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Als die erste Waschmaschine ins Haus kam

Auszug aus
Lothar Vieler
"Tante Mary und das Wirtschaftswunder - Eine Jugend im Bergischen“

Bergischer Verlag, Kartoniert mit Klappen | 304 Seiten | 16 Euro | ISBN 978-3-96847-009-2 (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

Die Autos der Vertreter von Knöpfen über Futterstoffe bis hin zu Ballen hochwertigster Anzug- und Mantelstoffe wurden größer und blinkender. Die Konjunktur wurde immer besser und gleichermaßen wurden die Geschäfte meines Vaters immer übersichtlicher. Es war für meine Eltern deshalb dringend notwendig, sich auch für andere Dinge zu öffnen. So hing eines Tages rechts neben dem Eingang, der von der Haltestelle über den Hof zu unserem Häuschen gut einsehbar war, ein großes blaues Schild mit der in weißen Lettern gehaltenen Aufschrift: „Peters & Klomfaß, Chemische Reinigung, Annahmestelle“.

In der Schneiderstube war dazu ein Bereich mit Stellage zum Aufhängen der zu reinigenden und der abzuholenden Ware eingerichtet. Schon nach einem Monat zeigten die zufriedenen Gesichter meiner Eltern an, dass diese Entscheidung die richtige gewesen war. Es kamen immer mehr Kunden zur Reinigung, denn in Lennep selbst gab es eine solche noch nicht. Wir boten eine der wenigen Möglichkeiten, die Kleidung chemisch reinigen zu lassen. An seiner alten Kleidung zu hängen, war überhaupt keine Ausnahme. Durch die Bank waren die damals verwendeten Stoffe und modernen Materialien „nich kapott zu kriegen“ und außerdem noch sehr teuer in der Anschaffung. So wurde die Frage nach neu oder noch mal reinigen lassen bei den meisten zu Gunsten der Reinigung beantwortet.

Das Geschäft brummte in zunehmendem Maße, aber in gleichem Maße nahm der Ruf nach Maßanzügen ab. Selbst die Umstellung auf die damals sehr gefragten Damen-Kostüme half meinem Vater geschäftlich nicht. Zwar stellte er nach der Anprobe bei einer netten Kundin zum Leidwesen meiner Mutter immer ein sehr zufriedenes Lächeln zu Schau. Das machte er aber nur zum Beweis, dass seine Arbeit ihm immer noch sehr viel Freude bereitete. So kam es, dass meine Mutter bald das Angebot von Peters & Klomfaß erhielt, eine Annahmestelle in Wuppertal mit aufzubauen und zu leiten, was sie, sicherlich mit zwiespältigen Gefühlen, annahm.

Rückblickend betrachtet läutete diese Entscheidung für unsere ganze Familie eine neue Zeit ein. Mit neuen Regeln und neuen Möglichkeiten. Häusliche Pflichten mussten neu eingeteilt werden und neue Chancen warteten nur darauf, ergriffen zu werden. So hielten schon einen Monat später die neue Zeit und der Fortschritt Einzug in unserem Haus: Wir bekamen eine elektrische Waschmaschine.

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