stünden. Der Beschluss des Hauptausschusses fiel einstimmig aus. „Ein gutes Zeichen für die Stadtgemeinschaft“, befand der OB.

Fraktion der Linken am :

Brigitte Neff- Wetzel gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Rat der Stadt Remscheid, teilt dazu mit: „Dieser Vorschlag von Herrn Wolf findet meine volle Zustimmung. Gesundheit ist keine Ware! Deshalb wird der Markt die bestehenden Probleme auch nicht lösen können. Die AöR ist die zukunftsweisende Lösung in den wichtigsten Fragen der medizinischen Versorgung für Gegenwart und Zukunft.“ Der OB Kandidat der LINKEN, Fritz Beinersdorf, ergänzt: „Ich hoffe, dass der Hilferuf der Kinderärzte auch bei den anderen Fraktionen und Gruppen des Rates gehört wurde. Wir sollten gemeinsam die Probleme angehen und durch kluge Beschlüsse die Gründung eines MVZ auf den Weg bringen.“ (Pressemitteilung)

Frank Roessler am :

Herr Wolf, SPD, strebt ein dauerhaftes medizinisches Versorgungssystem für Remscheid an, das kommunal bezahlt werden soll. Warum meint eigentlich die SPD, dass der kommunale Arbeitgeber im medizinischen Bereich attraktiver ist als in anderen Fachbereichen, die seit Jahren vergeblich nach Fachkräften suchen? Die Ankündigung bringt noch keinen Artz nach Remscheid. Um Fachkräfte oder Akademiker (Seltenheitswert in Rs) in die Stadt zu locken, bedarf es eines großangelegten Konzeptes, wie die Stadt sich nach außen profiliert. Dass diejenigen, die das Kind in den Brunnen haben fallen lassen, die Richtigen sein sollen, die es wieder auf die Beine stellt, darf bezweifelt werden.

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