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Anmerkungen zur heutigen Demo und Gegendemo

von Horst Kläuser

Es ist schon lustig, dass unsere kleine Nachbarstadt Wuppertal keinen Platz findet, um Menschen gegen die Corona-Maßnahmen protestieren zu lassen. Es ist auch genauso wenig überraschend, dass in Leserbriefen wieder mal der „olle Neidknüppel“ hervorgeholt wird, weil Oberbürgermeister angeblich fürstlich bezahlt würden und Ordnungsdienste untätig seien. Was OB-Gehälter angeht, sei gesagt, dass ich keinen einzigen kenne, der dieses Amt des Geldes wegen machte. Für das Gehalt bei einer Verantwortung für 110.000 Menschen und über 2.000 Mitarbeiter würde niemand in der Wirtschaft antreten. Aber lassen wir das.

Wir sollten die „Jünger“ des Bodo Schiffmann, der im dunklen Luxus-Bus anreist, in Remscheid auch nicht haben wollen. Der Schwindelarzt befasst sich außerhalb seiner unterstellten HNO-Kompetenz mit der „Diktatur“ in Deutschland und den „Faschisten“ in der Bundesregierung. Offenbar fällt ihm nicht auf, dass er das nur sagen darf, weil er nicht in einer Diktatur lebt. Man sollte ihn einladen, leibhaftige Diktaturen in Belarus, Russland, China oder Nordkorea zu besuchen. Schon beim Versuch, solche unhaltbaren Vorwürfe zu verbreiten, die er als „Meinung“ deklariert, würde er nicht nur in Wasserwerfer und Blendgranaten starren, sondern auch in trüben Zellen verschwinden.

Sie berufen sich auf die Versammlungsfreiheit (Art. 8 GG). Tatsächlich ein hohes Gut in unserem Grundgesetz. Ob dieselben auch Art. 1 und 2 unserer Verfassung gelesen haben? Dort ist davon die Rede davon, dass der Staat die Verpflichtung hat, die unantastbare Würde des Menschen zu achten und zu schützen. Dazu gehört (Art 2 GG) das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Sollte sich jemand fragen, ob die Maskenpflicht Teil dieser Schutzverpflichtung des Staates ist, so lautet die knappe Antwort: ja.

Es erstaunt nicht wenig, dass ausweislich der Leserbriefe im RGA oder auch der Kommentare in den „sozialen“ Medien viele Menschen den merkwürdigen Thesen der Corona-Leugner glauben. Sie berufen sich auf Wissenschaftler fachfremder Gebiete, auf Forscher, die seit Jahrzehnten nichts veröffentlicht haben, oder auf frustrierte Ärzte völlig unbeteiligter Fachrichtungen. Eine flotte Webseite kann heute jeder binnen Stunden ins Netz stellen, über Wahrheit sagt das nichts aus. Wer sich, wie Schiffmann, Wodarg, Homburg an die Seite von Hildmann, Naidoo oder Wendler stellt, Schulter an Schulter(sic!) durch Berlin und Stuttgart zieht, die Nachbarschaft von Esoterikern, Neonazis, Impfgegnern, Q-Anon-Followern, schlichten Spinnern oder der fast vollständigen AfD-Bundestagsfraktion erträgt, hat nach meiner Meinung jede ernstzunehmende Glaubwürdigkeit verloren.

Und das gilt auch für diejenigen, die vor einigen Wochen – und am Sonntag vielleicht wieder – jubelnd und ahnungslos den kruden Reden lauschen und andachtsvoll die Nationalhymne singen. Die fängt zwar mit dem Wort Einigkeit an, spricht von Recht und Freiheit; aber die Demonstranten säen das Gegenteil: Spaltung, Missachtung von Recht und Missbrauch von Freiheit.

Da grölen jene den Verschwörungsfritzen hinterher, die gestern kaum „Dschungelcamp“ und „Bachelor“ aussprechen konnten, aber heute, von jeglichem Wissen unbeleckt, von Morbidität, Mortalität und Übersterblichkeit faseln, als hätten sie sich darüber habilitiert.

Wer sich darüber mokiert, dass Wissenschaftler ihre Erkenntnisse immer wieder anpassen (müssen), sich korrigieren, hat nicht begriffen, was Forscher tun: Virologen, Epidemiologen, Infektiologen, Pneumologen, Kardiologen lernen jeden Tag mehr von sarv-Cov-19, dem neuartigen Corona-Virus. Sie stellen Hypothesen auf, prüfen sie, verwerfen sie, sie machen Studien und tauschen sich international aus. Keine Blaupause, kein fertiges Konzept stand im Januar bei den ersten Fällen zur Verfügung. Und nur, weil wir hierzulande ein großartiges Gesundheitssystem haben, verantwortungsvolle Wissenschaftler und Ärzte, besonnene Politiker und alles in allem auch eine Bevölkerung, die den Ernst der Lage erkannte, sind wir heute da, wo wir sind.

Wir haben keinen Präsidenten, der Wissenschaft ignoriert und Gesundheitspolitiker beleidigt, keine verschwiegenen Vertuscher oder leichtfertigen Verfechter der Theorie von Herdenimmunität, die zu kaum bezifferbaren Todesfällen führen kann.

Vielleicht wird man in zehn Jahren mit nicht wenig Genugtuung auf die Vorgehensweise, auf die letztlich erfolgreichen Mittel und Maßnahmen des Jahres 2020 in Deutschland zurückblicken, die schwere Lockdowns, eine katastrophale Wirtschaftskrise, vor allem aber hunderttausende Kranken und Tote verhindern halfen Dies wiederum hätten wir nicht den merkwürdigen Gestalten auf dem Rathausplatz zu verdanken, die verquast und völlig geschichtsvergessen eine nicht gefährdete Freiheit beklagen, sondern vielmehr Frauen und Männern in Politik, Verwaltung, in Krankenhäusern und Pflegeheimen, in der Politik, in Polizei und Feuerwehr, in Arztpraxen und Geschäften, Theatern und Restaurants, die trotz widriger Umstände Covid-19 ernstnehmen und anstelle dummer Sprüche und Unterstellungen anpacken und bürgerliche Verantwortung zeigen.

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Kommentare

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Armin Gerhardts am :

Das kann man alles unterschreiben, dennoch habe ich eine Anmerkung: Als in den 70ern die Roswell-Verschwörung aufkam nachdem die Abstürze in der Wüste Nevada schon in Vergessenheit gerieten, hat die US Airforce das einzig richtige getan, was man mit diesem versprengten Haufen damaliger "Truther" tun konnte: Ignorieren! Man hat sich inhaltlich außer einem hin und wieder geäußerten, lapidaren "pathetic" nicht mit ihnen beschäftigt. Jede Erwiderung in welcher Form auch immer nährt nur weiter ihren Boden. 20 Jahre später, der eiserne Vorhang war längst gefallen, die Stealth Bomber längst bekannt, hat die Airforce dann in beeindruckender Deutlichkeit mit dem Buch "The Roswell Report - Case Closed" ein Buch herausgebracht, welches minutiös erklärt um was es sich dort handelte. Die beeindruckende Beweislage hält dennoch keinen "wahren Truther" davon ab weiter die Legende der kleinen grünen Männchen zu spinnen - die Story ist einfach zu gut als die nüchterne Realität. Gestern wurde im ZDF Politbaromter verlautbart, dass 80% der Bevölkerung hinter den Maßnahmen stehen, oder sie sogar nicht weit genug gehen. Später in den ARD Tagesthemen hat die Band "Die Ärzte" die Frage nach den Corona-Leugnern nur knapp erwidert, dass jedwede Beschäftigung damit sie und ihre Thesen nur unnötig überhöht. So ist es. Weder mit Apellen, noch mit Logik und Vernunft wird man diesen Menschen beikommen und jedwede Beschäftigung mit ihnen wird als Bestätigung empfunden. Wie wichtig müssen sie sich fühlen, wenn sie zahlreiche Vertreter von Politik und Presse dazu nötigen, sich wortreich zu äußern und "verteidigen" zu müssen?

Gudrun Franken am :

Ignorieren wäre bei vielen Aussagen von Verschwörungstheorien, und die sie äußern, das beste Mittel.

Heinz Wäscher am :

„Der Spiegel” hatte vor zwei Jahren einen Artikel mit der Überschrift „Nebenwirkung Vertrauensschwund” veröffentlicht. Darin werden rückblickend die Geschehnisse rund um die Schweinegrippe beleuchtet - insbesondere aber, was passieren kann, wenn wenn Hektik und hochkochende Emotionen die Diskussion bestimmen. Kurzlink auf den Artikel: https://t1p.de/b153

Claudio Del Duca am :

Wahre Wort, Herr Kläuser. Schön, mal wieder etwas Geistreiches von Ihnen lesen zu dürfen. :-)

Mirjam Starke am :

Danke für diese klugen Worte!

Robert Gowitzke am :

Danke für die treffenden Worte. Alles andere war und ist nicht zu ertragen.

Bärbel Kollmann am :

Guten Morgen, Herr Kläuser, leider fehlt mir Ihr Bildungsgrad, um mich so auszudrücken, wie sie es tun. Seien Sie aber versichert, ich würde es genauso sagen, wie sie es gesagt haben. Danke für Ihre Meinung, und ich hoffe, sie wird noch viele Befürworter finden. Alles Gute für Sie, und nicht nachlassen.

Lothar Kaiser am :

Danke, lieber Horst, für Deinen treffenden Kommentar. Wie viele Verquerdenker sich auf dem Rathausplatz einfinden werden, wird übrigens eine Web-Kamera am Remscheider Rathaus verraten: https://tinyurl.com/yx98steg Die einzelnen Fotos bleiben erhalten. Der Hinweis auf den Link kam von Adolf Kappenstein. Danke dafür.

Jürgen Koball am :

Mit den verwirrten Querdenkern in einem Dialog zu treten, ist als würde man einem Ochsen ins Horn fetzen.

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