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Artenvielfalt geht auch in Remscheid langsam zurück

Dem Naturschutzbeirat liegt zur heutigen Sitzung ein Bericht der Verwaltung vor zur Situation der Artenvielfalt in Deutschland und speziell in Remscheid. Die bundesweiten Trends: „Vor allem zwischen den Jahren 1950 und 1990 wurde bundesweit ein erheblicher Verlust der biologischen Artenvielfalt (Biodiversität) beobachtet. Seit 1990 hat sich der Artenschwund etwas verlangsamt. Insektenbestände leiden unter dem Einsatz von systemisch wirkenden Pestiziden.de).“

Die Situation der Artenvielfalt in Remscheid unterscheide sich davon nicht wesentlich. Zitat: „Zwar nehmen die Bürgerinnen und Bürger die bergische Landschaft im Vergleich zu anderen Regionen als vielfältig, strukturreich und optisch intakt wahr, bei einer Detailbetrachtung ergibt sich jedoch ein anderes Bild. (Erhebungen der Naturschutzbehörde und Biologischen Station Mittlere Wupper).“

Seit Rechtskraft der Landschaftspläne 2003 werden die wertvollsten Remscheider Lebensräume gepflegt und Artenschutzmaßnahmen umgesetzt. Hierfür verwendet die Naturschutzbehörde pro Jahr rund 70.000 € an Fördermitteln und Ersatzgeldern – zumeist in Kern-Bereiche mit großen und artenreichen Populationen sowie Bereiche, die großflächig, wertvoll und gut vernetzt sind. Dazu gehören Wiesen- und Weidenbörse, Pflege von Brachen, Bau von Weidezäunen, artenreiche Offenland-Biotope neu anlegen, fördern und pflegen, regionales Saatgut sichern, Renaturierung und Pflege von Heideflächen, Schaffung grenzlinienreicher Weideflächen und flächiger mosaikartiger Biotopstrukturen, Abplaggen von Rohböden, Freistellen von Felswänden, Pflege und Neuanlage von Kleingewässern, Gewässerrenaturierungen, Amphibienleitsysteme, Fledertierschutz.

Zusammenfassend stellt die Naturbehörde fest, „dass sich der Negativ-Trend bei der Gesamtsituation der Artenvielfalt in Remscheid verlangsamt und sich an Einzelstellen auf ausreichendem Niveau stabilisiert hat. Der starke Artenschwund der 1950er bis 1990er Jahre war erheblich, viele Remscheider Tier- und Pflanzenarten starben aus. Die verbliebene Arten konnten auf einzelnen Biotopflächen erhalten werden. Ob dies auf Dauer gelingt, ist offen, da bei den auf die Artenvielfalt negativ einwirkenden Faktoren keine grundsätzliche Trendumkehr erkennbar ist.“
 

Das Stadtgebiet von Remscheid hat eine Größe von 7.452 Hektar (1 ha = 10.000 qm). Davon sind 38,3 Prozent Gebäude-, Betriebs-, Verkehrsfläche, 31,1 Prozent Waldfläche, 23 Prozent „Landwirtschaftsfläche“ (78 Prozent davon sind landwirtschaftlich genutzt, 22 Prozent sind nicht landwirtschaftlich genutzt), 5,8 Prozent Erholungsfläche und 1,7 Prozent Wasserflächen (u. sonstige Flächen). Nachfolgend die Veränderung der Flächennutzung in Remscheid zwischen 1993 und 2015:

  • + 4 Prozent Gebäude-, Betriebs-, Verkehrsfläche (+ 118 ha)
  • + 10 Prozent Waldfläche (+ 207 ha)
  • - 25 Prozent Landwirtschaftsflächen mit „Landwirtschaftscharakter“ (- 562 ha)
  • - 5 Prozent landwirtschaftlich genutzte Flächen (- 72 ha)
  • - 57 Prozent nicht landwirtschaftlich genutzte Fläche mit Landwirtschaftscharakter (- 490 ha)
  • + 150 Prozent Erholungs-, Grünflächen (+ 260 ha)

„Auffallend ist der starke Verlust nicht landwirtschaftlich genutzter Flächen. Hierbei handelt es sich im Regelfall um kleine, steile, feuchte und allgemein wirtschaftlich kaum nutzbare Flächen. Diese oft siedlungsnahen Flächen wurden in Wälder oder Grünflächen umgewandelt bzw. gingen durch Bebauung verloren“, teilt die Verwaltung mit. „Landwirtschaftlich genutzte Flächen gingen im Vergleich deutlich weniger zurück.“

Für die Artenvielfalt bedeutsame extensiv genutzte Offenland-Biotope kommen in Remscheid nur noch vereinzelt vor. Magere (nährstoffarme) Standorte, blütenreiche Säume, Heideflächen, Wiesen und Hänge mit offenem Boden und schütterer Vegetation sind sehr selten. In mehreren Landschaftsräumen fehlen südexponierte, trockenwarme Standorte und wenig gedüngte oder ungedüngte Flächen mit extensiver Nutzung. Aktuelle Erhebungen der Naturschutzbehörde ergaben, dass rund 115 Flächen in Remscheid Biodiversitätspotenzial haben bzw. zumindest Ansätze von Artenvielfalt aufweisen. Zehn Flächen sind besonders artenreich, 35 Flächen sind mäßig vielfältig. 90 Prozent dieser rund 45 Artenvielfalts-Flächen werden von Hobby-Tierhaltern und der Naturschutzbehörde gepflegt. „70 Flächen mit Ansätzen von Artenvielfalt könnten durch Maßnahmen zünftig aufwertet werden“, meint die Verwaltung.

Durch besondere Artenvielfalt („Hotspot“) zeichnen sich in Remscheid die Landschaftsräume

  • Panzertalsperre / Feldbachtal / Dörperhöhe / unteres Dörpetal
  • Bliedinghausen / Falkenberg / Bökerhöhe und
  • Gelpe / Westen / Grund / Oelingrath sowie
  • Westhausen, Steinbruch Hohenhagen und Haller Bachtal aus.

Unter den Amphibien / Reptilien sind in Remscheid inzwischen ausgestorben: Zauneidechse, Schlingnatter, Geburtshelferkröte (Wiederansiedlungsversuch läuft), Laubfrosch, Kreuzkröte und Gelbbauchunke. Der Kammmolch kommt in Remscheid nur noch an einer Stele vor. Auch sind nur noch wenige Allerweltsarten (u.a. Erdkröte, Grasfrosch, Bergmolch) vorhanden(Tendenz sinkend).

Unter den Vögeln haben sich die Bestände einigen Greifvögel und Spechte positiv entwickelt. Rückläufig sind die Agrar-Vogelarten Kiebitz, Feldlerche und Hänfling. „Viele Vogelarten befinden sich in einem schlechten bzw. ungünstigen Zustand“, heißt es in der Vorlage. „ Eher positiv entwickeln sich anspruchslose „Allerweltsarten“ und auf Gehölzbestände angewiesenen Arten.“

Die Entwicklungstrends bei Insekten: ei vielen Insekten-Arten in der Fläche sind durch Biotop-Verinselung und Biotopveränderungen sowie intensive Landbewirtschaftung deutliche Bestandsrückgänge feststellbar. „Magere, blütenreiche Säume und extensiv genutzte Wiesen fehlen. Heideflächen und Niederwälder sind verschwunden. Einzelne Arten profitieren vom Klimawandel (Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperatur, Häufung trockener warmer Witterung).“

Viele Tier- und Pflanzenarten in Remscheid sind seit Jahren von der Fortsetzung von Natur- und Artenschutzmaßnahmen abhängig. Ohne tiefgreifende flächige Biotop-Optimierungen wird der verbleibende Rest des heimischen Artenspektrums wie bisher nur noch auf wenigen meist isolierten Flächen vorkommen.

Durch Naturschutzaktivitäten lässt sich der negative Entwicklungstrend bei der Artenvielfalt verlangsamen. Es können Einzelerfolge erzielt werden, punktuell konnte das Aussterben spezialisierter Arten verhindert werden und selten gelangen Wiederansiedlungen verschwundener Arten. Erfreulich ist die Bestandsituation bei den auf Wäldern, auf intakte Fließgewässer angewiesenen Arten. Erfolgreiche Wiederherstellung mehrerer Magerwiesen und Heideflächen.

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