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Als der Lennepe Bach noch den Schellenberg hinunter floss

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Freunde des Bergischen Landes, liebe Lenneper,
Nach dem Lindenberg und dem Gartenberg in Lennep wenden wir uns heute dem Lenneper Schellenberg zu. Der Begriff ist den Lennepern bekannt, da zwischen dem Alter Markt und dem Mollplatz eine Straße "Am Schellenberg" heißt.

In den Niederschriften des Heimatforschers Paul Windgassen heißt es: Der Lennepe Bach  lief früher als offener Bachlauf den Berg hinunter durch den Garten des Rats- und Gerichtsschöffen Johann Wilhelm Paas (später Arnold Hardt) in einen hinter dem Wohnhaus Poststraße 9 liegenden Sammelteich. Der Überlauf dieses Teiches, der später zugeschüttet wurde, führte über die heutige Poststraße in den so genannten Pörtzches Teich, der unter dem 1927 abgebrochenen Spritzenhaus lag. Eine kleine Grünfläche ist heute darüber angelegt. Seinen Namen hatte der Teich von einer kleinen Pforte oder Pförtgen in der alten Stadtmauer.

Ein Überlauf dieses Teiches führte sein Wasser durch die Sackgasse über den Markt und die Kronenstraße. In der Kölner Straße vereinigte er sich mit dem östlichen Lennepe-Quellbach, und beide liefen weiter in den alten Schlammteich unterhalb des späteren Hallenschwimmbads, der außerhalb der alten Stadtmauer lag. Ein zweiter Überlauf des Pörtzches Teiches lief über die heutige Poststraße in den später überwölbten Brandteich auf dem heutigen Bismarckplatz, der auch "Schürmanns Teich" oder "Brandteich vor dem Cölner Tor" genannt wurde. Von hier aus lief das Wasser längs der heutigen Wupperstraße (früher lange Zeit Steinstraße)  in die Wiesen, die vor Anlage der Wupperstraße nahe dem späteren Holzplatz der Firma Wender & Dürholt lagen.

In der Mitte des Schellenberges lag der große „Platz vor dem Lüttringhauser Tor“ (heute Mollplatz). Der östliche Teil war schon früh bebaut. An der Stelle des späteren Denkmals von 1889 standen dort in alten Zeiten mehrere Wohnhäuser und kleine Fabriken. Der Fahrweg um die Stadt, heute "Am Thüringsberg", war damals tiefliegend und sehr schmal. Gegenüber des Lebensmittelgroßhandels von Thomas an der Ecke zur heutigen Lüttringhauser Straße stand das Anwesen von Martin Käsmacher, der dort eine Badeanstalt betrieb. Er empfahl sich mit kalten, warmen, Dusch-, Stahl-, Salz- und anderen Bädern. Später war dort die Wirtschaft von Tacke mit Nebenhaus und Hofraum, dahinter ein kleines Wohnhaus mit Färberei und ein Wolllager. Das Wirtshaus mit angebautem Nebenhaus lag in der heutigen Straßenfläche, so dass der Eingang zum Thüringsberg damals nuir halb so breit war wie heute. Anfang der 1860er Jahre brannte das Wirtshaus mit Nebenhaus ab; da konnte die Straße dann verbreitert werden. Die Färbereianlage und das Wolllager wurden für die Anlage des Kaiserdenkmals im Jahre 1888 angekauft und abgebrochen, ebenfalls das daran anschließende Wohnhaus von Johann Wilhelm Strohn, der unterhalb zum Gänsemarkt hin seine Fabrik hatte.

Die heutige Poststraße war ebenfalls ein ausgetretener Hohlweg, der sich bis zum Kölner Tor (heutige Bismarckplatz) hinzog. Das Hotel Berliner Hof entstand wie auch die weiteren alten Gebäude am heutigen Mollpatz um 1830. Auf dem großen Platz vor dem Lüttringhauser Tor soll im Mittelalter das sogenannte Tirvelshäuschen gestanden haben, später auch Drieselhäuschen genannt, in dem Schwerverbrecher öffentlich ausgestellt wurden. Das Häuschen, ein Käfig aus Eisen oder Holzstäben gebaut, konnte nach allen Himmelsrichtungen gedreht werden. Der Verbrecher konnte sich deshalb nicht verstecken, er konnte von allen Seiten gesehen werden.  Nach den Aufzeichnungen des Baumeisters Albert Schmidt entstanden alle direkt am heutigen Mollplatz liegenden Gebäude in den 1820er Jahren bis 1830.

Mit den Steinen der alten Stadtmauer und des Lüttringhauser Tors pflasterte man die "Cöln-Berliner–Staatsstraße", die zuvor nur aus einem schmalen ausgefahrenen Weg bestanden hatte. Auch im Berliner Hof zur Neugasse hin sollen derartige Steine verarbeitet sein. Gegenüber dem Berliner Hof entstand damals das Haus Poststraße 1 (später Mollplatz 7), das im 19. Jh. nacheinander mehreren Industriellen und Kaufleuten wie Luckhaus und Springmann, u.a. auch dem  Spinnereibesitzer Albert Karsch (1810-1868) gehörte. Im Revolutionsjahr 1848 tagte hier in den Sälen im ersten Stock eine bürgerliche Revolutionsgesellschaft. Im Jahre 1910 erwarb der Reg.-Baumeister a.D. und Lenneper Baumeister Arthur Schmidt das große Anwesen für seine Familie.

Über den Lenneper Schellenberg ging ein uralter Weg von Lennep zum Hohenhagen. Die heutige Schlachthofstraße und die Gartenstraße wurden erst beim Bau der Eisenbahn von Rittershausen über Lennep nach Remscheid angelegt. Die meisten Wohnhäuser in dieser Gegend entstanden erst nach dem fast gänzlichen Fall der Stadtmauern um 1815 und nach der Anlage der Eisenbahn ab 1867 (Eröffnung 1. September 1868).

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