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Vom Leben und Treiben im alten Remscheid

Der Remscheider Markt um 1890.Alle Welt traf sich am Remscheider Markt. Stellen wir uns den Markt des Dorfes Remscheid vor, das gerade zur Stadt geworden ist. Er ist umrahmt von Schieferhäusern und wird überragt vom Zwiebelturm der Stadtkirche. Hohe, schwer beladene Pferdekarren transportieren Eisen und Kohle, dazwischen fahren Postwagen und vornehme Kutschen. Schmiede in blauleinenem Kamisol mit hohen Schirmkappen kommen daher, manche haben, mit einem Tragknüppel gehalten, einen länglichen Lieferkorb geschultert. Vereinzelt tauchen Bandwirker aus Lüttringhausen auf; man kann sie an ihren leinenen Liefersäcken erkennen. Bauern aus dem Umland bis Dabringhausen liefern in Kiepen Gemüse für den Wochenmarkt. Marktfrauen in Kattunkleidern, blauleinenen Schürzen und Kopftüchern preisen ihre Waren an. Betuchte Bürgerfrauen in schwarzseidenen Schürzen und modischen Haubenmützen flanieren über den Markt. Schulbuben aus der Schule gleich neben dem Markt schlängeln sich durch die Reihen. Und dazwischen schreitet mit wichtiger Miene ein Gendarm mit Pickelhaube und langem Säbel.

Das Foto rechts oben zeigt den Markt um 1900. Gaslaternen (1863) haben Einzug gehalten. Das erste hochgeschossige, mit einem Turm gekrönte Geschäftshaus (1890) stört das einheitliche Bild. Die Straßenbahn fährt (1893). Dazwischen postiert sich für den Fotografen noch etwas von der „guten alten Zeit“ mit Postkutsche und „Trachtenschau“. Der letzte Markt wurde hier 1886 abgehalten, dann auf dem Schützenplatz (heute Theodor-Heuss-Platz).

Foto links unten: Was Frauen so tragen… Sie tragen lange Röcke und Hauben, kurze, bestickte Jacken sind beliebt. Für verschlammte Wege sind Kniestiefel nötig, sonntags werden sie durch vornehmere Schnürstiefel ersetzt. Um die Mitte des 19. Jh. kommen Reifröcke wieder in Mode bei Frauen aller Stände. Dann wird der kreisrunde Damenrock schmaler, aber dafür nach hinten ausgepolstert („Kö“ genannt). Ein Remscheider Witzbold trägt den Spruch zu Markte: „Da braucht man keine Pferdebahn und auch kein Felzepee. Man schafft sich eine Dame an und reitet auf dem Kö.“

Foto rechts: Was bei Männern Mode ist. Die übliche Alltagskleidung ist einfach. Da genügten ein blauer Kittel und ein farbiges Wolltuch, das um den Hals geknotet ist, dazu eine Seidenmütze. Ansonsten trägt man dunkelfarbige Jacken, kurze Kniehosen, lange Wadenstrümpfe, hohe Schuhe, dazu einen schön geschnitzten Prengel als Spazierstock. Wer das nötige Geld hat, leistet sich eine Samthose, ein schwarzseidenes, manchmal bunt besticktes Oberhemd, darüber eine vornehme Weste. Dazu kommt er daher mit einer silbernen Kette, einer wohlgepflegten Tabakspfeife und einem beeindruckend polierten Spazierstock, der mit Silber beschlagen ist und einen Knauf aus Edelmetall oder Elfenbein hat. Den Vatermörder (Stehkragen, Schleife und Binde) überließ man den vornehmen Handelsherren. (Mit freundlicher Genehmigung des Bergischen Verlages, Remscheid. Hans Jürgen Roth: "Geschichte unserer Stadt - Remscheid Lennep Lüttringhausen", 2. aktualisierte Auflage 2017. 356 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-945763-43-8 © Bergischer Verlag)

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Felzepee? Weiß noch jemand, was damit gemeint war?

Klaus Robert Schmidt am :

Im Bergischen Sprachschatz gibt es diesen Ausdruck nicht. Evtl. ist Pelzefeh gemeint? Vielleicht kann Hans Jürgen Roth, der Verfasser des RS-Buchs, zur Aufklärung beitragen, denn irgendwoher muß das Zitat ja stammen.

Barbara Zirbes am :

In keinem meiner vielen Bergischen Bücher und auch nicht in unserem alten familiären RS-Wörterbuch fand ich dieses Wort. Als ich es las, fühlte ich mich sofort an Siegfried Horstmann und an meinen Großvater erinnert ... und die Dönekes übers Fahrrad(fahren). FILZEPEE - ist im Remscheider Platt der Begriff für Zweirad, Dreirad, Fahrrad. Kann es sich evtl. um einen Übertragungs- / Druck- Rechtschreibfehler handeln? ;-)

Jürgen Breidenbach am :

Felzepee? Ziemlich sicher eine Variante der vielen in rheinischen und bergischen Dialekten vorkommenden Übernahmen aus dem Französischen, hier von Veloziped = zweirädriges Fahrrad/Laufrad, damals in vielen bebilderten Zeitschriften als Sensation zu sehen. Das macht auch in den fantasievollen Spruch des Witzboldes eingefügt gleich Sinn. Die Schreibweise mit F statt V findet man auch bei den Niederheinischen Dialekten in der Kurzform "Fietze" u.ä. wieder. Als kurzlebiges mundartliches Modewort schaffen es solche Begriffe oft nicht in spätere Wortsammlungen, zumal Velozipede in Remscheid sicher nicht zum alltäglichen Transportmittel wurden.

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