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Ferienlager für Jungen und Mädchen immer getrennt

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,

beim vorweihnachtlichen Kehraus meiner Lenneper Materialien, beim Großreinemachen vor dem Jahresende stieß ich dieser Tage auf Unterlagen aus der Nachkriegszeit, die ich vor rund zwanzig Jahren von einem meiner Archivvorgänger übernommen hatte. Der inzwischen Verstorbene war ein echter Lenneper Jung und zeichnete neben manch anderen historischen Begebenheiten auch eigene Erlebnisse aus der Nachkriegszeit auf, oft auch aus dem katholischen Bereich Lenneps, dem er angehörte. Gerade, weil er wenn immer möglich seinen Erinnerungen Bildmaterial zufügte, ist so manches, was auf uns heute überkommen ist, immer noch interessant, für die Archive natürlich, aber auch für uns Jüngere, die wir an der Geschichte Lenneps und des Bergischen Landes interessiert sind. Gerade in einer Zeit, in der uns gezwungenermaßen der Weg in die Öffentlichkeit oft versperrt ist, hat ja das Lesen wieder ein neue Dimension bekommen, auch am PC-Bildschirm oder über das Handy. In der letzten Zeit höre ich aber öfters, dass vielerorts unsere Lennep-Geschichten auch ausgedruckt und in Ruhe im Sessel gelesen oder vorgelesen werden, um sich zu vergegenwärtigen, wie es früher war.

Kaplan Schneider verstand es, die Jugend zu motivieren und zusammenzuhalten. Schon in den Kriegsjahren war dies der Fall. Er war ein Hirte im wahrsten Sinne des Wortes, dem jeder am Herzen lag. Ein Beispiel dafür, wenngleich es für mich persönlich nicht gerade schmeichelhaft ist: Anfang der vierziger Jahre hatte ich in Latein auf dem Zeugnis eine fünf. Kaplan Schneider erfuhr davon und „büffelte“ mit mir so lange, bis es saß. Und ich bin sicher, dass ich nicht sein einziger „Fall" war.

Das Sorpe-Zeltlager 1949. Wenn ein Zeltlager sich dem Ende näherte war es üblich, den „Donnerbalken“ nicht mehr zu benutzen. Er wurde angesägt, das hieß, dass der Benutzer unter Umständen unsanft in der Kuhle landete. Ich vergesse nie: Rektor Even muss wohl dieses Unglück widerfahren sein. Es war die Sensation im Lager. Das Donnerwetter des Kaplans war aber auch nicht von schlechten Eltern.

Seinerzeit wurden die Ferienlager für Jungen und Mädchen immer getrennt veranstaltet. In der Regel bekamen die Mädchen feste Unterkünfte wie Scheunen oder  Klöster und die Jungen Zelte. Teilweise waren es alte Zwei-Mann-Wehrmachtszelte, die aus zwei Planen aus mehr oder weniger imprägniertem Tarnstoff bestanden. Oder es waren grün-graue Zelte der Amerikaner. Die Großzelte wurden uns in der Regel vom Stadtjugendbund geliehen, erst später besaß die kath. Jugend eigene Zelte.

Alle Zelte waren übrigens ohne Boden. Wir schliefen auf Stroh. Darüber war eine Wolldecke ausgebreitet. Als Kopfkissen diente ein „Affen“, zumeist aus der Hinterlassenschaft der aufgelösten deutschen Wehrmacht. Ungemütlich wurde es in den Zelten nur bei Regen. Vorsichtshalber mussten von außen rund um die Zelte ca.20 cm tiefe Gräben gezogen werden, in die das Wasser von den Zeltdächern ablaufen konnte.

Zum Zeltplatz gehörte immer ein Feldaltar, denn die tägliche hl. Messe nach dem Waschen war unumstößlich, genau wie das Lagerkreuz, das spätestens am zweiten Tag stand, wenn es nicht schon vorher von der „Vorhut“ aufgebaut worden war. Für uns war es später, als wir schon zu den älteren Teilnehmern gehörten, das schönste, zur Nachhut zu gehören. Dann gab es für uns noch ein paar Tage richtiges Zigeunerleben, ohne Zwang (auch ohne Waschen und hl. Messe), bis der Zeltplatz wieder aufgeräumt war. Am letzten Abend, bevor wir nach Hause fuhren,  wurde das Lagerkreuz und das Stroh abzufackeln. In der Glut des erlöschenden Feuers garten wir dann die restlichen Kartoffeln. Am nächsten Morgen stand dann der Fuhrunternehmer Hackenberg auf dem Platz, lud uns mitsamt Zelt und sonstigem Material auf die offene Ladenfläche seines Lkw und brachte uns zurück nach Lennep.

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