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Aus der Jubiläumsschrift der Buchhandlung Schmitz 1950

von Dr. Wilhelm R. Schmidt

Liebe Lennepfreunde,
jeder von uns kennt noch die Lenneper Buchhandlung Schmitz; der Name existiert ja noch im Zusammenhang mit der jetzigen Bergischen Buchhandlung. Aber nicht alle Lenneper wissen, dass diese Buchhandlung in besonderer Weise zum alten Lennep gehört. Anfang der 1960er Jahre war Gertrud Schönenbach, geb. Schmitz oft mit einem Büchertisch bei Lenneper Veranstaltungen präsent, und ich erinnere mich noch, dass ich bei einer solchen Gelegenheit im heute nicht mehr vorhandenen evangelischen Gemeindehaus an der Hardtstraße das Buch "Der Mann im Fisch" des Schriftstellers Stefan Andres bei ihr erstanden habe. Das Buch steht noch heute in meinem Bücherschrank.

Aber auch an die Schwester Irmgard Schmitz kann ich mich noch erinnern. Sie verkaufte mir vor nunmehr mehr als sechzig Jahren im Geschäft an der Wetterauer Straße meine ersten Schulbleistifte. Damals war das Geschäft dort trotz der großen Schaufenster eher ein dunkles Verlies mit Theke und einer separaten Abteilung für Schreibwaren. Als ich im Jahre 1961 von Pfarrer Spengler konfirmiert wurde, erhielt ich selbstverständlich auch von der Buchhandlung Schmitz einen "Blumenstock" mit Gratulation. Weil das die Jüngeren unter uns u.U. nicht mehr so wissen: ein Blumenstock ist gemäß Duden eine Pflanze, die in einem Blumentopf wächst. Übrigens war für den Konfirmanden das Schlimmste an solchen Geschenken, dass man sich dafür persönlich bedanken musste.Später wurden in Buchhandlung Schmitz meine Lennep-Bücher vorgestellt und verkauft. Im Remscheider Generalanzeiger hieß es zum Schluss: Die seit 155 Jahren bestehende Buchhandlung R. Schmitz wird weitergeführt. Den Fortbestand des Traditionsgeschäfts in der Lenneper Altstadt sichert die Bergische Buchhandlung, die den Betrieb übernommen hat. Ihren 100. Geburtstag feierte die Buchhandlung Schmitz im Jahre 1950. In ihrer Jubiläumsschrift hieß es damals:

„Polternd fuhr der Postwagen über das holprige Pflaster an der alten Post vorbei in die Einfahrtshalle des Berliner Hofes. Dienstbeflissen eilte der Pferdebursche zum Wagenschlag und half einem jungen Lenneper Buchhändler, der die Leipziger Messe des Jahres 1850 besucht hatte, aus dem Wagen, dem jungen Richard Schmitz. Nach vollendeter Lehrzeit bei dem Buchbinder Mittelstenscheid an der Wetterauer Straße hatte er sich entschlossen, eine eigene Buchhandlung zu eröffnen. In Leipzig hatte der junge Buchhändler sein Unternehmen der Spitzenorganisation des Buchhandels, dem „Börsenverein der Deutschen Buchhändler" angeschlossen, dadurch wollte er von vorne herein dem jungen Geschäft die größtmögliche Leistungsfähigkeit sichern. Einkäufe waren schon getätigt, auch die Konzession für eine zu eröffnende Leihbücherei war gegeben worden. Ein reiches Katalogmaterial wurde besorgt, und dann erschien am 5. Oktober 1850 im Lenneper Kreisblatt eine Anzeige zur Geschäftseröffnung. Der Text von Richard Schmitz endete mit dem Satz: „Unter Zusicherung der aufmerksamsten, schnellsten und billigsten Bedienung empfehle ich mich dem Wohlwollen und Vertrauen eines sehr verehrlichen Publikums bestens.“

Das Geschäft blühte auf und entwickelte sich. Bald war das erste Ladenlokal zu klein, und darum wurde das Haus Kölner Straße 7 gekauft.. Strebsam, zielbewusst und klug erweiterte Richard Schmitz seine Abteilung Papier-, Schreibwaren und Bürobedarf, um den fortschrittlichen Entwicklungen der Zeit Rechnung zu tragen. Seine besondere Liebe aber galt immer dem Buchhandel und den Büchern. Leider konnte sich der Gründer der Firma nicht lange des Geleisteten erfreuen. Zu früh starb er, erst 59jährig, im Jahre 1882. Das Geschäft wurde von seiner Ehefrau, Charlotte geb. Herzog weitergeführt, bis es der Sohn Ewald Richard Schmitz nach Beendigung seiner fachlichen Ausbildung übernahm. Mit energischer Arbeit konnte er die Firma mit Hilfe seiner Frau Meta geb. Vesehoff weiterentwickeln. die bald die Seele des Ladengeschäftes wurde.

Auch die Räume des Hauses Kölner Straße 7 genügten den Anforderungen des aufblühenden Betriebes schließlich nicht mehr. 1902 wurde das Haus Wetterauer Straße 6 erworben, in dessen Räumen sich das Geschäft noch heute befindet.

Im Jahre 1921 wurden die beiden Kinder des Inhabers Richard und Elise in die Firma aufgenommen. Schon seit 1905 war Elise den Eltern und dem Geschäft eine starke Stütze geworden. Richard dagegen wurde für seinen Beruf als Buch- und Papierhändler in mehreren großen Betrieben ausgebildet. Seine Lehr- und Wanderjahre haben ihn über Aachen, Dresden, Kairo und Hof in Bayern in die Schweiz, an den Genfer See und nach Rom geführt. Zehn Jahre, von 1902 bis 1912, dauerte diese gründliche Ausbildungszeit.

Den ersten Weltkrieg mit Inflation und Krisen überstand die Firma gut. Um der Kundschaft noch besser dienen zu können, schloss sich der Betrieb 1930 zwei Genossenschaften an: Der buchhändlerischen Genossenschaft „Kommissionshaus Deutscher Buch- und Zeitschriftenhändler in Leipzig" und der „GDB Großeinkaufsvereinigung Deutscher Bürobedarfsgeschäfte in Köln“.

Im Jahre 1934 starb der Seniorchef der Firma nach einem langen Leben voller Arbeit und Erfolg, ein Jahr später als seine Frau. Sein Sohn Richard übernahm nun gemeinsam mit seiner Schwester endgültig die Leitung der Firma, unterstützt von seiner Frau Lilly geb. Einsel. Durch ihr offenes, verbindliches Wesen erwarb sie sich bald das Wohlwollen der Kundschaft. Leider verunglückte sie im Frühjahr des Jahres 1944 auf tragische Weise.

Der zweite Weltkrieg brachte Stillstand. Warenbeschaffungsnöte hemmten die weitere Entwicklung. Nach Kriegsschluss und nach der Währungsumstellung ging es wieder aufwärts. Die beiden Töchter des Inhabers, Gertrud und Irmgard, traten als Prokuristen in die Firma ein. So geht mit der jungen Generation das Leben weiter in einen neuen Abschnitt der 100jährigen Firma.  

Das heutige so erfreuliche Jubiläum gibt uns Gelegenheit, der alten, langjährigen Kundschaft, allen Freunden, Bekannten und Mitarbeitern Dank zu sagen, Dank für bewiesene Treue und manche Hilfe. Es ist uns ein tiefempfundenes Bedürfnis zu versichern, dass wir auch in der Zukunft bemüht sein werden, uns Ihr Vertrauen weiter zu erhalten.“

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