Skip to content

Von den alten Kirmesplätzen in Lennep

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde, in diesen Tagen hörte man mal wieder Klagen zum so genannten Kirmesplatz, über den Matsch dort und die ungewisse Zukunft im Blick auch das geplante Lenneper Outlet Center (DOC). Den Matsch dort gab es schon vor ca. 60 Jahren, als junge Liebespaare in der dortigen „Wildnis“ erste Küsse austauschten (das weiß ich natürlich nur vom Hörensagen). Dafür, dass es dort damals feucht und matschig war, lag an den "Drei Teichen" im Eck von Teich- und Röntgenstraße, von denen ich immerhin noch zwei erlebt habe. Am ersten Teich fingen wir in den 1950er Jahren mit einem aus Draht und einem alten Nylonstrumpf gebastelten Kescher Kaulquappen fürs heimische Aquarium, und der zweite wurde dann zur Grünfläche mit Spielplatz, wo nachmittags die Mütter mit ihren Babywagen flanierten, Reste des dritten Teichs im rechten Winkel dazu erblickt man nur auf sehr alten Ansichtskarten des Röntgengymnasiums, immerhin noch aus den 1930er Jahren, als dieser Teich schon teils versandet war.

Viele ältere Lenneper wissen sicher noch, dass die Barackenhäuserzeile längs des späteren Kirmesplatzes, längerfristige Notunterkünfte, nach dem Zweiten Weltkrieg nicht als die „allerbeste Wohngegend“ von Lenneps galt. Die Schüler des Röntgengymnasiums, die dort damals in den Ferien die Post austrugen, erlebten eine Nachkriegswelt, die sie von zuhause und aus der Schule nicht kannten.

Der hier kurz skizzierte Kirmesplatz, an dem auch ich mit meinen Eltern die erste echt Thüringer Bratwurst verzehrte, war durchaus nicht der erste in Lennep. Zuvor wurde nämlich die Kirmes auf dem Jahnplatz, dem vormaligen Kaiser-Friedrich-Platz, abgehalten, wo auch der Zirkus turnusmäßig seine Gastspiele anbot. Auch ich ging in den 1950er Jahren mit meiner Oma dorthin. Und insbesondere der Türkische Honig und die Zuckerwatte kommen mir da in den Sinn. Auf- und Abbau des großen Zirkuszeltes und das Herumführen der Tiere waren für uns Kinder auch außerhalb der Vorstellungen eine willkommene Abwechslung. An das Problem einer artgerechten Tierhaltung dachten wir damals noch nicht.

Unser zweites Foto zeigt ein Karussell bei einer Kirmes auf dem Jahnplatz in den1930er Jahre. Ein kleineres Karussell mit Gondeln unter Zeppelinattrappen, die einen großen Globus umkreisten. Der Graf Zeppelin war damals in aller Munde, und das nach ihm benannte Luftschiff wurde selbstverständlich auch über Lennep fotografiert. Und auf dem Jahnplatz dann die kleinere Ausgabe? Na ja, für Lennep war auch diese Version schon ganz schön groß! Das gut lesbare Firmenschild nennt "Hugo Haase – Hannover“. Im Internet erfährt man dazu heutzutage, dass Hugo Haase (1857-1922) ein erfolgreicher und berühmter deutscher Karussellbauer war. Er habe in den Jahrzehnten um 1900 die Vergnügungsindustrie auf den Jahrmärkten ganz Mitteleuropas revolutioniert und gelte als Schöpfer von Attraktionen bei Karussells, Autoscootern und  Achterbahnen. Seine größeren Produkte standen u.a. in München, Leipzig, New York, Osaka und Tokyo. Und manchmal halt auch in in Lennep .

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Dr. Wilhelm R. Schmidt am :

Zum Beitrag Kirmesplätze in Lennep schrieb mir ein „alter Lenneper“: Mit Ihrem letzten Rundbrief haben Sie mir wieder einmal Steilvorlagen geliefert. Drei Teiche: Der Winter 1945/1946 war etwas härter als in diesen Tagen. Die Drei-Teiche waren zugefroren, nur am oberen war am Zulauf, der aus einer Mauer floss, war es etwas eisfrei. Fischfang: Aus den von Ihnen erwähnten Baracken an der Röntgenstraße kamen immer wieder Jugendliche, hackten das Eis auf, um dort mit einer „Angel“ Fische zu fangen. Eishockey: Wir Kinder spielten nachmittags auf dem Eis Hockey. War der Stein zu nahe an den Zulauf gerutscht, kam es vor, dass man im dünneren Eis einbrach – dann war das nachhause Gehen angesagt. Wiese unterhalb des dritten Teiches: Die von Ihnen angesprochene „Sumpfgegend“ gehörte zeitweise zum Altenheim an der Hackenberger Straße. Sie war vom Bauer / Gastwirtschaft Kuhlendahl gepachtet worden, und das Gras diente der Fütterung der neun Kühe. Kaulquappen: Kaulquappen habe ich zwar nicht gefangen, dafür erfreute mich abends das Froschkonzert. Mein Zimmer lag zur Straße hinaus – das Gequake konnte beim Einschlafen schon stören. Kirmes: 1946 war ich in der Schule am Jahnplatz. Wenn Kirmes war, war natürlich nach Schulschluss immer ein „Rundgang“ fällig. Wir mussten doch sehen, was alles aufgebaut wurde, und ob es auch richtig aufgebaut wurde. Ein besonderes Ereignis gab es 1946: die rollenden Tonnen. Zwei große gegenseitig rotierende Tonnen waren die Hauptattraktion. Am Thüringsberg waren die Belgier stationiert. Die hatten ihren Narren an diesen Tonnen gefunden. Sie mussten durchschritten werden. Beim Wechsel von der einen sich rechtsdrehenden Tonne in die sich linksdrehende Tonne, war die Anziehungskraft der Erde meistens größer – und der Besucher taumelte drehend am Boden liegend oft vergeblich wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Dabei fiel das Kleingeld aus den Taschen – und verschwand in der Ritze. Nach dem Abbau der Kirmes war das für uns die Spardose. Wir stocherten im Dreck nach den Münzen, es war ein einträgliches Geschäft. Kinderbelustigung“ der Amerikaner: Es muss wohl auch im Sommer 1946 gewesen sein. Die Amerikaner logierten wohl im Berliner Hof. Auf dem Jahnplatz wurden verschiedene Buden und Gestelle aufgebaut. Ich erinnere mich an folgende „Belustigung“: An einem Gestell hingen Würste. Mit verbundenen Augen mussten wir Kinder die Würste anbeißen. Dabei wurden die Würste auch immer wieder hochgezogen. Das Ganze wurde von den Besatzern fotografiert und gefilmt. Das ist eher ein Negativerlebnis in meinem Gedächtnis. Viele schöne Erinnerungen gibt es aber auch, z.B. von der Raupenbahn, wenn sich das Verdeck schloss. Vom Teufelsrad, wenn man hinunter geschleudert wurde. Vom Kettenkarussell, wenn man verbotenerweise sich an mehreren Sitzen festhielt. Im Autoscooter probierte man seine Fahrkünste aus, wenn man von anderen attackiert wurde …

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!