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Die Hasenclevers kamen aus dem Lobachtal

II

Ernst Hasenclevers politische Tätigkeit fand in seinen persönlichen Aufzeichnungen leider kaum Niederschlag. Lediglich ein Brief aus dem Jahr 1866 – während seiner Zeit als Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses geschrieben – gewährt einen kurzen Einblick in seine politische Gedankenwelt.9 Als Mitglied der altliberalen Fraktion setzte er sich dort besonders für den Anschluss seiner Heimatstadt Remscheid an das Eisenbahnnetz ein.

 Die Familie Hasenclever aus Remscheid-Ehringhausen konnte zur Zeit der Geburt von Ernst Hasenclever im Jahr 1814 auf eine lange Geschichte zurückblicken. Forschungen und Untersuchungen der Familie, in den 1930er Jahren von Bernhard Hasenclever (1873 – 1953) und Hermann Hasenclever (1852 – 1939) durchgeführt, legen die Wurzeln in das Remscheider Lobachtal. In der Leichenrede für ihren Vorfahren Johannes Hasenclever (1678 – 1755), gehalten am 26. Juni 1755 in der Stadtkirche Remscheid, sprach der Pfarrer Johann Peter Mähler über die Vorfahren des Verstorbenen. Die gedruckte Version dieser Rede enthält folgenden Absatz: „Der Großvater, väterlicher Seite, war Peter Hasenclever / in der Lobach; Die Grosmutter Eva Honsberg. . Daß so wol diese, als auch die, in folgenden Anmerkungen benente alte Vorfaren, der hiesigen Gemeine und Kirche in öffentlichen Aemtern vorgestanden und über dem von undenklichen Jahren gesegnete Handlungen gefüret,“10

Peter Hasenclever ist vermutlich im Jahre 1610 im Lobachtal geboren. Ein altes Geschäftsbuch aus dem Jahr 1632 nennt noch zwei weitere Vorfahren. Den Vater von Peter Hasenclever, Lutter, gestorben 1629, und seinen Großvater Wilhelm Hasenclever, welcher zwischen 1525 und 1600 zu Siepen gelebt haben soll.

In diesem Abschnitt der Totenrede findet sich auch ein Hinweis auf die Betätigung der Familie Hasenclever als Handelstreibende. So liegen die Anfänge des Exporthauses Hasenclever möglicherweise schon im 16. Jahrhundert. Schriftliche Unterlagen existieren erst aus dem 17. Jahrhundert. Das älteste Geschäftsbuch, noch heute im Besitz einiger Nachfahren in Argentinien, beginnt mit dem 14. Mai 1632.

Das Unternehmen Johann Bernhard Hasenclever & Söhne, in dem Ernst Hasenclever 1832 seine Laufbahn als Kaufmann antrat, entstand erst rund 150 Jahre später. Johann Bernhard Friedrich Hasenclever (1731 – 1806), ein Sohn des 1755 zu Grabe getragenen Johannes, hatte sich zunächst mit seinen Brüdern Johann Peter und Franz Arnold geschäftlich verbunden. Sie führten die väterliche Handlung mit den Erzeugnissen der heimischen Kleineisenindustrie – raffinierter Stahl, Eisen und Sensen - fort. Nach der Trennung der Brüder gründete er gemeinsam mit seinen Söhnen Johann Bernhard Friedrich – 1830), David (1781 – 1850) und Josua (1783 – 1853) am 1. Mai 1786 das später weltbekannte Handelshaus.

Mit dieser Entwicklung über zwei Jahrhunderte war die Familie Hasenclever zu jener Zeit ein typisches Beispiel für die Entstehung des neuen Bürgertums im 18. Jahrhundert.11 Ihre Wurzeln lagen häufig im ständisch organisierten Handwerk. Auch die Hasenclevers waren Besitzer verschiedener Hammeranlagen. Mit dem Übergang zum eigenständigen, großräumigen Verhandeln der handwerklichen Produktion wurde eine neue lukrative Erwerbsquelle erschlossen. Schon im 17. und 18. Jahrhundert lieferten sie Stahl nach Frankreich und Holland, über Vermittler bis nach Nordamerika. Bald übernahm die Familie Hasenclever auch die Rolle eines Zwischenhändlers und vertrieb Güter anderer Hersteller. Die Eigenproduktion spielte eine immer geringere Rolle. Hammeranlagen der Familie wurden von angestellten „Meisterknechten“ geführt.

Zunehmende Gewinne führten zu weiteren wirtschaftlichen Möglichkeiten. Der Handel wurde auf internationaler Ebene ausgedehnt. 1791 kam Spanien hinzu, ab 1806 erfolgte der direkte Handel mit den Vereinigten Staaten.12 Nicht nur die Zahl der Länder, mit denen Handel getrieben wurde, stieg im Lauf der Jahre kontinuierlich an, sondern auch die Art der Güter. Gehandelt wurde mit allem, was Gewinn versprach. Dabei schreckten sie auch vor umfangreichem Waffenhandel nicht zurück. Josua Hasenclever beschrieb in seinen Lebenserinnerungen die Anbahnung eines solchen Geschäftes im Jahr 1806 zwischen England und Hamburg, welches allerdings nicht zustande kann. Ihm muss dabei durchaus bewusst gewesen sein, dass derartige Geschäft mit einem gewissen Risiko verbunden waren, denn er bezeichnete das Nichtzustandekommen des Geschäftes im Nachhinein als Glücksfall ... „...weil nachher strenge Untersuchungen von Napoleon angeordnet wurden.“ 13

Dem zunehmenden Wohlstand, Voraussetzung für den Aufstieg, verdankten die Hasenclevers der Familie, ihrem Sparsinn und ihrer Arbeitsdisziplin. Keimzelle der Handelsunternehmen dieser Zeit war immer die Familie, die, solange es ging, möglichst große Teile des Geschäftes kontrollierte. Die wirtschaftlichen Interessen und der Erfolg der Handelsfamilien förderten die allgemeine Entwicklung des städtischen Gemeinwesens. So setzten sich in Remscheid verschiedene Handelshäuser am Beginn des 19. Jahrhunderts für den Ausbau der Wege und Straßen ein. Sie waren natürlich ganz besonders an einer Verbesserung der schlechten Straßenverbindungen interessiert. Die alten Hohlwege waren je nach Witterungsbedingungen oft kaum passierbar.

Auch Josua Hasenclever, der Onkel von Ernst Hasenclever, beteiligte sich an den Verhandlungen über die einzuschlagende Wegeführung. Ganz im Interesse seines Handelssitzes in Ehringhausen forderte er den Ausbau der Straße über Ehringhausen in Richtung Burg. Dafür wäre er auch bereit gewesen, einen Teil der Baukosten durch einen Kredit über 6.000 Reichstaler zu sichern.14 Neben Geld setzte er auch auf persönliche Beziehungen zu der unter französischer Oberherrschaft stehenden Regierung in Düsseldorf, wo ein Freund die Stelle des „Directeur général des ponts et chaussées“ bekleidete.15

Mit der Förderung des Schulwesens in Ehringhausen engagierte sich die Familie Hasenclever in einem weiteren öffentlichen Bereich, denn die Tätigkeit als Kaufmann setzte eine spezielle und höhere Ausbildung voraus. Diese wurde zwar auch innerhalb der Familie und des familiären Betriebs geleistet, trotzdem wollte man den Vorteil einer allgemeinen Grundausbildung in den Primär- bzw. Volksschulen Preußens nutzen.16 Durch die Beteiligung an der Entwicklung der Stadt erwarb sich die Familie Reputationen, die den weiteren Aufstieg begünstigten.

Zu der wachsenden Bedeutung und der Beteiligung am öffentlichen Leben gesellten sich veränderte Lebensbedingungen der Handelsfamilien. Zu Beginn ganz in der Tradition des Handwerks stehend, fanden Arbeit und Leben unter einem Dach statt. Das alte Stammhaus der Familie Hasenclever war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Handelskontor und Wohnhaus der Großfamilie. Mit zunehmendem Wohlstand begann zu Anfang des 19. Jahrhunderts ganz langsam eine Ausdifferenzierung der Lebensverhältnisse zur späteren großbürgerlichen Lebensweise im privaten Haus und die Trennung von Familie und Geschäft. Die Elterngeneration von Ernst Hasenclever, David und Josua Hasenclever, spürte noch kaum etwas von diesem zukünftigen Umbruch. Erst 1824 besaßen die Brüder eigene Häuser. Dabei folgten sie der dringenden Notwendigkeit und nicht einem gesteigertem Repräsentationsbewusstsein, wenn Josua 1822 bemerkte: „...war es Zeit, daß ich mich nach einer anderen Wohnung umsah, weil der Raum zu klein wurde.“ 17

Immerhin lebte Josua zu diesem Zeitpunkt mit seinem Bruder, ihren Frauen und elf Kindern unter einem Dach. Der Entschluss schien ihm gleichwohl schwergefallen zu sein, denn er beklagte sein damals noch mangelndes privates Vermögen. Das Einkommen der am Unternehmen Johann Bernhard Hasenclever & Söhne beteiligten Familienmitglieder bestand aus Kapitalverzinsungen und Gewinnausschüttungen. Als jüngstem Sohn und Teilhaber entfiel auf Josua nur ein geringer Teil der Firmeneinkünfte. Erst mit dem fortscheitenden Ausbau der internationalen Handelsbeziehungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Folge der starken politischen und wirtschaftlichen Veränderungen dieser Zeit, wuchs der Wohlstand und das Vermögen aller Familienmitglieder stark an.

Von großer Bedeutung für das Leben und die Reisetätigkeit von Ernst Hasenclever war auch die Beteiligung seines Onkels Josua an der Gründung der Rheinisch-Westindischen Kompagnie. Mit ihr begann in den 1820er Jahren ein selbstständiger Handel bergischer Kaufleute mit Südamerika. 18 Nachdem das Unternehmen nach anfänglichen Erfolgen ab 1826 in zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet und zu Beginn der 1830er Jahre liquidiert wurde, entschloss sich das Handelshaus Hasenclever zur Gründung einer eigenen Niederlassung in Rio de Janeiro.

Das Gebiet des Bergischen Landes wies an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert nicht nur die höchste Bevölkerungsdichte der Länder Deutschlands auf, sondern gehörte zeitgleich zu den wohlhabendsten Regionen in der Mitte Europas.19 Der Wohlstand ließ sich in erster Linie auf das seit langem florierende Eisengewerbe und den Handel mit diesen Produkten zurückführen. Die ebenfalls stark verbreitete Verarbeitung verschiedener Naturfasern, wie Wolle, Baumwolle und Leinen, trug zu einer Verbreiterung der Wohlstandsbasis bei. Auch der steigende Wohlstand der Familie Hasenclever ergab sich zunächst vor allem aus dem weiträumigen Handel mit Produkten des eisenverarbeitenden Gewerbes. Die Ereignisse der französischen Revolution 1789 sollten diese Handelstätigkeit stark beeinflussen. Josua Hasenclever schreibt dazu in seinen Erinnerungen: „Die französische Revolution von 1789 brachte eine äußerst schwere Zeit über unser Land, also auch über die Geschäfte unseres Hauses, die dadurch gänzlich ins Stocken gerieten.“ 20

(Mit freundlicher Genehmigung des Bergischen Verlages, Remscheid. Jörg Holtschneider : „Ernst Hasenclever – von Remscheid nach Brasilien“, Bergische Monographie, Band 2; 235 Seiten, kartoniert mit Klappen; ISBN: 978-3-943886-69-6; 1. Auflage 2014; © Bergischer Verlag)

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