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Wie Fritz aus dem Wieschen zur Zeitung kam

Ehrung für Richard Thielmann, den "Fritz aus dem Wieschen".von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde, gestern erst hatten wir uns hier an den legendären Schriftleiter des Lenneper Kreisblatts erinnert: Richard Thielmann hieß er mit bürgerlichem Namen, die Lenneper jedoch kannten ihn Jahrzehnte lang besser unter seinem Zeitungpseudonym. Es lautete: "Fritz aus dem Wieschen". Obwohl ein "Hergeluopener" aus dem späteren Wuppertal, eroberte er sich die Herzen seiner Leser in Stadt und Kreis und wirkte in Lennep als Schriftleiter über vierzig Jahre. Als Reaktion auf die vorigen Beitrag zu Fritz aus dem Wieschen, bei dem es um die "Herbstgedanken" eine kleinen Lenneper Jungen ging, erhielt ich einige Zuschriften, u.a. sandte mir Klaus Kreutzer vom  heutigen Verkehrs- und Förderverein Lennep e.V. einen Zeitungsausriss aus den 1950er Jahren, der anlässlich des 75. Geburtstages des Schriftleiters Richard Thielmann über dessen Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins berichtet. Der Verkehrsverein Lennep würdigte damals damit die langjährigen Verdienste eines treuen Heimatfreundes. Aber wie kam der denn überhaupt in seinen Beruf? Nachfolgend kann man lesen, was er zu diesem Thema von fast 100 Jahre selber schrieb, nämlich im Lenneper Kreisblatt im Jahre 1925.

Dort hieß unter der Überschrift "Fritz": „‘Fritz‘ zu heißen ist nicht schlimm. Einen Namen muss doch jeder Mensch haben. Aber gerade der Fritz zu sein, der unabänderlich bestimmte, gewisse Fritz - das ist nicht ohne. Denn er ist eine Marke! Schon sehr früh hatte ich eine Beziehung zur Presse; denn Beziehungen muss man haben, wenn man ernst genommen werden will. Meine reichen zurück bis in die Zeit, in der mir die Zeitung als Butterbrotpapier diente. Die Festigung der Beziehungen zur Presse vollzog sich nur langsam. Mein Lehrer nämlich ahnte nichts von der Intelligenz, die in mir schlummerte, obgleich er sich eifrig bemühte, sie wach zu "klopfen". Die Folge dieser verkehrten Erziehung war, dass ich häufiger das Vergnügen hatte, zur Stärkung meines Fassungsvermögens 60 mal ein und denselben Satz zu schreiben. Meine Beziehungen zur Presse gestalteten sich fester, als ich mit Lieschen bekannt wurde. Ich las die Romanfortsetzungen "unterm Strich", um dadurch zu erfahren, wie ein Bräutigam sich einer Braut gegenüber zu benehmen hat. Da trat ein Ereignis ein, durch das ich zu der Zeitung in ein persönliches Verhältnis trat. Mein Freund Heinrich hatte mir nämlich mein Lieschen durch Fischers Schneckenhäuschen abspenstig gemacht. Ich riss die Liebe zu Lieschen aus dem Herzen und verprügelte meinen Freund Heinrich nach Strich und Faden.

Der Redakteur der Lokalzeitung verarbeitete die Prügelei zu einer Lokalnotiz, und so hatte ich das Vergnügen, mich am anderen Tag zum ersten Mal in meinem Leben gedruckt zu sehen. In der ersten Erregung über die öffentliche Behandlung einer privaten Angelegenheit beschloss ich, auch den Redakteur zu verprügeln. Als ich die geheiligten Räume der Redaktion betrat und im Begriff war, mir die Hemdsärmel aufzukrempeln, kam der Herr Redakteur freundlich auf mich zu, drückte mich sanft in einen Klubsessel und gab mir einen Kognak mit den Worten: „Mensch, Sie sind  der Mann, den wir schon lange suchen. Sie haben unzweifelhaft Mut. Das Verhauen können Sie unternehmen, wenn wir den geschäftlichen Teil erledigt haben. Also, Sie heißen Fritz? Das ist ja prachtvoll! Guter Mann, Mut haben Sie auch; Sie können also wöchentlich samstags die Wochenplauderei schreiben. Allerdings – hier stockte der Redakteur - Sie müssen sich auf einiges gefasst machen. Wenn Sie über eine Sache schreiben, die recht, sagen wir mal kitzlich ist, dann freuen sich die einen, aber der Mann, den es angeht, der könnte Sie dann noch mal gelegentlich .... Sie müssen überhaupt die Seele der Leser kennen: ein Teil sagt, dass es Quatsch ist, was Sie schreiben, na, und der andere ... ". „Ich weiß“, schaltete ich geknickt ein. „Also, Sie müssen eine Elefantenhaut haben; wenn Sie einer mit dem Vorschlaghammer vor den Kopf haut, das muss Sie nicht weiter genieren; auch muss alles, was für Sie unangenehm ist, auf Ihrem Rücken herabrutschen wie auf der Shimmy-Bahn —“. „Ist das nun alles, oder kommt noch was?“ warf ich ein. „Na später mehr“, sagte der Federgewaltige und entließ mich, indem er mir zur Stärkung für den schweren Beruf noch einen Kognak mit auf den Weg gab. Seitdem bin ich Fritz aus dem Wieschen.

Bleibt nachzutragen , liebe Lennepfreunde, dass "Shimmy" ein aus dem Foxtrott entstandener Gesellschaftstanz ist, der etwa um 1918 in den USA kreiert wurde und 1920 nach Europa kam.

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