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Das Corona-Interview mit Thomas Neuhaus (Teil 1)

In Remscheid sind bislang 179 Menschen an bzw. mit einer Corona-Infektion gestorben. Davon waren 33, also mehr als jeder Fünfte, Bewohner des Altenheims „Haus Lennep“. Am 8. September ist die Verwaltung im Sozialausschuss darauf eingegangen. Um die Versorgung der Bewohner/innen sicherzustellen, seien sogenannte Pendlerquarantänen ausgesprochen worden: Mitarbeiter/innen des Altenheims, die zwar positiv getestet worden waren, aber noch keine Symptome von Corona zeigten. Was heißt das genau?

Das ist ein Instrument aus einer anderen Zeit innerhalb der Pandemie. Man muss sehen, dass es zu dieser Zeit noch keine Impfstoffe gab und dass insbesondere die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenheims noch keinen Impfschutz genossen. In dieser Zeit war es häufig so, dass man festgestellt hat, man kann viele Maßnahmen gegen das Eindringen des Virus in Altenheime entwickeln, aber eine 100-prozentige Sicherheit nicht möglich ist. Die Besuchsrechte waren zunächst sehr streng und aus meiner Sicht auch falsch. Später sind die Besuchsmöglichkeiten in den Heimen gelockert worden. Das war, damit die Menschen nicht vereinsamen, richtig, beinhaltete allerdings auch, trotz Testungen und Schutzmaßnahmen höhere Gefahren des Eintrags des Virus in die Pflegeheime. Und in diesem Zusammenhang passierte es, dass viele Bewohner*innen im Haus Lennep infiziert wurden.

Das ist eine Sache, die mich heute noch sehr stark betroffen macht, dass so etwas passiert ist und dass so viele Menschen gestorben sind. In der Situation haben sich nicht nur viele Bewohner angesteckt und hatten schwierige Verläufe, sondern auch Pflegerinnen und Pfleger. Die Menschen sind eben sehr eng beieinander, gerade in diesen Heimsituationen. Das Pflegeheim signalisierte der Heimaufsicht, dass die Pflege der Menschen ohne Maßnahmen absehbar nicht mehr gesichert sei. Das galt sowohl für die eine Gruppe der Nichtinfizierten als auch für die Gruppe der Infizierten. Zu Vermeidung solcher Situationen gab es das Instrument der Pendlerquarantäne.

Dieses Instrument gibt es heute nicht mehr, weil man es auch gar nicht mehr benötigt durch die hohe Durchimpfung. Das bedeutete, dass man tatsächlich innerhalb eines Pflegeheimes zwei Gruppen bilden musste, eine Gruppe derer, die infiziert sind, und eine Gruppe derer, die nicht infiziert sind und geschützt werden mussten. Wenn man dann nachwies, dass man durch Personal aus anderen Standorten, von Personalfirmen oder durch zusätzliche Einstellungen die Pflege nicht sicherstellen konnte, dann konnte das Gesundheitsamt auf Antrag des jeweiligen Heimes bewilligen, dass infizierte Pflegerinnen und Pfleger freiwillig – wenn sie ohne Symptome waren – unter strengsten Auflagen die Pflege der infizierten Bewohner*innen weiterführen konnten.

Die Voraussetzung war, die Pfleger haben das von sich aus gemacht, sie hatten trotz Infektion einen guten Gesundheitszustand, und sie haben ihr Zuhause verlassen mit allen Hygienevorkehrungen, sind nur ins Auto gestiegen, sind ins Heim gefahren, durch einen separaten Eingang dahin gegangen, wo die infizierten zu pflegenden Menschen innerhalb des Heimes sind. Die Übertragung von Personen, die infiziert sind, an Infizierte war ja kein Problem. Es ging einfach nur darum, dass in einer so schwierigen Situation Pflege weiterhin gewährleistet sein musste.

War quasi die letzte Rettung?!

Die Pflege der Menschen konnte so sichergestellt werden. Es gab noch eine weitere Rettungsebene. Der Oberbürgermeister und ich hatten ja noch die Bundeswehr gebeten, in diesem Pflegeheim zu helfen, weil auch die Pendlerquarantäne nicht ausreichend war. Dadurch war die entsprechende Hilfe möglich in dieser sehr, sehr schwierigen Situation. Das ist ein Blick zurück in eine Zeit, die uns alle – insbesondere die Angehörigen und Pfleger - sehr belastet und natürlich auch sehr traurig gemacht hat. Heute kann man sagen: Wären die Impfungen früher gekommen, hätte man noch sehr viel mehr Menschenleben retten können. Wir sehen ja sehr, sehr deutlich, dass die Infektionen bei älteren Menschen, insbesondere über 60 und über 70, rasant zurückgegangen sind.

Kann man das erklären?

Das ist die Impfung – Impfen schützt, das ist ganz einfach.

Also ist die Botschaft: Impfen, impfen, impfen …

Natürlich. Ich hab‘ jetzt neulich mitbekommen, dass ganz viele Menschen sagen: Aber wenn ich geimpft bin, kann ich ja trotzdem infiziert werden. Das stimmt. Aber es ist schon ein Unterschied, ob ich geimpft die Infektion habe und dann in der Regel milde Symptome entwickle, oder ob ich ungeimpft auch als jüngerer Mensch (und wir haben jetzt deutliche niedrigere Altersdurchschnitte in den Krankenhäusern) einen schweren Krankheitsverlauf habe. Impfen konnte bereits das Leben von besonders verletzlichen Menschen in den Pflegeheimen oder in der häuslichen Pflege retten.

Für mich ist das ein absolut schlagendes Argument, dass gerade auch die, die häufig viele Vorerkrankungen haben, jetzt nicht bedroht sind vom Allerschlimmsten, was passieren kann. Da muss man sich auch nicht in die Tiefen des Internets eingraben, um festzustellen, dass der Schutz von Menschen gelungen ist, die wir früher alle zusammen auch mit umfassenden Schutzmaßnahmen nicht vollständig schützen konnten.

Wenn jetzt Impfen das Gebot der Stunde ist, dann frage ich mich, warum die Stadt Remscheid ihr Impfzentrum in der Sporthalle West zum 30. September schließen will.

Das Land NRW hatte uns mit der Einrichtung und dem Betrieb des Impfzentrums in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung beauftragt. Nun wird die Finanzierung zum 30.09. eingestellt, da nun eine neue Phase der Impfkampagne in NRW ansteht.

Weil die Hausärzte alles machen?

Ja. Ich führe etwas aus: Es ist so, dass dieses Impfzentrum auf tausend Personen pro Tag ausgelegt war, mit fünf Impfstraßen. Mittlerweile ist aufgrund der erreichten Impfquote die Inanspruchnahme weitaus geringer. Es gibt noch genügend Menschen, die geimpft werden sollten, aber sie kommen nicht mehr so, dass man vertreten könnte, eine solche „Impffabrik“ aufrecht zu erhalten. Insofern ist auf der Seite des Landes jetzt ein Strategiewechsel angedacht. Die niedergelassenen Ärzte mit den verschiedenen Professionen und die Betriebsärzte sollen jetzt die Impfungen durchführen: die Erstimpfungen nach dem 30. 9., die Zweitimpfungen für die, die schon ihre Erstimpfung im Impfzentrum erhalten haben, und auch alle weiteren Booster-Impfungen, also das dritte Mal und das Impfgeschehen mit der Wiederauffrischung, die dann später kommt. Dafür ist die übliche Infrastruktur da, die ja auch bei anderen Impfungen (z.B. Grippe oder Masern) funktioniert.

Das Land hat mit der Kassenärztlichen Vereinigung auf der Landesebene Vereinbarungen getroffen, dass man sicherstellt, dass man die Kapazitäten dafür hat und die Covid-Impfungen in den Praxen erfolgen können. Der kommunale Part dabei wird zukünftig der sein, dass wir eine koordinierende Funktion im Impfgeschehen übernehmen. Es muss ja jemanden geben, und das kann in einer Stadt nur die Kommune, die Verwaltung sein, die darauf achtet, dass die Impfungen auch wirklich erfolgen, dass wir den entsprechenden Impffortschritt haben, dass alle Gruppen, auch die besonderen Gruppen (zum Beispiel die Pflegeheime) lückenlos ihre weiteren Impfungen durchführen. Das wird die Stadt Remscheid mit seinem Gesundheitsamt sein. In der ersten Skizze, die uns dazu vorliegt, wird die Abkürzung für die koordinierende Einheit KOCI sein.

Es ist in diesem Konzept auch angedacht, dass zumindest eine Impfung durch die Kommune angedacht ist, wenn alle anderen Systeme nicht funktionieren oder vielleicht im Rahmen von Kampagnen zusätzliche Impfungen durch mobile Einsätze auf Weisung des Landes möglich gemacht werden sollen. Wir werden unsere Fähigkeit, in das Impfgeschehen aktiv einzugreifen, sicherlich erhalten. Aber wir werden nicht die Massen machen, sondern wir werden koordinierend darauf achten, dass wir eine möglichst hohe Impfquote in der Stadt behalten und auch weiter steigern, dass die Nachimpfungen erfolgen. Das ist schon der Wechsel in die Normalität mit dem Virus für die nächste Zeit. Wir arbeiten gerade unter Hochdruck, das hier für Remscheid umzusetzen. Dr. Neveling und sein Team arbeiten daran. Es gibt so etwas wie einen Informationstransfer zwischen dem Impfzentrum, der Feuerwehr und der Kassenärztlichen Vereinigung.

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