Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Remscheid braucht flächendeckendes Sirenennetz

von Sascha Ploch, Sachgebietsleiter Freiwillige Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz, bei der Berufsfeuerwehr Remscheid

Aufgrund des historischen Umbruchs in Mittel- und Osteuropa hatte sich Anfang der 90er Jahre die Sicherheitslage in Europa grundlegen verbessert. Sie gestattete es der Bundesregierung, die Aufwendungen für die Verteidigung zu reduzieren, die ursprünglich auf eine groß angelegte und existenzbedrohende Aggression gegen Deutschland ausgerichtet waren. Im Jahr 1993 wurde das bundesweite Zivilschutzsirenennetz abgeschaltet. Das zentrale Auslösesystem wurde zurück gebaut, gleichzeitig bot der Bund die Sirenen den Gemeinden kostenlos zur Übernahme an. Die Stadt Remscheid übernahm damals keine Sirenen, so dass diese auf Kosten des Bundes zurückgebaut wurden.

Unterschiedliche Ereignisse in diesem und in den vergangenen Jahren (Unwetter, Großbrände etc.) sowie die sicherheitspolitischen Entwicklungen (AKW Tihange) haben jedoch gezeigt, dass eine flächendeckende Warnung der Bevölkerung sichergestellt werden muss.

Zitat aus dem Thesenpapier der „Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland“ (AGBF Bund) zur  Warnung  und  Information  der Bevölkerung bei Gefahrenlagen: „Ein Warnsystem kann nur dann ein wirksames und kalkulierbares Instrument der Gefahrenabwehr sein, wenn es gelingt, möglichst die gesamte betroffene Bevölkerung zu erreichen. Dazu ist es erforderlich, auch die Personen aufmerksam zu machen, welche die Gefährdung nicht wahrgenommen haben oder nicht wahrnehmen können, z.B. Personen im Schlaf. (…) Das Wecken erfordert ein eindeutiges akustisches Signal oder aber Ansagen im Klartext, die zum Einschalten von elektronischen Medien auffordern, über die dann nachfolgend die Information erfolgt. (…) Ein effektives Wecksystem ist ohne Sirenen nicht realisierbar. (…) Der (Wieder-)Aufbau eines Sirenensystems erscheint alternativlos.“

Seit 2015 hat die Leitstelle der Feuerwehr Zugriff auf das Modulare Warnsystem. Hierüber können Warnmeldungen an die Bevölkerung über Radio und Fernsehen abgesetzt werden sowie über das Internet. Auch lassen sich mit diesem System Sirenen oder Funkmeldeempfänger direkt ansprechen. Ferner stehen zurzeit für die Warnung der Bevölkerung acht Mobile Lautsprecher- und Sirenenanlagen zur Verfügung sowie die Fahrzeuge der Feuerwehr, die alle mit einer Lautsprecheranlage ausgestattet sind. Hierüber lassen sich  auch vorbereitete Speichermedien mit Warndurchsagen abspielen. Die Wirkung der Durchsagen im innerstädtischen Bereich ist nicht optimal:

  • Personal und Fahrzeuge der Feuerwehr werden bei Großeinsatzlagen / Katastrophen unmittelbar an den Einsatzstellen benötigt.
  • Bebauung und Topographie können die Wirkung der Durchsagen im innerstädtischen begrenzen.
  • Warnfahrzeuge müssen mit zwei Personen besetzt sein (Fahrer/Bediener).
  • Warndurchsagen per Lautsprecher erfordern Zeit ; die maximale Fahrgeschwindigkeit liegt bei sechs Stundenkilometern.

In Schadenslagen (z.B. Brand oder Gefahrgutaustritt), die lokal begrenzt sind, sind mit entsprechendem Personal und Fahrzeuge gezielte „Weckrufen"/Warndurchsagen möglich. Es ist aber mit einer Vorlaufzeit von schätzungsweise 45 Minuten zu rechnen. Faktisch ist es ohne eine gewisse Vorlaufzeit ein „Weckruf" aller Bürgerinnen und Bürger der Stadt Remscheid unmöglich.

Der „Warntag NRW“ am 6. September 2018 hat gezeigt, dass ein stationärer Betrieb der mobilen Lautsprecher- und Sirenenanlagen ineffektiv ist. Die Ausbreitung des Schallpegels vom Rathausturm aus betrug ca. 200 Meter. Das örtliche Warnkonzept sollte deshalb um den „sofortigen Weckruf" (flächendeckend bzw. die partiell) erweitert werden. Moderne Sirenenanlagen können je nach Ausführung direkt nach dem „Weckruf" Warndurchsagen aussenden, um ein gewisses Verhalten der Bevölkerung auszulösen. Stationäre Sirenen können von den Leitstellen angesteuert werden, was das Warnen personell deutlich erleichtert und auch einen erheblichen Zeitvorteil verschafft.

Als Planungsgrundlage für die Anzahl der benötigten Sirenen und die entstehenden Kosten kann auf die Erfahrungswerte der benachbarten Kommunen zurückgegriffen werden. Hier wurde praktisch festgestellt, dass bei Sirenen mit einer Leistung von 2400 Watt noch in einem Kilometer Abstand ein ausreichender Schalldruckpegel wahrnehmbar war. Die Aufstellorte wurden überwiegend auf öffentlichen Gebäuden realisiert, was eine weitere Kostenminderung mit sich brachte. Es ist also  davon auszugehen, dass für eine flächendeckende Warnung der Bevölkerung Remscheids ca.14 Sirenen mit einer Leistung von 2400 Watt benötigt werden, die investive Kosten von 210.000 € verursachen.

Der Aufbau eines flächendeckenden Sirenennetzes sollte in drei bzw. muss ggf. in zwei Schritten erfolgen. Einerseits werden hierdurch die investiven Kosten gestreckt und im Weiteren ergibt sich die Möglichkeit, dass der zweckmäßige größte Abstand der nächsten Sirenen ermittelt werden kann. Unter Berücksichtigung der Struktur des Stadtgebietes Remscheid sowie der Topographie können bereits mit fünf Sirenenstandorten die Kernbereiche des Stadtgebietes gewarnt werden. In allen Bereichen befinden sich öffentliche Gebäude, die als Standort in Frage kommen. (Die Machbarkeit bezüglich der Statik etc. ist durch das Gebäudemanagement noch zu prüfen).

  • Sirenenstandorte, 1. Ausbauhase: Hasten, GGS Hasten; Innenstadt, Sparkasse; Neuenkamp; Berufskolleg; Lennep; Finanzamt; Lüttringhausen; Sporthalle Lüttringhausen.
  • Sirenenstandorte, 2. Ausbauphase: Stursberg II, „SPOZ"; Haddenbach, GH LEW; Vieringhausen, Altenheim Stockderstiftung; Honsberg, GGS Honsberg; Südbezirk, GGS Mannesmann
  • Sirenenstandorte, 3. Ausbauphase: Grund, Naturschule; Reinshagen, GGS Reinshagen; Jägerwald, Höhe Steinhaus; Bergisch Born, GH LüBo.

„Weiße Flecken": Bereiche, die nach jetzigem Stand der Planung nicht abgedeckt werden. Die weißen Bereiche im Norden und im Westen werden ggf. durch die angrenzenden Kommunen Solingen und Wuppertal

abgedeckt. Dies kann durch einen praktischen Test, z.B. am Warntag NRW erprobt werden. Bei dem „weißen Fleck" im Westen handelt es sich um die Siedlungsgebiete Holz und Aue, im nördlichen Bereich um die Ortschaften Langenhaus, Grüne, Flügel, Wüste und um das Industriegebiet Großhülsberg.

Das östliche Stadtgebiet ist landwirtschaftlich geprägt. Dort werden die Blume, Ober-, Mittel- und Untergarschagen, sowie Teile von Hackenberg und Hasenberg nicht mit stationären Sirenen erreicht. Im Süden werden die Außenbereiche Westhausen, Ehringhausen, Falkenberg, Neuenhof und das Industriegebiet Bergisch Born nicht erreicht.

Ausgehend von einer Verkehrs- und Siedlungsfläche von ca. 33 Quadratkilometern werden durch vierzehn fest installierte Sirenen ca. 81 Prozent der Fläche wirkungsvoll beschallt. Personen, die sich in Gebieten aufhalten, die nicht ausreichend beschallt werden, können mit den vorhandenen mobilen Lautsprecher- und Sirenenanlagen in angemessener Zeit gewarnt werden.

Die investiven Kosten pro Sirenenstandort liegen bei 15.000 €. Die Gesamtkosten, auf drei Jahre verteilt, belaufen sich bei vierzehn Sirenenstandorten auf 210.000 €. Unter Nutzung Sirenenförderprogramms der BBK können die Investiven Kosten deutlich reduziert werden.

Geplant ist, im ersten und im zweiten Jahr je fünf Sirenenstandorte in Dienst zu stellen, was eine Belastung von 75.000 € p.a. bedeutet. Im dritten Jahr sollen abschließend vier Sirenenstandorte geschaffen werden, wodurch Kosten in Höhe von 60.000 € entstehen.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat ein Förderprogramm zur Optimierung   des   Sirenenwarnnetzes   veröffentlicht.   Förderungsfähig   sind   Maßnahmen,   die rückwirkend seit dem 1. Januar 2021 begonnen wurden (Vertragsabschluss) und bis zum 31. Dezember 2022 kassenwirksam abgeschlossen werden. Die Förderung erfolgt jeweils für eine einzelne Anlage, d.h. eine Übertragung zwischen verschiedenen geförderten Maßnahmen ist nicht zulässig. Über die genannten Festbeträge hinausgehende Kosten, wie insbesondere die Folgekosten für die Unterhaltung oder Wartung, werden nicht übernommen. Sofern die Kosten einer Maßnahme unterhalb der Festbeträge liegen, sind die nicht benötigten Mittel zu erstatten. Folgende Förderbeträge werden gewährt:

  • Sirenen in Dach-/ Gebäudemontage: 10.850 €
  • Sirenen an freistehenden Masten: 17.350 €
  • Ersatz/Ergänzung bestehender Sirenensteuergeräte: 1.000 €

In der dargestellten Planung sind ausschließlich öffentliche Gebäude einbezogen sowie zwei Standort von privatwirtschaftlichen Unternehmen. Daher könnte mit Fördergeldern von 10.850 € pro Sirenenstandort gerechnet werden.

Nach Aussage der Hersteller müssen fest installierte Sirenen alle drei Jahre geprüft werden. Hier wurde ein Kostenansatz von 750 € pro Sirene gewählt. Die verwendeten Akkumulatoren müssen nach Herstellerangaben alle sechs Jahre ausgewechselt werden. Ein Akkumulator kostet nach heutigem Stand 300 €. Eine 2400 Watt Anlage benötigt zwei Akkumulatoren. Aufgrund der gestaffelten Anschaffung belaufen sich die durchschnittlichen Folgekosten auf 4500 € pro Jahr, unabhängig von der Aufbauzeit. (Gekürzte Fassung des Positionspapiers zur öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Bürgerservice, Ordnung und Sicherheit am 31. September)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Lothar Kaiser am :

Zur Ratssitzung am16. September hat die Verwaltung den Beschlussvorschlag vorgelegt, mit dem „Wiederaufbau aller 14 Sirenen im Stadtgebiet Remscheid förderungskonform unverzüglich“ zu beginnen. Dieser soll spätestens bis zum 31.12.2022 abgeschlossen sein.

Chronist am :

Der Rat der Stadt nahm den Antrag gestern einstimmig an.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!