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Die Pferdefuhrwerke konnten durch die ganze Mühle fahren

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
Der historisch sehr interessierte Handelskapitäns a.D. Paul Windgassen (1888-1965) aus Lennep. Windgassen, wurde nach dem Ersten Weltkrieg als Handelskapitän aufgrund der internationalen Bestimmungen arbeitslos und von der Stadt Remscheid eine Zeit lang u.a. als Museumswart im Röntgenmuseum und für das Lenneper Stadtarchiv beschäftigt. Er zeichnete zudem für eine Geschichte des Röntgengymnasiums sowie der Lenneper Lateinschulen verantwortlich, und er verfasste mehrere Aufsätze zu Lenneps umgebenden Anhöhen, u.a. zum Lindenberg nahe der Kölner Straße. Die handschriftlichen Aufzeichnungen befinden sich heute im Remscheider Stadtarchiv. Windgassens historische Arbeiten fußen u.a. auch auf den damals nur z.T. bekannten Erinnerungen des Lenneper Baumeisters Albert Schmidt (1841-1932), die er übernahm, kommentierte, mit Bildmaterial versah und mit eigenen Erkenntnissen erweiterte:

„Das Areal zwischen Kölner- und Leverkuser Straße aufwärts nannte man früher in Lennep den Lindenberg. Auf dem höchsten Punkt, auf 341 m Höhe stand lange Zeit ein altes Wahrzeichen: die alte (zweite) Lenneper Windmühle. Der große, mächtige Bau, in den man mit Pferd und Wagen hineinfahren konnte, lag an der Ecke von Friedrich- und Albertstraße. Auf einer Ansicht von Lennep vom Jahre 1824 von C.W. Sennewald sieht man die alte Windmühle deutlich links von der damaligen „Cölner Landstraße“, in gleicher Höhe mit den Häusern des Bereichs "an der Glocke". Die Mühle wurde in den Jahren 1871/72 von der Baufirma Albert Schmidt abgebrochen. Außer zwei kleinen Häusern in der verlängerten Friedrichstraße war der Lindenberg damals noch unbebaut. Der Ausbau des Straßennetzes auf dem Lindenberg erfolgte erst nach dem Bau der Eisenbahn 1867, der zu einer erheblichen Stadterweiterung führte."

Wenig Informationsmaterial ist über die Windmühle erhalten geblieben, und wir wüssten davon noch weniger, wenn nicht der von Paul Windgassen erwähnte Lenneper Baumeister Albert Schmidt im Jahre 1922 darüber im Kreisblatt geschrieben hätte: „Die Windmühle auf dem Lindenberg war noch bis Mitte der 1850er Jahre in Betrieb, dann musste sie der neuen Zeit weichen, sie konnte bei ihrem immer wieder unterbrochenen Betrieb mit den gleichmäßig arbeitenden Dampfmühlen nicht konkurrieren. (…) Das mächtige Gebäude bestand aus einem runden massiv aus Bruchsteinen erbauten Turm von etwa acht Meter Durchmesser und 20 Meter Höhe mit einem drehbaren Dach, aus welchem die Flügelwelle hervorragte. Der innere Turm war von einer ebenfalls runden Terrasse von etwa 18 Meter Durchmesser und sieben Meter Höhe umgeben. Auch diese Terrasse war massiv aus Bruchsteinen erbaut, sie war zweistöckig und enthielt die Wohnräume des Müllers, die Lagerräume und in der Mitte das Mühlengetriebe.
An der Nordseite nach der Friedrichstraße hin, die damals noch ein Hohlweg war, ging eine breite Einfahrt in das Mühlengebäude. Die Wagen (Anm,.: Pferdrefuhrwerke) konnten quer durch das ganze Gebäude fahren und in der Mitte unter dem Mühlengetriebe ent- und beladen werden. An den dicken Mauern des inneren eigentlichen Mühlenturmes war eine massive Wendeltreppe angebracht, durch welche die sieben Stockwerke des Bauwerks erreichbar waren. Die Mahlgänge und das Lager des Königsbaums, der mittleren senkrechten Welle des Mühlengetriebes, lagen auf einem Gebälk von Eichenholz in einer solchen Höhe, dass die Wagen unten durchfahren konnten. In dem drehbaren Dachraum waren die konischen Triebräder angebracht, die die rotierende Bewegung der Flügelwelle auf die senkrechte Königswelle übertragen mussten.
An der Flügelwelle waren vier große Flügel angebracht von etwa zehn Meter Länge und einem Meter Breite, deren Spanntuch durch einen Zugmechanismus verbreitert oder schmaler gemacht werden konnte, so dass bei Sturm oder starkem Wind eine geringe Druckfläche und bei geringerer Windgeschwindigkeit größere Flächen wirksam waren. Die Flügel waren von der Terrasse aus erreichbar und wurden dort immer nach der Windrichtung hingedreht."

 

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