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Das Lungenkraut widersteht wechselhaftem Wetter

Dem wechselhaften Wetter schon seit Wochen trotzend ist auf seine Blüten Verlass. Die Rede ist vom Lungenkraut, auch als Fleckenkraut, Blaue Schlüsselblume, "Brüderchen und Schwesterchen" bezeichnet. Das Gefleckte oder Echte Lungenkraut, Pulmonaria officinalis, ist - --, zusammen mit Vergissmeinnicht, Beinwell und Borretsch - ein Familienmitglied der Raublattgewächse, der Boraginaceae. Das Lungenkraut ist mit einer Blütezeit von März bis Mai ein Frühblüher. Die Pflanze wird bis zu dreißig Zentimeter hoch und mag Mischwälder, Laubwälder, feuchte Wiesen und Gärten.

Ihre eiförmigen, ganzrandigen Laubblätter zeigen weiße Flecken und sind, wie auch der Rest der Pflanze, komplett mit abstehenden, borstigen Haaren bedeckt. Ihre trichterförmigen, fünfzipfeligen, bis sechzehn Millimeter langen Blüten sind zu Beginn der Blütezeit rosa und werden nach drei bis vier Tagen blau. Die jüngeren, rosa Blüten liefern mehr Nektar als die älteren, blauen und werden bevorzugt von einer Pelzbienenart, Anthophora plumipes, besucht. Allgemein ist der Nektar nur langrüsseligen Insekten wie Bienen (Wildbienen, z.B. Hummeln) oder Schmetterlingen zugänglich. Schwebfliegen begnügen sich mit dem Naschen von Blütenstaub. Lungenkraut bildet sogenannte Klausenfrüchte, die sich selber ausbreiten oder, da sie einen für Ameisen attraktiven Ölkörper tragen, von diesen verbreitet werden.

Die jungen Laubblätter des Lungenkrauts können zum Salat, die später im Jahr geernteten zu Gemüse, Spinat oder Suppe hinzugegeben werden. Ihr Geschmack ähnelt, vergleichbar dem von Borretsch, dem von Gurken. Die Blüten eignen sich für Kräuterquark, können auf das Kräuterbutterbrot gestreut oder, getrocknet, zur Teebereitung genutzt werden.  Lungenkraut enthält sehr viel siliziumhaltige Kieselsäure, viele Mineralstoffe, Schleimstoffe, Gerbstoffe (Catechine, Gallotanine), Flavonoide (Kämpferol, Quercetin), Saponine, Allantoin, die Vitamine C und E. Die Pflanze wirkt zusammenziehend, harntreibend, reizlindernd, schweißtreibend und wird eingesetzt bei kleinen Wunden, Durchfall oder Blasenentzündung.

Der wissenschaftliche Name der Pflanze, Pulmonaria officinalis, lässt sich zurückführen auf das lateinische „pulmo“ für Lunge, und „officinalis“ als Bezeichnung für eine arzneilich genutzte Pflanze. Sie wurde in früheren Zeiten eingesetzt für Lungenerkrankungen bis hin zur Bekämpfung von Tuberkulose. Diese Wirkung ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Heute wird Lungenkraut eingesetzt bei leichteren Atemwegserkrankungen, Erkältungen, Halsschmerzen, Heiserkeit, Husten und Lungenentzündungen. Hildegard von Bingen (1098-1179) bezeichnet die Pflanze als Lungenwurz. Der Farbwechsel der Blüten von rosa/rot nach violett/blau passt zum Farbwechsel der Lunge je nach Sauerstoffgehalt und damit zur Signaturenlehre. Sie besagt, dass etwas dafür nützlich ist, dem es ähnelt. Eine Idee, die heutzutage eher nicht mehr verfolgt wird. Mit ihren auffallend farbigen Blüten und gefleckten Blätter sowie dem frühzeitigen Pollen- und Nektarangebot für die Insektenwelt ist das Gefleckte Lungenkraut eine Bereicherung für jeden Garten. Mehr Naturerlebnis-Tipps aus der Natur-Schule Grund (Stefanie Barzen, Jörg Liesendahl) gibt es auf www.natur-schule-grund.de

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