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Zuerst die Zinkbadewanne in der Küche, dann die Badeanstalt

Auszug aus
Lothar Vieler
"Tante Mary und das Wirtschaftswunder - Eine Jugend im Bergischen“

Bergischer Verlag, Kartoniert mit Klappen | 304 Seiten | 16 Euro | ISBN 978-3-96847-009-2 (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

Der größte Teil unserer Klasse konnte nicht schwimmen. Ich war also in guter Gesellschaft, denn viele hatten davor genau so viel Schiss wie ich. Aber es nützte nichts: An einem Tag in der Woche traf sich die ganze Klasse schon um acht Uhr in der Wallstraße vor der Lenneper Badeanstalt.

Schon 1886 war zum Zwecke der Volkserziehung zur Reinlichkeit von Lenneper Bürgern am Wassertor eine der ersten Badeanstalten des Bergischen Landes gebaut worden. In gleichem Maße wie das Schwimmern wurde die Reinlichkeit schon bei der Planung berücksichtigt, denn die Badeabteilung bestand aus sechs Badewannen, die in separaten Kabinen untergebracht waren und für die nach vorheriger Reservierung ein Obolus zu entrichten war. Das Hallenbad, der Zeit entsprechend im Jugendstil gehalten, wies im Zentrum ein Schwimmbecken auf, das anhand der unterschiedlichen Wassertiefe in Nichtschwimmer- und Schwimmer-Bereich unterteilt war. Darum herum waren für die weiblichen Badegäste Umkleidekabinen angeordnet. An der Kopfseite dieser Halle befand sich ein gemischt zu nutzender Duschbereich, von dem aus eine Doppeltreppe in das Schwimmbecken abging. Eine Empore, die an der Kopfseite offen zur Halle den Umkleidebereich für Schüler, und an den beiden Längsseiten Einzelkabinen für Männer bereithielt, rundete das Gesamtbild dieser dank großer Fensteranlagen zur Wallstraße hin hellen Badeanstalt ab. (1975 wurde dieser historische Bau zu dem heute noch sehr erfolgreich arbeitenden Jugendzentrum „Die Welle“ umgebaut.)

Das Ausziehen lief in Erwartung der gemeinsamen warmen Eingangsdusche unter den wachsamen Augen unserer Lehrer sehr diszipliniert ab. Dank des Ansporns, der ständig durch die mit erkennbar viel Freude schwimmenden Mitschüler auf die Nichtschwimmer überschwappte, verringerte sich die Zahl der Nichtschwimmer von Mal zu Mal. Selbst ich konnte nach geraumer Zeit und nach literweise Chlorwasserschlucken irgendwann die Schwimmerprüfung abgelegen. Hierzu musste ich eine Runde durch das Schwimmerbecken drehen und drei Gegenstände vom Nichtschwimmerboden durch freiwilliges Tauchen aufnehmen. Als schließlich sogar der Freischwimmer und der Fahrtenschwimmer mit entsprechendem Ausweispapier erfolgreich absolviert waren, fühlte ich mich einen bedeutenden Schritt weiter. Ab sofort durfte ich regelmäßig freitagabends am Schwimmtraining der LTG teilnehmen. Der Eintritt kostete zwar jeweils zwanzig Pfennig, aber das war es wert. Die Zeit der Zinkbadewanne in der heimischen Küche war hiermit ebenso endgültig vorbei; ich hatte meinen Frieden mit dem Element Wasser gemacht.

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