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64 Sana-Mitarbeiter *innen droht die Kündigung

Pressemitteilung der Sana DGS pro.service GmbH

„Der Gesamtbetriebsrat der Sana DGS pro.service GmbH wurde am 16. April darüber informiert, den Service- und Logistikbereich der Sana DGS pro.service GmbH im Rahmen der Reorganisation der konzernweiten Service- und Logistikaktivitäten zum 31. Dezember 2021 zu schließen. Davon betroffen sein werden konkret die Betriebe Hol- und Bringedienst, Patientenbegleitdienst, Info/Pforte, Stationshilfsdienst, Wäscheservice, Archiv und Modul“, so Klaus Wiendl, Geschäftsführer der Sana DGS pro.service GmbH. Sämtliche im Service- und Logistikbereich angesiedelten Arbeitsplätze sollen dementsprechend abgebaut werden. Die Arbeitsverhältnisse der auf diesen Arbeitsplätzen beschäftigten Arbeitnehmer sollen, unter Berücksichtigung der allgemeinen und besonderen Kündigungsschutzbestimmungen, bis spätestens zum 31. Dezember 2021 beendet werden.

Für Remscheid bedeutet das, dass von diesem Schritt 44,92 Vollkräfte (VK) und 64 Mitarbeiter betroffen sein werden. Ausgenommen davon ist der Bereich der Krankenhausreinigung, dieser verbleibt in der Sana DGS pro.service GmbH. Die neuen Anforderungen an eben diese verlangen in der Zukunft eine deutlich höhere fachliche Führung und auch Prozessbegleitung so-wie -überwachung. Um dies zu erreichen wird die Sana DGS pro.service GmbH in Zukunft ausschließlich mit den Reinigungsdienstleistungen im Krankenhaus betraut.

Da die vorgenannte Maßnahme alle Betriebe der Sana DGS pro.service GmbH betrifft, und einer unternehmenseinheitlichen Konzeption bedarf, die die Interessen aller von der Betriebsänderung betroffenen Arbeitnehmer gleichermaßen koordiniert, besteht eine originäre Zuständigkeit des Gesamtbetriebsrats der Sana DGS pro.service GmbH für die Verhandlung bzw. Vereinbarung von Interessenausgleich und Sozialplan. Aus diesem Grund haben wir den Gesamtbetriebsrat der Sana DGS pro.service GmbH gebeten, umgehend entsprechende Verhandlungen mit uns über die geplante Betriebsänderung aufzunehmen. Auch entsprechende Terminvorschläge haben wir diesbezüglich unterbreitet. Wir planen Termine im Mai und Juni 2021.“

Auf Nachfrage des Waterbölles teilte Sana-Pressesprecher Pascal Nebling heute mit:
Die Sana Kliniken AG erbringt überwiegend Dienstleistungen über eigene Tochtergesellschaften, wobei besonders in der Sana DGS pro.service GmbH bisher keine eindeutige fachliche Spezialisierung erfolgte. Die Anforderungen an den Dienstleistungssektor im Krankenhaus haben in den vergangenen Jahren jedoch deutlich zugenommen und stellen sich zunehmend komplexer dar. Besonders stark ist dies in den Teilbetriebsbereichen Reinigung, Service und krankenhausinterner Logistikdienstleistungen der Sana DGS pro.service GmbH festzustellen. Die DGS pro.service GmbH ist in ihrer aktuellen Struktur daher nicht mehr ausreichend auf die gegenwärtigen Herausforderungen hin ausgerichtet. Eine fachliche Spezialisierung in eigens auf die Unternehmenszwecke Reinigung, Service und Logistik (krankenhausinterner Logistikdienstleistungen) hin ausgerichteten Dienstleistungsunternehmen und somit in separaten gesellschaftsrechtlichen Strukturen ist unerlässlich. Unsere Standorte Sana Fabricius-Klinik Remscheid und Sana Krankenhaus Radevormwald sind von der Maßnahme nicht betroffen, da dort ausschließlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sana DGS pro.service GmbH aus dem Bereich der Krankenhausreinigung im Einsatz sind.“

Pressemitteilung der SPD-Fraktion

„Das ist die falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt! Die angekündigte Massenentlassung der Sana-Klinikum AG bis Ende diesen Jahres wird auch Beschäftigte in Remscheid treffen. Jürgen Kucharczyk, Ausschussvorsitzender des Sozialausschusses und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD: „Wir kritisieren diesen angekündigten Schritt der Sana-Klinikum AG ausdrücklich! Obwohl wir als Stadt mit nur fünf Prozent am Konzern beteiligt sind, muss dieses Thema jetzt und hier angesprochen werden. Eine sofortige Sitzung der Sana-Klinikum-Gremien mit der Stadt Remscheid ist erforderlich. Denn es betrifft einen Teil der Beschäftigten und könnte zu einem Problem der Versorgung hier vor Ort werden, jetzt insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie.“

Sven Wolf, Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der SPD: „Durch Corona werden viele Missstände aufgedeckt. So auch im Bereich der Gesundheitsvorsorge und der Krankenhauslandschaft. Das höchste Gut ist unsere Gesundheit! Wir müssen davon abkehren, dass Krankenhäuser nur Gewinne einfahren. Nach Corona müssen wir hier endlich einen Neustart wagen und uns von der immer weiter steigenden Ökonomisierung unseres Gesundheitssystems abkehren.“

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Eine offizielle Stellungnahme des Sana-Anteilseigners Stadt Remscheid steht noch aus!

Stefan Holzhauer am :

Es ist dringend nötig, das Gesundheitssystem grundlegend zu reformieren. Es kann doch nicht angehen, dass mit der Gesundheit von Menschen Dividenden erwirtschaftet werden sollen (lies: Reiche noch reicher zu machen), statt das Hauptaugenmerk auf eben diese Gesundheit zu legen. Da die SPD-regierte Stadt Remscheid Anteilseigner ist und somit Einflussmöglichkeiten hätte, halte ich die Kritik seitens Herrn Wolf nicht für glaubwürdig. Außerdem hat die SPD auf Bundesebene jahrzehntelang dabei mitgeholfen, das Gesundheitssystem so umzubauen, dass in erster Linie Gewinne damit gemacht werden sollten, statt die Gesundheit der Menschen als Ziel zu haben.

Axel Behrend am :

Gesundheit ist keine Ware! Ein Paukenschlag in der heutigen Lokalpresse: „Sana AG will 80 bis 100 Stellen abbauen“ Hier sieht man, was die Konzernleitung unter der vielbeschworenen und eingeforderten Wertschätzung versteht. Gerade In der Corona-Krise kommt dem Gesundheitssystem eine herausragende Bedeutung zu; allerdings erwies sich das System als äußerst fragil und hat sich nicht wirklich vorbereitet auf die pandemische Situation gezeigt. Die Privatisierung des öffentlichen Gesundheitswesens führte zu Bettenabbau, mangelnder Bereithaltung von Materialien, wie zum Beispiel Schutzkleidung für Notsituationen und vor allem zu Personalabbau. Gesundheitsvorsorge entwickelte sich unter der Privatisierung zu einer Wirtschaft, die einzig profitorientierten Interessen unterliegt. Schon im Februar 2018 kritisierte der damalige Fraktionsvorsitzende Fritz Beinersdorf: „Die SANA AG ist eine Aktiengesellschaft, die von 26 Privatversicherungsgesellschaften gehalten wird. Geschäftsziel dieser AG ist der Profit, den die Gesellschafter von ALLIANZ über DKV bis Continentale usw. sehen wollen. Das wird erreicht, durch Personalabbau, Leistungsverlagerungen und Outsourcing. Wir haben in den vergangenen Jahren erleben müssen, wie hier in Remscheid durch diese Maßnahmen eine Verdichtung der Arbeit stattgefunden hat, die das Personal bis an den Rand des zulässigen belastet. Wenn in den letzten Jahren das Klinikum immer wieder negativ in den Schlagzeilen zu finden war, ist die Ursache dafür im Profitstreben der AG zu sehen. DIE LINKE hat sich immer gegen Privatisierungen im Gesundheitswesen ausgesprochen, wir wollen ein solidarisches, gerechtes und barrierefreies Gesundheitssystem, in dem die Versorgung der Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt steht. Gesundheit darf nicht immer weiter zu einem Markt verkommen, auf dem die Profite mehr zählen als die Menschen. Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens steht nicht nur einer guten Versorgung, sondern auch guten Arbeitsbedingungen der Beschäftigten entgegen.“ Gesundheit aber darf keine Ware sein; Menschen dürfen nicht vom Profitinteresse einiger Weniger abhängig sein.

Offener Brief des Konzernbetriebsrates der Sana Kliniken AG an den Vorstand der am :

Der Konzernbetriebsrat der Sana Kliniken AG fordert Sie auf, Ihren am 26. April durch Herrn Stanslowski dem Konzernbetriebsrat mitgeteilten Beschluss zur Kündigung von über 1.000 Kolleginnen und Kollegen der DGS proservice zurück zu nehmen. Dem KBR ist völlig unverständlich, wie Sie zu einer solchen Entscheidung, gerade in dieser angespannten Situation in unseren Häusern, kommen konnten. Ohne die Kolleginnen und Kollegen an den Patienteninformationen, der Bettenreinigung, des Lagers und der Versorgungsdienste, ständen viele unserer Kliniken vor der Kapitulation. Wie wäre die Pflege und die medizinische Betreuung, die eh schon kaum zu leisten ist, möglich ohne Stationshilfen und Patientenbegleitdienst. Ein Konzept, wer all diese Aufgaben übernehmen soll, steht nach Aussage von Herrn Stanslowski noch nicht, obwohl entsprechende Verhandlungen zum Interessenausgleich und Sozialplan bereits für Anfang Mai terminiert sind. Dem Konzernbetriebsrat fehlt zudem jedes Verständnis, wie Sie, die sich damit rühmen der beste Arbeitgeber im Gesundheitswesen zu sein, bewusst eine Entscheidung treffen können, die über 1.000 verdiente Kolleginnen und Kollegen in die Arbeitslosigkeit entlässt. Viele von diesen Kolleginnen und Kollegen waren bis zur Ausgliederung in die DGS proservice fest angestellte Mitarbeiterinnen der Kliniken, und haben bereits durch die Ausgliederung erhebliche Einbußen hinnehmen müssen. Weitere Kolleginnen und Kollegen wurden 2019 zur Umsetzung des PpSG auf Ihre Veranlassung von der SCS in die DGS proservice überführt. Mit ihrer Entscheidung nehmen Sie in Kauf, dass unsere Kolleginnen und Kollegen auf dem, gerade in diesen Bereichen überaus angespannten Arbeitsmarkt keine Arbeit finden werden, und gefährden damit die Existenz ganzer Familien. Soweit dem Konzernbetriebsrat berichtet wurde, haben Sie noch nicht einmal in Erwägung gezogen, unseren erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ein Übernahmeangebot zu machen. Ihre Begründung zu dieser Entscheidung, nämlich dass die Profession der Führungs- und Leitungskräfte fehlt, ist eine Bankrotterklärung des Vorstands. Offensichtlich haben Sie es doch versäumt diese Voraussetzungen aus rein ökonomischen Gründen zu schaffen. Wenn fehlende Professionalität tatsächlich zu Ihrer Entscheidung geführt hat, geben Sie die Aufgabengebiete wieder zurück in die Kliniken und überführen die Kolleginnen und Kollegen anstatt sie zu kündigen. Zum Schluss unseres Schreibens möchten wir unsere Aufforderung wiederholen, nehmen Sie Ihre Entscheidung zurück !!! (Gudrun Hedler, Konzerntriebsratsvorsitzende)

Fraktion der Linken im Rat der Stadt Remscheid am :

Systemwechsel im Krankenhaus: Gemeinwohl vor Profit! Völliges Unverständnis, Ärger und Wut: so kann man die Gefühle beschreiben, die sich bei der morgendlichen Lektüre der Printmedien einstellten. Auf der Höhe einer kritischen Pandemiesituation, in der sich Krankenhäuser darüber beklagen, dass ihre Beschäftigten längst an ihre Belastungsgrenzen angelangt sind, verzichtet das Sana Klinikum auf Personal! Das ist ein Skandal, denn weniger Personal bedeutet zum einen immer auch Einbußen in medizinischem und vor allem pflegerischem Bereich und betrifft somit alle Remscheider Bürger: innen; zum anderen wird hier die berufliche Existenz von Menschen zerstört, die vor gar nicht allzu langer Zeit noch bejubelt und beklatscht wurden. Nun zeigt sich, wie wenig wertschätzend überregional agierende Konzerne tatsächlich mit ihren Mitarbeitern umgehen. Es bestätigt sich leider wieder einmal: Gesundheit gehört nicht in die Hände von Unternehmen, deren Interesse allein profitorientiert ist. Gesundheit ist keine Ware, sie muss Teil einer öffentlichen Daseinsvorsorge sein!

Jürgen Koball am :

Da bin ich aber mal gespannt auf die Stellungnahme der Stadt. Da rächen sich die Fehler der Privatisierung. Gesundheit wird als Ware verkauft. Was zählt, ist der finanzielle Aspekt. Zum Leidwesen der Mitarbeiter*innen und Patienten. Reorganisierung, Effizienzsteigerung, modernen Anforderungen usw. Alles Worthuelsen, um die Gier nach mehr Gewinn zu umschreiben.

Chronist am :

„Wenn ein Klinikbetreiber mitten in der Pandemie Massenentlassungen ankündigt, zeigt das, was im Gesundheitswesen schiefläuft. Statt guter Patientenversorgung steht offenbar immer öfter die Gewinnerzielung im Vordergrund. Das darf nicht sein. Arbeit im Krankenhaus ist Teamarbeit. Es braucht nicht nur hervorragende Ärzt*innen, Pflegefachpersonen und Therapeut*innen, sondern auch motivierte Kolleginnen und Kollegen in den Servicebereichen. Ohne sie geht nichts! Sie haben Sicherheit und faire Löhne verdient. Wir brauchen endlich gesetzliche Regeln, die der Zersplitterung der Belegschaften Einhalt gebieten. Denn diese schadet sowohl den Beschäftigten als auch der Versorgungsqualität. Dagegen wehren wir uns,“ so Sylvia Bühler, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für das Gesundheitswesen, in einem aktuellen Flugblatt der Gewerkschaft. Weiter heißt es darin: „Die Beschäftigten der Sana DGS pro.services GmbH geben alles, um den Krankenhausbetrieb trotz Corona-Pandemie am Laufen zu halten. Sie sorgen nicht nur dafür, dass die Sana-Kliniken gereinigt und desinfiziert werden, sondern arbeiten auch in der Stationsassistenz, im Hol- und Bringedienst, an den Pforten und in den Sicherheitsdiensten. Damit leisten sie wichtige Arbeit im Krankenhaus – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Doch es wird ihnen nicht gedankt.“

Ver.di-Bundesvorstand am :

„Beschäftigten im Gesundheitswesen zu kündigen, ist für sich genommen schon ein Unding. Das auch noch mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie zu tun, schlägt dem Fass den Boden aus“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. „Hier sollen Menschen von einem profitablen Klinik-Konzern vor die Tür gesetzt werden, die in den letzten Monaten tatkräftig mitgeholfen haben, den Krankenhausbetrieb am Laufen zu halten. Ein funktionierendes Krankenhaus ist Teamarbeit und besteht aus weit mehr Beschäftigtengruppen als Ärzten und Pflegefachpersonen.“ „Mit solchen Maßnahmen verkomme die vielbeschworene Wertschätzung von Beschäftigten im Gesundheitswesen zu einer hohlen Phrase“, so Bühler weiter. „Wir fordern den Sana-Vorstand auf, diese Maßnahme sofort zu stoppen.“ Die angekündigte Maßnahme der Sana-Kliniken AG zeige den dringenden 30 umfassenden Reformbedarf im Gesundheitswesen. „Es reicht nicht an einzelnen Schräubchen zu drehen, das löst - wie dieser Fall wieder einmal deutlich macht - eine Kettenreaktion aus. Krankenhauspolitik muss sich an der bestmöglichen Versorgung kranker Menschen ausrichten und nicht an wirtschaftlichen Interessen.“ (aus Pressemitteilung)

Markus Kötter, CDU-Fraktionsvorsitzender am :

Ich teile die Empörung von Oberbürgermeister Mast-Weisz, mit der er auf die angekündigten Entlassungen bei der Sana AG reagiert hat. Gerade in der jetzigen Zeit per Pressemitteilung solche Pläne zu verkünden, zeugt von mangelndem Feingefühl. Wir brauchen jetzt ein starkes Gesundheitssystem und keine Kündigungen. Eine solche Nachricht muss auf die Bürgerinnen und Bürger mitten in der dritten Corona-Welle zutiefst zynisch und verstörend wirken. Unsere Möglichkeiten als Stadt sind begrenzt. Wir sichern aber unserem Oberbürgermeister und Gesundheitsdezernenten unsere volle Unterstützung bei den nun fälligen Gesprächen im Aufsichtsrat des Sana-Klinikums zu. So geht man mit der Stadt Remscheid und den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht um. Die Stadt muss sich gegen diese Massenentlassungen wehren und hat dabei hoffentlich die gesamte Politik im Rücken. Und es muss dringend die Frage geklärt werden, wer die Aufgaben derjenigen übernehmen soll, die nun vom Jobverlust bedroht sind. Wer übernimmt die Hol- und Bringdienste, die Patientenbegleitdienste, den Wäscheservice und den Empfang? Diese wichtigen Aufgaben fallen ja weiterhin an. Sie können ja nicht eingespart werden. Werden sie jetzt nach der ‚Geiz-ist-geil“-Methode von Dienstleistern übernommen, die günstiger sind? Dabei hatten wir doch eigentlich den gesamtgesellschaftlichen Konsens, dass sich Sparrunden im Gesundheitswesen langfristig nicht rechnen – vom Patientenwohl und dem Schicksal der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mal ganz zu schweigen.

Lothar Kaiser am :

Markus Kötter scheint den RGA gelesen zu haben. Denn der Zeitung gegenüber sprach Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz von „zynisch", einem „Skandal" und „Treppenwitz in der Pandemie". Für heute habe er eine Sondersitzung des Sana-Aufsichtsrates beantragt. Zitat: „So geht man nicht mit den Beschäftigten im Remscheider Krankenhaus und so geht man nicht mit seinem Mitgesellschafter um." Und: Wir werden uns gegen diese Massentlassung wehren." Weitere Äußerungen des OB zu den angekündigten Entlassungen bei Sana sind bislang nicht bekannt.

Michael Heimlich am :

Eine Riesen Sauerei ist das! Dazu noch beim einzigen Allgemein-Krankenhaus in Remscheid...Solange Krankenhäuser und Altenpflege heime wie am Profit orientierte Wirtschaftsunternehmen geführt werden und über Fall- zahlen bzw. Pflegeschlüssel gesteuert werden, wird sich in unserem Gesundheits- und auch Alten-Pflegesystem nichts ändern. Kein Wunder, daß sich immer mehr Pflegekräfte, nicht nur wegen der immensen Belastungen in der Corona-Pandemie, von ihrem einst gewählten Beruf abwenden. Denn Anerkennung der Leistung von Pflegekräften sieht wahrlich anders aus. Das Auspressen des vorhandenen Personals wie eine Zitrone wird irgendwann zum Bummerang werden. Und auch die Tatsache, dass Remscheid über lediglich ein Allgemein-Krankenhaus verfügt macht die Situation nicht besser.

Andreas Körber am :

Hallo, Herr Heimlich, Ihre Aufregung in allen Ehren, aber Krankenhäuser und Altenheime werden nicht nur wie Wirtschaftsunternehmen geführt, sie sind es auch. Und diese Entwicklung war kein Zufall. Sie war von der Politik, auch hier in Remscheid, gewollt. Wie alle Wirtschaftsunternehmen sollen und müssen auch Krankenhäuser und Altenheime Profite erwirtschaften. Kosteneinsparungen gehen daher immer zu Lasten des Personals bzw. der Patienten. Nicht erst seit Corona! Das ist nicht der Skandal. Dass die Politik seinerzeit diesen Weg auf Kosten der Bevölkerung beschritten hat, ist der eigentliche Skandal. Wer als junger Mensch unter diesen Bedingungen einen Pflegeberuf ergreift, ist entweder ein Heiliger oder ein Masochist. Viel Arbeit bei mäßiger bis schlechter Bezahlung, spätestens ab 50 körperlich verschlissen mit der Aussicht, in Zukunft vielleicht bis 70 arbeiten zu dürfen. Wahrlich rosige Aussichten.

Lothar Kaiser am :

Die Privatisierung und Gewinnausrichtung der Krankenhäuser war ein Fehler den die dort Beschäftigten Kolleg*innen teuer mit der Zersplitterung ihrer Belegschaften in viele kleinere Unternehmen bezahlen mussten, damit gingen Arbeitsverdichtung und die Schaffung einer Mehrklassengesellschaft bei Arbeitsbedingungen und Entlohnung unter den Beschäftigten einher. Der jetzt von der Tochterfirma Sana DGS pro.services angekündigte Stellenabbau von 1000 Stellen deutschlandweit davon über 60 in Remscheid, ist auch eine Folge dieser Privatisierungspolitik. Ein besonderer Zynismus liegt obendrein noch im Zeitpunkt des Bekanntwerdens inmitten der dritten und schwersten Welle der Pandemie. Gesundheit ist keine Ware und die, in diesem Bereich beschäftigten Menschen dürfen in unser aller Interesse keinesfalls zu Opfern der Sucht nach Gewinnmaximierung werden. Der DGB Stadtverband Remscheid fordert daher von den Verantwortlichen bei Sana und ihrer Tochtergesellschaft Sana DGS pro.services GmbH die unverzügliche Rücknahme der Abbaupläne.

Andreas Körber am :

Hallo Herr Kaiser, ich stimme Ihren Ausführungen vollumfänglich und von Herzen zu. Und trotzdem liegen Sie, wie wir doch beide wissen, leider falsch. Denn natürlich ist die Gesundheit zur Ware geworden. Und wehe dem, der sie sich nicht leisten kann. Es gibt Gemeinden die vor Jahren sogar ihre Trinkwasserversorgung privatisiert und heute überdurchschnittliche Wassergebühren haben. Sofern alle Bürger über genügend Einkommen verfügen würden, wäre das ja kein Problem. Aber so ist es ja nicht. Leider gibt es keinen öffentlichen Diskurs über die Frage, ob und wenn ja welche Aufgaben der Daseinsvorsorge öffentlich und damit unveräußerlich sein müssen. Auch dann wenn eine Gemeinde z.B. dem Nothaushaltsrecht unterliegt und sie sich alle wirtschaftlichen Aktivitäten genehmigen lassen muß. Sie sich sogar von ihrem "Tafelsilber" trennen muß. Wir bräuchten dringend eine solche Debatte. Wir werden sie nicht bekommen, nicht einmal anlässlich der aktuellen Situation und eines Bundestagswahlkampfes vor der Brust. Alle Vorstände haben ihren Unternehmenseigentümern gegenüber eine Pflicht zur Gewinnmaximierung. Und beinahe jeder, der über ein Aktienportfolio verfügt wird es regelmäßig auf seine Rentabilität überprüfen und etwaige Verlustbringer aussortieren, was auch völlig legitim ist. In meiner Jugend konnte man Politiker häufig sagen hören, daß sie nicht für die Entscheidungen der Unternehmen zuständig seien, sondern lediglich für die Rahmenbedingungen wirtschaftlichen Handelns. Was wir heute erleben sind die langfristigen Folgen falsch gesetzter Rahmenbedingungen.

Norbert Landen am :

Wer als Politiker aus Stadt, Land oder Bund die Fa. Sana verteufelt, sollte ganz still sein, denn dass unser Gesundheitssystem zur Zeit so geworden ist, haben die Politiker mit zu verantworten. Wenn man sich aber vorstellt, das Remscheider Krankenhaus wäre nicht verkauft worden, was dann? Jahrelanges Nichtstun von Seiten der Stadt hat doch zu dem Verkauf beigetragen.

Andreas Körber am :

Hallo Herr Landen, niemand verteufelt hier irgendwen, schon gar nicht die Firma Sana. Wenn man eine Kuh an den Trog führt, darf man sich nicht beschweren, wenn sie frisst. Und wer seinerzeit gegen den Verkauf war, musste, erklären wie er einen defizitären, zum Teil sanierungsbedürftigen Gebäudekomplex weiter hätte betreiben wollen. Der Grundfehler lag nicht in Remscheid, sondern in der Gesundheitspolitik im Bund. Dort wurden die Weichen falsch gestellt.

SPD-Unterbezirk Remscheid am :

Die angekündigte Massenentlassung der Sana-Klinikum AG bis Ende diesen Jahres wird auch Beschäftigte in Remscheid treffen. Deshalb lud die Ratsfraktion der SPD gestern die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende und Konzernbetriebsratsvorsitzende des Sana-Klinikum, Gudrun Hedler, zu einem digitalen Austausch ein. Sven Wolf, Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender der SPD: „Wir möchten hier vor Ort zeigen, dass wir an der Seite der Beschäftigen des Sana-Klinikums stehen. Dass wir den angekündigten Schritt des Vorstandes der Sana-Klinikum AG kritisch betrachten, haben wir bereits deutlich gemacht. Uns geht es hier vor Ort auch um die Versorgung der Patienten. Zwingend notwendig ist die Abkehr vom Profitdenken so mancher Krankenhausgesellschaften.“ Dazu die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Sana-Klinikums und Konzernbetriebsratsvorsitzende, Frau Gudrun Hedler: „Mein Dank an die Remscheider SPD-Fraktion für das Gespräch und allen Politkern, die sich für unsere Belange einsetzen. Das Klinikum in Remscheid darf nicht schlecht geredet werden. Die Beschäftigten leisten hier vor Ort medizinisch sehr gute Arbeit!“

Lothar Kaiser am :

„Ich einer so dramatischen Situation wie der Corona-Pandemie ist die Entlassung von Krankenhaus-Mitarbeiter*innen nur zynisch“, stellte Oberbürgermeister Burkhard mast-Weisz in der heutigen Sitzung des Hauptausschusses fest. In einer Sitzungsunterbrechung drückte die Konzerntriebsratsvorsitzende Gudrun Hedler, zugleich stellv. Vorsitzende des Betriebsrats des Sana-Klinikums Remscheid,. Ihre Freude darüber aus, dass die Remscheider Politik der Belegschaft zur Seite stehe. Zum Teil handele es sich um Mitarbeiter*innen mit 40-jähriger Betriebszugehörigkeit und mehr. Bei den Kündigungen ab Juni handele es sich um eine Nacht-und-Nebel-Aktion des Sana-Vorstands. Unverständlich sei dessen Begründung, man sei mit dem Management nicht mehr zufrieden. „Warum entlässt man dann die Leute auf der unteren Ebene?“ Für diese habe es – jedenfalls in Remscheid -. Bislang noch keine weiteren Information von Seiten des Arbeitgebers gegeben, geschweige denn eine Belegschaftsversammlung. „Das Verhalten des Sana-Vorstands lässt sich nicht sinnhaft erklären“, betonte David Schichel von den Grünen und versprach ebenso „volle Rückendeckung“ wie zuvor Sven Wolf (SPD). Waltraud Bodenstedt (W.-i.R.): Das kann ich nur unterstreichen!“

Sven Wolf (MdL, SPD) am :

Der Tag der Pflege am 12. Mai soll daran erinnern, wie wichtig die Arbeit der Beschäftigten in der Pflege für uns alle ist. Dass genau jetzt die ersten Kündigungen bei Sana am Standort Remscheid und zahlreichen Standorten in Deutschland erfolgen, ist grotesk. Wir brauchen mehr Personal zur Entlastung des Pflegepersonals und auf keinen Fall weniger. Auf das Pflegefachpersonal kommt jetzt mehr Arbeit zu, wenn Service-Kräfte gekündigt werden. Wie das gelöst werden soll, ist noch vollkommen unklar. Das hat mir zuletzt auch die Konzernbetriebsratsvorsitzende Gudrun Hedler in unseren Gesprächen bestätigt. In der Pandemie sind die Krankenhäuser von der Bundesregierung mit Milliarden unterstützt worden. Jetzt muss ein Konzern wie Sana auch seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht werden! Gute Pflege muss auch durch guten Lohn und gute Arbeitsbedingungen honoriert werden. Dazu ist ein Pflegetarifvertrag nötig, der sich mindestens an den bereits vorhandenen Flächentarifverträgen des öffentlichen Dienstes und der Wohlfahrtspflege orientiert. Auf keinen Fall dürfen Haustarife zur Grundlage für einen Pflegetarifvertrag gemacht werden, wie es Bundesgesundheitsminister Spahn vorsieht. Die angekündigte Pflegereform von Minister Spahn ist bisher eine Luftnummer. Landesgesundheitsminister Laumann muss hier mehr Druck machen und sich um eine Entlastung und Unterstützung der Beschäftigten in der stationären und häuslichen Pflege und pflegender Angehöriger kümmern. Ich hoffe sehr, dass wir nach Pandemie endlich über das Gesundheitssystem diskutieren. Der Weg zu immer mehr Ökonomisierung ist ein Holzweg!

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