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Zur Bedeutung kultureller Bildung für Kinder und Jugendliche

Von Franz Lebfromm

Kulturelle Bildung, das ist: Malen, Theater spielen, Videos drehen, Musik machen, Tanzen, Schreiben, Fotografieren oder Computerspiele erfinden. Kultur selbst zu machen ist ein wichtiges Lernfeld für kulturelle Bildung. Ebenso wertvoll ist die Beschäftigung mit Kunst und Kultur als Zuhörer/in oder Zuschauer/in im Theater oder Konzert, im Kino oder Museum sowie als Leser/in in der Bibliothek. Orte der kulturellen Bildung sind Jugendkunst-, Musikschulen, Theater-AG´s, Bibliotheken, Galerien, Zirkusprojekte, Jugendclubs in Theatern, Spielmobile sowie kulturpädagogische Angebote, die in Schulen und an den unterschiedlichsten Orten und in verschiedenen Formen stattfinden. Ziel ist, Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu stärken und ihnen zu einer gelingenden Lebensführung auch über Beruf und „Broterwerb“ hinaus zu verhelfen. Musik, Theater, Spiel und Tanz, Medien und Literatur stärken die kreativen und emotionalen, die kognitiven und sozialen Fähigkeiten junger Menschen. Kulturelle Bildung fördert Schlüsselkompetenzen wie: Selbstbewusstsein, Vertrauen in die eigene Gestaltungsmöglichkeiten, Kommunikations- und Teamfähigkeit, Urteilsvermögen, Medienkompetenz, Kreativität, Umgang mit kultureller Vielfalt und Andersartigkeit, die Fähigkeit für kritische Reflexion von Werten und Normen und die Etablierung von eigenen Wertvorstellungen.

Im September 2007 fand in Essen der Kongress „Wandel durch Kulturwirtschaft – Perspektiven einer Zukunftsbranche“ statt. Der Kongress stellte insbesondere heraus, dass attraktive Standorte und Quartiere der Kultur- und Kreativwirtschaft das überregionale und internationale Profil einer Region stärken und Investoren und Fach- und Führungskräfte anziehen. Städte, Regionen und Wirtschaftsfördereinrichtungen in NRW sollten sich daher im globalen Wettbewerb stärker um die Ansiedlung von Künstlerinnen und Künstlern und kreativen Unternehmen bemühen und vorhandene Netzwerke unterstützen. Unverzichtbar für eine nachhaltige Entwicklungsstrategie sei eine Stärkung der kulturellen Bildung. Es ist zu erwarten, dass im globalen Wettbewerb diejenigen Staaten und Regionen ganz vorne stehen werden, denen es gelingt, die kreativen Fähigkeiten ihrer Menschen zu mobilisieren und in einem offenen, toleranten  Klima kreative Talente von außen anzuziehen.

Entscheidend ist jedoch der Selbstwert „Kultureller Bildung“ für Kinder und Jugendliche. Vorhandene Entwicklungsmöglichkeiten werden besser ausgeschöpft, die Persönlichkeitsentwicklung wird gestärkt und gesellschaftliche Teilhabe verbessert. Kinder müssen so früh wie möglich gefördert werden, „bevor das Zeitfenster sich schließt“. Es erstaunt immer wieder, wie schnell und leicht Kinder lernen. So lernen sie eine oder manchmal sogar zwei Sprachen mühelos innerhalb weniger Jahre. Und sie beherrschen sie dann nahezu fehlerfrei und vollständig. Diese Leistung ist phänomenal und wirkt umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, welche Mühe es Erwachsene kostet, eine Sprache zu lernen. Das scheinbar banale Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ wurde durch Erkenntnisse der Hirnforschung überzeugend belegt.

Die Mitteilungsvorlage „Kulturelle Bildung im Kinder- und Jugendbereich“ (Anm. Waterbölles: Der Kulturausschuss nahm sie vergangenen Dienstag trotz oder möglicherweise auch wegen der umfassenden Darstellung der Grundlagen und der aufgelisteten überraschend vielseitigen und qualitativ hochwertigen Angebote in Remscheid anerkennend und mit ausdrücklichem Dank an) will:

  • Grundlagen „Kultureller Bildung“ aufzeigen;
  • über Inhalte und Ziele „Kultureller Bildung“ informieren;
  • einen beispielhaften Überblick über aktuelle Angebote und Anbieter in Remscheid geben (ohne Anspruch auf Vollständigkeit);
  • auf Methoden der kulturellen Bildung hinweisen;
  • dazu auffordern, Kindern möglichst früh anregende „Reize“ zur Wahrnehmung ihrer Entwicklungspotenziale zu ermöglichen („Zeitfenster-Erkenntnisse der Hirnforschung)
  • aufzeigen, dass Bildung mehr ist als Wissen. (Kognitive Kompetenz, wie sie durch Wissensvermittlung gestärkt wird, steht nach der Publikation der PISA-Studie der OECD allzu sehr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Kulturelle Kompetenz, eine „Schlüsselkompetenz  für die Kunst des Lebens“ sowie kulturelle Bildung werden in der aktuellen Bildungsdebatte hingegen sträflich vernachlässigt.)
  • den kultur- bzw. gesellschaftspolitischen Diskurs über Begründungsansätze für kulturelles Engagement der öffentlichen Hand unterstützen.

Im Mittelteil der Vorlage werden ausführlich Angebote unterschiedlicher Einrichtungen und Akteure in Remscheid vorgestellt. Im Einzelnen werden die Angebote der städtischen Kultureinrichtungen, Teo Otto Theater, Galerie, Deutsche Röntgenmuseum, Deutsches Werkzeugmuseum, Musik- und Kunstschule, Öffentliche Bibliothek, der Bergischen Symphoniker, das MUSE-Projekt der Yehudi-Menuhin-Stiftung und die Initiativen der Remscheider Bürgerstiftung, das Landesprojekt „Kultur und Schule, Projekte der Abteilung Kinder- und Jugendförderung wie z.B. der „Kinder-Mitmach-Circus Jonny Caselli“ oder die „Kinderstadt“, Initiativen des Stadtteilbüros Rosenhügel, Kurse und spezielle Angebote des WTT, der Jugendkunstschule Lennep, der Kinder- und Jugendzentren „Kraftstation“, „Die Welle“ und der „Schlawiner“ in Lüttringhausen. Auch die Programme des Bergischen Chorverbandes „Singen macht schlau“, „Liedergarten NRW“ und „Felix – kleine Kinder singen gern“, privates Engagement wie „Moments of Music“ der Musikpädagogin Monika Biskupek, das „Ensemble Saitenwind“ oder das „Remscheider Jugendorchester“ unter der Leitung von Christoph Spengler werden genannt. Ferner wird auf die Angebote der Migrantenselbstorganisationen, der öffentlichen Schulen, privaten Musikunterricht, von Musik-, Kunst- und Tanzschulen hingewiesen. Optimale Weiterbildungsangebote auf diesem Feld bietet die Akademie Remscheid. Sie ist das bundes- und landeszentrale Institut für kulturelle Jugendbildung.

In einem dreiseitigen Anhang sind ausführliche Argumentationshilfen zu der Frage „Mehr Kulturelle Bildung – Warum?“ zusammengestellt. Wichtige Begründungsmuster der Kulturpolitik in den letzten beiden Jahrzehnten waren „Kultur als Standortfaktor“, „Kultur als Imagefaktor“, „Kultur als Lebens- und Überlebensmittel“ und „Kultur als Kreativitätsfaktor“. (Franz Lebfromm ist im Kulturdezernat der Stadt Remsacheid für den "Kulturservice" zuständig)

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Kommentare

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Harald Fetsch am :

Die Darstellung von Herrn Lebfromm zeigt sehr gut auf, dass kulturelle Bildung und Fähigkeiten zur Allgemeinbildung eines jeden Kindes gehört. Wie andere Bereiche auch, wie etwa Schwimmen, Radfahren oder Sportarten. Die Angebote sind vorhanden. Ein Manko ist, dass es eine nicht kleine Zahl von Eltern gibt, denen das so nicht bekannt ist. Besonders, was die Notwendigkeit der ganz frühzeitigen „anregenden“ Reize betrifft. Das hier sind nur zwei Teilbereiche, was Eltern für eine gute Förderung und Erziehung ihrer Kinder wissen müssen. Erziehung ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Neben den Angeboten für Kinder ist es notwendig, allen Eltern frühzeitig dieses Wissen zu vermitteln, damit diese Angebote auch wahrgenommen werden. Dies könnte durch eine strukturierte, aufbauende Elternkurse-Reihe erfolgen, wo vor jedem Entwicklungsabschnitt des Kindes und Jugendlichen eine Kurseinheit angeboten wird, zu der das Jugendamt die Eltern jeweils schriftlich einlädt. Der Besuch sollte für Eltern genauso selbstverständlich sein wie die Vorsorgeuntersuchungen und der Babypflegekursus.

Chronist am :

Auch im Jugendhilfeausschuss erntete Franz Lebfromm gestern Beifall und Anerkennung für die von ihm erarbeitete Verwaltungsvorlage „Kulturelle Bildung im Kinder- und Jugendbereich“. So meinte Ottmar Gebhard (CDU), wenn er 20 wäre und eine Familie gründen wollte, würde er es angesichts der zahlreichen familienfreundlichen Angebote in dieser Vorlage in Remscheid tun. Richard Ulrich („Schlawiner“) lobte an der Vorlage vor allem dem theoretischen Überbau: "Begrifflich exzellent dargestellt!" Gleichwohl hatte der Ausschuss aber auch Fragen: Wie steht es um die Kinder- und Jugendarbeit der Migrantenorganisationen? Stehen viele Angebote nicht nur nebeneinander, statt vernetzt zu sein? Auf die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns machte Jutta Velte von den Grünen aufmerksam. Regina Frielingsdorf (FDP) regte an, die Liste um Angebote aus Kindergärten zu erweitern. Weitere Ergänzungsvorschläge aus dem Ausschuss betrafen die Bereiche Schule, Kirchengemeinden (z.B. Kinderchöre) und Stadtteilarbeit.

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