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Der Gendermedizin mehr Aufmerksamkeit widmen

Pressemitteilung des Sana-Klinikums Remscheid

ng von Nebenwirkungen gibt es nach Geschlechtern meist keine unterschiedliche Betrachtung, ebenso wenig bei der Dosierung. Unterschieden wird gemeinhin nur nach Alter, außerdem finden Schwangere Berücksichtigung. Dabei weiß man heute, dass Frauen und Männer verschieden auf Medikamente reagieren, verschieden von Krankheiten betroffen sind und genauso unterschiedliche Symptome aufweisen.

„Die Gendermedizin gerät zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit, und das muss auch so sein“, sagt Professor Dr. Burkhard Sievers, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie, Nephrologie und Intensivmedizin am Sana-Klinikum Remscheid. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Geschlechtsspezifische Medizin e.V. (DGesGM) und wurde gerade mit der Zusatzqualifikation Gendermediziner DGesGM® ausgezeichnet. Dass die Gendermedizin bisher noch keine ausreichende Beachtung gefunden habe, sei unverständlich, da doch mehr als die Hälfte der Bevölkerung Frauen seien, sagt Professor Sievers. „Der Frauenanteil in medizinischen Studien ist im Vergleich zu den männlichen Probanden geringer. Zudem fehlt häufig eine Unterscheidung, in welcher hormonellen Phase sich die teilnehmenden Frauen befinden.“

Die Kardiologie sei recht führend, wenn es um die Gendermedizin gehe, erläutert der Kardiologe. Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien in der Bevölkerung sehr verbreitet. „Wir erleben täglich in Klinik und Praxis, dass Frauen und Männer unabhängig von Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck unterschiedliche Symptome haben.“

An einem Herzinfarkt sterben in Deutschland jährlich mehr als 20.000 Frauen. Viele Todesfälle ließen sich vermeiden, würden die Symptome des Herzinfarktes bei Frauen richtig erkannt. Bei einem Herzinfarkt haben Frauen häufig eher unspezifische Beschwerden wie Luftnot, Mattigkeit und Leistungsschwäche, auch Oberbauchbeschwerden. Auch wenn diese Krankheitszeichen mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden können, müsse man hellhörig werden, wenn sich Frauen mit derlei Befindlichkeitsstörungen in der Notaufnahme oder beim Hausarzt vorstellen.

Auch Herzrhythmusstörungen würden von Patientinnen oft anders wahrgenommen als von Männern. Eine gründliche Anamnese mit gezielter Frage nach individuellen Risikofaktoren und im Verdachtsfall auch weiterführende Untersuchungen wie ein Herzultraschall oder ggf. eine Herzkatheteruntersuchung müssten vorgenommen werden. „Gerade Frauen mit ihrer mitunter Zwei- und Dreifachbelastung gehen nicht gleich zum Arzt, weil sie ihre Beschwerden nicht mit einer Herzerkrankung in Verbindung bringen. Da geht dann wertvolle Zeit verloren.“ Auch sei bekannt, dass Frauen nicht so stringent behandelt würden wie Männer. Die Behandlung mit blutverdünnenden und blutdrucksenkenden Medikamenten zum Beispiel müsse generell maßgeschneidert sein. „Mehr und mehr geht es weg von dem Prinzip ´ein Medikament für alle` hin zu einer individualisierten Therapie“, so Professor Sievers.

„Frauen mit COVID-19 erkranken häufiger als Männer an schweren Atemwegsinfektionen, die Sterblichkeit ist bei den Männern aber dennoch höher als bei den Frauen, sagt der Kardiologe. Patientinnen älter als 50 Jahre mit COVID-19 Infektion profitierten erheblich von einer Östrogentherapie, hier reduzierte sich der fatale Verlauf der Infektion um 50 Prozent.

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