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Alexa Bell enttäuscht von machtbewusster Männerriege

Waterbölles-Kommentar

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Peter Nettekoven in einem  Video-Wahlaufruf.Ob der Video-Wahlaufruf des CDU-Fraktionsvorsitzenden Jens Peter Nettekoven noch lange auf der Internetseite der Partei zu sehen und zu hören sein wird, ist fraglich. Darin fordert er die Wählerinnen und Wähler mit strenger Miene auf, Alexa Bell zur Oberbürgermeisterin der Stadt Remscheid zu wählen, weil diese „derzeit unter Wert regiert“ werde. Das Seltsame an diesem Video: Während der einminütigen Laufzeit wird es zweimal schneller – und der Ton natürlich auch –, so dass Nettekoven mit Micky-Mouse-Stimme zum Schluss kaum noch zu verstehen ist. Wer eine Wahl gewinnen will, gibt sich gewöhnlich seriöser. Vermutlich hatte der Remscheider CDU-Chef die Wahl zum Zeitpunkt der Video-Veröffentlichung schon verloren gegeben.

Brauchte nur noch ein Sündenbock für das Desaster von 26,24 Prozent der Wählerstimmen für Bell gegenüber 60,61 für Mast-Weisz (ein satter Vorsprung von 12.721 Stimmen) gefunden zu werden. Der Lenneper Bezirksbürgermeister Markus Kötter gab schon am Wahlabend die Richtung vor: „Ein desaströses Ergebnis für uns, aber auch für Alexa Bell. Sie hat sich im Wahlkampf sehr bemüht.“ Fehlte nur noch der Nachsatz: „Aber sie hat es versemmelt!“ Denn natürlich weiß Kötter, was „sehr bemüht“ in der Zeugnissprache bedeutet.

Entsprechend scheint am  Sonntagabend die Stimmung auf der Wahlparty der CDU im Schützenhaus gewesen zu sein. Zwar war für Alexa Bell ein Blumenstrauß besorgt worden, aber es gab anscheinend niemanden, der ihr Dank sagte für ihren Einsatz. Den lieferte Nettekoven erst tags darauf per Pressemitteilung nach: „Wir sind vom Ergebnis der gestrigen OB- und Kommunalwahl schwer enttäuscht. Mit diesen deutlichen Resultaten hat niemand gerechnet. Ich möchte mich zunächst bei unserer Spitzenkandidatin Alexa Bell für ihren Einsatz bedanken. Sie hatte es gleich doppelt schwer: Zum einen ist sie gegen einen bekannten und beliebten Amtsinhaber angetreten, der dazu auch noch von drei Parteien unterstützt wurde. Zum anderen hat Corona die Möglichkeiten, Menschen im Wahlkampf zu begegnen und mit ihnen ungezwungen ins Gespräch zu kommen, deutlich reduziert.“

Enttäuscht ist auch Alexa Bell. Aber nicht nur über ihre Wahlniederlage. Die war zu erwarten; da hatte sie sich wohl selbst keine Illusionen gemacht. Aber von der Herrenriege im CDU-Kreisvorstand  so kühl, so wenig empathisch abgemeiert, Verzeihung: abgefeiert zu werden, das schmerzte doch sehr. Zumal sie nach eigenen Worten auch schon während des Wahlkampfes von Teilen der eigenen Partei wenig Unterstützung und Wertschätzung gespürt hatte.

Alexa Bells Reaktion fiel gestern in der Sitzung des CDU-Kreisvorstandes anders aus, als die machtbewusste Männerschar es vielleicht von einer Frau erwartet hatte. Statt zurück ins „Team“ zu gehen – was auch immer die CDU darunter verstehen mag – tritt die 45-Jährige von ihren Parteiämtern zurück. Nicht ad hoc, sondern Schritt für Schritt. Ihren politischen Verpflichtungen will sie „bis zum Ende der jeweiligen Wahlperioden der einzelnen Parteiämter“ nachkommen. Aber das Ratsmandat, das ihr über die CDU-Reserveliste zustünde, will sie nicht annehmen: „Ich werde für kein Amt in der nächsten Vorstandsperiode mehr zur Verfügung stehen. Das gilt für alle Positionen in der CDU und in ihren Vereinigungen." Nur ihr 30 Jahre altes Parteibuch, das will Alexa Bell nicht abgeben.

Für die CDU Remscheid sieht Bell die dringende Notwendigkeit einer Veränderung. Das zielt auf den Kreis- und Fraktionsvorsitzenden Jens Peter Nettekoven. Schließlich habe sie in den vergangenen Monaten die CDU in der Öffentlichkeit nicht alleine repräsentiert. „Wir sind als Team angetreten und haben als Team dieses Wahlergebnis zu verantworten." Folglich werde sie „ausdrücklich nicht die alleinige Verantwortung für das gestrige Wahlergebnis übernehmen", wie RGA und Bergische Morgenpost berichten.

Erinnern wir uns: Als der Kommunalwahlkampf noch im weiter Ferne lag, wurden in Remscheid zwei CDU-Männer als Gegenkandidaten von Burkhard Mast-Weisz gehandelt: Jens Peter Nettekoven und Markus Kötter. Aber beide sahen schließlich ein, dass sie gegen Burkhard Mast-Weisz keine Chance haben würden. Und durch die erwartbare Wahlniederlage ihre gegenwärtigen Machtpositionen in der Partei zu gefährden, kam für sie nicht in Frage. So entschieden sie sich (mutlos?) dafür, diese heikle Kandidatur einer Frau zu überlassen, die in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt war.

Was nun, CDU? Im Rat der Stadt kann sie zwar weiterhin endlos Fragen stellen. Aber politischen Handlungsspielraum hat sie nicht mehr. Der liegt bei SPD und Grünen. Unanfechtbar! Und wie reagieren Nettekoven und Kötter? Verantwortung zu übernehmen scheint für sie augenscheinlich nicht in Frage zu kommen. Die Karawane zieht bekanntlich weiter. Und die politischen Ämter – Nettekoven: Landtagsabgeordneter, Kreisvorsitzender und Fraktionsvorsitzender; Kötter: Bezirksbürgermeister – sind ihnen geblieben. Bislang jedenfalls.

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Kommentare

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Chronist am :

Persönliche Erklärung von Alexa Bell im Wortlaut: „Ich werde das Ratsmandat, das mir über die Reserveliste zufallen wurde, nicht annehmen. Ich bin für eine Veränderung in dieser Stadt angetreten. Die Remscheider haben in der gestrigen Wahl sehr deutlich dokumentiert, dass eine Veränderung nicht gewünscht ist. Das werde ich akzeptieren. Die Kremenholler haben außerdem entschieden, dass ich nicht über ein Direktmandat in den Stadtrat einziehen werde. Auch das ist eine demokratische Entscheidung, die ich zu akzeptieren habe. Der CDU stehen 17 Ratsmandate zu. Durch meinen Verzicht wird der nächste Kandidat von der Reserveliste nachrücken, so dass die CDU dem Wählerwillen entsprechend mit 17 Ratsmitgliedern vortreten sein wird. Ich werde ausdrücklich nicht die alleinige Verantwortung für das gestrige Wahlergebnis übernehmen. Ich habe nicht alleine in den vergangenen Monaten die CDU nach außen repräsentiert. Wir sind als Team angetreten und haben als Team dieses Wahlergebnis zu verantworten. Da ich an vielen Stellen in der Partei ein Mitglied im Team bin, werde ich mich nicht aus der Verantwortung ziehen und meinen Pflichten bis zum Ende der jeweiligen Wahlperioden der einzelnen Parteiämter nachkommen. Ich werde allerdings für kein Amt in der nächsten Vorstandsperiode mehr zur Verfügung stehen. Das gilt für alle Positionen m der CDU und in ihren Vereinigungen. Dieser Schritt fällt mir nicht leicht, da ich die Parteiarbeit auf allen Ebenen immer sehr gerne und mit großem Engagement gemacht habe. Über viele Jahre ist mir dafür insbesondere in den Vereinigungen eine große Wertschätzung entgegengebracht worden, die sich in immer sehr guten Wahlergebnissen und zum Schluss in meiner Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt niedergeschlagen hat. Die CDU Remscheid braucht ebenso dringend eine Veränderung, wie ich sie mir für unsere Stadt gewünscht habe. Ich wünsche mir für meine Partei, dass dies gelingt, und werde mich, so lange ich im Amt bin, für diese Erneuerung einsetzen. Ich habe diesen Schritt bereits im Vorfeld meiner Kandidatur gut überlegt, da ich sehr genau wusste, was auf mich zukommen könnte - sowohl extern als auch intern. Ausschlaggebend für meine Entscheidung ist nicht das Wahlergebnis. Wer in der Politik nicht verlieren kann, hat dort nichts zu suchen. Demokratische Entscheidungen sind ohne Ausnahme zu akzeptieren. Ausschlaggebend für diese Entscheidung sind für mich zum einen die Zusammensetzung der künftigen Fraktion und zum anderen der Verlauf des gestrigen Abends. ich werde mich nun auf die Beendigung meines Studiums konzentrieren und meinen eigenen Weg gehen. Der Wahlkampf hat mir sehr viel Freude bereitet, mich als Persönlichkeit noch einmal gestärkt und mir deutlich gezeigt, welche Prioritäten ich in meinem Leben zukünftig setzen mochte. Wer mir in den letzten Wochen gut zugehört hat, weiß, dass ich dafür stehe, Entscheidungen zu treffen und diese in die Tat umzusetzen. Genau das werde ich nun tun."

Horst Klaeuser am :

Respekt, liebe Alexa Bell! Ihr Engagement, Ihre Kandidatur, Ihre klare Reaktion nach der Niederlage - dazu gehören Mut, Rückgrat und Gradlinigkeit. Viele wissen, dass ich Ihren Gegenkandidaten, den alten und neuen Oberbürgermeister unterstützt habe. Aber das war immer ein Einsatz für ihn, nicht gegen Sie. Als Bürgerin und Politikerin haben Sie sich um unsere Stadt verdient gemacht. Das ehrt Sie über den Wahltag hinaus, auch wenn Sie Ihr Wahlziel nicht erreicht haben. Vielleicht sollte die Veränderung, die Sie für Remscheid anstrebten, vor allem in Ihrer Partei stattfinden. In der CDU, die eine wichtige Partei in unserem Land und und unserer Stadt ist, muss wieder Sachorientierung vor Kritiksucht, Miteinander statt Profilierung, Bürgernähe statt Besserwisserei einkehren. Dass Sie aus einem Team, das vielleicht gar keines war, ausscheiden, kann ich nachvollziehen. Alles Gute Ihnen. Sie haben trotz Verlust einen anerkennenswerten Job gemacht, für den Sie mein Lob verdienen - mehr als einen liegengelassenen Blumenstrauß...

Norbert Landen am :

Sie nannten den Namen Kötter der hört doch auch zum Umfeld Nettekoven.Bei der Erneuerung der CDU ist er wohl nicht dabei. Hoffentlich,und gut für Lennep.

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