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Als „Epochentabellen“ Familiengeschichte erzählten

Ernst Hasenclever entstammt der großen und bis heute bedeutenden Familie Hasenclever, der auch der bekannte Maler Johann Peter Hasenclever (1810 – 1853), Mitglied der Düsseldorfer Malschule, und der Tuchhändler Peter Hasenclever (1716 – 1793) angehörten. Der Onkel von Ernst, Josua Hasenclever (1783 – 1853), ist vor allem durch seine selbstverfassten Lebensbeschreibungen bekannt, die einen tiefen Einblick in die Entwicklung der Familien- und Geschäftsverhältnisse einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts geben. Über Ernst hingegen ist nach so langer Zeit kaum etwas bekannt.

Ernst Hasenclever, mit vollem Namen Georg Bernhard Ernst Hasenclever, erblickte im ereignisreichen Jahr 1814 das Licht der Welt. Nach Schule und Ausbildung in der Familie, war er Teil des vom Großvater 1786 gegründeten Handelsunternehmens Johann Bernhard Hasenclever & Söhne. In dieser Eigenschaft begab er sich 1837 auf eine Reise nach Südamerika. In Rio de Janeiro sollte er die Geschäftsbeziehungen der Firma fördern. Sein Cousin Gottfried Hasenclever betrieb dort seit 1830 eine Vertretung.

Neben seiner Arbeit für das Unternehmen verbrachte Ernst einen Teil seiner Zeit mit Reisen im Land, über die er ausführliche Tagebuchaufzeichnungen führte. In mehreren Skizzenbüchern fertigte er parallel zu seinen Berichten Zeichnungen der durchreisten Städte und Landschaften an. Ursprünglich diente dieses Gesamtwerk der Information der daheim gebliebenen Familie, wie er mehrfach am Beginn eines neuen Berichtes schrieb. Die einzelnen Hefte, die er im Laufe der Jahre füllte, schickte er in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mit der Post in die Heimat, so dass auch Eltern und Geschwister an seinen Erlebnissen in Brasilien teilhaben konnten. Die verschiedenen Tagebuchaufzeichnungen aus dem achtjährigen Aufenthalt werfen immer nur kurze Schlaglichter auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit. Sie dienten in erster Linie der Selbstdarstellung. Allerdings bieten sie interessante Einblicke in das Leben und Reisen auf dem südamerikanischen Kontinent in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Erscheint Ernst am Beginn seiner Reiseaufzeichnungen als ein aufgeregter und neugieriger junger Kerl, der ständig zu allerlei Späßen aufgelegt war, so wurde aus ihm im Laufe der Jahre ein Mann, der häufig Anflüge von Überheblichkeit und Großspurigkeit zeigte.  Schließlich traf er am Ende seines Aufenthaltes auf dem Rückweg über New York nach Deutschland noch seine künftige Ehefrau, die ihn innerhalb weniger Wochen für sich gewann. Mit der Tochter einer französisch-deutsch-amerikanischen Kaufmannsfamilie lebte er bis zu seinem Tod glücklich und zufrieden in Remscheid-Ehringhausen. (…)

Informationen zum Leben von Ernst Hasenclever findet man in der Hauptsache in den privaten Aufzeichnungen der Familie Hasenclever. Die ältesten sind die so genannten „Epochentabellen“. Dabei handelt es sich um tagebuchartige Lebensberichte, die von insgesamt fünf Familienmitgliedern in der Zeit von 1744 bis 1936 verfasst wurden. Zu Lebzeiten von Ernst Hasenclever waren es drei Frauen, die sich mit dieser Form der Familienchronik beschäftigten. Als Erste begann Johanna Schlosser, geb. Fahlmer (1744 – 1821), Großmutter von Ernst Hasenclever, bereits Mitte des 18. Jahrhunderts familiäre Ereignisse aufzuschreiben. Zunächst in großen Abständen und für die Jahre ihrer eigenen Jugend vermutlich auch im Rückblick geschrieben, tauchen neben Geschehnissen aus dem Familienleben auch wichtige historische Ereignisse auf. Das katastrophale Erdbeben von Lissabon 1755 fand ebenso Erwähnung, wie der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges zwei Jahre später. Auch ein Erdbeben in Düsseldorf im Jahr 1756 blieb ihr so im Gedächtnis, dass sie es in ihren Büchlein festhielt.

Mit zunehmendem Alter wurden ihre Berichte umfangreicher und beschränkten sich im Wesentlichen auf familiäre Ereignisse. Geburten, Hochzeiten und Todesfälle im Familien- und Bekanntenkreis sowie unternommene Reisen geben einen Einblick in das Leben einer bürgerlichen Familie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auch die Wirren des Ersten Koalitionskrieges zwischen 1792 und 1797 fanden ihren Niederschlag in den Epochentabellen. Mehrfach floh die Familie Schlosser aus Karlsruhe und Ansbach vor Kampfhandlungen im südwestdeutschen Raum. Erst durch die Heirat ihrer Tochter Cornelia Henriette Schlosser (1781-1850) mit David Hasenclever (1778 – 1857) im Jahr 1809 wurden diese Erinnerungen zu einem Dokument der Hasencleverschen Familiengeschichte. So erwähnte Johanna Schlosser auch den ersten Kontakt zwischen den zukünftigen Eltern von Ernst Hasenclever. Unter dem 23. Februar 1809 schrieb sie: „Erscheinung bey uns von David Hasenclever, und bey 3 Wochen seines Bleibens in Frankf. das Entstehen unserer Verbindung mit ihm.“1 und am 9. April: „Die Wiederkehr von David Hasenclever mit seinem Bruder Josua (Bild rechts) zu der Persönlichen Verlobung mit meiner geliebten Henriette.“ 2

Die Hochzeit fand am 27. Juni 1809 in Frankfurt statt. Ob die Verbindung zwischen David Hasenclever und Henriette Schlosser tatsächlich innerhalb so kurzer Zeit zustande kam, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Henriette Schlosser war mit 27 Jahren für eine erste Heirat schon recht alt, so dass der Wunsch nach einer schnellen Verbindung möglich scheint. Auch der sehr geringe Altersunterschied weicht von den Gepflogenheiten der damaligen Zeiten ab. Frauen waren in der Regel wesentlich jünger als ihre Ehemänner. Auch dies spräche für die Notwendigkeit einer schnellen Verbindung. Vielleicht kannten sich beide aber auch schon längere Zeit. Im Sommer 1808 vermerkte Johanna Schlosser einen Besuch mit ihrer Tochter Henriette in Pempelfort, Düsseldorf und Ehringhausen, bei dem ein erstes Kennenlernen stattgefunden haben könnte.

Nach dem Tod von Johanna Schlosser im Jahr 1821 übernahm ihre Tochter Cornelia Henriette Hasenclever die Fortführung der Epochen- Tabellen der Familie Hasenclever. Über fast 30 Jahre begleitete sie nun mit ihren Beschreibungen das Leben und die Geschicke ihrer unmittelbaren Familie sowie der weiteren Verwandtschaft. Politische Entwicklungen erwähnte auch sie nur am Rande und nur insofern sie die Familiengeschicke betrafen. So bedachte sie die revolutionären Wirren der Jahre 1848/49 mit den Worten: „März (1848) den 3. Aufruhr in Hamburg. Den 15. Aufruhr in Wien. Den 18. Aufruhr in Berlin. Den 16. und 17. Zerstörung unserer Gussfabrik. Den 28. Endlich unsere Abreise von Hamburg und Ankunft zu Hause am 30., sehr getrübt durch die trüben Ereigniße in Deutschland.“ September 1848 „David während seiner Badereise in Frankfurt wohnte dem schrecklichen Kampfe in Frankfurts Strassen bei zwischen den abscheulichen, unsinnigen Wühlern und dem Militair der deutschen Truppen.“ Mai 1849 „In Elberfeld die Wühler aufs höchste zügellos bis zu. 17. da sie zerstreut und viele davon gefangen genommen wurden.“ 4

Ab 1850 folgte ihr ihre älteste Tochter Auguste als Familienchronistin. Auguste war die älteste Schwester von Ernst Hasenclever und erzog als unverheiratete Tante teilweise dessen Kinder. Um Bertha, die älteste Tochter von Ernst, kümmerte sie sich mit dessen Einverständnis ihr ganzes Leben lang wie eine Mutter. Als letzte Chronistin zu Lebzeiten von Ernst Hasenclever übernahm ab 1868 seine eigene Frau Louise Hasenclever, geb. Vezin, diese Aufgabe, die sie bis zu ihrem Tod im Jahr 1899 fortführte. Der einzige Mann in der langen Autorenreihe der Hasencleverschen Epochentabellen war Hermann Hasenclever. Er war 1899 der einzige noch lebende Sohn von Ernst Hasenclever. Von 1899 bis 1936 beschäftigte er sich mit den Geschicken seiner Familienmitglieder. Die vorgenannten Aufzeichnungen liegen für Johanna Schlosser und Henriette Hasenclever in einer Abschrift von Paul Bresser, einem Nachfahren von Ernst Hasenclever, vor. Zum Schutz der Originalunterlagen übertrug dieser sie Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre „mit allen stilistischen Eigenheiten und orthographischen Ungenauigkeiten“ mit der Schreibmaschine. Die Schriftstücke aus der Hand von Auguste Hasenclever waren in fotokopierter Form zugänglich. 14 15

Eine zweite Quelle zum Leben von Ernst Hasenclever sind die Tagebuchaufzeichnungen seiner Ehefrau Louise, geb. Vezin. Vier kleine Bändchen mit liniertem Papier, die meisten dicht gefüllt in feiner Handschrift, umfassen den Zeitraum von 1846 bis 1882. Der erste Band beinhaltet die Jahre von 1846 bis 1867, der Zweite reicht von 1868 bis 1876 und der Dritte von 1877 bis 1882. Ein vierter Band nennt sich „Reisenotizen“. In ihm verzeichnete Louise in den Jahren 1862, 1863 und 1867 für sie offenbar besonders bemerkenswerte Reisen mit ihrem Mann.

Ihr erstes Büchlein beginnt 1846 – dem Hochzeitsjahr – mit den Worten: „Notizen aus dem Leben von Ernst Hasenclever und seiner Frau Louise, geb. Vezin, aus Philadelphia.“ und fährt dann fort „5ten Mai im Jahr 1846 in Philadelphia geheirathet, Ende Juni von dort abgereist mit einem Havre Paket ( ) über Havre nach Paris, dort uns 10 Tage aufgehalten, dann nach Wiesbaden gereist meinen Schwiegervater kennen zu lernen, der dort die Kur gebrauchte. Der liebenswürdige alte Mann gewann bald mein ganzes Herz. Mit ihm reisten wir nach Frankfurt und nach Heidelberg zu Onkel und Tante Schlosser, so daß wir erst im August in Ehringhausen ankamen und von meiner Schwiegermutter mit herzlicher Liebe aufgenommen wurde.“ 5

In den ersten Jahren ihrer Ehe waren die Aufzeichnungen nicht ganz so ausführlich und umfangreich, wie ihr erster Eintrag vielleicht vermuten ließ. Ihre erste Aufgabe wird die Eingewöhnung in ihr neues Lebensumfeld als Hausfrau und bald auch als Mutter gewesen sein. Der Weggang aus ihrer Familie in Philadelphia, einer Stadt mit damals bereits mehr als 100.000 Einwohnern, und der Einzug in das Haus der Schwiegereltern im beschaulichen Ehringhausen waren sicherlich eine große Umstellung.

Erst zu Beginn der 1860er Jahre wurden die Notizen dichter. In manchen Monaten verfasste sie fast täglich einen Eintrag zu familiären Begebenheiten. Die Geschäftstätigkeit ihres Mannes fand in ihren Aufzeichnungen so gut wie keinen Niederschlag. Auch Bemerkungen zu politischen Ereignissen waren selten. Eine große Rolle spielte allerdings das gesellschaftliche Leben, das sich aus der Stellung ihres Mannes und seiner Familie ergab. Teilweise finden sich Listen mit Namen von Personen, die sie auf gesellschaftlichen Anlässen oder während ihrer Reisen getroffen hatten. In einigen Fällen durchaus Prominente der damaligen Zeit. Die Tagebücher der Louise Hasenclever, geb. Vezin 16 17

Die persönlichen Überlieferungen aus der Hand von Ernst Hasenclever sind, mit Ausnahme der umfangreichen Reisebeschreibungen, eher spärlich. Diese Reisebeschreibungen, im Original in elf ca. DIN A5 großen, unlinierten Heften handschriftlich verfasst, wurden im Jahr 2006 mit Hilfe von Erika Bresser, Urahnin von Ernst Hasenclever, in unsere heutige Schrift übertragen. Dies diente dem Schutz der Originaldokumente und erleichterte die Bearbeitung der großen Textmenge. Der Zeitraum dieser Aufzeichnungen umfasste die Jahre 1838 bis 1844. Innerhalb dieser Zeitspanne wurden jedoch jeweils immer nur einige Wochen oder manchmal Monate für die Zeitdauer der Reisen kontinuierlich beschrieben.6

Im Familienbesitz befindet sich auch ein Ordner mit Unterlagen zu seinem Leben, der auch einen ersten Brief des Knaben Ernst Hasenclever enthält. Am 5. Oktober 1819, gut einen Monat vor seinem fünften Geburtstag, schrieb er diesen an seine in Berlin lebende Cousine Cornelia Nicolovius und stellte der Siebzehnjährigen rührende Fragen zu ihren Geschwistern und zum Leben in Berlin.7 Weitere schriftliche Quellen beschränken sich in der Hauptsache auf verschiedenste Dichtungen, die Ernst immer wieder zu bestimmten Gelegenheiten, wie Familien-Jubiläen oder Geburtstagen, verfasst hat. Sie geben keine Auskunft über sein persönliches Leben, sind aber Ausdruck seiner musischen Ader, da er solche Werke während seines gesamten Lebens immer wieder verfasste. Der dichterische Umgang mit Sprache bereitete ihm offensichtlich ein so großes Vergnügen, dass er auch gerne andere daran teilhaben ließ.

Diese besondere Form der Sprache war ein Zeichen seiner Zeit und vor allem seiner Herkunft. Über seine Großmutter Johanna Schlosser bestanden enge familiäre Beziehungen in literarisch aktive und interessierte Kreise. Deren Mann Johann Georg Schlosser war in erster Ehe mit Cornelia Goethe, der Schwester von Johann Wolfgang Goethe, verheiratet. Goethe besuchte Ehringhausen zwar nie, trotzdem existierte ein reger Kontakt im weiteren Familienkreis. Ein Neffe Johann Georg Schlossers erwarb 1825 Stift Neuburg bei Heidelberg, das sich danach zu einem Zentrum der deutschen Romantik entwickelte, in dem auch Ernst und seine Familie aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehungen immer wieder Station machten.

Über eine Stiefschwester der Großmutter Johanna Schlosser bestanden weitere verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie Jacobi in Pempelfort.8 Friedrich Heinrich Jacobi (1743 – 1819) war Philosoph und bot in seinem Landgut einen Treffpunkt für einen Kreis literarisch und politisch interessierter Personen. So kann man einen recht frühen Kontakt mit Literatur und Kunst auch bei Ernst voraussetzen, der sicherlich zu seiner lebenslangen Lust am Dichten, Schreiben und Zeichnen beigetragen hat.

(Mit freundlicher Genehmigung des Bergischen Verlages, Remscheid. Jörg Holtschneider : „Ernst Hasenclever – von Remscheid nach Brasilien“, Bergische Monographie, Band 2; 235 Seiten, kartoniert mit Klappen; ISBN: 978-3-943886-69-6; 1. Auflage 2014; © Bergischer Verlag)

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